Ich habe weiter unten etwas verwundert die Diskussion zur PISA-Studie verfolgt.
Ich liebe Praezision, weswegen ich zunaechst mit der Angabe „der Zug faehrt in 55 Minuten etwa 100 km weit“ nicht viel anfangen konnte. Aber ist das nicht genau die Art wie wir eigentlich rechnen, wenn wir mal schnell was ueberschlagen wollen?
- Ueblicher Weg: Auswendig gelernte Formel aufstellen, umstellen, Taschenrechner zuecken, Wert hinschreiben. Evtl gar nicht wissen, was der bedeutet.
- Praktischer, und mithin intelligenter Weg: Eine Zahl suchen, mit der sich schoen rechnen laesst, und mit der das Ergebnis einigermassen richtig ist. Wenn man die 55 sieht, macht man aus der 100 eine 99, und dann kann man schoen mit Bruechen im Kopf rechnen. Fehler gering, Praxisrelevanz hoch.
Und genau darum geht es. Hirn einschalten. Nicht nur Schemata befolgen. Die Aufgaben der PISA-Studie sind Beispiele aus dem Leben. Ich habe ein Problem, wie es jeden Tag auftreten kann, z.B wenn ich als Sekretaerin einen Flug buchen soll, und wie komme ich durch Nachdenken auf die Loesung, ohne ein auswendig gelerntes Schema anwenden zu muessen ?
Das hier anscheinend gerade angehende Lehrkraefte so einen Mangel an Verstaendnis an den Tag legen, zeigt mir, dass es wirklich hoechste Zeit fuer Veraenderungen ist. Ich habe damals diesen sturen Mathe-Unterricht gehasst, in dem alles in sture Schemata und auswendig zu lernende Formeln gepresst war, und ich war nicht besonders gut. Heute bin ich immerhin promovierter Physiker, aber mit meinem Matheunterricht hat das nicht das geringste zu tun. Ich bin heute stolz darauf, meist ohne eine Formelsammlung auszukommen, sondern durch Nachdenken viele Probleme loesen zu koennen.
Vieles davon sind Schaetzungen in dem Stil: „Wieviel wiegt dieses Haus da“,die man mit gesundem Menschenverstand loesen kann.
Gruss
Moriarty

