Pfuschen

Hi all,

neeeeiiiin, ich hab gar keine Frage, ich bin nur total verblüfft, weil ich gerade ein neues Wort gelernt habe.

Naja, Dialektwort zumindest.

Ich erklärte jemandem auf englisch, was das Verb ‚to cheat‘ bedeutet. Er meinte, ‚ah, pfuschen!‘.
Nee, meinte ich, to cheat ist schummeln (and was thinking I hadnt explained it well enough).

Da sagt er, ‚ja, pfuschen, sag ich doch‘.
Meine nächste Frage war zwar ein bisschen zu persönlich, aber es rutschte mir einfach so raus ‚Wo in Deutschland kommen Sie denn her?‘
… von der französischen Grenze (Saarland??? keine Ahnung).

Ich bin total baff, dass ‚pfuschen‘ da mit ‚schummeln‘ gleichgesetzt werden kann, ich kenne es nur als ‚schlampen‘.

Ist Euch diese Bedeutung bekannt?

Gruss, Isabel

Hallo Isabel!

neeeeiiiin, ich hab gar keine Frage, ich bin nur total
verblüfft, weil ich gerade ein neues Wort gelernt habe.

Du kriegst jetzt aber trotzdem eine Antwort :wink:)

„Pfusch“ steht für Schwarzarbeit, unbefugtes Arbeiten.
Zitat aus „Auf gut Österreichisch“.
„Pfuschen“ hat somit nicht automatisch etwas mit der Qualität der geleisteten Arbeit zu tun.

Ich bin total baff, dass ‚pfuschen‘ da mit ‚schummeln‘
gleichgesetzt werden kann,

Kann nicht. Bleib standhaft!

ich kenne es nur als ‚schlampen‘.

Das gibt’s bei uns nicht. Nur das Adjektiv „schlampig“ (sprich: schlampert) in der Bedeutung „oberflächlich“, „ungenau“. Aber wie erwähnt, pfuschen muß nicht schlampig sein.

Gruß aus Wien
Barney

Ist Euch diese Bedeutung bekannt?

In Sachsen, dies weiß ich definitiv und aus dem Munde eines dortigen Arbeiters, bedeutete „pfuschen“: in der eigentlichen Arbeitszeit, für die man bezahlt wurde, private Auträge, also „Schwarzarbeit“ zu erledigen.

Ein Bautrupp fuhr etwa los, aber nicht gleich zur befohlenen Arbeitsstelle, sondern zuerst zur Datsche oder zur Wohnung, zum Haus eines Kollegen, Freundes, Vorarbeiters und dort wurde das Dach renoviert, oder Fliesen verlegt oder der Keller zum Hobbyraum ausgebaut.

Fritz

Ich bin total baff, dass ‚pfuschen‘ da mit ‚schummeln‘
gleichgesetzt werden kann, ich kenne es nur als ‚schlampen‘.

„der pfuscher“ ist einerseits ein stümper, anfänger und nichtskönner (etwas verpfuschen = etwas ruinieren, in den sand setzen, durch unfähigkeit und schlamperei komplett mißlingen lassen) und andererseits der schwarzarbeitende handwerker. (in der regulären arbeitszeit muß der nicht arbeiten, der kann auch arbeitslos sein oder das am WE machen).

google bestätigt, daß die zweite bedeutung auf österreich beschränkt ist bzw. dort viel öfter als die erste vorkommt.

gruß
dataf0x

pfuschen muß nicht schlampig
sein.

aber es kann.

wenn die frisch installierte waschmaschine beim ersten einschalten eine überschwemmung verursacht, dann sagt man: „das war pfusch“ = eine dilettantisch ausgeführte arbeit. das kann auch ein steuerzahlender handwerker gewesen sein.
oder: „eine verpfuschte OP hat ihn entstellt“ (mißlungen, da ein stümper am werke war. es schwingt auch kriminelles handeln des arztes mit, nämlich daß dieser ein kurpfuscher = ein laie, der sich als arzt ausgibt, sein könnte).
„bitte nicht an den LAN-einstellungen herumpfuschen“ = kein unbefugter DAU soll sich da ranwagen.

usw.

die gemeinsame bedeutung ist „sich als ein profi ausgeben, der man nicht ist.“

gruß
dataf0x

2 „Gefällt mir“

Hi, Isabel,

Ich bin total baff, dass ‚pfuschen‘ da mit ‚schummeln‘
gleichgesetzt werden kann, ich kenne es nur als ‚schlampen‘.

Ist Euch diese Bedeutung bekannt?

ich hab das von Leuten aus Norddeutschland gehört (genaue Gegend weiß ich nicht).
Ist aber auch auf der Seite des Goethe-Instituts (http://www.goethe.de/z/jetzt/dejwort/dejworts.htm)
zu finden:

_ schummeln
In der Schule bei einer Prüfung (z.B. vom Nachbarn) abschreiben.
Synonyme:
mogeln, pfuschen , spicken_

Gruß
Kreszenz

Was meinst Du wohl…
… was ein Pfuschzettel ist und warum er so heißt?
http://www.google.de/search?q=Pfuschzettel&hl=de&lr=…

:smile:

Grüße vom Exilsaarländer…

Da sagt er, ‚ja, pfuschen, sag ich doch‘.
Meine nächste Frage war zwar ein bisschen zu persönlich, aber
es rutschte mir einfach so raus ‚Wo in Deutschland kommen Sie
denn her?‘
… von der französischen Grenze (Saarland??? keine Ahnung).

Ist Euch diese Bedeutung bekannt?

Gruss, Isabel

Noch einen mehr, Datafox,
fudeln = geläufig im Rheinland

schummeln = lt. Kluge mglw. jiddischen Ursprungs, allerdings ohne Nachweis. Vermutete Grundbedeutung „handeln“). Persönliche Meinung EWP: eher ein vornehmer Euphemismus für „bescheißen“.

pfuschen = eigentlich „schlampig, schlecht, unfachmännisch arbeiten“ aber in einer Nebenbedeutung eben auch (be-)schummeln

Gruß
Eckard

… was ein Pfuschzettel ist und warum er so heißt?
http://www.google.de/search?q=Pfuschzettel&hl=de&lr=…

:smile:

Grüße vom Exilsaarländer…

Hallo, Tom!

Als Wienerin kenne ich auch den Ausdruck Pfuschzettel nicht. Das ist bei uns - welch Überraschung - ein Schummelzettel. :wink:)

(Spickzettel gibt es afaik bei uns übrigens auch erst, seit es bundesdeutsches Fernsehen gibt.)

Liebe Grüße aus dem „Fernen Osten“
Livia

Hi Isabel,

sowohl in Koblenz als auch Mainz ist pfuschen = schummeln. Ich kannte hingegen die Gleichsetzung mit schlampen nicht. :smile:

Grüßlis
Natascha

Moin Isabel,

Meine nächste Frage war zwar ein bisschen zu persönlich, aber
es rutschte mir einfach so raus ‚Wo in Deutschland kommen Sie
denn her?‘
… von der französischen Grenze (Saarland??? keine Ahnung).

in Rheinland gibt es pfuschen in der Bedeutung von ‚Pfusch‘ = schlechte Arbeit abliefern und in der Bedeutung zu schummeln.
Pfuschzettel ist auch bekannt.
Wenn es auch im Saarland vorkommt, vermute ich einen vulgärfranzösischen Ursprung.

Gandalf

Hi Eckard und alle;

„fuddeln“ (mit zwei d) kenne ich natürlich auch. Das ist der berühmte „tote Wortschatz“, den man ewig nicht mehr benutzt hat. Das wär dann schon noch ne Ecke saarländischer als „pfuschen“.

Ma sult doch vill meh Dialekt schwätzn wenn ma ähnen hat. Un dann noch so e scheenen…

Grüße
Tom

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Pfuschen>Im Rheinland ‚Fusche‘
Hallo Isabel

Ich bin total baff, dass ‚pfuschen‘ da mit ‚schummeln‘
gleichgesetzt werden kann, ich kenne es nur als ‚schlampen‘.

Ist Euch diese Bedeutung bekannt?

Im Rheinland allgemein, aber definitiv im Kölner Raum ist ‚§fuschen‘ (Das ‚p‘ wird unterdrückt) a) sich nicht an die Regeln halten, besonders beim Spiel und b) bei Prüfungen unerlaubte Mittel nutzen, besonders in der Schule.
Ein Protest beim Spiel lautet z.B.:‚Dat jilt et nit, do häß jefusch!‘
(Das gilt nicht, du hast gepfuscht, also geschummelt).
In der Schule ist ‚fusche‘ von einem ‚Fuschzeddel‘ oder vom Nachbarn abschreiben.
Die Bezeichnung ‚Fusch, Fuscher‘ im Arbeitsleben kam meiner Kenntnis nach erst nach WKII auf, als gute Handwerker rar waren und jeder der einen Hammer oder eine Zange halten konnte Reparaturen ausführte. Bis dahin waren das ‚Murks, Murkser‘. Und in der Bedeutung von Schwarzarbeit noch etwas später. Aber gebraüchlich ist das Wort dort in allen Bedeutungen.
P.S.: Weiter unten schreibt datafox sinngemäß: Pfuscher = Anfänger! Dagegen möchte ich vehement protestieren. ‚Nichtskönner‘ akzeptiere ich gerade noch, aber ein Anfänger ist jemand, wie das Wort auch sagt, der erst noch seine Kenntnisse erlernt und Erfahrungen sammelt, also kein Pfuscher der immer in Selbstüberschätzung vorsätzlich handelt.
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Berresheim

Hallo Isabel,

im Ruhrgebiet gilt auch, daß pfuschen = schummeln oder schlampig arbeiten heißen kann. Was es im Einzelnen ist, muß dann der Kontext klären.

Und ich habe erst durch Dein Posting gelernt, daß pfuschen NICHT überall schummeln bedeuten kann :smile:

Gruß Kubi

§fu[t]sch-futschikato
Ihr Lieben, non pronto fuggire! Nicht gleich flüchten alle, wenn ich mich hier nun auch noch als „spaghettista passionato“ anschließe. Aber erst, nachdem ich bei Ernst Wasserzieher („Woher“, Deutsche Etymologie") über „§fu(t)sch“ zu „futsch (!?!Dilda) volkst.: weg, verloren, 18. Jh., auch pfutsch, lautmalerisch.; Weiterbildungen: futschikato, futschito.“
Und das „riecht“ doch förmlich nach Spaghetti alla Pappagallo!
An fuga´ (Flucht) dachte ich DA noch nicht. Aber da ist im Langenscheidt zu finden:in fuggifuggi generale´ („alles rannte Hals über Kopf weg“.
Und fuggevole´ flüchtig (gespr. fudschéwohlé, e 2mal wie in Ehe´)
Nun könnten wir einwenden: "aber Flucht? Meint `§fusch´ nicht schlechte (unprofi-, unsachgemäße) Arbeit?
Ja, aber vielleicht so auszulegen:

  1. der Hahn fängt schnell doch wieder an zu tropfen.
    DIE REPARATUR WAR SEHR „FLÜCHTIG“.
    „Montagstropfen“? Nee, das wäre ja eher ein „guter Tropfen“.
    Und obiges „Tropfen“ soll ja gerade verhütert werden!
  2. Der Handwerker, der zuviel versprochen hatte, ist schon längst über alle Berge. ??? Der Volksmund geht bekanntlich geheimnisvolle Wege.
    Und SCHEINT MEHR ZU WISSEN, manchmal, volte tante… piàtschéwohl, eh!
    Und muß dann irgendwann, `jemals´, zum Stehdele hinaus!

Pst: Im Norden zumindest ist „Pfusch“ anscheinend „mehrfachbedeutet“ (Bedeutungen zugewiesen):

  1. "nicht von einem Profi („aus den gelben Seiten“) verrichtete Arbeit,
    oder auch "von einem Profi `schwarz´ verrichtete Arbeit, wie ja oben bereits dargestellt,
    In Zusammenhang mit der negativwen Besetzung solcher Arbeit wohl entstand die „zweite Bedeutungsebene“
  2. „nachlässig verrichtete Arbeit“ („Also ERST in die Gelben Seiten schauen!“

Hochübertragen (über Transfer) ist wohl auch die Bemerkung bei Kluge zu bewerten: (danke, Eckard, für deine Erwähnung, die ich hiermit ergänze)
„pfuschen schlecht arbeiten…ltmalerisch §futsch kaputt, d. etwa das Abrennen einer Rakete oder das Zerreißen von schlechtem Stoff wiedergibt…“ zusammen mit:
futsch…vulgär zunichte´, pfutsch,.... Zu beachten die lautliche Nähe von frz. foutu futsch´ (Partizip von foutre, vermutlich in der ursprünglichen Bedeutung `beschlafen´"…

Nichtrauchen ist auch nicht GARANTIERT fruchtbar (auch Tom´s Spickzettel hilft hier wenig), carissima mammagallina di razza! Allerdings: hättest Du nicht geraucht, wärst Du hoite vielleicht schon hundert?!
Und bitte, was tun gegen schlecht herab/ÜBERhängende Lampen, lieber Installateur? (mh. `slampen´ = hang over?)

ma il trollo non è frollo?! (mürbe)
tutto paletto?

Geht auch „Kopf über Hals“ wegrennen? :smile:
aber da wird man doch schnell ganz pfahl im Gesicht!?
bei so einer gebauten Pflucht…

Pst: hatte ich beim ersten „setzen“ wieder nen Fehler gemacht?
oder hat das tRollkommando doch schon wieder zugeschlagen?
Auf jeden Fall eine Hilfe, denn erst im Vorherein fällt mir „Schmu“ in den Kopf. Kennt Ihr das Kartenspiel?
Macht Dilda zuviel Schmu? Naja, zuviel Schmus leider oft, pardon, will (aus)bessern. In Weißarbeit.

Lieber Kuddel!

Ach, wären deine Beiträge doch etwas leichter lesbar. Wenn frau sich die Mühe nimmt, sind sie hochinteressant. Jedoch benötige ich für diese Lektüre jedesmal geraume Muße - und es bleiben immer noch unverständliche Zeilen übrig.

Pst: Im Norden zumindest ist „Pfusch“ anscheinend
„mehrfachbedeutet“ (Bedeutungen zugewiesen):

  1. "nicht von einem Profi („aus den gelben Seiten“)
    verrichtete Arbeit,
    oder auch "von einem Profi `schwarz´ verrichtete Arbeit, wie
    ja oben bereits dargestellt,
    In Zusammenhang mit der negativwen Besetzung solcher Arbeit
    wohl entstand die „zweite Bedeutungsebene“
  2. „nachlässig verrichtete Arbeit“ („Also ERST in die Gelben
    Seiten schauen!“

Eben nicht nur im Norden, sondern auch bei uns im Südosten.

Nichtrauchen ist auch nicht GARANTIERT fruchtbar (auch Tom´s
Spickzettel hilft hier wenig), carissima mammagallina di
razza! Allerdings: hättest Du nicht geraucht, wärst Du hoite
vielleicht schon hundert?!
Und bitte, was tun gegen schlecht herab/ÜBERhängende Lampen,
lieber Installateur? (mh. `slampen´ = hang over?)

Geht auch „Kopf über Hals“ wegrennen? :smile:
aber da wird man doch schnell ganz pfahl im Gesicht!?
bei so einer gebauten Pflucht…

Pst: hatte ich beim ersten „setzen“ wieder nen Fehler gemacht?
oder hat das tRollkommando doch schon wieder zugeschlagen?
Auf jeden Fall eine Hilfe, denn erst im Vorherein fällt mir
„Schmu“ in den Kopf. Kennt Ihr das Kartenspiel?
Macht Dilda zuviel Schmu? Naja, zuviel Schmus leider oft,
pardon, will (aus)bessern. In Weißarbeit.

Dieser Teil ist mir unverständlich.

Liebe Grüße
Livia

‚Nichtskönner‘ akzeptiere ich gerade noch, aber ein Anfänger
ist jemand, wie das Wort auch sagt, der erst noch seine
Kenntnisse erlernt und Erfahrungen sammelt

umgangssprachlich ist „anfänger“ abwertend für „nichtskönner“. zumindest in österreich ist das so (mein pfuscherposting bezieht sich auf diesen sprachgebrauch). deshalb finde ich zb. das schild „anfänger“, das sich „fahranfänger“ auf die rückscheibe hängen [müssen?], diskriminierend und abwertend. „neuer fahrer“ ist dagegen positiv (mir fällt nichts besseres ein - „neuer fahrer“ klingt leider nach anglizismus.)

gruß
dataf0x

wow…
… wollte nur sagen, ich bin beeindruckt, wie lange ein thread, der ja ‚eigentlich‘ keine Frage beinhaltet, werden kann…
das muss ich öfters machen! Was mach da alles lernt!

Am verblüfftesten bin ich, das es soooo viele Regionen gibt, wo die mir bisher nicht bekannte Bedeutung die ‚Norm‘ ist!

Danke an alle!
Gruss, Isabel

Hallo Tom!

„fuddeln“ (mit zwei d) kenne ich natürlich auch.

Gestern stand ich ratlos vor diesem Bild und wusste mit der Beschriftung des Automaten nichts Rechtes anzufangen - heute bin ich klüger:
http://www.mburghardt.de/MeinWeb/images/31.jpg

Danke! :smile:

Hanna

http://www.mburghardt.de/MeinWeb/images/31.jpg

Hallo, Hanna,
da war aber eher „fummeln“ (= unsicher hantieren) gemeint.
Gruß
Eckard