Petition Psychologischer Psychotherapeuth

Hallo!

Aktuell gibt es eine Diskussion um die Sicherung des Berufsstandes des psychologischen Psychotherapeuten. Hintergrund ist, dass jemand, der kassenärztlich zugelassenenr Psychotherapeuth werden möchte und Psychologie studiert hat, noch eine dreijährige Vollzeitausbildung absolvieren muss, wohin gegen jemand mit einem Medizinstudium nur ein paar Wochenenden ableisten muss, um den gleichen Beruf auszuüben.

Dabei dauert ein Studium der Medizin umfänglich nicht wesentlich länger, zudem werden Inhalte über den Menschen vermittelt, die für eine Psychotherapieausübung nicht unbedingt notwendig sind (ich behaupte, die Inhalte des Psychologiestudiums in Bezug auf Psychotherapie sind wesentlich fundierter).

Psychologie dauert heute 9 Semester Regelstudienzeit (künftig im Masterstudiengang 10Semester), Medizin heute und in Zukunft 10 Semester + 1 praktisches Jahr.

Auf Grund dieser Ungleichbehandlung zwischen Ärzten und Psychologen liegt eine Petition beim deutschen Bundestag vor, die Online gezeichnet werden kann (http://itc.napier.ac.uk/e-petition/bundestag/view_pe…).

Persönlich kann ich mir vorstellen, dass die unterschiedlichen Ausbildungen unterschiedlich gut auf eine Tätigkeit als Therapeuth vorbereiten, und zwar die des Psychologen qualitativ und quantitativ besser, die der Ärzte schlechter (die Behandlung mit Medikamenten einmal außen vor, es geht um Psychotherapie).

Andererseits kann ich mir auch gut vorstellen, dass dieser Zustand den Wenigsten bewusst ist, und dass fälschlicherweise von gleicher Qualifikation zwischen den Berufen des psychologischen und des ärztlichen Psychotherapeuten ausgegangen wird.

Wie seht ihr das? Ist dieser Zustand bekannt? Würde das bei einer Wahl eines Psychotherapeuten (Arzt oder Psychologe) einen Unterschied machen? Ist das etwas, was sich auf Grund einer starken Lobby auf der einen Seite und durch traditionelles Denken auf der anderen Seite weiter hält und gehalten werden soll? Oder ist es durchaus denkbar, dass die Betroffenen (potentielle Patienten) über diese ungleiche Qualitätssicherung eher erbost sein könnten?

Zudem der Arzt für seine Praxistätigkeit i.d.R. auch noch mehr Geld bekommt und im Angestelltenverhältnis bessere Aufstiegschancen hat.

Interessiert,

liebe Grüße
Patrick

Antwort
…und jetzt geh mal schön wieder zurück in den ASTA.

Nashorn (Arzt)

Hallo Patrick
Das ist zwar ne olle Kamelle, die vor Jahren schon so von den Psychologen herumgereicht wurde, aber sie wird dadurch nicht wahrer oder richtiger.
Aber ich nehme trotzdem mal hier zu einzelnen Punkten Stellung.

Aktuell gibt es eine Diskussion um die Sicherung des
Berufsstandes des psychologischen Psychotherapeuten.

Ist wiegesagt nicht aktuell, sondern Schnee von vorgestern.

Hintergrund ist, dass jemand, der kassenärztlich zugelassenenr
Psychotherapeuth werden möchte und Psychologie studiert hat,
noch eine dreijährige Vollzeitausbildung absolvieren muss,
wohin gegen jemand mit einem Medizinstudium nur ein paar
Wochenenden ableisten muss, um den gleichen Beruf auszuüben.

Das ist nun haarsträubender Unsinn. An den Ausbildungs-Instituten für Psychoanalyse und Psychotherapie (ich bin an zweien tätig) und an den Intituten für Verhaltenstherapie ebenso muss jeder Kandidat, egal, ob im Grundberuf Arzt oder Psychologe, diese mindestens dreijährige Ausbildung zum Psychotherapeuten absolvieren.
Es gibt nur außerdem für Ärzte, die die Psychiatrische Weiterbildung machen, berufsbegleitend zu ihre Psychiatrie-Klinik-Arbeit eine Möglichkeit, auch außerhalb der Institute eine solche Ausbildung zum Psychotherapeuten zu machen. Das liegt aber daran, dass der neue Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie eben beides integriert, während der alte Fachazt für Psychiatrie und Neurologie verschwindet. Ein paar Wochenend-Kurse gibt es da überhaupt nicht für eine entsprechend qualifizierte Weiterbildung.

Dabei dauert ein Studium der Medizin umfänglich nicht
wesentlich länger

Wieder falsch. Ein Psychologiue studium kann man mit 8-10 Semestern abschließen, ein Medizinstudium mit 12-14 Semestern.

(ich behaupte, die Inhalte des
Psychologiestudiums in Bezug auf Psychotherapie sind
wesentlich fundierter).

Stimmt ebenfalls nicht. Ich habe in 8 Semestern Psychologie weit weniger über Psychodynamik, Psychoanalyse und Psychosomatische Medizin gelernt als in 13 Semstern Medizin. Das Psychologie-Studium ist geade für die Behandlung von Individuen weniger geeignet.

Psychologie dauert heute 9 Semester Regelstudienzeit (künftig
im Masterstudiengang 10Semester), Medizin heute und in Zukunft
10 Semester + 1 praktisches Jahr.

Das möchte ich sehen, dass ein Arzt nach dieser kurzen Zeit fertig ist.

Auf Grund dieser Ungleichbehandlung zwischen Ärzten und
Psychologen liegt eine Petition beim deutschen Bundestag vor,
die Online gezeichnet werden kann
(http://itc.napier.ac.uk/e-petition/bundestag/view_pe…).

Zu dieser Ungleichbehandlung hat meine Lehranalytikerin selig, Frau Prof. Dührssen, schon damals viel verfasst - undzwar genau in der entgegengesetzten Richtung!

Persönlich kann ich mir vorstellen, dass die unterschiedlichen
Ausbildungen unterschiedlich gut auf eine Tätigkeit als
Therapeuth vorbereiten, und zwar die des Psychologen
qualitativ und quantitativ besser, die der Ärzte schlechter
(die Behandlung mit Medikamenten einmal außen vor, es geht um
Psychotherapie).

Meiner Erfahrung nach stimmt dies ebenfalls nicht. Ärzte haben aufgrund ihrer von Anfang an klinischen, auf den Einzelmenschen hin, ausgerichteten Arbeit viel mehr therapeutisches know-how.

… fälschlicherweise
von gleicher Qualifikation zwischen den Berufen des
psychologischen und des ärztlichen Psychotherapeuten
ausgegangen wird.

Allerdings wird fälschlicherweise von gleicher Qualifikation ausgegangen - aber andersherum!

Wie seht ihr das? Ist dieser Zustand bekannt? Würde das bei
einer Wahl eines Psychotherapeuten (Arzt oder Psychologe)
einen Unterschied machen?

Aber ja. Ich habe mich nicht umsonst für einen Wechsel von Psychologie auf Medizin entschieden und das nach 8 Semestern Psychologie - und es nie bereut.

Ist das etwas, was sich auf Grund
einer starken Lobby auf der einen Seite und durch
traditionelles Denken auf der anderen Seite weiter hält und
gehalten werden soll?

Ja, klar. Wir wissen doch, dass die Lobby der Psychologen viel stärker ist, weil sie geschlossen auftreten. Die Ärzte hingegen sind wie immer schon zerstritten untereinander.
Gruß,
Branden

Guten Morgen,

Wie seht ihr das?

die beiden Ausbildungsgänge zum Psychotherapeuten sollten zumindest den gleichen Kernumfang haben. Wenn dies nicht gegeben sein sollte, sollte man es ändern.

die unterschiedlichen Ausbildungen unterschiedlich gut auf eine
Tätigkeit als Therapeuth vorbereiten, und zwar die des Psychologen
qualitativ und quantitativ besser, die der Ärzte schlechter

Welche Ausbildungen werden hier verglichen: das Psychologie- / Medizin-Studium oder die Ausbildungsgänge zum Psychologischen / Ärztlichen Psychotherapeuten?

Es ist selbstverständlich, daß das Psychologiestudium besser zum Psychologen ausbildet und viel mehr psychologische Inhalte enthält als das Medizinstudium. Deshalb hat ein Psychologe im Allgemeinen mehr psychologische Kenntnisse und Kompetenzen als ein Arzt. Und ein psychologischer Psychotherapeut hat deshalb im Allgemeinen mehr psychologische Kenntnisse und Kompetenzen als ein ärztlicher Psychotherapeut. Das ist auch selbstverständlich.

Damit ist nicht gesagt, daß das psychologische Mehrwissen von Psychologen psychotherapeutisch immer relevant ist. Definitiv ist es nicht in vollem Umfang psychotherapeutisch relevant.

Beste Grüße

…und jetzt geh mal schön wieder zurück in den ASTA.

Nashorn (Arzt)

Hallo Herr Arzt,

bissl abfällige Bemerkung, wie?

Wie sich in diesem besonders konstruktiven Beitrag gezeigt hat, ist die Weisungsbefugnis Ärzten gegenüber Psychologen in nichts begründet (Denn was zum Teufel hat der Allgemeine Studierendenauschuss mit Psychologie zu tun…?).

Vielleicht mit ein Grund, warum Ärzte selbst dem Pflegepersonal in Kliniken gegenüber nicht mehr weisungsbefugt sind (Alles eine Frage der Kompetenz)?

Ein Argument mehr, die Meßlatte für Ärzte in Bezug auf Psychologie höher zu setzen.

Mit bestem Gruß
Patrick

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Hallo Branden!

Das ist zwar ne olle Kamelle, die vor Jahren schon so von den
Psychologen herumgereicht wurde, aber sie wird dadurch nicht
wahrer oder richtiger.
Aber ich nehme trotzdem mal hier zu einzelnen Punkten
Stellung.

Gerne!

Das ist nun haarsträubender Unsinn. An den
Ausbildungs-Instituten für Psychoanalyse und Psychotherapie
(ich bin an zweien tätig) und an den Intituten für
Verhaltenstherapie ebenso muss jeder Kandidat, egal, ob im
Grundberuf Arzt oder Psychologe, diese mindestens dreijährige
Ausbildung zum Psychotherapeuten absolvieren.

Nicht ganz! Wie der Weiterbildungsvberordnung für Ärzte z.B. in NRW zu entnehmen ist, umfasst dies ca. 300 Stunden für normale Psychotherapie (http://www.aekno.de/htmljava/e/weiterbildungsordnung…).

Ich gebe zu, dass es die Psychoanalytiker da schwerer haben - die liegen bei 1200 Stunden insgesamt (http://www.aekno.de/htmljava/e/weiterbildungsordnung…).

Psychotherapie für Psychologen umfasst mindestens 3000 Stunden. Das was eventuell identisch sein mag, sind die Seminarstunden am Wochenende - aber zusätzlich zu denen muss der Psychologe ja noch ein paar kostenlose Stunden Therapie machen (1200 in der Klinik und 1800 ambulant).

Vergleichbar sind auch die Kosten: Weiterbildung für Ärzte z.B. ca. 6000 EUR, für Psychologen ca. 20.000 EUR - wobei wir ja für die Gratistherapie, die wir zu geben haben, gottseidank nichts bezahlen müssen… :wink:

Das sind nur die Kosten für die Fortbildung (vgl. z.B. http://www.avt-koeln.org/ausbildung.htm).

Dabei dauert ein Studium der Medizin umfänglich nicht
wesentlich länger

Wieder falsch. Ein Psychologiue studium kann man mit 8-10
Semestern abschließen, ein Medizinstudium mit 12-14 Semestern.

Nee, gar nicht falsch… :wink:

Man kann auch Medizin mit 8 Semestern abschließen, wichtig ist doch, wie die Realität aussieht. Medizin liegt zwischen 12 und 14 Semestern (real), je nach Hochschule. Psychologie zwischen 9 und 15 (real), je nach Hochschule. Vgl die Erhebung des Wissenschaftrates von 2005: http://www.wissenschaftsrat.de/texte/6825-05.pdf, Seite 32.

(ich behaupte, die Inhalte des
Psychologiestudiums in Bezug auf Psychotherapie sind
wesentlich fundierter).

Stimmt ebenfalls nicht. Ich habe in 8 Semestern Psychologie
weit weniger über Psychodynamik, Psychoanalyse und
Psychosomatische Medizin gelernt als in 13 Semstern Medizin.
Das Psychologie-Studium ist geade für die Behandlung von
Individuen weniger geeignet.

Dazu kann ich nichts sagen, das mag ein Einzelfall sein und zu anderer Zeit. Ich mache gerade einen Kurs zusammen mit Medizinern im 10. Semester (ich bin 9. Semester): Sozialmedizin. Die haben von Psychologie keine Ahnung, einige hier ihren ersten Kontakt. Das Ganze heißt bei denen ja „Psychokram“.

Ich habe die letzten 2 Jahre als Wahlpflichtfächer gehört: Diagnostik, Psychometrie, klinische Psychologie, Intervention, Auswertung klinischer Studien, Neuropsychologie, Psychiatrie (medizinischer Kurs), Arbeits- und Sozialmedizin (medizinischer Kurs) und in der Psychiatrie Pflichtpraktika absolviert.

Zudem sind mir aus dem Grundstudium wichtige Inhalte wie Emotionen (gibt es das in der Medizin?), Sozialpsychologie (wenn das nicht Therapierelevant ist, was dann?), Gedächtnis (im Zusammenhang mit Emotion überaus Therapierelevant) und Lernen (die Mutter der Therapie) über 3 Jahre vermittelt worden.

Ich gebe zu, dass es einige Fächer gegeben hat, die als Therapeuth ich nicht benätige, den Umfang schätze ich auf 20%.

Ziehe ich Physiologie und Anatomie bei den Medizinern ab (so wichtig sind Muskeln und Knochen in der Psychotherapie nicht), Chrurgie, innere, etc. - was bleibt denn dann an Therapierelevanten Disziplinen?

Psychologie dauert heute 9 Semester Regelstudienzeit (künftig
im Masterstudiengang 10Semester), Medizin heute und in Zukunft
10 Semester + 1 praktisches Jahr.

Das möchte ich sehen, dass ein Arzt nach dieser kurzen Zeit
fertig ist.

Die meisten in dem Kurs, den ich gerade bei den Medizinern mache, sind im 10. Semester, gehen jetzt in das praktische Jahr und machen dann ihr Hammerexamen. Dann sind die nach 12 Semestern (incl. PJ) fertig. Der Wissenschaftsrat fand dies auch als Durchschnitt bestätigt. Ich räume ja bei Medizin gerne +2 Semester mehr ein (PJ, s.o.), aber der Durchschnitt liegt eben anders.
Aber ich gebe zu, dass Mediziner in Ihrem Studium wesentlich besser lernen lernen, und deswegen in der Durchschnittsstudiendauer mehr Wissen erwerben als die Psychologen, also effektiver sind. Ich hatte schon erhebliche Schwierigkeiten die ganzen Geschichten des ZNS mit Ihren lateinischen Vornamen auswendig zu lernen, bei der Vorstellung, dies auch mit Muskeln und Knochen zu müssen graut es mir persönlich…

Auf Grund dieser Ungleichbehandlung zwischen Ärzten und
Psychologen liegt eine Petition beim deutschen Bundestag vor,
die Online gezeichnet werden kann
(http://itc.napier.ac.uk/e-petition/bundestag/view_pe…).

Zu dieser Ungleichbehandlung hat meine Lehranalytikerin selig,
Frau Prof. Dührssen, schon damals viel verfasst - undzwar
genau in der entgegengesetzten Richtung!

Ich glaube, dass Ärzte und Psychologen beide von der Gesellschaft zunehmend schlechter behandelt werden. Jetzt mal weg von der Psychotherapie. Aber Psychologen weitaus schlechter als Ärzte… :wink:

Ich meine, schau Dir die Therapieausbildung für uns doch an: Ihr macht das wie gesagt an den Wochenenden parallel zum Facharzt (während dem Ihr bezahlt arbeitet). Wir machen das unentgeltlich Vollzeit und zahlen das dreifache. Das IST ungleich.

Persönlich kann ich mir vorstellen, dass die unterschiedlichen
Ausbildungen unterschiedlich gut auf eine Tätigkeit als
Therapeuth vorbereiten, und zwar die des Psychologen
qualitativ und quantitativ besser, die der Ärzte schlechter
(die Behandlung mit Medikamenten einmal außen vor, es geht um
Psychotherapie).

Meiner Erfahrung nach stimmt dies ebenfalls nicht. Ärzte haben
aufgrund ihrer von Anfang an klinischen, auf den
Einzelmenschen hin, ausgerichteten Arbeit viel mehr
therapeutisches know-how.

Jemand, der in die Richtung tendiert, hat sein ganzes Hauptstudium (2.5 Jahre) in der Psychologie nur damit zu tun. WIe gesagt, Psychiatrie ist bei uns Nebenfach - das machen wir auch mit Medizinern zusammen - zusätzlich haben wir aber unser weitaus umfangreicheres Fach der klinischen Psychologie, der Diagnostik und der Intervention.

… fälschlicherweise
von gleicher Qualifikation zwischen den Berufen des
psychologischen und des ärztlichen Psychotherapeuten
ausgegangen wird.

Allerdings wird fälschlicherweise von gleicher Qualifikation
ausgegangen - aber andersherum!

Nein! :wink:

Wie seht ihr das? Ist dieser Zustand bekannt? Würde das bei
einer Wahl eines Psychotherapeuten (Arzt oder Psychologe)
einen Unterschied machen?

Aber ja. Ich habe mich nicht umsonst für einen Wechsel von
Psychologie auf Medizin entschieden und das nach 8 Semestern
Psychologie - und es nie bereut.

Diese Petition ist für mich persönlich nicht zu 100% das, was ich denke. Ich persönlich glaube wie gesagt, beide Berufe haben zu kämpfen - und das zu unrecht. Persönlich wäre es mir auch lieber, wenn die Therapeutenausbildung für Psychologen abgespeckt und nicht die für Mediziner aufgestockt würde. Oder wir Geld dafür sehen würden, zumal die 3000 Stunden Therapie, die wir kostenlos geben, ja über die Krankenkassen abgerechnet werden. Das bedeutet für unsere Ausbildungsinstitute einen Gewinn von mind. 18.000 EUR zusätzlich, da kann der Gesetzgeber doch ein bisschen den armen Akteuren zubilligen. Ich meine, in welchem Beruf sonst gibt es das, dass jemand drei Jahre umsonst arbeiten soll (und, by-the-way, noch 20.000 EUR auf den Tisch des Hauses legen soll)?

Ist das etwas, was sich auf Grund
einer starken Lobby auf der einen Seite und durch
traditionelles Denken auf der anderen Seite weiter hält und
gehalten werden soll?

Ja, klar. Wir wissen doch, dass die Lobby der Psychologen viel
stärker ist, weil sie geschlossen auftreten. Die Ärzte
hingegen sind wie immer schon zerstritten untereinander.

Wir haben nur nicht so viele Facetten, aber die, die es gibt, sind auch zerstritten… :wink:

Interessantes Thema,

lieben Gruß
Patrick

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Konnte nicht anders!
Lieber Kollege Branden,

diesr Artikel von Patrik war mir Aufgrund seiner völligen sachlichen
Unkorrektheit dermaßen zuwider, daß ich mich in die Ironie geflüchtet
habe.
Wie ich sehe, hast du jetzt ja sachlich darauf geantwortet; ich danke
dir dafür.

gruß nashorn

Hallo Oliver!

Wie seht ihr das?

die beiden Ausbildungsgänge zum Psychotherapeuten sollten
zumindest den gleichen Kernumfang haben. Wenn dies nicht
gegeben sein sollte, sollte man es ändern.

Ja, das denke ich auch.

die unterschiedlichen Ausbildungen unterschiedlich gut auf eine
Tätigkeit als Therapeuth vorbereiten, und zwar die des Psychologen
qualitativ und quantitativ besser, die der Ärzte schlechter

Welche Ausbildungen werden hier verglichen: das Psychologie- /
Medizin-Studium oder die Ausbildungsgänge zum Psychologischen
/ Ärztlichen Psychotherapeuten?

Die Psychotherapieausbildung. Von einer solchen Regelung: http://www.aekno.de/htmljava/e/weiterbildungsordnung… können Psychologen ja nur träumen…

Es ist selbstverständlich, daß das Psychologiestudium besser
zum Psychologen ausbildet und viel mehr psychologische Inhalte
enthält als das Medizinstudium. Deshalb hat ein Psychologe im
Allgemeinen mehr psychologische Kenntnisse und Kompetenzen als
ein Arzt. Und ein psychologischer Psychotherapeut hat deshalb
im Allgemeinen mehr psychologische Kenntnisse und Kompetenzen
als ein ärztlicher Psychotherapeut. Das ist auch
selbstverständlich.

D’acor!

Damit ist nicht gesagt, daß das psychologische Mehrwissen von
Psychologen psychotherapeutisch immer relevant ist. Definitiv
ist es nicht in vollem Umfang psychotherapeutisch relevant.

Auch da stimme ich überein. Jedoch gibt es an vielen Universitäten mit Diplomstudiengang ja noch die Möglichkeit, sich auf besonders relevante Fächer in Form von Wahlpflichtfächern zu spezialisieren. (Bei Masterstudiengängen entscheidet dann nicht die Wahl eines Hauptfachs, sondern die Wahl einer Universität über die spezielle Ausrichtung).

Sekundär sind aber auch Fächer, die man zunächst nicht mit Therapie in Verbindung bringt, durchaus relevant. Z.B. denke ich, dass Statistik ein Tool ist, was gerade die diagnostischen Fähigkeiten wunderbar abrundet und eine zusätzlich objektive Diagnostik eine Therapie besonders wirksam macht (vorsichtig formuliert).

Aber es stimmt schon, vieles wird auch niemals therapeutische Relevanz haben.

Lieben Gruß
Patrick

ist aber lang geworden, Antwort auch :wink:
Hallo Patrick!

Psychotherapie für Psychologen umfasst mindestens 3000
Stunden. Das was eventuell identisch sein mag, sind die
Seminarstunden am Wochenende - aber zusätzlich zu denen muss
der Psychologe ja noch ein paar kostenlose Stunden Therapie
machen (1200 in der Klinik und 1800 ambulant).

An den Berliner Instituten, die ich kenne, ist die Psychotherapie-Ausbildung (Ich bin Lehrtherapeut und Supervisor für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie) für Ärzte und Psychologen gleich umfangreich, soviel ich weiß. Nicht umsonst strömen jetzt ja massenhaft Psychologen an die Institute, wo früher fast nur Ärzte waren. Das würde wohl kaum so sein, wenn Dipl.-Psychologen dort schlechtere Bedingungen als Ärzte hätten.

Man kann auch Medizin mit 8 Semestern abschließen

Die absolute Mindest-Semester-Zahl liegt bei 12 Semestern. Das ist aber eine mehr oder weniger theoretische Zahl. Man kann ja frühestens nach dem 4.Semester das Physikum ablegen. Ich glaube kaum, dass sich da etwas geändert hat.

Ich mache gerade einen Kurs zusammen mit
Medizinern im 10. Semester (ich bin 9. Semester):
Sozialmedizin. Die haben von Psychologie keine Ahnung, einige
hier ihren ersten Kontakt. Das Ganze heißt bei denen ja
„Psychokram“.

Zugegeben, es gibt einen großen Anteil unter den Medizinstudenten, die „Psycho“ nicht mögen. Das wird es naturgemäß unter den Psychologie-Studenten kaum geben.
:wink: Das wiederum hat aber nichts mit dem durchaus in die Tiefe gehenden Angebot für Medizin-Studenten zu tun, wenn sie sich für Psychotherapie interessieren.
Letztlich lernen aber doch beide, Psychologen wie Ärzte erst danach in der Psychotherapie-Weiterbildung THERAPEUTISCH zu denken und zu arbeiten.

Zudem sind mir aus dem Grundstudium wichtige Inhalte wie
Emotionen (gibt es das in der Medizin?),

Ich bin ja alles andere als kritiklos gegenüber dem Medizinstudium. Ich meine, dass man am Medizinstudium etwa genausoviel verbessern könnte wie am Psychologie-Studium. Aber wenn ich beide Studien vergleiche, hat mir das Med-Stud. wesentlich mehr gebracht als das Psych-Studium.

Lernen (die Mutter der Therapie)

Naja, da gehen unsere Ansichten sicherlich auseinander. :wink:

Ich gebe zu, dass es einige Fächer gegeben hat, die als
Therapeuth ich nicht benätige, den Umfang schätze ich auf 20%.

Ich würde ihn -ganz subjektiv, für mich- auf 60 % schätzen.

Ziehe ich Physiologie und Anatomie bei den Medizinern ab (so
wichtig sind Muskeln und Knochen in der Psychotherapie nicht),
Chrurgie, innere, etc. - was bleibt denn dann an
Therapierelevanten Disziplinen?

Im Laufe der Jahre hat sich doch immer mehr Psychologie, Psychotherapie und insbesondere Psychosomatische Medizin im Medizinstudium breitgemacht, glücklicherweise!

Die meisten in dem Kurs, den ich gerade bei den Medizinern
mache, sind im 10. Semester, gehen jetzt in das praktische
Jahr und machen dann ihr Hammerexamen. Dann sind die nach 12
Semestern (incl. PJ) fertig. Der Wissenschaftsrat fand dies
auch als Durchschnitt bestätigt.

Das ist nicht Durchschnitt, sondern Mindestzeit. Es sei denn, sie hätten radikal was am Studium geändert, was ich bezweifle.

Ich glaube, dass Ärzte und Psychologen beide von der
Gesellschaft zunehmend schlechter behandelt werden.

Jetzt sind wir mal wieder völlig d’accord.

Ihr macht das wie gesagt an den Wochenenden parallel zum
Facharzt (während dem Ihr bezahlt arbeitet).

Hab ich nicht gemacht und nicht machen können. Das betrifft nur den neuen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Wenn ich heute jung wär, würd ich den auch machen. :wink:

Und du dafst dabei nicht vegessen, dass die jungen Assistenzärzte voll eingespannt sind auf den psychiatrischen Abteilungen. Eine mir nähe bekannte Kollegin (Psychiaterin) hat die Psychotherapie-Ausbildung aufgegeben. War möglicherweise zeitlich usw. schwer zu schaffen.

Ich persönlich glaube wie gesagt, beide Berufe
haben zu kämpfen - und das zu unrecht.

Wiegesagt - da sind wir uns einig, Patrick.
Es grüßt Dich
Branden

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Hallo,

Auch da stimme ich überein. Jedoch gibt es an vielen
Universitäten mit Diplomstudiengang ja noch die Möglichkeit,
sich auf besonders relevante Fächer in Form von
Wahlpflichtfächern zu spezialisieren.

nicht nur im Diplomstudiengang. Von der Möglichkeit habe ich sogar noch in meinem Promotionsstudium Gebrauch gemacht und mit viel Freude bei einem Psychiater eine meiner Doktorprüfungen gemacht.

Sekundär sind aber auch Fächer, die man zunächst nicht mit
Therapie in Verbindung bringt, durchaus relevant. Z.B. denke
ich, dass Statistik ein Tool ist, was gerade die
diagnostischen Fähigkeiten wunderbar abrundet und eine
zusätzlich objektive Diagnostik eine Therapie besonders
wirksam macht (vorsichtig formuliert).

Das brauchst Du gar nicht vorsichtig zu formulieren. Ich halte grundlegende Kenntnisse in Testtheorie für eine Voraussetzung, um ein guter Diagnostiker sein zu können. Auf diesem Gebiet sind Psychologen im allgemeinen viel besser ausgebildet als Ärzte.

Beste Grüße

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Hallo Branden,

ich glaube, so weit liegen wir gar nicht auseinander.

Lernen (die Mutter der Therapie)

Naja, da gehen unsere Ansichten sicherlich auseinander. :wink:

Das glaube ich gar nicht mal so sehr.

Es kommt natürlich darauf an, wie man Lernen unterrichtet (an den Lehrstühlen). Und so ein großer Freund der Verhaltenstherapie (wie ich früher einmal gewesen bin), bin ich gar nicht mehr.

Mittlerweile ist Emotion für mich das zentrale Thema der Psychologie (hoffnungslos unterschätzt), sowie Persönlichkeitspsychologie. Aber Emotionen haben auch viel mit Lernen zu tun, und das sieht die Psychoanalyse ja auch genau so.

Und in der neueren Forschung der Neuropsychologie der Emotion gibt es viele Parallelen zur Tiefenpsychologie (Panksepp halte ich für sehr empfehlenswert).

Selber strebe ich mittlerweile eine Therapieausbildung tiefenpsychologisch fundiert an (Ist aber auch evtl. eine Frage des Geldes, und ich bin der Verhaltenstherapie gegenüber nicht abgeneigt - denke aber, dass die besser tiefenpsychologisch behandelbaren die interessanteren Fälle sind).

Hab ich nicht gemacht und nicht machen können. Das betrifft
nur den neuen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.
Wenn ich heute jung wär, würd ich den auch machen. :wink:

Naja, um den geht es ja.

Psychoanalytiker haben im Vergleich zu dieser Richtung (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie) ja auch ein wesentlich umfangreicheres Programm zu absolvieren.

Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist zu günstig geworden, und das finden Viele unfair.

Und du dafst dabei nicht vegessen, dass die jungen
Assistenzärzte voll eingespannt sind auf den psychiatrischen
Abteilungen. Eine mir nähe bekannte Kollegin (Psychiaterin)
hat die Psychotherapie-Ausbildung aufgegeben. War
möglicherweise zeitlich usw. schwer zu schaffen.

Man kann nur hoffen, dass die Bedingungen in Deutschland besser werden - für beide Berufe.

Dir einen lieben Gruß
Patrick

Hallo Patrick

Mittlerweile ist Emotion für mich das zentrale Thema der
Psychologie (hoffnungslos unterschätzt), sowie
Persönlichkeitspsychologie. Aber Emotionen haben auch viel mit
Lernen zu tun, und das sieht die Psychoanalyse ja auch genau
so.

Ja, da gehe ich gerne mit.

denke aber, dass die besser
tiefenpsychologisch behandelbaren die interessanteren Fälle
sind).

Das ist auch für mich ein ganz wichtiger Gesichtspunkt, den ich anfangs wohl gar nicht bewusst gesehen habe, möglicherweise aber unterschwellig mit die Entscheidung zur tiefenpsych. fund. Ther. gelenkt hat.

Psychoanalytiker haben im Vergleich zu dieser Richtung
(Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie) ja auch ein
wesentlich umfangreicheres Programm zu absolvieren.

Ja und nein. Einerseits ja, andererseits ist inzwischen der Facharzt für Psychosomatische Medizin auch nicht so einfach zu bekommen.

Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist zu günstig
geworden, und das finden Viele unfair.

Naja, aber er ist auch etwas aufwendiger als der alleinige Facharzt für Psychiatrie (ohne Neurologie und ohne Psychotherapie). Wenns den überhaupt noch abzuschließen gibt.

Man kann nur hoffen, dass die Bedingungen in Deutschland
besser werden - für beide Berufe.

Ein gutes Schlusswort!
In diesem Sinne - bis zum nächsten Mal - grüßt Dich
Branden