Hallo
… einen netten Piratenfilm an …
Ich gehe mal davon aus, dass du irgendwas über die Piraten
in der Karibik so zwischen 1550 und 1750 gesehen hast und dich
auf diese Zeit beziehst.
Dort (und meistens auch sonst bis heute) gab es zwei total
unterschiedliche Arten von Piraterie. Einmal ein wilder Räuber
der mit einem Schiff voller halbbesoffener Mörder ein Handels-
schiff überfällt wenn er diesem weit überlegen ist … und die
Piraten die eigentlich Marineeinheiten anderer Staaten waren
und von diesen mit modernen Kampfschiffen, Truppen, schweren
Kanonen und sicheren Häfen und Absatzwegen ausgestattet wurden.
Was vorliegt, sieht man am Besten am Lebensweg der Kommandeure.
Wenn diese später Gouverneur von Jamaika (Henry Morgan) oder
Admiral der Königin (Francis Drake) oder Befehlshaber der
gesamten niederländischen Flotte (Piet Heyn) wurde, kann man
jede Romantik vergessen. Das waren kriegsmäßige Handlungen.
Angriffe auf befestigte Städte oder ganze spanische Flotten
wären anders auch kaum möglich gewesen!
1.) Entermesser
In den Filmen ist ein breiter Säbel die bevorzugte Waffe der
Piraten. Wenn dem so ist, was machte diese Waffe bei Piraten
so populär?
Welche Waffe man benutzt hängt immer (!) von zwei Faktoren ab:
-dem eigenen Geldbeutel
-dem erwarteten Gegner
Für breite kurze Säbel braucht man keinen wirklich guten
(teuren!) Stahl. Seine eine Klinge kann leicht und oft
geschliffen werden und als Griff kann fast alle dienen.
Er ist dafür da auf kurze Entfernungen im Handgemenge unge-
panzerten Gegnern Schnittwunden zuzufügen oder auch mal
-wenn Platz zum Schwungholen war- einen Arm abzuhacken.
Daraus folgt dass diese Waffe ideal gegen Handelsschiffe
bzw. deren Besatzung war.
Gegen Kriegsschiffe bzw. Seesoldaten mir Brustpanzern, Helmen
und Armschienen aus Stahl sind solche Säbel sinnlos. Die in
Hollywood beliebten Kämpfe von säbelschwingenden Piraten gegen
gepanzerte Spanier sind daher militärisch äußerst unrealistisch.
2.) Massaker
War es wirklich üblich, dass Piraten auf zu enternde Schiffe
schossen, …
Kanonen spielten bei diesen Piraten kaum eine Rolle. Sie fuhren
mit kleinen schnellen Schiffen an das Heck der Kauffahrer und
enterten diese im Kampf Mann gegen Mann. Schiffe mit Kanonen
gingen sie aus dem Weg und ihre eigenen Kanonen auf die schwachen
Gegner abzuschiessen hätte bedeutet ihr Versinken zu riskieren
und alle Beute zu verlieren. Nur um die (kampfbereite) Besatzung
abzuschlachten wurde sie mit Ätznatron (blendet) oder Eisenschrott
abgefeuert - aber das klappte nur wenn deren Oberdeck höchstens
auf gleicher Ebene mit den Kanonen der Piraten lag.
Anders war es bei der Staatspiraterie … die schossen auch mal
schwere Geleitschiffe zusammen.
… die Besatzung töteten …
Wenn holländische oder englische ‚Piraten‘ ein spanisches Schiff
angriffen war klar das mindestens die Offiziere der Spanier ihr
Leben verloren. Nur hochrangige Adelige hatten eine Chance als
Geiseln genommen und verkauft zu werden. Wenn deren Besatzung
sich wehrte brachte man sie um und jeder der zu den Piraten
überlaufen wolle ergab sich besser sofort und kämpfte besser
noch mit gegen seine früheren Kameraden. Als Spanier auf einem
Schiff der Erzfeinde mitzufahren war eher eine Ausnahme!
Ob man die Besatzung umbrachte, zum Überlaufen aufforderte oder
als Sklaven verkaufte oder als Geiseln freikaufen liess war von
der Situation der Piraten abhängig. Wenn deren Besatzung voll
war wurden kaum ‚Neue‘ aufgenommen und um Sklaven / Geiseln zu
Geld zu machen brauchte man eine sichere Basis.
Wenn man die feindliche Besatzung abschlachtete bedeutete dies
auch das es weder zusätzliche Esser noch lästige Zeugen gab …
… und dann das Schiff versenkten?
Ein intaktes schnelles Kriegsschiff war immer eine gute Beute!
Ein wurmstichiger lahmer Kauffahrer, konstruiert für lange
Atlantiküberquerungen, war dagegen eher unsinnig für Piraten.
Bei beschädigten Schiffen kam es stark darauf an ob die Piraten
in der Lage waren die Schäden zu beheben (Stichwort Werft!).
Um es zu bergen brauchten die Piraten Mindestkenntnisse in seiner
Bedienung und um es zu verkaufen Abnehmer.
Garantiert nicht versenkt wurde es dann, wenn man seine Ladung
(bzw. die interessante Beute darunter) nicht aufs kleine Piraten-
schiff umladen konnte. In der Karibik ging es aber meistens um
Gold, Silber, Juwelen und andere kleinvolumigen Beute …
Für Versenken sprach auf jeden Fall, dass dann das Schiff als Beweismittel gegen die Piraten weg war.
Bei heutigen Piraten ist das nicht der Fall.
Das kann man so auch nicht sagen … es gehen genug Jachten
ohne Sturm verloren …
Viele Grüße
Jake