PKV vs. GKV + private Zusatzversicherung

Gesetzt sei mal der folgende Fall:

Da ist ein unverheiratetes Paar (er 38, sie 41) mit gemeinsamem Kind (2). Beide sind freiwillig gesetzlich versichert. Sie mit privater Zusatz-KV, das Kind ist über sie in der GKV versichert.

Er möchte seine Krankenversicherungsleistungen verbessern. Zur Disposition stehen für ihn also ebenfalls der Abschluss einer privaten Zusatzversicherung oder der Wechsel in die PKV.

Wie sieht das nun mit dem Kind aus: Fliegt es – sollte er in die PKV wechseln – automatisch aus ihrer Versicherung raus und muss dann – separat und mit ureigenem Beitrag – ebenfalls in der PKV versichert werden? Zur Zeit liegt ihr Verdienst übrigens noch ein wenig über seinem; in ein paar Jahren dürfte sich das aber verkehrt haben. Ist es korrekt, dass dies das Kriterium ist und das Kind beim Besserverdienenden mitzuversichern ist?

Wie sieht es überhaupt bei Kindern aus: Profitieren auch sie von den besseren Leistungen der PKV oder geht die Schere der Versicherungsleistungen erst später auseinander? D. h. würde es sich vielleicht sogar lohnen, das Kind – obwohl eben nicht zwingend notwendig – schon jetzt mit in die PKV zu holen, selbst wenn dann ca. 100 Euro/Monat mehr zu zahlen wären?

Welche Gründe sprechen überhaupt dagegen, in die PKV zu wechseln?

Ist er für einen Wechsel von der GKV in die PKV vielleicht schon zu alt, so dass ihn im Alter horrende Beiträge erwarten könnten?

Wie kommt es übehaupt zu diesen horrenden Beiträgen? Hängt das vom Krankheitsverlauf des Versicherten ab, so dass die Beiträge den Erkrankungen angepasst werden? Bleiben dann die Beiträge niedriger, wenn der Gesundheitszustand auch im Alter noch gut ist? Wohin kann das maximal führen? Gibt es da nach oben Grenzen?

Ich habe wohl gelesen, dass man in solchen Fällen wieder einen Tarif wählen kann, der den Leistungen der GKV entspricht. Allerdings muss man trotzdem noch eine ganze Ecke höhere Beiträge dann auch für diese Leistung zahlen, oder?

Sorry, dass ich so doof frage, aber ich habe mich mit dem Thema bis dato nie befasst. Der Gedanke an diese ausufernden und evtl. unbezahlbaren Beiträge hat mich immer abgeschreckt.

Danke für eine auch für einen Laien verständliche Rückmeldung sagt schon jetzt
Kirsten

Hallo,
über die Frage ob GKV besser oder schlechter als PKV wurde hier
schon sehr oft geschrieben und da ich selbst bei einer GKV-Kasse
beschäftigt bin, wäre meine Argumentation eher aus grundsätzlichen
Gründen pro GKV, würde den starken (teilweise ggf. sogar berechtigten)
Widerspruch der PKV-Experten hervorrufen - deshalb lass ich das erst
mal lieber.
Was die Frage nach dem Kind in diesem Falle betrifft, so spielt der
Status des Vaters keine Rolle, wenn die Eltern nicht verheiratet
sind (jedenfalls nicht miteinander). Hier bleibt das
Kind in der GKV mitversichert, auch dann wenn der Vater in die PKV wechselt und auch einen höheren Verdienst wie die Mutter haben sollte.
Gruss
Czauderna

Wie sieht das nun mit dem Kind aus: Fliegt es – sollte er in
die PKV wechseln – automatisch aus ihrer Versicherung raus und

Wenn die Eltern nicht verheiratet sind, nein. Es flöge auch nicht aus der GKV, es flöge nur aus der beitragsfreien Familienversicherung, d.h. für das Kind wären Beiträge zur freiwilligen GKV fällig.

Kriterium ist und das Kind beim Besserverdienenden
mitzuversichern ist?

Nur wenn die Eltern verheiratet sind und dann auch nur untre bestimmten Bedingungen.

Wie sieht es überhaupt bei Kindern aus: Profitieren auch sie
von den besseren Leistungen der PKV oder geht die Schere der

Gerade die Kinder profitieren davon.

es sich vielleicht sogar lohnen, das Kind – obwohl eben nicht
zwingend notwendig – schon jetzt mit in die PKV zu holen,

Ich würde das machen.

Welche Gründe sprechen überhaupt dagegen, in die PKV zu
wechseln?

Der einzige Grund wäre für ich der, dass bei einem deutlichen Absinken des eigenen Einkommens die beiträge der GKV sinken, die der PKV nicht.

Ist er für einen Wechsel von der GKV in die PKV vielleicht
schon zu alt, so dass ihn im Alter horrende Beiträge erwarten
könnten?

Das könnte man „Sicherungsmechnismen“ einbauen. Außerdem, wer weiß denn heute, wie später die Beiträge zur GKV aussehen, mir schwant da nichts Gutes.

Wie kommt es übehaupt zu diesen horrenden Beiträgen? Hängt das

Kurz gesprochen: Die Leistungen der GKV und der PKV werden immer höher, es gibt immer mehr ältere Versicherte, die entsprechend viele Leistungen erhalten und immer weniger jüngerre Versicherte, die weniger Öeistungen in Anspruch nehmen.

Ich habe wohl gelesen, dass man in solchen Fällen wieder einen
Tarif wählen kann, der den Leistungen der GKV entspricht.

Stimmt.

Allerdings muss man trotzdem noch eine ganze Ecke höhere
Beiträge dann auch für diese Leistung zahlen, oder?

Das kann man mit dieser Allgemeingültigkeit nicht sagen.

und evtl. unbezahlbaren Beiträge hat mich immer abgeschreckt.

Sieh Dir mal an, was in den letzten 20 Jahren aus den Beiträgen und den Leistungen der GKV geworden ist. Da sind die Prämiensteigerungen in der GKV nicht mehr ganz so drramatisch.

Bitte meine Äußerungen nicht als Herabwürdigung der GKV zu sehen. „DAS SYSTEM“ funktioniert einfach nicht mehr und GKV und PKV reagieren auf diese Anforderungen eben unterschiedlich.

Hallo Nordlicht,

alles schön und gut … aber! … warum sollte man ein Kind für ca. 100 Euro/Monat privat versichern. Da würde ich es lieber in der GKV belassen und für 7-10 Euro einen Rundum -zusatzschutz (m.E. ist die DKV da stark) versichern.

Oder sehe ich was falsch (weil ich momentan total krank, zu Tode verschnupft, kaum aus den Augen schauend, irgendwas überlesen oder falsch verstanden habe? ) *gg

Gruß, Alex

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Hallo Nordlicht,

alles schön und gut … aber! … warum sollte man ein Kind für
ca. 100 Euro/Monat privat versichern. Da würde ich es lieber
in der GKV belassen und für 7-10 Euro einen Rundum
-zusatzschutz (m.E. ist die DKV da stark) versichern.

Es wird m.E. schwierig mit Zusatzversicherungen das Leistungsniveau einer soliden Krankenvollversicherung zu erreichen.

Oder sehe ich was falsch (weil ich momentan total krank, zu
Tode verschnupft, kaum aus den Augen schauend, irgendwas
überlesen oder falsch verstanden habe? ) *gg

Gute Besserung, ich hoffe Du hast eine gute PKV :wink:

alles schön und gut … aber! … warum sollte man ein Kind für
ca. 100 Euro/Monat privat versichern. Da würde ich es lieber
in der GKV belassen und für 7-10 Euro einen Rundum
-zusatzschutz (m.E. ist die DKV da stark) versichern.

Es wird m.E. schwierig mit Zusatzversicherungen das
Leistungsniveau einer soliden Krankenvollversicherung zu
erreichen.

Oder sehe ich was falsch (weil ich momentan total krank, zu
Tode verschnupft, kaum aus den Augen schauend, irgendwas
überlesen oder falsch verstanden habe? ) *gg

Gute Besserung, ich hoffe Du hast eine gute PKV :wink:

Ein ehemaliger Arbeitskollege kam stark erkältet in die Arbeit und ich sagte zu ihm „Mensch du, geh bloß zum Arzt und dann kuriere dich aus“ … woraufhin er erwiderte „Spinnst du, ich bin privatversichert!“ *lach*

Vielen Dank erst einmal für eure Antworten; ein bisschen schlauer bin ich dadurch ja jetzt schon.

Da das Paar :o) nicht verheiratet ist, müsste die Tochter demnach nicht zwangsläufig mit in die PKV. Ich habe im Moment das Gefühl, dass sie in der GKV sehr gut versorgt wird. Daher tue ich mich etwas schwer bei der Vorstellung einer noch besseren Leistung. Sie musste schon zweimal ins KH - beide Male waren die Ärzte super, der Chef hat sich persönlich gekümmert, für mich als Laien gab es nichts zu meckern. Daher eben auch meine Frage, ob Kinder von der PKV profitieren. Was meinst du denn damit, wenn du sagst, dass insbesondere die profitieren?

Denn wie schon weiter unten von Alexander (gute Besserung übrigens an dieser Stelle ;o) geschrieben wird, frage ich mich natürlich ebenfalls, ob die bessere Leistung gleich 100 Euro und mehr im Monat wert ist und nicht durch günstigere Zusatzversicherungen abgedeckt werden kann.

Dann fällt noch das Stichwort „Sicherungsmechanismus“ zum Schutz vor horrenden Beiträgen. Was habe ich denn darunter zu verstehen?
Spontan käme mir da nur die Idee, parallel noch einen Sparstrumpf zu füllen und den später anzuzapfen, wenn die Beiträge zu hoch würden.

Allerdings muss man trotzdem noch eine ganze Ecke höhere
Beiträge dann auch für diese Leistung zahlen, oder?

Das kann man mit dieser Allgemeingültigkeit nicht sagen.

Wie könnte man das denn sagen?

und evtl. unbezahlbaren Beiträge hat mich immer abgeschreckt.

Sieh Dir mal an, was in den letzten 20 Jahren aus den
Beiträgen und den Leistungen der GKV geworden ist. Da sind die
Prämiensteigerungen in der GKV nicht mehr ganz so drramatisch.

Hmm… ich weiß nicht. Ich habe immer noch das Bild eines heulenden betagten Pärchens vor Augen, dass irgendwann mal in die PKV gewechselt ist und später nicht mehr wusste, wie es die Beiträge zahlen sollte. Diesen Beitrag habe ich zwar vor ca. 15 Jahren gesehen, aber er ist mir so in Erinnerung geblieben, dass zumindest für mich die PKV immer ein rotes Tuch war.

Natürlich - die derzeitige Entwicklung ist erschreckend. Aber solange man noch relativ gesund ist, bekommt man die schlimmsten Änderungen wohl noch gar nicht mit.

Aber noch einmal zurück zu einer meiner Fragen: Gesetzt den Fall, man wird im Alter wirklich so richtig krank, während ein anderer Alter gesund und munter vor sich hin lebt. Und gesetzt den Fall, beide sind zurselben Zeit in die PKV gewechselt, haben die gleichen Verträge, haben vergleichbar hohe Rücklagen, müssen sie auch die gleichen Beiträge zahlen? Richtet sich der Beitrag also grundsätzlich nicht nach der Erkrankung/Behandlung? Oder doch…?

Und zu guter Letzt: Ein Grund für mich, nicht in die PKV zu wechseln, war immer der Kinderwunsch. Nun ist sie ja da, aber ich weiß auch, dass ich bis zur Rente arbeiten gehen werde. Eben weil ich das will. So gesehen kämen wir nie in die Situation (sofern unser Leben „normal“ weiterläuft), dass ich meine Versicherung nicht mehr selber zahlen könnte. Würde es unter diesen Umständen auch einen Gedanken wert, mal den Wechsel in die PKV zu überdenken?

Viele Grüße
Kirsten

Da das Paar :o) nicht verheiratet ist, müsste die Tochter
demnach nicht zwangsläufig mit in die PKV. Ich habe im Moment
das Gefühl, dass sie in der GKV sehr gut versorgt wird. Daher
tue ich mich etwas schwer bei der Vorstellung einer noch
besseren Leistung. Sie musste schon zweimal ins KH - beide
Male waren die Ärzte super, der Chef hat sich persönlich
gekümmert, für mich als Laien gab es nichts zu meckern. Daher
eben auch meine Frage, ob Kinder von der PKV profitieren. Was
meinst du denn damit, wenn du sagst, dass insbesondere die
profitieren?

Nun - im ambulanten Bereich und beim Zahnarzt und dem Kieferorthopäden. Im Prinzip ist es eine individuelle Entscheidung - PKV oder GKV+Zusatz. Mit den richtigen Zusatzversicherungen kommt man auch sehr weit. Ich überlasse das immer dem Mandanten unter Berücksichtigung aller Vor- und Nachteile!

Deine Erfahrung mit dem Chefarzt und Deiner Tochter sind richtig. Der Unterschied ist, dass der Kassenpatient den Chef einmal die Woche sieht und er nurt kurz Zeit hat, es sei Du bist ein spezieller Fall. Also kann man als Kassenpatient auch vom Chef operiert werden oder intensiv untersucht werden. Er hat ja die Verantwortung au der Station. Du entscheidest es aber nicht selbst, es fällt Dir ggf. zu! Im anderen Fall bestimmst Du - Du entscheidest wer, wann, was!

Denn wie schon weiter unten von Alexander (gute Besserung
übrigens an dieser Stelle ;o) geschrieben wird, frage ich mich
natürlich ebenfalls, ob die bessere Leistung gleich 100 Euro
und mehr im Monat wert ist und nicht durch günstigere
Zusatzversicherungen abgedeckt werden kann.

Die Prämien GKV PKV sind nicht vergleichbar, weil sie unterschiedlich entstehen.

Die GKV hat einen Bitragssatz, der auch zu Unterdeckungen führt, während die PKV individuelle risikogerechte Prämien hat, die dazu führen können, dass der Eine spart und der Andere draufzahlt!

Dann fällt noch das Stichwort „Sicherungsmechanismus“ zum
Schutz vor horrenden Beiträgen. Was habe ich denn darunter zu
verstehen?
Spontan käme mir da nur die Idee, parallel noch einen
Sparstrumpf zu füllen und den später anzuzapfen, wenn die
Beiträge zu hoch würden.

Richtig - musst Du aber auch als GKV Mitglied!!! Dort werden die Beitragssteigerungen höher sein, weil sich die Demographie rasant verschiebt! Alternativ wird der Leistungskatalog abgesenkt.

und evtl. unbezahlbaren Beiträge hat mich immer abgeschreckt.

Sieh Dir mal an, was in den letzten 20 Jahren aus den
Beiträgen und den Leistungen der GKV geworden ist. Da sind die
Prämiensteigerungen in der GKV nicht mehr ganz so drramatisch.

Hmm… ich weiß nicht. Ich habe immer noch das Bild eines
heulenden betagten Pärchens vor Augen, dass irgendwann mal in
die PKV gewechselt ist und später nicht mehr wusste, wie es
die Beiträge zahlen sollte. Diesen Beitrag habe ich zwar vor
ca. 15 Jahren gesehen, aber er ist mir so in Erinnerung
geblieben, dass zumindest für mich die PKV immer ein rotes
Tuch war.

Richtig - das ist 14 Jahre her! Die Ursache waren die Ausgangsvoraussetzungen dieser menschen. Sie sind in den 50 und 60er Jahren in die PKV gegangen und haben dann sehr spät in die neuen Produkte gewechselt, nachdem sich das Gesundheitswesen radikal verändert hat. Gleichzeitg explodierten in den 80er Jahren durch den medizinischen Fortschritt die Kosten und die Lebenserwartung. Für beides war früher nie Vorsorge getroffen.

Aus diesen Erfahrungen hat man gelern. Die Zuführungen zur Alterungsrückstellung sind heute wesentlich höher. Die Unterkalkulation (also Schadenfinanzierung aus Überschüssen) wurde untersagt! Die Überschussverwendung ist stark reguliert - 90% der Überzinsen müssen an die Kunden direkt zurück fließen. Die restlichen 10% und die Überschüsse aus dem Versicherungsbetrieb müssen dann zu mind. 80% an die Kunden ausgekehrt werden.

Eine zusätzliche Ansparung sollte erfolgen! Wer in die PKV wechselt ohne eine ausreichende BU-Absicherung und eine überdurchschnittliche Altersversorgung, der wird definitiv auf die Nase fallen! Bleibt er in der GKV nutzt er die Solidargemeinschaft aus!

Natürlich - die derzeitige Entwicklung ist erschreckend. Aber
solange man noch relativ gesund ist, bekommt man die
schlimmsten Änderungen wohl noch gar nicht mit.

Die Änderungen haben nichts mit Gesund oder Krank zu tun. Und erschreckend ist gar nichts!

Aber noch einmal zurück zu einer meiner Fragen: Gesetzt den
Fall, man wird im Alter wirklich so richtig krank, während ein
anderer Alter gesund und munter vor sich hin lebt. Und gesetzt
den Fall, beide sind zurselben Zeit in die PKV gewechselt,
haben die gleichen Verträge, haben vergleichbar hohe
Rücklagen, müssen sie auch die gleichen Beiträge zahlen?
Richtet sich der Beitrag also grundsätzlich nicht nach der
Erkrankung/Behandlung? Oder doch…?

NEIN! Die Erkrankung des Einzelnen hat nach Abschluss des Vertrages keine Auswirkung auf die individuelle Prämie!

Und zu guter Letzt: Ein Grund für mich, nicht in die PKV zu
wechseln, war immer der Kinderwunsch. Nun ist sie ja da, aber
ich weiß auch, dass ich bis zur Rente arbeiten gehen werde.
Eben weil ich das will. So gesehen kämen wir nie in die
Situation (sofern unser Leben „normal“ weiterläuft), dass ich
meine Versicherung nicht mehr selber zahlen könnte. Würde es
unter diesen Umständen auch einen Gedanken wert, mal den
Wechsel in die PKV zu überdenken?

Ja!

Thorulf Müller

[email protected]