Hallo,
ein sehr sehr interessantes Thema. Ich habe nur bisher keine einzige Studie gefunden, die beschreibt warum man bei den üblichen Antibiotikas eine herabgesetze Wirkung der Pille haben soll. Ich will ja nicht sagen, dass ich es bezweifel, aber ich hätte gerne ein nachvollziehbare Ursache. Meist ist es doch die Erkrankung an sich, die eine verminderte Resorption der Pille nach sich zieht. Aber die Pille ist ein Hormon. Wie soll die Pille wirkungsvoll dauerhaft mit einem Anbiotikum interagieren?!
Ich denke eine bedeutsame Abschwächung der Pillenwirkung ist bei den gängigen Antibiotika äusserst unwahrscheinlich (ausser es kommt zu Durchfall oder Erbrechen).
Die aktuelle Fachliteratur beschreibt folgendes:
„Frauen, die Antibiotika einnahmen haben zwar statistisch bedeutsam, nicht aber klinisch [bezüglich der Wirkung] bedeutsamt verminderte Blutwerte für Östrogene und Gestagene.“
Man kann also Abweichungen der Blutwerte beobachten, die Verhütung ist aber normalerweise trotzdem gegeben. Dementsprechend sehen einige Literaturquellen sogar keinen Bedarf für einen zusätzlichen Schutz: „Breitspektrum Antibiotika…reduzieren nicht die Effektivität oraler Kontrazeptiva…backup Methoden [Kondome] sind nicht nötig, ausser der Gesundheitszustand des Patienten verhindert die Einnahme bzw. Absorption [Aufnahme im Darm, z.B. bei Durchfall oder Erbrechen].“
Quelle:frowning:s. „Contraceptive Technology“, Hatcher et al., Ardent Media, S.436, 18. Auflage, 2004).
Hier noch ein paar Meinungen aus alten Diskussionen
Um ganz sicher zu gehen, wird empfohlen (z.B. „Update on oral contraceptive pills.“, Cerel-Suhl SL, Yeager BF., Am Fam Physician. 1999 Nov 1;60(7):2073-84.) während der Antibiotikatherapie mit Kondomen zu verhüten und diese auch nach Beendigung der Antibiotikagabe noch eine Woche lang zu benutzen, d.h. bis nach Absetzen der Antibiotika wieder 7 Antibabypillen nacheinander ohne Einnahmefehler (an sieben aufeinander folgenden Tagen) eingenommen wurden.
Theoretisch könnte es also zu einer Wirkungsabschwächung der Pille kommen. Die praktische Gefahr einer Abschwächung der Pille durch Antibiotika ist aber vermutlich extrem gering, die Studie „Oral contraceptive failure rates and oral antibiotics.“ (J Am Acad Dermatol. 1997 May;36(5 Pt 1):705-10.) konnte bei Pilleanwenderinnen nach Einnahme von gängigen Mitteln ( Tetracyclin, Penicillin und Cephalosporin) KEINE signifikante Zunahme von Schwangerschaften beobachten, zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommt auch die Studie „Oral contraceptive efficacy and antibiotic interaction: a myth debunked.“ (J Am Acad Dermatol. 2002 Jun;46(6):917-23.).
Diese Studien legen nahe, dass übertriebene Sorgen fehl am Platze sind, es gilt aber stets, den Einzelfall mit dem Frauenarzt zu besprechen, und den jeweiligen Wirkstoff zu kennen, denn zumindest für den Wirkstoff für Rifampicin (er wird selten eingesetzt, z.B. bei Tuberkulose oder Hirnhautentzündung) besteht nachweislich die Gefahr einer Wirkungsabschwächung der Antibabypille. Bei ungeschütztem Verkehr im Problemzyklus (d.h. bevor nach Ende der Antibiotikatherapie wieder sieben Pillen genommen wurden) ist für eine maximale Sicherheit kurz mit dem Frauenarzt zu sprechen.
Liebe Grüsse
Anja