Hallo in die Runde,
mich würden Eure Erfahrung mit „Hausarzttarifen“ interessieren, sprich die Tarife, wo man zuerst vom Hausarzt behandelt werden muss oder man bekommt bei der Facharztbehandlung keine 100 % erstattet.
Konkret sind mir da die Allianz (der Tarif „mit Gesundheitsmanagement“) und die Hallesche (PrimoBonusPlus) bei der eigenen Recherche im Internet aufgefallen. Für einen Menschen der eh kaum zum Arzt geht, aber wenn, dann Wert auf gute Behandlung legt, sind die doch eigentlich ideal?
Oder sind die Tarife so günstig kalkuliert, daß die Gesellschaften dann auch generell bei den Erstattungen sehr pingelig sind ? In meinem Fall wäre die Asstel im besten Tarif (1-bett-Zimmer etc.) nicht wesentlich viel teurer - aber zu der habe ich wirklich noch nirgendwo Meinungen gefunden. Und ich denke mal, daß die Beitragsentwicklung bei einem Tarif mit kostenbewussten Mitgliedern eigentlich stabiler verlaufen sollte ?
Ich kenne leider nur Versicherte von Signal (die wohl immer relativ großzügig erstattet?) und DKV (eher pingelig?), deswegen würden mich Eure Meinungen mal interessieren.
Viele Grüße
Steven
Hallo,
es gibt keine generelle Antwort. Es ist eine Frage der persönlichen Bedürfnisse ob eine Primärarztmodell (Hausarztmodell ist definitiv der falsche Ausdruck) sinnvoll ist.
Die Kunden solcher Produkte sind nicht kostenbewußter als andere. Insbesondere weil die „Verkäufer“ (also Vertreter und Strukkis) draußen den Interessenten erzählen, dass man nur eine Rechnung vom ersten Kontakt beim Primärarzt benötigt - ist auch richtig - und man also nur anrufen brauche, wenn man zum Spezialisten will.
So lassen sich die kalkulierten 30% Kostenreduzierung nicht realisieren.
Siganl - Achtung versteckte Selbstbehalte - ist mir als Spezialist nicht als Leistungslöwe bekannt!
DKV - ja, sehr pingelig - gibt aber auch Rechtsschutz und erläutert warum der Patient dem Arzt das Honorar nicht schuldet!
Asstel - als Versicherer für Kranken- und Kapitalverträge völlig unzureichend. Weder die Tarife, die Bedingungen noch die Kalkulation oder die Erfahrung reichen für einen Vollkostenversicherer aus. Bei den Ergänzungsversicherungen gibt es auch erheblichen Streß!
Viele Grüße
Thorulf Müller
Versicherungsmakler
hallo Steven,
der Grund, warum es Primärarzttarife gibt, liegt an den Versicherten. Es hatte such bei einigen eingebürgert, dass man nicht mehr zum Hausarzt geht, sondern gleich zum Spezialisten. Beispiel: kleines Fingerchen verstaucht = Orthopäde. Kopfschmerz = Internist.
Doch solchen „Kleinkram“ kann der Hausarzt genauso behandeln. Nur dass der weniger verlangt. Hausärzte begnügen sich normalerweise mit dem Regelsatz, also 2,3 GOÄ. Die Spezialisten langen hier sehr oft zum Höchstsatz, 3,5 GOÄ.
Dies kann nicht im Sinne der Versicherung und ganz besonders nicht im Sinne der Versicherten sein. Denn hohe Kosten heißen auch Beitragsanpassung.
Wenn mich nicht alles täuscht, war die AXA (damals noch Colonia) mit dem Tarif EL die ersten. Ich habe mich da mal mit AXA-Leuten unterhalten, weil ich der Meinung war, dass das die Kosten doch erhöhen würde. Doch die wiesen mir nach, dass es tatsächlich die VN dazu animiert, nur zum Hausarzt zu gehen.
Übrigens gibt es auch Internisten, die zugleich Allgemeinmediziner sind.
Ich meine, dass der Erstbesuch bei einem Hausarzt (um den wird es sich in 99 % aller Fälle handeln) keine unzumutbare Belastung ist. Besonders, wenn dadurch die Kosten beherrschbar sind.
Grüße
Raimund