Liebe/-r Experte/-in,
wir sind drei Geschwister, die in sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Verhältnissen leben. Mein Bruder als Professor hat natürlich ausgesorgt, meine Schwester aber, die chronisch krank ist, lebt in äußerst kümmerlichen Verhältnissen, zumal sie durch alle Maschen des sozialen Netzes rutscht. Deshalb wird sie von unserer Mutter, die eine sehr gute Rente bekommt, seit drei Jahren mit 800 Euro monatlich unterstützt. Außerdem bezahlt sie ihr gelegentlich Sonderausgaben wie Zahnarztbehandlung, Reparatur der Waschmaschine und ähnliches, was meine Schwester sich sonst nicht leisten könnte.
Mein Bruder, der eine Vollmacht über das Konto unserer Mutter besitzt und somit über alle ihre finanziellen Transaktionen Bescheid weiß, ärgert sich darüber und besteht darauf, nach dem Tod unserer Mutter auf diese Beträge den Pflichtteilergänzungsanspruch geltend zu machen. Sollte er damit durchkommen, würde das unsere Schwester endgültig ruinieren, da sie nichts besitzt und wirklich bettelarm ist. Unsere Mutter beabsichtigt deshalb, ihr vom Erbe mehr zukommen zu lassen, um die Verhältnisse etwas auszugleichen (viel hat sie nicht zu vererben, sie besitzt so etwa 60000 Euro). Dass das unseren Bruder noch mehr gegen sie aufbringt, kann man sich vorstellen.
Ich bin mit der Handlungsweise unserer Mutter einverstanden, da mein Bruder und ich auf dieses Erbe nicht angewiesen sind, unsere Schwester aber in hohem Maß.
Unsere Mutter will von der ganzen Sache nichts wissen und steht auf dem Standpunkt, schon der Gedanke an eine solche Forderung seitens meines Bruders sei „unmoralisch“, sie traue ihm eine solche Handlungsweise nicht zu.
Meine Frage ist: Gibt es eine juristische Möglichkeit, den Pflichtteilergänzungsanspruch meines Bruders in diesem Fall abzuweisen? (Z.B. mit dem Argument, dass unsere Mutter, die recht verschwenderisch lebt, den Betrag, mit dem sie unsere Schwester jetzt unterstützt, andernfalls sicher nicht angespart, sondern ausgegeben hätte - er wäre also nach ihrem Ableben gar nicht mehr vorhanden.)
Ich bin aber in Rechtsdingen ein völliger Laie, meine Vorstellungen sind vermutlich juristisch unhaltbar.
Für einen Rat bin ich sehr dankbar!
Judith S.