Phänomen Realitätsflucht?

Hallo zusammen,

kennt Ihr folgendes Phänomen (vielleicht auch aus eigener Erfahrung):

Nach einem langen Film, der einen völlig in seinen Bann gezogen hat und in den man so richtig eingetaucht ist (vor allem bei monumentalen Phantasy oder SciFi-Streifen z. B. Herr der Ringe oder Star Wars, etc) hat man danach irgendwie Probleme, in die echte Realität zurückzukommen. Man bewegt sich stimmungsmäßig immer noch eine ganze Zeit lang in der virtuellen Welt des Films.

Man ist dann dann oft stundenlang schlecht drauf, weil man erkennen muss, dass die echte Realität nicht so spannend, abendteuerlich und schillernd ist und man ist unzufrieden über sein eigenes Leben. Man kommt z. B. ins Grübeln, ob man nicht nen spannenderen Beruf hätte erlernen sollen, ob man nicht mal für ein paar Jahre ins Ausland hätte gehen sollen um mal was anders zu erleben, ob man nicht schlanker und sportlicher sein sollte, etc.

Man neigt dann dazu, diesen Film immer wieder zu schauen, weil man wieder in dieser faszinierenden Welt sein will.

Ist dieses Phänomen in der Psychologie bekannt? Ist es eine „normale“ Erscheinung oder ist es eher bedenklich, wenn man so empfindet?

Vielen Dank!

Rolo

Hallo!

Ist dieses Phänomen in der Psychologie bekannt? Ist es eine
„normale“ Erscheinung oder ist es eher bedenklich, wenn man so
empfindet?

Es ist genau das, was die Filmemacher wollen, und die tun alles dafür, diesen Effekt zu erreichen. Schreib dem Regisseur in einem Brief genau das, was du hier gepostet hast, dann wird er sich wahnsinnig freuen.

Und keine Sorge, es ist normal.

Grüße

Andreas

Hi,

Man bewegt
sich stimmungsmäßig immer noch eine ganze Zeit lang in der
virtuellen Welt des Films.

dann war es wohl ein guter Film :smile:

Man kommt z. B. ins Grübeln, ob man nicht
nen spannenderen Beruf hätte erlernen sollen, ob man nicht mal
für ein paar Jahre ins Ausland hätte gehen sollen um mal was
anders zu erleben, ob man nicht schlanker und sportlicher sein
sollte, etc.

Und für den Weltfrieden kannste auch gleich sorgen :wink:
Im Ernst, wenn dich etwas sehr bewegt hat nimm es doch zu Anlass EINEN Schritt in eine andere Richtung zu gehen als bisher. Triff EINEN Tag in deinem Pauschalurlaub mal einen Einheimischen. Mach EINEN Tag doch mal das Fernsehen aus und sieh nach, ob die Sterne immer noch so leuchten wie als du Kind warst.

VG,
J~

mitreißende Spannung
Hi Rolo,

diese Phänomene, die mit Realitäts_flucht_ ja nicht richtig bezeichnet sind, waren bereits in der Blütezeit der griechischen Tragödie bekannt. Sophokles, Aischylos, Euripides waren Techniken bekannt, diesen Effekt zu benutzen und zu forcieren.

Und Aristoteles hat (in der „Poetik“) erklärt, wie es geht und warum es nützlich ist. Stichwort „Katharsis“, „Identifizierung“, „Illusion“ …

Und Bertolt Brecht zielt in seinem Epischen Theater genau auf dieses Phänomen mit dem → „Verfremdungseffekt“.

Eine spannende Lektüre oder ein anregendes Gespräch, sogar ein nicht-alltäglicher Spaziergang im Wald kann übrigens genau dieselbe Wirkung haben.

Gruß
Metapher

Gruß
Metapher