Hallo Sarah,
das sehe ich doch ein bisschen kritischer…
da die „Beitragspolitik der Privaten“ doch nicht so
überschaubar und vorhersehbar ist, wie viele
Versicherungsvertreter das behaupten, gibt es etliche Gefahren
für privat Versicherten ab den 55. Lebensjahr wenn diese
Personen bis dahin fürs Rentenalter mehr oder weniger *nicht*
ausgesorgt haben und z.b. ab 55. Lebensjahr das Pech haben,
arbeitslos oder ernsthaft krank (und dadurch berufs- bzw.
erwerbsunfähig – überleg mal wie hoch die BUZ sein muss,
um einen gewissen ‚Lebensstandard‘ - im Alter
halten zu können … und hohe PKV-Beiträge bezahlen zu
können) zu werden. Die PKV – außer natürlich für die
(meiner Meinung nach, privilegierten) Beihilfe-Berechtigten
(70-100%(?) im Pensions-Alter) – kann für diejenigen mit
einem unerwarteten geringen Einkommen im Alter
Existenz-bedrohend sein. Bei der GKV hat man das Problem
nicht, weil man immer nur nach dem eigenen Einkommen zahlen
muß.
Nun, Sarah, was geschieht mit einem Kranken der länger als 18 Monate arbeitsunfähig ist und der in der Kasse versichert ist? Er wird ein Sozialfall! Entweder er hat vorgesorgt (mit BU wie der Privatversicherte) oder hat genügend Geld auf der hohen Kante. Kurz er ist in der gleichen Situation. Was ist mit dem arbeitslosen? Gleiche Situation, wie beim Privatversicherten: das Arbeitsamt zahlt ihm einen Betrag, den es für die Kasse zahlen würde.
Klar, wenn er 1-Bettzimmer versichert hat und 200 Euro KHT, dann wird der Beitrag höher sein, als der Zuschuss.
Zum Tagegeld selber: bei den Kassen gibt es 1,5 Jahre Geld (ca. 80% des netto). Dann ist Schluss. neuen Sponsor suchen! Bei den Privaten wird so lange 100 % bezahlt, bis er BU geschrieben wird.
was ist jetzt besser?
Also, bisher sehe ich alle Punkte für die Private.
Die PKV rechnet sich vielleicht für diejenigen, die im Alter
mit relativ großer Sicherheit damit rechnen, den Höchstbeitrag
in der GKV sowieso zahlen zu müssen.
Auch hier irrst Du Dich: erstens sind freiwillig Versicherte gut bis sehr gut verdienende und haben extra fürs Alter gespart (nicht nur die staatliche Rente), müssen also sowieso mehr bezahlen, als der Pflichtversicherte (vorerst noch). Zum andern kostet für einen privat Versicherten die KV nicht so viel, wenn er eine gute Beratung hat (das ist aber in jedem Geschäft so). also einen guten Makler, der ihm hier hilft. Dazu kommt noch, dass seit 2000 der Versicherte 2 Altersrückstellungen tätigt. Diese reichen aus, um seinen Beitrag drastisch zu sponsern. Auch hier bin ich ein gutes Beispiel. Inklusive SB zahle ich 350 Euro und das für eine Topp-Absicherung. Welcher Freiwillig Versicherte bei den Kassen zahlt so wenig (incl. PPV)? Es zahlen alle über 500 Euro monatlich.
Wo also liegt der Vorteil der Kassen?
Schlechte Leistung für viel Geld (auch im Alter)
Um es noch einmal zu sagen: ich habe nichts gegen die Kassen. Sie haben eine wichtige soziale Aufgabe.
So wie nicht jeder einen Rolls fährt, sondern ein Smart es auch tun muss, so ist es auch bei den KVs.
Wenn die PKVs diese „gefühlsmäßige Unsicherheit“
beseitigen könnten und z.B. die Beiträge seriös kalkulieren
würden, damit die Beiträge im Alter ‚garantiert‘
nicht aus dem Ruder laufen (z.B. nicht weit über den
Höchstbeitrag der GKV liegen würden), dann hätten die PKVs
deutlich mehr Kunden.
Aber das tut sie doch! Denk an den Standarttarif. Es ist garantiert, dass keiner mehr als für die Kassen zahlen muss. Außerdem ist es nicht möglich, dass die privaten nehmen können, was ihnen beliebt. Da gibt es genaue Regeln. Doch auch wen es diese nicht gäbe, wäre das nicht möglich: der Markt würde dafür sorgen. Denn stell´ Dir mal vor, Du möchtest einen Smart kaufen. Der Händler A verlangt dafür 12.000 Euro der Händler B dagegen 20.000 Euro. Beim wem kaufst Du?
Man hat aber das Gefühl, dass die PKVs
mit der Regelung vor 2000/2001 höchst zufrieden waren, da sie
die teuere ältere Kundschaft „rechtzeitig“ durch
z.B. Altersteilzeit oder Pause vom Job für 2-3 Monate um über
GKV-Ehepartner wieder in die GKV zu kommen los werden
konnten.
hier muss ich Dir Recht geben: es war ein Riesen Geschäft! Denn die bis dahin abgesparten Altersrückstellungen blieben beim Versicherer. Storno und Tod sind für den Privatversicherer ein gutes Geschäft.
Ich vermute allerdings nicht mehr ganz so lange: ich bin fest der Überzeugung, dass die Rückstellungen bald bei Wechsel in eine andere Private mitgegeben werden müssen. Ergebnis wäre: die Privaten, die schlecht haushalten und zu teuer werden, die werden immer mehr Kunden an die Konkurrenz verlieren. Also werden sie entweder Pleite gehen oder rechnen lernen.
Und jetzt haben sie das Problem, daß sie die ältere
Kundschaft (=schlechte Risiken) nicht mehr so leicht los
werden…ich nehme an, das hilft, die Beiträge für die jungen
privat Versicherten in die Höhe zu treiben.
Nein, denn es gibt 2 Altersrückstellungen. Es ist zwar richtig, dass jeder Beitrag eine Mischkalkulation ist. Doch wirkt sich hier die Altersrückstellungen kräftig aus. Diese Altersrückstellungen haben die Kassen nicht.
Meine Eltern in den USA - beide Ende 50 - sind mit meinem
18-jährigen Bruder für insgesamt 600 USD privat
krankenversichert (mit Zuzahlungen von 5-10 USD für jeden
Arztbesuch und Medikamente - finde ich in Ordnung)… warum
ist das in Deutschland bei den Privaten für den Preis nicht
möglich?
Die US-Versicherungen sind gänzlich anders als die deutschen. Ein US-Bürger hat ganz andere Vorstellungen von Krankenversicherung, als ein Deutscher. Dementsprechend sind die Leistungen der US-KV-Versicherungen auch anders. Müssen es auch sein, da die US-Ärzte teilweise illusorische Honorare verlangen.
Z.B. sind sehr viele US-Bürger nur KH versichert. Ambulant und dental wird aus eigener Tasche bezahlt. Eine für Deutschland undenkbare Versicherungsart.
Grüße
Raimund