Phonetische Analyse gälische Aufnahme

Hallo Forum,

ich frage mich, was die Schotten so aussprechen, wenn sie hartes oder weiches r sprechen. In der phonetischen Umschrift steht immer nur [r] bzw. [r̴] fürs harte und [rʲ] fürs weiche r, aber das klingt mehr nach [r̝] (von dem ich dachte, das gäbe es nur im Tschechischen). Was hört ihr?

Hier die Hörprobe:
http://www.vidoemo.com/yvideo.php?i=bFVOcnRkcWuRpUVV…
Der Text steht hier:
http://www.celticlyricscorner.net/fowlis/moghruagach…
Achtet bitte besonders auf die Wörter „ort“ (2. und 4. Zeile), „fhuair“ (5. Zeile), „litir“ (5. Zeile), „Dimàirt“ (5. Zeile) und „air“ (8. Zeile).

Liebe Grüße
Immo

Dia dhuit/Grüß dich!
Also zunächst einmal herzlichen Dank; du hast mich auf die „Adresse“ einer begnadeten Sängerin gebracht! - Da nun die Gälisch-Sachverständigen zwischen Grönland und Kaukasus dünn gesät sein dürften, versuche ich es einmal (drei Irland-Reisen, etwas Ahnung vom Irisch-Gälischen), lose Bekanntschaft mit dem Gälischen Schottlands: Seien wir doch einmal froh, dass ein Sänger/eine Sängerin (hier Julie Fowlis; stimmt’s so?) einen Text so singt, dass er zumindest für einen Außenstehenden original klingt! Wie viele „gälische“ Sänger gibt es doch, die halt irgendetwas vom Papier herunter produzieren? Umgekehrt aber auch: Manche haben im Hinterkopf, dass es ja das englische „R“ auch nicht sein kann, und sie bringen durchwegs ein reinstes „R“ nach Siebs-Norm zustande.
In der Tat kennt das Gälische zwei R: Das dunkle (oder nennen wir es halt wie die Russen „hart“) ist wie unser Zungen-R, aber irgendwie weiter hinter; nicht wie das amerikanische. Das helle entspricht auch einem Zungen-R, aber in Richtung J in „Journal“ oder Z in „zealous“ (englisch).
Ich bin nun aber alles andere als ein Fachmann für alle Varianten des irischen und schottischen Gälisch; und außerdem darf man nicht übersehen, dass sich überall im Laufe der Jahrhunderte alle möglichen Mischformen ergeben haben. Für mich persönlich gilt deshalb die Regel: Gutes Gälisch ist, wenn sich jemand bemüht, entweder die ihm vertraute Mundart/Variante wiederzugeben oder aber, sich eine als gut anerkannte Variante anzueignen. Als schlecht empfinde ich heruntergelesenes /-gesungenes Gälisch laut englischer Umschrift, ohne Bezug zu der Lebenswirklichkeit in der betreffenden Gegend.
Gruß
Sepp

Hallo Sepp!

Also zunächst einmal herzlichen Dank; du hast mich auf die
„Adresse“ einer begnadeten Sängerin gebracht!

Bitte sehr!

Da nun die
Gälisch-Sachverständigen zwischen Grönland und Kaukasus dünn
gesät sein dürften

Das macht ja nichts, deswegen hatte ich ein Tondokument beigelegt und gehofft, es würde sich ein Sprachwissenschaftler dessen annehmen. Phonetik kann man ja auch ohne Sprachkenntnisse betreiben.

Seien wir doch
einmal froh, dass ein Sänger/eine Sängerin (hier Julie Fowlis;
stimmt’s so?) einen Text so singt, dass er zumindest für einen
Außenstehenden original klingt!

Julie Fowlis ist auch Gälisch-Muttersprachlerin. Sie stammt von North Uist, und auf den äußeren Hebriden ist Gälisch noch sehr lebendig (von Süden nach Norden abnehmend).

Ihr Gatte ist übrigens Ire und kann, soweit ich weiß, auch Irisches Gälisch auf Muttersprachlerniveau sprechen. (Ob er tatsächlich Muttersprachler ist, weiß ich nicht.)

In der Tat kennt das Gälische zwei R: Das dunkle (oder nennen
wir es halt wie die Russen „hart“) ist wie unser Zungen-R,
aber irgendwie weiter hinter;

Was heißt jetzt „irgendwie weiter hinten“? Ist die Artikulationsstelle zurückverlagert, wird es also postalveolar oder gar palatal artikuliert? Ist das r in „ort“ in der Aufnahme postalveolar?
Oder sprichst Du von Koartikulation, wie es die Standardumschrift suggeriert?

Das helle entspricht auch einem Zungen-R, aber in Richtung J in
„Journal“ oder Z in „zealous“ (englisch).

Was ist ein Zungen-R „in Richtung j“? Das tschechische ř klingt auch ein wenig nach ž, weil der Kontakt am Gaumen fester ist. Manche Sprecher artikulieren diesen Laut auch laminar. Ist dies im Gälischen der Fall? Oder klingt es aus anderen Gründen nach „j“?
Auch ein palatal artikuliertes r weist Friktion auf (aber da wären wir ja wieder bei einem Kandidaten fürs harte r), und durch Nähern der Zahnreihen (dafür gibt’s leider nur ein EXT-Ipa-Symbol, das aussieht wie zwei Dental-Diakritika) erzeugt man auch einen ž-Laut, egal was für einen Laut man primär artikuliert.

Wie artikuliert die Sängerin nun die weichen r in „litir“, „Dimàirt“ und „air“? Das letztere klingt nich einmal nach einem Vibrant, sondern allenfalls nach einem Flap.

Als schlecht empfinde ich
heruntergelesenes /-gesungenes Gälisch laut englischer
Umschrift, ohne Bezug zu der Lebenswirklichkeit in der
betreffenden Gegend.

Keine Frage. Ich will ja auch keine englische Umschrift, sondern eine phonetische, möglichst enge. Ich persönlich nehme den Unterschied zwischen dem r in „ort“ und dem in „Dimàirt“ auch nicht wahr, aber irgendwo muss er ja sein.

Liebe Grüße
Immo