ich habe vor zum WS2000 Physik zu studieren und da hier genau die Themen angesprochen werden, die mich interessieren, habe ich mir gedacht, ich frag’ mal nach:
Wer ist denn hier Physik-Student und hätte Lust mir ein bißchen zu beschreiben, was mich erwartet, besonders in den ersten Semestern, was die Vorteile verschiedener Unis sind und ähnliches!
Wer ist denn hier Physik-Student und
hätte Lust mir ein bißchen zu
beschreiben, was mich erwartet, besonders
in den ersten Semestern, was die Vorteile
verschiedener Unis sind und ähnliches!
Bin zwar kein Student mehr, aber es ist auch
nicht allzu lange her. Habe Physik in Jena
studiert. Dort kannst Du Dich anmelden,
wenn Deine Interessen in Richtung Optik,
Astronomie, Gravitationstheorie,
Supraleitung gehen. In den ersten beiden
Studienjahren wirst Du nicht darum herum
kommen, Dir viele Mathevorlesungen
anzuhoeren. Wissen in Mathe wird auch ge-
prueft. Die ersten Vorlesungen werden Dir
vorkommen, als waerest Du auf einem anderen
Stern gelandet, aber man gewoehnt sich
an den Latein der Vortragenden. Die
Mathematik, die in den Vorlesungen gehalten
wird, hat kaum noch etwas mit dem zu tun,
was man in den Schulen gehoert hat. Da Du
ja noch etwas Zeit hast, schlage ich Dir
vor, (falls es sowas zu haben gibt) einen
fakultativen Mathe-Kurs zu besuchen. Was
man wirklich verstanden haben sollte, damit
meine ich, es muss die Logik verstanden
worden sein, ist Differential- und Integral-
rechnung. Es genuegt nicht, die Definitionen
beten zu koennen, man muss diese Dinge an-
wenden koennen.
Physik ist eins der anspruchvollsten
Studienrichtungen, aber auch eins der
interessantesten und eins das die meiste
Flexibilitaet bei der spaeteren Berufswahl
bietet. Wer grosses Interesse an Physik
zeigt, sollte meines Erachtens seine Scheu
vergessen, alle Bedenken, die andere
aeussern vergessen, und den Sprung wagen.
Ist das erste Studienjahr geschafft (das
ist in der Tat das schwierigste), dann
werden die anderen auch laufen…
Mein Physik-Studium ist auch schon etwas her, aber trotzdem ein paar Worte:
Ich habe in Bonn studiert und fühlte mich dort recht wohl auf Grund der Atmosphäre und der Schönheit der Stadt.
Bonn bedeutet am Ende des Studiums eine Ausrichtung auf Elementarteilchen (Bonn hat ein eigenes Synchrotron) und Festkörperphysik, aber das ist zu Beginn noch nicht relevant.
Dich erwartet in den ersten Semestern erst einmal viel Mathematik und die klassische Physik. Wer Physik studieren will, weil man da so schön basteln kann, wird vor eine harte Probe gestellt, denn vor das Basteln ist erst einmal das Verstehen gestellt. Mich hat stark beeindruckt, daß wir den Mathestoff der Schule aus zwei Jahren innerhalb von 3 Monaten durchgegangen sind und das mit einer bis dahin nie erfahrenen Gründlichkeit.
Ansonsten ist Physik ein sehr grundlegendes Studium, aber mit dem kleinen Nachteil, daß es wenig typische Arbeitsplätze Physik gibt. Nach Beendigung der Doktorarbeit stellen sich etwa 50% aller Absolventen vor, in der Universität unterzukommen, doch nur etwa 5% schaffen es tatsächlich (ich auch nicht). Die meisten Physiker landen arbeitsmäßig dann bei der Informatik, was auch berechtigt ist, denn als Physiker lernt man manches, was bei der Arbeit mit dem Computer wesentlich ist.
Als Letztes noch ein Punkt. In der neuesten Physics World gibt es einen Artikel, der fragt, ob es in der Physik überhaupt noch genug offene Probleme zu bearbeiten gibt. Er kommt zu dem Schluß, daß dies der Fall ist, daß es aber angesichts stark sinkender Physikstudentenzahlen möglicherweise keine Physiker mehr geben wird, um sie zu bearbeiten.
ich habe vor zum WS2000 Physik zu
studieren und da hier genau die Themen
angesprochen werden, die mich
interessieren, habe ich mir gedacht, ich
frag’ mal nach:
Wer ist denn hier Physik-Student und
hätte Lust mir ein bißchen zu
beschreiben, was mich erwartet, besonders
in den ersten Semestern, was die Vorteile
verschiedener Unis sind und ähnliches!
Ich hätte ev. Lehrbücher zu verkaufen für Dich.
Frage in der Uni oder bei Fachleuten nach, ob die für Dich wertvoll wären.
Grimsehl Band 1-4 (1961)
PiRo
Hallo, Alexander,
ein immer wieder schönes Thema für altgediente Physiker, neue Opfer zu suchen, schließlich müssen ja noch Probleme gelöst werden (s. anderes Posting mit dem `Physics World’ - Zitat).
Einige Punkte:
Studiere wirklich das, was Du wirklich gerne möchtest. Wenn Du E-Technik wegen des Arbeitsmarktes studierst, aber keinen großen Spaß hast (Schein- und Praktikumsdruck!!), wirst Du kein guter E-Techniker werden, denn das letzte, wichtigste Quentchen Qualität kommt von innen - egal wieviel Du noch auswendiglernst.
Man kann (mittlerweile) mit jedem Diplom fast alles machen. Das Diplom ist keine bürokratische Einschränkung auf wenige Standardberufe mehr. Werde aus eigenem Willen vielseitig, und zwar in der Studienzeit! Habe immer Zeit für andere Dinge, Physik machst Du immer irgendwann noch.
Weil Mathe und Physik am Anfang (und auch später) so schwer sind: Aus eigener Erfahrung und Anschauung (ich gebe Ph-Nachhilfe für Studenten) weiß ich, daß viele schon deswegen nichts kapieren, weil der Prof es tatsächlich regelrecht *schlecht* vermittelt. Erkläre ich was bei einer Tasse Kaffee, kapieren die meisten sofort. Also: Immer an sich glauben, im Zweifelsfall ist Prof, Assi oder Lehrbuch für einen persönlich ungeeignet. Ich war immer kurz davor, die Vorlesungen zu schwänzen und selbst zu lesen, aber dann sieht man die anderen nicht mehr und verabredet sich nicht zum Kaffee…
Such Dir eine schöne Stadt oder Uni für das Grundstudium, das ist bei fast allen gleich. Spezialhinweis: Achte darauf, daß Elektrodynamik zum Vordiplomsstoff gehört, denn die allermeisten Unis verlangen sonst eine Nachprüfung, wenn man nach dem Vordiplom die Uni wechselt. Eine der beiden Unis in München (ich glaube, LMU) hat nicht E-Dynamik im Vordiplom, deswegen mußten die Grundstudiums-Münchner woanders noch eine Nachprüfung machen.
Ziehe das Grundstudium trotzdem gemäß Studienplan durch - wenn man im 6. Semester immer noch nicht das Vordiplom hat, frustet das ganz schön, wenn schon einige Kommilitonen Aufwärmübungen bei einer Arbeitsgruppe für die Diplomarbeit machen…
Das Hauptstudium ist für den Schlendrian freigegeben. Glaub mir, es lohnt sich. Wer schnell oder pünktlich studiert, ist selber schuld, wenn er mit Mitte 30 das Gefühl hat, er habe etwas verpaßt. Nach dem Vordiplom (4 Semester) habe ich weitere 12 Semester (incl. Auslandsjahr) studiert, und ohne die TheoPhysik-Ahnung aus dieser Zeit hätte ich mich nicht nach Leipzig getraut, um dort zu promovieren, schließlich ist die sowjetische Physikschule weltberühmt gewesen.
Im Hauptstudium haben die Physik-Fachbereiche schon eher ein eigenes Profil, da kann es passieren, daß an einer Uni Allgemeine Relativitätstheorie nur alle zwei Jahre gelesen wird (z.B. TU Darmstadt), während man sich in Halle (auch in Jena? - korrigiere mich, MEB!) sich mit Stringtheorie und Supersymmetrie erschlagen darf. Aber das wirst Du vor Ort dann schon sehen.
Wichtig ist: Immer nur positiver Streß im Studium!
Gefühl hat, er habe etwas verpaßt. Nach
dem Vordiplom (4 Semester) habe ich
weitere 12 Semester (incl. Auslandsjahr)
studiert, und ohne die TheoPhysik-Ahnung
aus dieser Zeit hätte ich mich nicht nach
Leipzig getraut, um dort zu promovieren,
schließlich ist die sowjetische
Physikschule weltberühmt gewesen.
Und Du bist noch stoz darauf, 8 Jahre studiert zu haben!!! Klasse…und dann noch promovieren SUPER. Dich will doch keiner mehr in der Industrie haben.
Mit Deinen tollen Tips solltest Du lieber Sozialpädagoge werden!!!
Und Du bist noch stoz darauf, 8 Jahre
studiert zu haben!!! Klasse…und dann
noch promovieren SUPER. Dich will doch
keiner mehr in der Industrie haben.
Mit Deinen tollen Tips solltest Du lieber
Sozialpädagoge werden!!!
Genau! Wo kommen wir denn da hin! Kommunistenpack! Vermutlich hat der sich nicht ordentlich auf sein Studium konzentriert, hat womoeglich ueber den Tellerrand geschaut und vielleicht sogar Spass gehabt. Das widert mich direkt an! Solche Leute brauchen wir nicht! Die Industrie braucht Leute die 40 Stunden arbeiten, nicht fragen und fleissig kaufen.
Schoen das es so stramme Konsumenten wie Dich gibt, lieber Juergen, die wissen wie man ordentlich zu studieren hat. Wo wuerden wir denn sonst hinkommen?!
ich habe an der FH-Luebeck zwar E-Technik studiert, bin aber nach dem Vordiplom in eine Mischrichtung tech.Physik und E-Technik gegangen.
Wenn Du praktisch veranlagt bist, ist eine FH vielleicht interessanter.
Die FH-Luebeck bietet im Rahmen der Angewanten Nautwissenschaften Technisches Gesundheitswesen, tech. Chemie und tech. Physik an. Die ET und Phy. Mischung heist Mikrosystemtechnik.
Schwerpunkte kannst durch ein Modualisierungssystem selber setzen.
Ein super Vorteil der Fh-Luebeck ist, dass sie sehr klein ist. Das bedeutet allerdings auch, das sie eher unbekannt ist.
Ansonsten ist Luebeck ein nettes Kaff.
stresst Euch mal nicht so. Die „Industrie“ hat überhaupt keine Problem damit wenn jemand lange studiert. Wenn es zur Persöhnlichkait passt, eventuell ein Auslandsjahr dabei ist und der Mensch gut ist sehe ich da kein Problem. Die Frage ob ich es jemandem empfehlen würde ist eine andere.
Ich selbst habe mein Grundstudium auch zügig durchgezogen (4 Sem.) und auch die Scheine fürs Diplom schnell zusammen gehabt (weitere 4). Dann fiel ich ins Grübeln, habe von Kernphysik auf theoretische Festkörperphysik umgesattelt und letzlich 2 Jahre und den Spass verloren. Bei Mir wars also eher nix. Aber das muss jeder dann sehen wenn das Grundstudium vorbei ist.
Max
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Im Hauptstudium haben die
Physik-Fachbereiche schon eher ein
eigenes Profil, da kann es passieren, daß
an einer Uni Allgemeine
Relativitätstheorie nur alle zwei Jahre
gelesen wird (z.B. TU Darmstadt), während
man sich in Halle (auch in Jena? -
korrigiere mich, MEB!) sich mit
Stringtheorie und Supersymmetrie
erschlagen darf.
Solche Dinge habe ich in Jena noch nicht
gesehen. Dort findet man viel Optik!!!,
Festkoerpertheorie (auch Richtung Supra-
leitung), Astronomie und
Gravitationstheorie.
Und Du bist noch stoz darauf, 8 Jahre
studiert zu haben!!! Klasse…und dann
noch promovieren SUPER. Dich will doch
keiner mehr in der Industrie haben.
Sag mal, woher beziehst du dein Wissen ? BIST du etwa die Industrie ? Nach deiner mail address eher nicht … ;o)
Fakt ist, daß Auslandserfahrung mehr zählt als Absolvieren des Studiums in Mindestzeit. Mir sind Leute mit ein bißchen Lebenserfahrung 1000mal lieber als Mr. Besserwiss, der sein Studium in Nullzeit absolviert hat