Hi,
und genau um solche trivialen Beweise, die belegen, dass Leute nicht nur stur Formeln auswendig gelernt haben, ging es ja auch in der Studie. Ich will die PISA-Studie in Gesamtheit damit jetzt nicht bewerten (habe sie, wie wohl auch kaum jemand sonst wirklich komplett gelesen), aber bei allen mir unter gekommenen Fragen, habe ich ziemlich deutlich gesehen, dass die Sache einen wirklich interessanten Ansatz verfolgt hat. Offenbar ist unser deutsches Schulsystem tatsächlich sehr stark auf Wissensvermittlung aus, allerdings wird wenig Wert darauf gelegt, über dieses Wissen hinaus die Schüler zu einem Transfer auf tatsächliche Probleme in Alltag und Beruf vorzubereiten.
Ich war selbst immer ein eher schlecher bis maximal mittelmäßiger Schüler, bin dafür aber im Jura-Studium offenbar genau deshalb gut zu Recht gekommen, weil mir diese Umsetzung immer leicht gefallen ist. Viele Kommilitonen meinten auch da, Klausuren und Hausarbeit mit Bücherwissen und Lösungsschemata lösen zu können, was natürlich in der Juristerei nicht funktionieren kann. Und ich denke wirklich, dass gerade die dort üblichen hohen Abbrecherzahlen etwas damit zu tun haben, dass der Transfer in den Schulen nicht gelehrt wird.
Ein anderes Beispiel sind ganz praktische Probleme in Beruf und Haushalt. Ich mache mir immer wieder einen Spaß daraus, dann mit Sprüchen wie:„Physik / Chemie / Mathe … achte Klasse“ Problemlösungen vorzuschlagen, von denen ich eigentlich ausgehen würde, dass Leute mit Abi auch alleine drauf kommen sollten, wenn sie den Bezug zwischen dem, was sie einmal gelernt haben, und ihrem aktuellen Problem herstellen würden. Genau dies findet aber nicht statt. Es wird überhaupt nicht erkannt, dass die angeblich unlösbaren Probleme mit eigenem Schulwissen leicht gelöst werden könnten, und dass in vielen Fällen überhaupt keine höheren wissenschaftlichen Erkenntnisse notwenig sind.
Dies trifft auf die Aussage hier: „Lösbar, weil sowohl Münzen mit geraden, als auch Münzen mit ungeradem Wert vorhanden sind“ genau so zu, wie auf die nette Story mit einer Kollegin (Abi, Volljuristin), die Stromanschlüsse für einen Messestand buchen sollte. Sie stand vollkommen hilflos davor, wieviel mit 16A abgesicherte Zuleitungen sie bestellen sollte, und meinte, dass man dies wohl nur schätzen könne. Selbst als ich sie an den Physikunterricht, und die einfachsten Formeln erinnert, machte es noch nicht „Klick“. Erst als ich es ihr dann vorgerechnet habe, merkte sie, dass sie den Lösungsweg eigentlich auch selbst gekannt hätte.
Gruß vom Wiz
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