Hallo,
gehört es zu den Pflichten eines Notars, sich zu vergewissern,
ob seine Kunden verstehen, was sie unterschreiben?
Ja, wobei das natürlich ein weites Feld ist. D.h. der Notar muss sich auf jeden Fall davon überzeugen, dass die Parteien überhaupt grundsätzlich in der Lage sind, bewusst eine Erklärung abzugeben. Hier hat man oft schon das erste Problem. Dann geht es weiter damit, dass die Parteien auch den grundsätzlichen Inhalt und die Bedeutung der zu beurkundenden Erklärung verstehen müssen. Dies ist ein Punkt, dem meiner Meinung nach oft zu wenig Bedeutung beigemessen wird. Und dann stellt sich natürlich die Frage, bis zu welcher Detailtiefe die Parteien den Vertrag verstehen müssen. Hier kann man sicherlich nicht fordern, dass Laien wirklich jedes Detail verstehen müssen. Z.B. das Abstraktionsprinzip wird man dem Laien bei einem Grundstücksverkauf sicher nicht verständlich beibringen können, und somit wird eine „Auflassung“ immer etwas problematisch sein. Da dies aber andererseits ein „Automatismus“ ist, muss man hier auch nicht so streng sein. Was aber auf jeden Fall notwendig ist, ist ein Bewusstsein über alle erklärungserheblichen Tatsachen.
Muss er
sich auch für die Inhalte der Verträge interessieren und
vielleicht sogar einschreiten, wenn ein Vertragspartner
offensichtlich über den Tisch gezogen wird?
Ja, und nochmal ja. Allerdings ist „offensichtlich über den Tisch ziehen“ natürlich immer Auslegungsfrage. Es ist niemand gehindert für ihn selbst ungünstige Erklärungen abzugeben oder schlechte Verträge zu schließen. Es gibt eben Leute die aus welchen Gründen auch immer ein Haus € 50.000,-- über Wert kaufen wollen. Das ist dann nichts anderes, als ob ich ohne jegliche Preisverhandlungen zu BMW gehe und den Listenpreis auf den Tisch lege. Dumm, aber natürlich problemlos möglich. Der Notar als neutraler Dritter darf da nicht den Kindergartenonkel spielen, denn schließlich ist es auch nicht verboten, gute Geschäfte zu machen, und wenn der Verkäufer einen „guten“ Kunden gefunden hat, dann wäre er zurecht wenig erfreut, wenn da ein Notar dazwischen gehen würde. D.h. die Grenzen sind da sehr fließend.
Und was man natürlich auch nicht vergessen sollte ist, dass Notare durchaus ihre Stammkunden haben, die sie auch nicht verlieren wollen. D.h. da ist man dann gerne mal „etwas großzügig“. Teilweise so großzügig, dass sich auch Notare dann mal gerne vor dem Strafrichter wiederfinden.
Daher ist es wirklich keine Werbung, wenn ich immer wieder darauf hinweise, dass man sich bei relevaten Erklärungen vorher mit einem Anwalt beraten sollte, der eben Partei ist, und nur und ausschließlich die Interessen seines Mandanten im Auge hat. Wenn darauf jemand verzichtet, ist er es einfach selbst schuld, wenn er - im Rahmen des rechtlich zulässigen - schlechte Verträge schließt.
Gruß vom Wiz