Hallo Branden!
Das ist zwar ne olle Kamelle, die vor Jahren schon so von den
Psychologen herumgereicht wurde, aber sie wird dadurch nicht
wahrer oder richtiger.
Aber ich nehme trotzdem mal hier zu einzelnen Punkten
Stellung.
Gerne!
Das ist nun haarsträubender Unsinn. An den
Ausbildungs-Instituten für Psychoanalyse und Psychotherapie
(ich bin an zweien tätig) und an den Intituten für
Verhaltenstherapie ebenso muss jeder Kandidat, egal, ob im
Grundberuf Arzt oder Psychologe, diese mindestens dreijährige
Ausbildung zum Psychotherapeuten absolvieren.
Nicht ganz! Wie der Weiterbildungsvberordnung für Ärzte z.B. in NRW zu entnehmen ist, umfasst dies ca. 300 Stunden für normale Psychotherapie (http://www.aekno.de/htmljava/e/weiterbildungsordnung…).
Ich gebe zu, dass es die Psychoanalytiker da schwerer haben - die liegen bei 1200 Stunden insgesamt (http://www.aekno.de/htmljava/e/weiterbildungsordnung…).
Psychotherapie für Psychologen umfasst mindestens 3000 Stunden. Das was eventuell identisch sein mag, sind die Seminarstunden am Wochenende - aber zusätzlich zu denen muss der Psychologe ja noch ein paar kostenlose Stunden Therapie machen (1200 in der Klinik und 1800 ambulant).
Vergleichbar sind auch die Kosten: Weiterbildung für Ärzte z.B. ca. 6000 EUR, für Psychologen ca. 20.000 EUR - wobei wir ja für die Gratistherapie, die wir zu geben haben, gottseidank nichts bezahlen müssen… 
Das sind nur die Kosten für die Fortbildung (vgl. z.B. http://www.avt-koeln.org/ausbildung.htm).
Dabei dauert ein Studium der Medizin umfänglich nicht
wesentlich länger
Wieder falsch. Ein Psychologiue studium kann man mit 8-10
Semestern abschließen, ein Medizinstudium mit 12-14 Semestern.
Nee, gar nicht falsch… 
Man kann auch Medizin mit 8 Semestern abschließen, wichtig ist doch, wie die Realität aussieht. Medizin liegt zwischen 12 und 14 Semestern (real), je nach Hochschule. Psychologie zwischen 9 und 15 (real), je nach Hochschule. Vgl die Erhebung des Wissenschaftrates von 2005: http://www.wissenschaftsrat.de/texte/6825-05.pdf, Seite 32.
(ich behaupte, die Inhalte des
Psychologiestudiums in Bezug auf Psychotherapie sind
wesentlich fundierter).
Stimmt ebenfalls nicht. Ich habe in 8 Semestern Psychologie
weit weniger über Psychodynamik, Psychoanalyse und
Psychosomatische Medizin gelernt als in 13 Semstern Medizin.
Das Psychologie-Studium ist geade für die Behandlung von
Individuen weniger geeignet.
Dazu kann ich nichts sagen, das mag ein Einzelfall sein und zu anderer Zeit. Ich mache gerade einen Kurs zusammen mit Medizinern im 10. Semester (ich bin 9. Semester): Sozialmedizin. Die haben von Psychologie keine Ahnung, einige hier ihren ersten Kontakt. Das Ganze heißt bei denen ja „Psychokram“.
Ich habe die letzten 2 Jahre als Wahlpflichtfächer gehört: Diagnostik, Psychometrie, klinische Psychologie, Intervention, Auswertung klinischer Studien, Neuropsychologie, Psychiatrie (medizinischer Kurs), Arbeits- und Sozialmedizin (medizinischer Kurs) und in der Psychiatrie Pflichtpraktika absolviert.
Zudem sind mir aus dem Grundstudium wichtige Inhalte wie Emotionen (gibt es das in der Medizin?), Sozialpsychologie (wenn das nicht Therapierelevant ist, was dann?), Gedächtnis (im Zusammenhang mit Emotion überaus Therapierelevant) und Lernen (die Mutter der Therapie) über 3 Jahre vermittelt worden.
Ich gebe zu, dass es einige Fächer gegeben hat, die als Therapeuth ich nicht benätige, den Umfang schätze ich auf 20%.
Ziehe ich Physiologie und Anatomie bei den Medizinern ab (so wichtig sind Muskeln und Knochen in der Psychotherapie nicht), Chrurgie, innere, etc. - was bleibt denn dann an Therapierelevanten Disziplinen?
Psychologie dauert heute 9 Semester Regelstudienzeit (künftig
im Masterstudiengang 10Semester), Medizin heute und in Zukunft
10 Semester + 1 praktisches Jahr.
Das möchte ich sehen, dass ein Arzt nach dieser kurzen Zeit
fertig ist.
Die meisten in dem Kurs, den ich gerade bei den Medizinern mache, sind im 10. Semester, gehen jetzt in das praktische Jahr und machen dann ihr Hammerexamen. Dann sind die nach 12 Semestern (incl. PJ) fertig. Der Wissenschaftsrat fand dies auch als Durchschnitt bestätigt. Ich räume ja bei Medizin gerne +2 Semester mehr ein (PJ, s.o.), aber der Durchschnitt liegt eben anders.
Aber ich gebe zu, dass Mediziner in Ihrem Studium wesentlich besser lernen lernen, und deswegen in der Durchschnittsstudiendauer mehr Wissen erwerben als die Psychologen, also effektiver sind. Ich hatte schon erhebliche Schwierigkeiten die ganzen Geschichten des ZNS mit Ihren lateinischen Vornamen auswendig zu lernen, bei der Vorstellung, dies auch mit Muskeln und Knochen zu müssen graut es mir persönlich…
Auf Grund dieser Ungleichbehandlung zwischen Ärzten und
Psychologen liegt eine Petition beim deutschen Bundestag vor,
die Online gezeichnet werden kann
(http://itc.napier.ac.uk/e-petition/bundestag/view_pe…).
Zu dieser Ungleichbehandlung hat meine Lehranalytikerin selig,
Frau Prof. Dührssen, schon damals viel verfasst - undzwar
genau in der entgegengesetzten Richtung!
Ich glaube, dass Ärzte und Psychologen beide von der Gesellschaft zunehmend schlechter behandelt werden. Jetzt mal weg von der Psychotherapie. Aber Psychologen weitaus schlechter als Ärzte… 
Ich meine, schau Dir die Therapieausbildung für uns doch an: Ihr macht das wie gesagt an den Wochenenden parallel zum Facharzt (während dem Ihr bezahlt arbeitet). Wir machen das unentgeltlich Vollzeit und zahlen das dreifache. Das IST ungleich.
Persönlich kann ich mir vorstellen, dass die unterschiedlichen
Ausbildungen unterschiedlich gut auf eine Tätigkeit als
Therapeuth vorbereiten, und zwar die des Psychologen
qualitativ und quantitativ besser, die der Ärzte schlechter
(die Behandlung mit Medikamenten einmal außen vor, es geht um
Psychotherapie).
Meiner Erfahrung nach stimmt dies ebenfalls nicht. Ärzte haben
aufgrund ihrer von Anfang an klinischen, auf den
Einzelmenschen hin, ausgerichteten Arbeit viel mehr
therapeutisches know-how.
Jemand, der in die Richtung tendiert, hat sein ganzes Hauptstudium (2.5 Jahre) in der Psychologie nur damit zu tun. WIe gesagt, Psychiatrie ist bei uns Nebenfach - das machen wir auch mit Medizinern zusammen - zusätzlich haben wir aber unser weitaus umfangreicheres Fach der klinischen Psychologie, der Diagnostik und der Intervention.
… fälschlicherweise
von gleicher Qualifikation zwischen den Berufen des
psychologischen und des ärztlichen Psychotherapeuten
ausgegangen wird.
Allerdings wird fälschlicherweise von gleicher Qualifikation
ausgegangen - aber andersherum!
Nein! 
Wie seht ihr das? Ist dieser Zustand bekannt? Würde das bei
einer Wahl eines Psychotherapeuten (Arzt oder Psychologe)
einen Unterschied machen?
Aber ja. Ich habe mich nicht umsonst für einen Wechsel von
Psychologie auf Medizin entschieden und das nach 8 Semestern
Psychologie - und es nie bereut.
Diese Petition ist für mich persönlich nicht zu 100% das, was ich denke. Ich persönlich glaube wie gesagt, beide Berufe haben zu kämpfen - und das zu unrecht. Persönlich wäre es mir auch lieber, wenn die Therapeutenausbildung für Psychologen abgespeckt und nicht die für Mediziner aufgestockt würde. Oder wir Geld dafür sehen würden, zumal die 3000 Stunden Therapie, die wir kostenlos geben, ja über die Krankenkassen abgerechnet werden. Das bedeutet für unsere Ausbildungsinstitute einen Gewinn von mind. 18.000 EUR zusätzlich, da kann der Gesetzgeber doch ein bisschen den armen Akteuren zubilligen. Ich meine, in welchem Beruf sonst gibt es das, dass jemand drei Jahre umsonst arbeiten soll (und, by-the-way, noch 20.000 EUR auf den Tisch des Hauses legen soll)?
Ist das etwas, was sich auf Grund
einer starken Lobby auf der einen Seite und durch
traditionelles Denken auf der anderen Seite weiter hält und
gehalten werden soll?
Ja, klar. Wir wissen doch, dass die Lobby der Psychologen viel
stärker ist, weil sie geschlossen auftreten. Die Ärzte
hingegen sind wie immer schon zerstritten untereinander.
Wir haben nur nicht so viele Facetten, aber die, die es gibt, sind auch zerstritten… 
Interessantes Thema,
lieben Gruß
Patrick