Pflichtteil verloren

Vater V starb am Samstag nach langem Leiden. Er erfragte kurz zuvor die Kontodaten von Tochter T, da er seine Lebensversicherungen kündigen wollte. Er meinte, in ein paar Tagen hat sie das Geld auf ihrem Konto.

Alles Geld (eine Versicherung 21.000 €, die andere gibt keine Auskunft) wurde an seine ehemalige Frau F (23 Jahre geschieden, sie ist die Mutter von T) komplett ausgezahlt.

Tochter T hat davon nichts bekommen. Frage: was macht es für einen Sinn, dass beide Versicherungen im Vorfeld gekündigt wurden?

Vater V hatte zu seiner Ex noch losen Kontakt, da es ein weiteres Kind (erwachsen) gibt, der seit 10 Jahren im Gefängnis sitzt.

Während der Krankheit suchte die Ex intensiver Kontakt zu V. Obwohl Tochter T sich um ihn kümmerte. Als es ihm noch richtig gut ging, redete die Ex ständig auf ihn ein(das hat sie Tochter T gesagt), dass er was machen muss, dass sein Sohn seine Hälfte des Erbes bekommt, da er im Knast sitzt und seine Hälfte im Erbfall komplett an den Staat ginge. Die Ex ist übrigens seit 10 Jahren wieder verheiratet.

Somit hat Vater V die Hälfte schon vor seinem Tod in Sicherheit gebracht. Das ist ja auch i.O. so. Kann er ja machen.

Tochter T ist völlig verwirrt und kann das alles nicht verstehen. Sie vermutet, dass die Ex die Situation der fortgeschrittenen Krankheit ausnutzte (Morphiumkonsum etc) und ihn zu Unterschriften genötigt hat. Vater V hat seine Tochter T nie belogen. Es war ein gutes Verhältnis. Vater V sagte einmal zu Tochter T, sie sei seine allerbeste und er liebe sie sehr.

Was kann Tochter T unternehmen, dass sie an ihren Teil herankommt?

Hallo,
an ihren Teil des Erbes kommt die Tochter relativ „automatisch“ durch die gesetzliche Erbfolge (wenn zwei leibliche Kinder da sind und keine aktuelle Ehe bestand, erben die beiden).

Die Leistung einer LV ist aber im eigentlichen Sinn kein Erbe.

Zu welchen Unterschriften soll V denn hier bewegt worden sein?
Hat er die Begünstigte in seiner LV kurz vor seinem Tod geändert?
Seit wann war denn die „Ex“ als Begünstigte der LV eingetragen? Vielleicht schon seit mehreren Jahren? Das wäre nicht ungewöhnlich und wird in der Regel erst „bemerkt“, wenn man über seinen Tod nachdenkt.

Ich nehme an, es war eine kapitalbildende LV? Eine LV kündigt man, um an den Barwert der Versicherung zu gelangen oder um die monatlichen/jährlichen Belastungen der Prämie nicht mehr tragen zu müssen (z.B. bei Bezug von Hartz IV). Normalerweise lohnt sich das - je nach Laufzeit - nicht. Die LV wurde hier aber doch anscheinend nicht mehr „rechtzeitig“ gekündigt, oder?

T sollte hier zunächst mal klären, wie hoch das Erbe tatsächlich ist, welche Verbindlichkeiten (daraus) zu leisten sind (Wohnungsräumung, Beerdigungskosten z.B.) und sich ggf. mal von einem im Erbrecht bewanderten Notar oder Anwalt beraten lassen. Eine Erstberatung kostet in der Regel unter 200 EUR und ist ihr Geld meistens wert.

Gruß vom
Schnabel