Moin, D. 
So trifft man auch mal wieder aufeinander. Nachdem ich Dein Posting hier gelesen habe, kann ich mir einfach meinen Kommentar dazu nicht verkneifen.
Kann ich rechtlich irgendwas tun (habe sonst alles versucht),
daß er sich mehr um die Tochter kümmert.
Das Du ihn rechtlich zu nix zwingen kannst, weißt Du ja inzwischen.
Auch wenn es Dir in der Sache nicht helfen wird, werde ich trotzdem mal meine eigenen Erfahrungen zum besten geben. Eventuell gibt es Dir ja zumindest etwas moralische Unterstützung.
Meine Eltern habe sich scheiden lassen, als ich dreizehn war. Meine Mom hat die Scheidung sehr lange weg geschoben, aus Rücksicht auf meinen Bruder und mich. Sie wollte uns halt nicht den Vater nehmen. Als ich dann dreizehn war, hat meine Mom ein langes Gespräch mit mir geführt, während dem sie mich nach meiner Meinung dazu fragte. Nun muß ich sagen, das ich schon vorher nie das besondere Verhältnis zu meinem Erzeuger hatte. Er war halt ab und an anwesend und ließ alle drei Monate mal den Erzieher raushängen. Für meinen Bruder war das ein wenig anders, er war halt „Vaters Liebling“ oder wie man es sonst nennen möchte.
Nach der Offenbarung meiner Mom mir gegenüber habe ich ihr sofort gesagt, das ich es Sch… finden würde, wenn sie nur wegen meinem Bruder und mir diese Verbindung aufrecht erhalten würde. Was soll ich sagen, was folgte, war ein harter, dreckiger Scheidungskrieg. Als Ergebnis erlitt meine Mom einen Nervenzusammenbruch, mein Erzeuger ließ uns sowohl moralisch als auch finanziell böse im Regen stehen.
Im Nachgang gab es mehrere Gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen mir und meinem Bruder auf der einen Seite und meinem Erzeuger auf der anderen Seite. Hauptsächlich ging es dabei um Unterhaltsstreitigkeiten. Für mich war das leichter als für meinen Bruder, weil ich zu meinem Erzeuger keine große emotionale Bindung hatte. Für meinen Bruder war es sehr hart, weil nach der Scheidung seitens unseres Erzeuger keinerlei Bestrebungen erkennbar waren, einen regelmäßigen Kontakt herzustellen. Er war allerdings auch noch einiges jünger (er ist 3¾ Jahre jünger als ich). Mittlerweile sind diverse Jahre ins Land gegangen.
In der Vergangenheit gab es weiterhin sporadische Kontakte zwischen unserem Erzeuger und uns. Es gab viele sehr unschöne Vorfälle zwischen mir und ihm. Angefangen bei Ohrfeigen und anderen Demütigungen seinerseits in aller Öffentlichkeit vor all meinen Freunden. Ich bin zu Hause von meiner Mom nie geschlagen worden, ich lehne Schläge in jeder Form ab. Und grundsätzlich finde ich Erzieherische Maßnahmen als Demütigung im Bekanntenkreis des Betroffenen total daneben. Danach
beschränkten sich diese Kontakte meinerseits auf das absolut notwendige innerhalb der Rechtsstreitigkeiten. Seitens meines Bruders wurde trotz erkennbarer Unlust auf seiten des Erzeugers versucht, regelmäßig Kontakte zu pflegen. Ich selbst habe dann vor mittlerweile knapp sieben Jahren jeden Kontakt endgültig abgebrochen, nachdem mein Erzeuger mich beim Finanzamt in massive Schwierigkeiten brachte, die für mich in finanzieller Sicht recht böse Folgen hatten.
Ich weiß aber, das mein Bruder bis vor 2½ Jahren noch Kontakt zu unserem Erzeuger hatte. Mittlerweile ist aber seitens meines Bruders auch dieser Kontakt endgültig eingestellt worden. Es macht einfach keinen Sinn. Unser Erzeuger hat menschlich absolut null Interesse an uns. Wir wissen heute, das er gegenüber seiner Familie (zu der wir seit damals auch keinen Kontakt mehr haben) immer behauptet hat, wir dürften keinen Kontakt mit ihm haben, weil unsere Mutter dies unterbinden würde. Er hat wohl immer probiert, sich als den tollen, armen Vater nach außen zu präsentieren. Obwohl meine Mom nie versucht hat, unsere Kontakte zu unserem Erzeuger zu unterbinden, sondern stattdessen stets bemüht war, so oft wie möglich einen Kontakt zu ermöglichen, wollte er offensichtlich einfach nicht. Da hat es auch nichts gebracht, ihm gegenüber mit Moralischen Verpflichtungen oder sonstwas zu argumentieren.
Heute weiß ich, das mein Erzeuger zumindest versucht hat, jetzt wieder Kontakt zu mir und meinem Bruder aufzunehmen. Bei mir hat er auf Granit gebissen, ich will mit ihm nichts mehr zu tun haben. Ich kann wirklich nicht sagen, das ich ihn hassen würde, obwohl mir das schon häufig unterstellt wurde. Ich empfinde einfach rein garnichts ihm gegenüber. Er ist mir sowas von egal, das es kaum vorstellbar ist. Ich weiß, das es ihm wohl schwer zu schaffen macht, das ich inzwischen jeden Kontakt ablehne. Schließlich wird auch er in seiner Familie und seinem Bekanntenkreis ab und an nach seinen Söhnen gefragt. Was er da dann verbreitet, weiß ich natürlich nicht. Aber auch das ist mir völlig egal. Da ist es für mich interessanter, wenn in China ein Sack Reis umfällt, wie man so schön sagt. Für meinen kleinen Bruder sieht es ähnlich aus. Er hatte vor etwa 1½ Jahren sein letztes Zusammentreffen mit unserem Erzeuger. Während dieses Treffens schien es wohl so zu sein, das unser Erzeuger ihn wohl darum bat, einen Kontakt zwischen ihm und mir zu vermitteln. Aber mein Bruder hat das genauso abgelehnt, wie er nach diesem Treffen jeden weiteren Kontakt mangels Interesse abgebrochen hat.
Irgendwann, wenn unser Erzeuger älter wird, dann wird ihm vielleicht bewußt, das es im Alter allein auf der Prakbank doch recht einsam sein wird. Aber ich garantiere, das mir das dann genauso egal sein wird.
Ich wäre sehr sehr dankbar für einen Rat.
Ich kann Dir aus meiner eigenen Erfahrung nur wenig raten. Das wenige, was ich Dir dazu sagen, kann, ist dafür umso nachdrücklicher.
Zunächst solltest Du die Scheidung durchziehen. Besser sofort als morgen. Und wenn ich mir einen dazu einen weiteren Rat erlauben darf: Verzichte auf ein gemeinsames Sorgerecht! Wenn seitens des Vaters kein erkennbares Interesse am Umgang besteht, warum solltest Du ihm dann irgendwelche Rechte einräumen? Das könnte Dir später nur Probleme bescheren. Was wäre beispielsweise, wenn Deine Tochter für irgendwas die Zustimmung ihrer Sorgeberechtigten braucht, und sei es nur für die Unterschrift auf dem Ausbildungsvertrag? Was ist, wenn er dann nicht will? Das bringt echte Probleme mit sich. Ein alleiniges Sorgerecht für Dich stellt nur sicher, das Du als Erziehende auch allein mit Deiner Tochter entscheiden kannst, was für Deine Tochter gut und richtig ist. Du brauchst dann niemanden um seine Einwilligung anzubetteln. Das nimmt ihm ja nicht die Möglichkeit, seine Tochter zu sehen oder einen geordneten Umgang mit ihr zu pflegen. Wenn er das will, kann er das jederzeit tun.
Und wenn ich mir einen weiteren Hinweis erlauben darf, ich würde an Deiner Stelle Deiner Tochter die Wahrheit sagen. Ich weiß ja nicht, wie alt Deine Tochter ist. Aber aus meiner Erfahrung ist es besser, von Anfang an mit offenen Karten zu spielen. Wenn Du Deiner Tochter nicht die Wahrheit sagst, wird sie Dir das eventuell auch irgendwann unter die Nase reiben. Ich würde ihr erklären, das Du Deinerseits versuchst, alles zu tun, um ihr den Kontakt zu ihrem Vater zu erhalten oder zu ermöglichen. Ich würde aber auch deutlich machen, das Du niemanden dazu zwingen kannst. Genauso würde ich ihr auch sagen, das es an ihrem Vater liegt, wenn er sie nicht sehen will. Es ist sicher hart, das so zu akzeptieren. Aber das Leben ist eben nicht immer fair. Wenn Du ihr stattdessen vorgaukelst, ihr Vater hätte nur keine Zeit oder ist aus was weiß ich für Gründen einfach nur verhindert, dann suggerierst Du damit nur das Bild des ach so beschäftigten Vaters, der ja eigentlich alles nur für seine Tochter tut. Das hilft Dir und Deiner Tochter vielleicht kurzfristig, wird Euch aber später mit doppeltem Schmerz auf die Füße fallen. Wie heißt es immer so schön? Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Wenn Du Deiner Tochter erklärst, das Du sie jederzeit unterstützen wirst, wenn sie ihren Vater sehen oder erreichen will, dann wird sie auch schnell erkennen, das er derjenige ist, der nicht will. Die Erklärung dafür, warum er nicht will, die wird ihr nicht von Dir geschuldet. Die Pflicht, ihr das zu erklären liegt einzig und allein bei ihrem Vater. Wenn Du sie klar unterstützt und ihr gegenüber ehrlich bist, dann wird sie früher oder später diese Erklärung von ihm auch einfordern. Solange Du hinter ihr stehst, wird sie dies dann auch verstehen.
Ich hoffe mal, ich habe Dich jetzt nicht zu sehr nach unten gezogen. Aber mir war es einfach ein Bedürfnis, das hier zu schreiben. Ich wünsche Dir und Deiner Tochter jedenfalls alles Gute, ich bin sicher, ihr werdet das packen. Und wenn es Dich ein wenig aufbaut, dann will ich noch hinzufügen, das diese ganze Sache die Verbindung zwischen Dir und Deiner Tochter sehr stark werden läßt. Ich bin zwar keine Tochter, aber ich spreche da aus Erfahrung.
Herzliche Grüße und Bye…
Der Dicke MD.