Phimose bei Kindern

Hallo liebe www’ler!

Vorab: Meine Anfrage finde ich in diesem Brett passender als bei „allg. Medizin“, da es dabei nicht um ein medizinischen Rat gehen soll sondern mehr um EURE Erfahrungen als Eltern.

Mein Sohn ist gerade 4 Jahre alt geworden. Bei der U8 wurde nun bei ihm eine Phimose festgestellt (Vorhautzipfel leicht gerötet, Pullerstrahl schief, Vorhaut bläht sich beim Pinkel auf). Aussage der Ärztin: Muß operiert werden.

Nun meine Anfragen:

  1. Gibt es Alternativen/Vorabversuche zu einer Operation (z.B. spizielle Creme etc.). Erfahrungen?

  2. Bei einer Operation gibt es Unterschiedliche Stufen der Beschneidung (ganz ab, nur der Zipfel etc.). Hat hiermit jemand Erfahrung gemacht?

  3. Welche Erfahrung habt ihr bezüglich der psyichische Belastung durch eine Beschneidung bei den Kinder? Wie bereitet man sie am besten darauf vor? Wann ist der günstigste Zeitpunkt (4 - 5jährigen bauen in diesem Zeitraum eine besondere Beziehung zu ihrem besten Stück auf, es kann zu Kastrationsängsten kommen)?

Noch einmal die Bitte: Keine links - habe ich mir schon reichlich angeschaut :wink: - sondern persönlich Erfahrungen sind gefragt. Danke!

Viele Grüße,

Sven

Hallo Sven.
Unser Sohn wurde mit 3 Jahren operiert. Mehrheitlich wird die Vorhaut komplett entfernt. Ich hatte eine Ärztin in Kassel, die eine ganz besondere Technik angewendet hat. Sie hat die Vorhaut quasi komplett an der Eichel gelöst, dann ein Stück gekürzt und genauso, wie sie in der Natur angesetzt ist, wieder angenäht. Vorteil: die Eichel liegt nicht völlig frei, sondern nur ein ganz kleines Stück. Ich habe nicht das Gefühl, dass mein Sohn ,der jetzt 15 ist, darunter gelitten hat oder noch leidet.
Der Krankenhausaufenthalt dauerte drei Tage und unser Sohn ist schon am OP-Abend wieder über Tisch und Bänke. Man kann es auch ambulant machen, ist kein Problem. also, ihr braucht keine Angst davor zu haben. Wenn du willst, kann ich auch herausfinden, wo diese Ärztin abgeblieben ist, in Kassel ist sie nicht mehr.Dann schick mir ein Mail.
Gruß
R.

Hallo Sven,

ich denke, Crème oder ähnliches kannst Du in der Tat vergessen. Um einen Eingriff wird Dein Kleiner da wohl nicht herumkommen, will er später nicht große Probleme (auch beim GV) haben…

Meine Erfahrung (bzw. die meines Sohnes natürlich): Als er in etwa so alt war wie Dein Kleiner, da kam er mit einem völlig geschwollenen und sehr schmerzenden Penis aus der Kita, er wimmerte wirklich fürchterlich. Wir gingen sofort ins Krankenhaus, wo man sich nicht an den kleinen Kerl herangetraut hat und extra (bin heute noch dankbar dafür) einen Kinderurologen hertelefoniert hat.

Infolge der Phimose und Keimen vereiterte binnen kürzester Zeit der Penis, sodass die Vorhaut verklebte und ein hühnereigroßer Stau darunter entstand. Da half nur noch die Lösung der Vorhaut von der Eichel. Nach ein paar Wochen also, als die Vereiterung weg war, bin ich zu diesem Kinder-Urologen in die Praxis, da wurde der Penis meines Sohnes vereist und mit einer Art Draht ganz vorsichtig rundherum die Vorhaut gelöst. Eine Beschneidung war so nicht notwendig oder ähnliches Entfernen von überschüssiger Haut.

Eine Woche lang haben wir das „gute Stück“ schön in Watte gepackt und jeden Tag ordentlich in einer Kaliumlösung gebadet, dann war alles ausgestanden. Bis heute (er wird 9) sind keine Probleme mehr aufgetreten. Von einer Psychose ganz zu schweigen.

Meine Tipps an Dich: Höre Dir die Meinungen mehrerer Ärzte an. Suche gezielt nach einem Urologen für Kinder. Ich persönlich habe übrigens Männern mehr getraut, weil ich glaubte, die könnten Schmerzen besser nachvollziehen. Ist aber natürlich eine Bauchsache :wink:

Mach keinen großen Tanz um die Geschichte, noch ist der Penis für Deinen Sohn das Gleiche wie das Ohr oder der Finger oder ein Fuß. Er wird also keine späteren Ängste wie von Dir beschrieben entwickeln, wenn Du ihm das durch Dein Verhalten nicht implizierst.

So, waren das genug persönliche Erfahrungen?
Ich wünsch Dir, aber vor allem dem Kleinen, alles Gute.

Jana

Hallo Tzwenn oder Sven (wenn dir das lieber ist :wink:

Unser Sohn bekam mit etwa 1 1/2 Jahren eine Phimose diagnostiziert. Das war in Suedafrika, wo sowieso die meisten Kinder beschnitten sind oder werden. Da ich aus verschiedenen Gruenden nicht wollte, dass mein Sohn beschnitten wird, hab ich um dieses Stueckchen Haut gekaempft (war schwierig, ein paarmal hatte ich das Gefuehl, wenn ich mich fuer 1 Minute umdrehe und nicht gucke, ist es weg!). Hab dann im dritten Anlauf einen Arzt gefunden, der uns geholfen hat: er hat die Vorhaut mit einem kleinen Schnitt aufgetrennt und das Ding praktisch wie eine Banane geschaelt (so sah es halt aus). Danach kam eine entzuendungshemmende Creme drauf. Und fuer etwa ein Jahr versuchten wir taeglich die Haut ein bisschen zurueckschieben. Das hat geklappt und er hat heute keine Probleme damit (einziges Problem war, dass er seiner Kindergaertnerin mal erzaehlt hat, dass seine Mama jeden Abend an seinem „Pommy“ [sein Wort dafuer] rumspielt - es hat einige Ueberzeugungskraft gekostet, dass mir keine schlimmen Absichten unterstellt wurden!).
Das ist unsere persoenliche Erfahrung. Natuerlich kann ich nicht beurteilen, ob das bei deinem Sohn eine Alternative ist. Es hilft vielleicht, einen oder mehrere andere Aerzte einzuschalten.

Nun zur eventuellen Operation: ich hab zwei Jahre lang in einem Krankenhaus Kinder auf Operationen vorbereitet, das letzte Jahr habe ich Kinder im Alter von 3 bis 14 auf eine Beschneidung vorbereitet. Ich weiss nicht, wieviele der Jungs hinterher Probleme damit hatten. Aber ich weiss aus den Gespraechen vorher, wie wichtig eine ganz ehrliche Aufklaerung war. Ganz konkret: wie geht die Operation vor sich (angefangen von der Narkose, der Op-Vorbereitung, dass da Leute mit Masken rumlaufen usw. bis zu den Gruenden der Op und wie das hinterher dann aussieht und wie lange es voraussichtlich dauert bis es heilt und vor allen Dingen, nicht sagen, dass es nicht wehtun wird - also Ehrlichkeit rundrum) und wie sieht das hinterher aus. Eventuell mit Bildern (wenn man den Papa nicht als Anschauungsmaterial benutzen kann). Bei manchen Jungs ist der freigelegte Penis eine ganz zeitlang hinterher rot-blaeulich verfaerbt, darauf sollte man auch vorbereiten.
Auch daran denken, dass dein Sohn noch recht klein ist und eventuell seine Befuerchtungen gar nicht ausdruecken kann. Also nicht auf Fragen warten - sondern Themen anschneiden und die Reaktion beobachten. Auch offensichtliches Desinteresse kann Unsicherheit und Aengste verdecken. Mit anderen Worten: der uebliche Drahtseilakt der Kommunikation.

Viel Glueck,
Elke

Danke an euch alle! Hat geholfen. O.T.