Physik Studium in Bonn

Hallo!

Bin bald mit meinem Abitur fertig und muss auch nicht zum Bund/Zivildienst da T3.
Nun wollte ich mich zunächst bei der Lufthansa bewerben, doch gesetzt der Fall, dass ich das Bewerbungsverfahren nicht schaffe ( zur erwartende Wahrscheinlichkeit 97% =)) plane ich ein Physik Studium in Bonn zu beginnen.
Nun wollte ich mal fragen, ob es hier wen gibt, der Physik in Bonn studiert hat, und etwas darüber erzählen kann, also speziell zum Studium an der Uni Bonn?
Bin auch noch mit Paderborn am liebäugeln, vor allem weil da einige meiner Bekannten auch studieren, jedoch möchte ich lieber Diplom als Bachelor machen… was haltet Ihr davon?

Hallo,

soweit ich weiß, kann man in Paderborn genauso ein Diplom erlangen, wie an der Uni in Bonn. Bachelor/Master ist nur eine weitere Wahlmöglichkeit des Abschlusses. Da das in Paderborn eine „Gesamthochschule“ ist, hängt es wohl auch davon ab, ob man am „Fachhochschulteil“ oder am „Universitätsteil“ studiert. Da kenne ich mich nicht so aus. Einige meiner Freunda haben dort studiert (ebenfalls Physik) und fanden es ganz ok.

Ich habe an der Universität Bonn Physik studiert und es war GRAU-EN-HAFT! Mathematik zusammen mit den Mathematikern. Professoren, die man nur mit dem Fernglas im Hörsaal anschauen konnte und die mit dem Gros der Studenten nichts zu tun haben wollten (Ausnahme: Studienstiftler, wenn Du zu denen gehörst, dann ist Bonn sicher nicht so schlimm).

Tutoren, die in den Übungsgruppen zusätzlichen Stress aufgebaut haben, anstatt den Studenten zu helfen. Total überfüllte Nebenfachvorlesung an einem ungünstigen Standort (Chemie zusammen mit den Medizinern, Biologen, Geologen, Pharmazeuten, und und und). Allerdings gab es als Alternative Astronomie, was aber mit mehr Aufwand verbunden war (drei Scheine, anstatt einem und säckeweise Hausaufgaben). Ich habe trotzdem Astronomie gemacht :smile:

Bonn ist eine Massenuni! Mit allen dazugehörigen Nachteilen! Gerade im Grundstudium geht man da als Student komplett in der Masse unter.

Ich sag’s immer wieder gerne: Suche Dir für das Grundstudium die kleinstmögliche Uni in Europa oder wenigstens Deutschland. Für das Grundstudium brauchst Du in erster Linie gute Betreuung bei Professoren, die sich nicht nur für die besten 2% des Semesters insteressieren. Und keine Angst vor vermeintlich kleinen Städten (Bonn ist ja auch nicht gerade eine Großstadt). Wo Studenten sind, da ist auch immer abends was los :smile:

Nachdem Du das Vordiplom hast und Dir einen Überblick über Dein Fach verschaffen kannst, suchst Du Dir dann die Uni, an der Deine Schwerpunkte am besten vertreten sind und machst dort weiter. Das Vordiplom wird überall problemlos anerkannt.

So hast Du vermutlich die bestmögliche Ausbildung in Verbindung mit den geringstmöglichen Frustrationen.

Viel Glück bei der Lufthansa und viel Spaß im Studium!

Gruß

Fritze

Physik in Bonn
Hi Hendrik

es kommt drauf an, was du für berufliche Interessen und Zukunftspläne hast.

Auch ich habe im Physikalischen Institut der Uni Bonn Physik gemacht. Allerdings war das zu einer Zeit, als es sich um einen der angesehendsten Ausbildungplätze weltweit speziell im Gebiet Teilchenphysik handelte. Beim späteren Nobelpreisträger Wolfgang Paul zu studieren, war ein Erlebnis eigener Art. Und Hirzebruch (Mathematik), Hasenjäger (Logik), Bleuler, Rollnik und Dietz (Theoretische Physik), Priester (Astronomie) sind ebenfalls Namen, die für sich sprechen. Auch heute lehren dort z.B. die ehemaligen Kommilitonen Werner Nahm, Hans-Peter Nilles, beide mit globalem Bekanntheitsgrad in der Theoretischen Physik.

In der experimentellen Teilchenphysik (wie auch in der Radioastronomie) spielen die Anlagen des Instituts auch heute in der vordersten Front mit … wenn du also in dieser Richtung Ambitionen hast, empfiehlt es sich, dort das Studium durchzuziehen. Die Studienbedingungen als solche heutzutage sind dir ja anschaulich beschrieben worden, die erfordern sicher einiges Stehvermögen …

Gruß

Metapher

Hallo,

es kommt drauf an, was du für berufliche Interessen und
Zukunftspläne hast.

Hä?

Auch ich habe im Physikalischen Institut der Uni Bonn Physik
gemacht. Allerdings war das zu einer Zeit, als es sich um
einen der angesehendsten Ausbildungplätze weltweit speziell im
Gebiet Teilchenphysik handelte. Beim späteren Nobelpreisträger
Wolfgang Paul zu studieren, war ein Erlebnis eigener Art.

Ich fand die theoretische Physik besonders grausam und die (Experimentalphysik) Vorlesungen von Heinloth viel besser. Der hatte zwar nur C3 und keine eigene Sekretärin zur Studentenabwehr, aber dafür extrem anschauliche Vorlesungen. Leider wurde er im Grundstudium häufig nur auf die Nebefächler losgelassen.

Und
Hirzebruch (Mathematik), Hasenjäger (Logik), Bleuler, Rollnik
und Dietz (Theoretische Physik)

Dietz, war das nicht der, bei dem zwei Semester hintereinander um und bei 60% der Studenten durch die theoretische Elektrodynamik gerasselt sind? Und zwar auch (fast) Diplommathematiker, denen noch ein Nebenfachschein in Physik fehlte. Mit den Tafeln im großen Hörsaal Mathematik kam er auch überhaupt nicht zurecht. Er weigerte sich zudem, in dem riesigen Hörsaal mit Mikrofon zu lesen. Da der Raum mit 200 Jahre alten Holzbänken bestückt war, war hinter der dritten Reihe aufgrund des allgemeinen Knarzens, Knarrens, Quietschens und ein wenig Blätterrascheln absolut nix mehr zu verstehen. Ja, ich finde auch, bei Dietz 'ne Vorlesung war ein Erlebnis der besonderen Art.

, Priester (Astronomie) sind
ebenfalls Namen, die für sich sprechen. Auch heute lehren dort
z.B. die ehemaligen Kommilitonen Werner Nahm, Hans-Peter
Nilles, beide mit globalem Bekanntheitsgrad in der
Theoretischen Physik.

Der Bekanntheitsgrad der Dozenten ist im Grundstudium gänzlich wurscht. Es ist auch für eine spätere Anstellung vollkommen unerheblich, bei welcher Universität man das Vordiplom gemacht hat. Wichtig ist dort allenfalls, wo man den Abschluss gemacht hat. Für das Hauptstudium mag Bonn in einigen Bereichen nicht ganz verkehrt sein, für das Grundstudium ist die Uni jedenfalls absolut nicht zu empfehlen.

Gruß

Fritze