Pisa, wo nachlesen/nachmachen?

Hallo,

man hoert ja wieder mal, wie dumm die deutschen Schueler doch alle sind. Deshalb entbrannte bei uns letzten die Diskussion, was man nach Pisa eigentlich wissen muss.

Gibt es die Aufgaben, die den Schuelern gestellt wurden vielleicht irgendwo im Netz zum nachmachen? Wenn ich nach Pisa google finde ich entweder nur Berichte ueber das Ergebnis, oder halt Scherzseiten =:wink:

Ciao! Bjoern

Hallo Bjoern,

hier ein Link zu Beispielen-Aufgaben aus dem Pisa Test von 2000

http://www.mpib-berlin.mpg.de/pisa/beispielaufgaben…

Gruß,
Larina

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Hallo,

und noch mehr Informationen gibt es hier:

http://pisa.ipn.uni-kiel.de/

Gruß,
Larina

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Hallo,

ich möchte mehrere Punkte klarstellen. Zuerst einmal zur aktuellen Diskussion angeblicher PISA-Ergebnisse in den Medien. Der Sprecher des deutschen PISA-Konsortiums, Professor Prenzel vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften, hat dazu eine Presseerklärung herausgegeben, die hier heruntergeladen werden kann:

http://pisa.ipn.uni-kiel.de/Presseerklaerung221104.pdf

Darin werden die in der Presse genannten angeblichen Ergebnisse als „nicht korrekt“ bezeichnet.

Dann zur Frage

Was mißt PISA?

PISA testet in erster Linie nicht das Wissen, sondern Kompetenzen, mit Wissen in lebensweltnahen Kontexten umzugehen. Deshalb enthalten viele PISA-Aufgaben bereits viele Wissensinhalte, die zur Lösung der Aufgaben benötigt werden. Die PISA-Tests sind keine Wissenstests , und Aussagen wie „was man nach PISA eigentlich wissen muß“ sind substanzlos.

Die PISA-Tests messen nicht die Intelligenz oder Klugheit der Schülerinnen und Schüler, sondern eben die genannten Kompetenzen. Ein schlechtes Abschneiden bedeutet daher nicht, daß deutsche Schülerinnen und Schüler dumm sind.

Mit den PISA-Tests werden die Kompetenzen von 15jährigen Schülerinnen und Schüler erfaßt. Für Altersgruppen darüber oder darunter sind die Aufgaben nicht entwickelt worden. Außerdem sind die PISA-Tests nicht zur Messung der Kompetenzen einzelner Personen ausgelegt, sondern zur Messung der Kompetenzen von Gruppen.

Grüße,

Oliver Walter
PISA 2003 Naturwissenschaften

wie „was man nach PISA eigentlich wissen muß“ sind
substanzlos.
Die PISA-Tests messen nicht die Intelligenz oder Klugheit der
Schülerinnen und Schüler, sondern eben die genannten
Kompetenzen. Ein schlechtes Abschneiden bedeutet daher nicht,
daß deutsche Schülerinnen und Schüler dumm sind.

Ich hab einige Fragen vom letzten Pisatest in meiner Sportgruppe gestellt. Die Schüler sind 14 bis 16 und von der Realschule und vom Gym.
Erschrocken hat mich:

Bruchrechnung - wisst ihr Bescheit? Antwort war ja. Frage: Wieviel ist von 100 7 %?

Antworten waren z.B.:

  • 3
  • wenig (fand ich persönlich schon mal ganz gut …)
  • nicht lösbar.
  • 13
  • 107

Von 15 Kindern schaffte es ein Mädel vom Gym richtig zu „rechnen“. Jedoch hat sie mind 20 Sekunden lang gebraucht …

Ich bin mir ganz sicher, dass dies zu meiner Schulzeit so nicht ausgesehen hätte.

Chris

Hallo Chris,

Ich bin mir ganz sicher, dass dies zu meiner Schulzeit so
nicht ausgesehen hätte.

das mag sein, und ich bin - wie Du - der Meinung, daß man mit Prozenten rechnen können sollte. Trotzdem sind die Schülerinnen und Schüler heute nicht dumm, falls sie es weniger gut können sollten als zu Deiner Zeit. Intelligenz ist doch mehr, als mit Brüchen oder Prozenten rechnen zu können.

Außerdem möchte ich noch einmal darauf hinweisen:

PISA dient nicht dazu, Intelligenz zu messen.
PISA dient auch nicht dazu, solche Fertigkeiten wie Bruchrechnen oder Prozentrechnen *kontextfrei* zu erfassen.

Grüße,

Oliver Walter

Hallo Oliver,

PISA testet in erster Linie nicht das Wissen, sondern
Kompetenzen, mit Wissen in lebensweltnahen Kontexten
umzugehen. Deshalb enthalten viele PISA-Aufgaben bereits viele
Wissensinhalte, die zur Lösung der Aufgaben benötigt werden.
Die PISA-Tests sind keine Wissenstests , und Aussagen
wie „was man nach PISA eigentlich wissen muß“ sind
substanzlos.

Die PISA-Tests messen nicht die Intelligenz oder Klugheit der
Schülerinnen und Schüler, sondern eben die genannten
Kompetenzen. Ein schlechtes Abschneiden bedeutet daher nicht,
daß deutsche Schülerinnen und Schüler dumm sind.

Wenn ich das richtig verstehe, dann fehlt es den schlecht abschneidenen Schülern u. U. an Methoden- und Handlungskompetenzen, aber nicht zwangsläufig an Fachkompetenz? Könnte man das grob gesagt so stehen lassen?

Es wird zu viel „passives Wissen“ vermittelt?

Michael Schm.

Hallo Michael,

ich würde sagen, es fehlt oftmals daran, gelernte Fertigkeiten in Alltagskontexten anzuwenden. Deshalb bejahe ich Deine Frage:

Es wird zu viel „passives Wissen“ vermittelt?

Zum Beispiel wird in Deutschland gegen den PISA-Mathematiktest von einigen eingewendet, daß die typischerweise in Deutschland gelehrten technischen Fertigkeiten (reines Rechnen) viel zu wenig berücksichtigt werden. Das sehe ich allerdings gar nicht als Einwand gegen PISA, sondern als Bestätigung für den Standpunkt, daß in Deutschland Veränderungen angebracht sind. Was nützen der Schülerin und dem Schüler gute technische Fertigkeiten, wenn sie bzw. er kaum in der Lage ist, diese Fertigkeiten in Alltagskontexten anzuwenden?

Grüße,

Oliver Walter

Hallo,

dann kommt mir jetzt doch ganz spontan das Schlagwort Handlungsorientierung bzw. handlungsorientierter Unterricht in den Sinn. Z. B. durch Fallstudien. Oder durch Lektüre der Tageszeitung. Durch Rollenspiele usw.

Man sollte also die AGB eher nicht durch eine Lehrbuchaufgabe, sondern durch den neuesten Otto-Katalog und das Aufschlagen der letzten Seite mit den AGB behandeln?
Oder um bei Mathematik zu bleiben, praxisnahe Aufgaben wie „Wie viel kostet mein neuer Roller, wenn ich ihn mit einem Kredit finanziere?“.

Wäre dann der disziplinorientierte Unterricht nicht auch nachteilig, weil er die Schüler immer nur parallel aber getrennt lernen lässt, aber oftmals nicht die Zusammenhänge erkennen lässt? Im einen Fach wird behandelt, wie man die Waren einkauft und den Vertrag macht (BWL). Im anderen Fach wird der Einkauf verbucht (ReWe). Und im dritten Fach (Textverarbeitung) wird dann irgendwann das Schreiben einer Anfrage für die Bestellung geübt.

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Hallo Michael,

ich bin kein Fachdidaktiker oder Pädagoge, sondern Psychologe mit derzeitigem beruflichem Schwerpunkt „psychologische Testtheorie“. Was die fachdidaktischen Schlußfolgerungen aus den PISA-Studien angeht, fällt es mir daher schwerer, eine Meinung öffentlich kundzutun. Allerdings denke ich, daß der von Dir skizzierte Weg Vorteile im Sinne des normativen PISA-Rahmenkonzeptes (-> „Literacy“) mit sich bringen kann. Man bedenke, daß es in vielen Ländern keine getrennten naturwissenschaftlichen Schulfächer „Physik“, „Chemie“ und „Biologie“ gibt, sondern ein Fach namens „Science“, das Themen aus allen drei Fächern umfaßt. Ich will damit nicht sagen, daß man in Deutschland aufgrund der PISA-Ergebnisse die drei Fächer zusammenlegen sollte, aber eine stärkere Vernetzung könnte vorteilhaft sein. Auch im Hinblick auf die zunehmende Interdisziplinarität im wissenschaftlich-technologischen Bereich (-> Biochemie, Molekularbiologie, Genetik und Gentechnologie, Neurowissenschaften).

Grüße,

Oliver Walter

Hi Oliver,

ich hab das einfach nur mal als Beispiel genannt, da ich das nicht glauben konnte und aber persönlich bestätigt bekommen habe, daß unsere Kinder in die Schule gehen und nicht effektiv genug lernen.

Grund, so denke ich, ist die Größe der Klasse (die Kiddis erzählten von ca. 25 - 30 Kindern) und der recht eingeschränkten Möglichkeit Schüler zu Massregeln. Ne 6 ist für nen Kind ohne Bedeutung.

Dazu kommt, dass die Lehrer halt im Durchschnitt zu alt sind und echt NULL Böcke mehr haben - bei lauter wilden Kiddis kein Wunder. Ich merks ja auch beim Sport bei neuen Kindern, die drehen erstmal an der Uhr …

Chris

Hallo,

Grund, so denke ich, ist die Größe der Klasse (die Kiddis
erzählten von ca. 25 - 30 Kindern) und der recht
eingeschränkten Möglichkeit Schüler zu Massregeln. Ne 6 ist
für nen Kind ohne Bedeutung.

Stimmt, bei 30 Schülern habe ich eigentlich keine Möglichkeit, auf einen einzelnen einzugehen. Lehrer haben oftmals 6 bis 10 verschiedenen Klassen. Dann nimm mal ein bis zwei Problemfälle in jeder Klasse. Rund 10 Problemschüler permanent nebenher zu beobachten und zu beraten ist kaum möglich. Und das ist die Untergrenze, mit 1 oder 2 Problemfällen pro Klasse hat man noch wenig.

Dazu kommt, dass die Lehrer halt im Durchschnitt zu alt sind
und echt NULL Böcke mehr haben - bei lauter wilden Kiddis kein
Wunder.

Na ja, kommt auf den Lehrer an, tendenziell mag das schon seit. Nach 30 Jahren Schuldienst ist man einfach fertig und hat keine Energie mehr.

Hallo,

Stimmt, bei 30 Schülern habe ich eigentlich keine Möglichkeit,
auf einen einzelnen einzugehen.

das oft genannte Argument „zu große Klassen“ wird empirisch allerdings nicht gestützt. Meta-Analysen von 372 Studien zeigen keinen Effekt der Klassenorganisation (darunter Klassengröße) auf die Schulleistung (mittlere Korrelation: - 0,02). Nur bei wirklich sehr großen Klassen (35 Schüler und mehr) wird´s problematisch und nur bei wirklich kleinen Klassen (unter 10 Schülern) gibt es positive Effekte.

Grüße,

Oliver Walter

Hallo Oliver,

stimmt, das habe ich auch irgendwo gelesen oder gehört.
Ich kann nur den subjektiven Eindruck wiedergeben, dass es sich mit 15 Leuten (z. B. Berufsschule) viel besser arbeiten lässt als mit 30 Leuten (Gymnasium). Schon allein der Geräuschpegel unterscheidet sich. Es ist einfach so, dass 30 Leute mehr Lärm machen (können) als 15. In einer kleineren Gruppe wagen sich die Schüler weniger, sich gesitig auszuklinken, denn sie wissen, dass sie genauer beobachtet werden, häufiger gefragt werden usw.

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