Piraten - 2 Fragen

Hallo Allerseits,

ich sehe mir gerade einen netten Piratenfilm an und habe da zwei Fragen.

1.) Entermesser
In den Filmen ist ein breiter Säbel die bevorzugte Waffe der Piraten. Wenn dem so ist, was machte diese Waffe bei Piraten so populär?

2.) Massaker
War es wirklich üblich, dass Piraten auf zu enternde Schiffe schossen, die Besatzung töteten und dann das Schiff versenkten? Bei heutigen Piraten ist das nicht der Fall. Schließlich werden die Opfer eher auf Widerstand verzichten, wenn sie nicht damit rechnen müssen zu sterben, was wiederum im Sinne der Piraten ist.

Gruß
Carlos

Hallo Allerseits,

Servus

1.) Entermesser
In den Filmen ist ein breiter Säbel die bevorzugte Waffe der
Piraten. Wenn dem so ist, was machte diese Waffe bei Piraten
so populär?

Diese Säbel waren nicht nur breit sondern auch kurz. Daher waren sie gut geeignet um auf engem Raum wie zB einem Schiff zu kämpfen. Außerdem waren die Dinger recht stabil sodass man sie auch als Wekrzeug benutzen konnten.

2.) Massaker
War es wirklich üblich, dass Piraten auf zu enternde Schiffe
schossen, die Besatzung töteten und dann das Schiff
versenkten? Bei heutigen Piraten ist das nicht der Fall.
Schließlich werden die Opfer eher auf Widerstand verzichten,
wenn sie nicht damit rechnen müssen zu sterben, was wiederum
im Sinne der Piraten ist.

Das kommt immer auf die Situation drauf an. Von Blackbeard weiß man zB das er auf unbewaffnete Schiffe eher nicht schoss sondern direkt enterte.
Auch damals war es so dass die Schiffe einen gewissen Wert hatten dh. je besser der Zustand desto besser für den Piraten. Natürlich sind auch die Menschen von gewissen Wert von daher versuchte man hier die Verluste gering zu halten. In erste Linie geht es aber um die Erhaltung der eigenen Mannschaft. Wenn ich als Pirat einen
fiesen Ruf habe gewisse Dinge mit Leuten zu machen, die sich mir widersetzen, dann werden sich die Leute des nächsten Schiffs überlegen ob sie nicht doch lieber kampflos aufgeben.

Generell muss man aber sagen dass es nicht den Piraten gab. Jeder hatte seine Eigenheiten von daher sollte man nicht zu sehr pauschalisieren.

Gruß
Carlos

MfG
Christoph

Oft sind viele der Besatzungsmitglieder übergelaufen. Bei Störtebecker ist es bekannt, daß dort die Bedingungen besser waren und deshalb wurde die Mannschaft vergrößert.

2.) Massaker
War es wirklich üblich, dass Piraten auf zu enternde Schiffe
schossen, die Besatzung töteten und dann das Schiff
versenkten? Bei heutigen Piraten ist das nicht der Fall.
Schließlich werden die Opfer eher auf Widerstand verzichten,
wenn sie nicht damit rechnen müssen zu sterben, was wiederum
im Sinne der Piraten ist.

Hallo

… einen netten Piratenfilm an …

Ich gehe mal davon aus, dass du irgendwas über die Piraten
in der Karibik so zwischen 1550 und 1750 gesehen hast und dich
auf diese Zeit beziehst.

Dort (und meistens auch sonst bis heute) gab es zwei total
unterschiedliche Arten von Piraterie. Einmal ein wilder Räuber
der mit einem Schiff voller halbbesoffener Mörder ein Handels-
schiff überfällt wenn er diesem weit überlegen ist … und die
Piraten die eigentlich Marineeinheiten anderer Staaten waren
und von diesen mit modernen Kampfschiffen, Truppen, schweren
Kanonen und sicheren Häfen und Absatzwegen ausgestattet wurden.

Was vorliegt, sieht man am Besten am Lebensweg der Kommandeure.
Wenn diese später Gouverneur von Jamaika (Henry Morgan) oder
Admiral der Königin (Francis Drake) oder Befehlshaber der
gesamten niederländischen Flotte (Piet Heyn) wurde, kann man
jede Romantik vergessen. Das waren kriegsmäßige Handlungen.
Angriffe auf befestigte Städte oder ganze spanische Flotten
wären anders auch kaum möglich gewesen!

1.) Entermesser
In den Filmen ist ein breiter Säbel die bevorzugte Waffe der
Piraten. Wenn dem so ist, was machte diese Waffe bei Piraten
so populär?

Welche Waffe man benutzt hängt immer (!) von zwei Faktoren ab:
-dem eigenen Geldbeutel
-dem erwarteten Gegner

Für breite kurze Säbel braucht man keinen wirklich guten
(teuren!) Stahl. Seine eine Klinge kann leicht und oft
geschliffen werden und als Griff kann fast alle dienen.

Er ist dafür da auf kurze Entfernungen im Handgemenge unge-
panzerten Gegnern Schnittwunden zuzufügen oder auch mal
-wenn Platz zum Schwungholen war- einen Arm abzuhacken.
Daraus folgt dass diese Waffe ideal gegen Handelsschiffe
bzw. deren Besatzung war.

Gegen Kriegsschiffe bzw. Seesoldaten mir Brustpanzern, Helmen
und Armschienen aus Stahl sind solche Säbel sinnlos. Die in
Hollywood beliebten Kämpfe von säbelschwingenden Piraten gegen
gepanzerte Spanier sind daher militärisch äußerst unrealistisch.

2.) Massaker
War es wirklich üblich, dass Piraten auf zu enternde Schiffe
schossen, …

Kanonen spielten bei diesen Piraten kaum eine Rolle. Sie fuhren
mit kleinen schnellen Schiffen an das Heck der Kauffahrer und
enterten diese im Kampf Mann gegen Mann. Schiffe mit Kanonen
gingen sie aus dem Weg und ihre eigenen Kanonen auf die schwachen
Gegner abzuschiessen hätte bedeutet ihr Versinken zu riskieren
und alle Beute zu verlieren. Nur um die (kampfbereite) Besatzung
abzuschlachten wurde sie mit Ätznatron (blendet) oder Eisenschrott
abgefeuert - aber das klappte nur wenn deren Oberdeck höchstens
auf gleicher Ebene mit den Kanonen der Piraten lag.

Anders war es bei der Staatspiraterie … die schossen auch mal
schwere Geleitschiffe zusammen.

… die Besatzung töteten …

Wenn holländische oder englische ‚Piraten‘ ein spanisches Schiff
angriffen war klar das mindestens die Offiziere der Spanier ihr
Leben verloren. Nur hochrangige Adelige hatten eine Chance als
Geiseln genommen und verkauft zu werden. Wenn deren Besatzung
sich wehrte brachte man sie um und jeder der zu den Piraten
überlaufen wolle ergab sich besser sofort und kämpfte besser
noch mit gegen seine früheren Kameraden. Als Spanier auf einem
Schiff der Erzfeinde mitzufahren war eher eine Ausnahme!

Ob man die Besatzung umbrachte, zum Überlaufen aufforderte oder
als Sklaven verkaufte oder als Geiseln freikaufen liess war von
der Situation der Piraten abhängig. Wenn deren Besatzung voll
war wurden kaum ‚Neue‘ aufgenommen und um Sklaven / Geiseln zu
Geld zu machen brauchte man eine sichere Basis.

Wenn man die feindliche Besatzung abschlachtete bedeutete dies
auch das es weder zusätzliche Esser noch lästige Zeugen gab …

… und dann das Schiff versenkten?

Ein intaktes schnelles Kriegsschiff war immer eine gute Beute!
Ein wurmstichiger lahmer Kauffahrer, konstruiert für lange
Atlantiküberquerungen, war dagegen eher unsinnig für Piraten.

Bei beschädigten Schiffen kam es stark darauf an ob die Piraten
in der Lage waren die Schäden zu beheben (Stichwort Werft!).
Um es zu bergen brauchten die Piraten Mindestkenntnisse in seiner
Bedienung und um es zu verkaufen Abnehmer.

Garantiert nicht versenkt wurde es dann, wenn man seine Ladung
(bzw. die interessante Beute darunter) nicht aufs kleine Piraten-
schiff umladen konnte. In der Karibik ging es aber meistens um
Gold, Silber, Juwelen und andere kleinvolumigen Beute …

Für Versenken sprach auf jeden Fall, dass dann das Schiff als Beweismittel gegen die Piraten weg war.

Bei heutigen Piraten ist das nicht der Fall.

Das kann man so auch nicht sagen … es gehen genug Jachten
ohne Sturm verloren …

Viele Grüße

Jake

Hallo,

1.) die Piraten gingen durchaus unterschiedlich vor. Besatzung dezimieren war eher dann der Fall, wenn man unterlegen war. D.h. seltener gegen ein Handelsschiff. Wobei man im 15. und 16. Jahrhundert mit diesen Begriffen etwas vorsichtig sein muss, das die Grenzen zwischen Handels- und Kriegsschiffen manchmal etwas fließend waren. Die meisten Kaperschiffe waren eher als Handelsschiffe gebaut worden und später mit Kanonen ausgerüstet worden. Das zog sich übrigens lange so hin, denn die Bonhomme Richard war ja auch ursprünglich ein Handelsschiff.

2.) Das Schiffe übernommen wurden, statt sie nach Plünderung zu versenken, war eher selten. Sowohl Piraten als auch Freibeuter hatten selten die notwendige Mannschaftsstärke um mehrere Schiffe zu bemannen und der Schiffsmarkt von Tortuga war doch eher begrenzt.

3.) Das Entermesser begann seine Karriere als Werkzeug. In Stürmen und Gefechten kam es ja immer wieder vor, das mal ein Mast fiel und Äxte, die ja reine Wuchtwerkzeuge sind, sind gegenüber gespanntem Tauwerk das man kappen will nur mäßig wirksam, eine geschliffene Klinge schon. Aber da man mit dem kämpfte, was man hatte, kämpfte man eben auch mit Entermessern und Belegnägeln. Das Entermesser wurde schnell Favorit und nicht nur bei Piraten sondern bei allen Seeleuten die hin und wieder kämpfen mussten. Es war nicht teurer als eine Axt, kürzer als ein Schwert (was in begrenztem Raum auch Schiffen wichtig war), erforderte eher Kraft als Können (denn die meisten Seeleute hatten natürlich keinen Fechtunterricht) und vor allem war es schwer genug, sich auch gegen die gepanzerte spanische Marineinfanterie durchzusetzen, die an Bord den Reichweitenvorteil ihrer Piken selten zur Geltung bringen konnte. Bis in die Zeit der napoleonischen Kriege war das Entermesser die Standardwaffe der Seeleute während Seesoldaten bei allen Nationen von Pike zu Halbpike wechselten.

Gruß
Peter B.

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Danke für eure Antworten (o.w.T.)