Pla(t)zieren

Hallo, Fritz und die anderen Mitdiskutanten!

Ich will Dir gar nicht widersprechen, was Deine Nachweise anbelangt; ob „belemmert“ oder „belämmert“ mehr Sinn macht, sei dahingestellt; ich muss gestehen, dass ich es selber in meiner Jugend mit „ä“ geschrieben hätte, obwohl ich normalerweise kaum Rechtschreibprobleme hatte.

Ernst kann ich diese Reform trotzdem nicht nehmen; sie führt zahlreiche Grabenkämpfe auf absoluten Nebenkriegsschauplätzen, und ihre Mehrfachanläufe aufgrund unfähiger Pseudo-Experten, die nur ihr gut bezahltes Spezialgeschäft tätigten, waren eine denkbar peinliche Angelegenheit.

Die Rechtschreibung unserer Schüler ist keinen Deut besser und keinen Deut schlechter geworden.

Wenn andererseits in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt wird, als müssten sich die Deutschlehrer jetzt alle umstellen und neu unterrichten, kann ich nur kichern. Wir Deutschlehrer haben nicht nur auch andere Probleme, wir haben n u r andere Probleme!

Besten Gruß, Wolfgang Zimmermann

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Hallo,

oh je, ich war der Meinung, die Frage ist beantwortet und merke erst jetzt, was ich da ausgelöst habe.

Was Sprache angeht bin ich überhaupt nicht gebildet. Ich kann halbwegs mit der deutschen Sprache umgehen und bin froh, daß ich wenigstens ein Substantiv von einem Verb unterscheiden kann.
So kann ich in dieser Diskussion ein wenig die Stimme des Volkes einbringen.

Ein Stück weit wehre ich mich gegen die Reform. Einfach weil es mir lästig ist. Doch die meisten Rechtschreibänderungen finde ich gut, weil ich die neue Schreibweise logisch finde.

Platz -> platzieren
Aufwand -> aufwändig
Nummer -> nummerieren
Und den Kuss, dem man die zwei ss anhört, darf man nun auch so schreiben.

Klarer Fall! Es ist kein Blick in den Duden mehr nötig und keine Ausnahme mehr zu merken.

Und warum redet ihr von Sprache? Es geht doch um die Schrift!
Ist es nicht so, daß die Schrift der Sprache folgte? Warum soll das jetzt nicht mehr so sein? Jeder spricht nummerieren, nicht numerieren. Warum also soll man die Schrift nicht nach der Sprache korregieren?

Gruß Steffi

Hallo, Steffie

oh je, ich war der Meinung, die Frage ist beantwortet

Das war sie auch, bis Datafox ihren Kreuzzug gegen die Rechtschreibreform startete, bei der ihr dann der Moralgrammatiker beisprang mit eben den alten unsinnigen Argumenten wie seit eh und je.

Aber die beiden kannst du getrost ignorieren.

Es ist vernünftig und sinnvoll „platzieren, Gämse, aufwändig, Stängel, belämmern“ zu schreiben, auch wenn Datafox und WZ platzen!

Gruß Fritz

Obwohl dein Ton so herablassend ist (woher weißt du, was ich alles weiß und was nicht?), antworte ich.

Deine Argumentation verrät es.

Die Klosterschulen, die Sprachgesellschaften, die kaiserlichen
und fürstlichen Kanzleien legten Regeln und Schreibungen fest,
die Herren Luther, Campe, Gottsched, Adelung, die Brüder
Grimm, Herr Duden waren Einzeltäter nach ihrem Gutdünken!

Und was ist das heutige Pendant zu diesen Gruppen? Sind es
nicht die Internetbenutzer, die Blogger, Webjournalisten,
Content designer - also die Schreiber der neuesten Generation?

Du wirst doch nicht ernsthaft diese Schlamperer im Internetz, die Modewerbefuzzis und Simser mit den von mir genannten Personen und Personenkreisen gleichsetzen?

Wie kann frau sich so versteigen?

Gruß Fritz

Hallo Fritz,

Aber die beiden kannst du getrost ignorieren.

Mal unter uns. Warum tust du es dann nicht?
Ein Feuer brennt nur, wenn jemand nachlegt.

Gruß Steffi

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Hallo, Steffi!

Ich habe eigentlich keine Lust mehr mit Leuten wie Fritz Ruppricht zu diskutieren, und wenn Du den Thread hier aufmerksam liest, kannst Du Dir denken, warum.

Die von Dir angegebenen Beispiele sprechen für die Rechtschreibreform, vieles andere auch. Ebenso vieles spricht gegen sie. Sie ist Stückwerk, hat so viel verbessert wie verschlechtert, etwa im Bereich der Groß- und Kleinschreibung und der Zusammenschreibung. Allein die Tatsache, dass sie mehrmals überarbeitet wurde, zeigt ihre Unausgegorenheit - ein geradezu peinliches Signal für ältere Sprachlernende. Linguisten wie der Erlanger Theodor Ickler haben in langen Abhandlungen begründet gegen sie Stellung genommen. Wenn die Reform so perfekt wäre, hätte sich ihre Weiterentwicklung nicht über Jahre hingezogen, wäre nicht ein derartiger Streit entstanden.

Dass viele aus Prinzip gegen eine Reform sind, weil sie keine Lust haben sich umzustellen, ist richtig. Andererseits kann man Banalitäten wie „belämmert“, „rau“ oder „Gämse“ schnell lernen. Dort, wo sich Sprache weniger bequem beschreiben lässt, hat sich nichts verbessert. Die neue Kommasetzung führt zu weitaus mehr Mangel an Eindeutigkeit. Wie gesagt, man kann das im Detail etwa bei Ickler nachlesen.

Ich lehne diese Reform nicht generell ab, aber ich sehe sie kritisch. Und ich kann als erfahrener Deutschlehrer wahrlich beurteilen, wie schlichtweg nebensächlich sie ist für die Rechtschreibe- und Grammtikkenntnisse unserer Schüler aller Altersstufen.

Besten Gruß, Wolfgang

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Hallo Wolfgang,

so das Gelbe vom Ei ist diese Reform wirklich nicht.
Ich als Anwender habe bisher im Bereich Rechtschreibung kaum negative Änderungen gefunden, aber bei der Interpunktion gebe ich dir gerne Recht.
Was ich nie verstanden habe ist, warum man so ein unreifes Früchtchen überhaupt schon offiziell macht.

Gruß Steffi

Hi,

Die Klosterschulen, die Sprachgesellschaften, die kaiserlichen
und fürstlichen Kanzleien legten Regeln und Schreibungen fest,
die Herren Luther, Campe, Gottsched, Adelung, die Brüder
Grimm, Herr Duden waren Einzeltäter nach ihrem Gutdünken!

Und was ist das heutige Pendant zu diesen Gruppen? Sind es
nicht die Internetbenutzer, die Blogger, Webjournalisten,
Content designer - also die Schreiber der neuesten Generation?

Du wirst doch nicht ernsthaft diese Schlamperer im Internetz,
die Modewerbefuzzis und Simser mit den von mir genannten
Personen und Personenkreisen gleichsetzen?

Nun ja, immerhin könnte es sein, dass über die ganz oben genannten Herrschaften zu deren Lebzeiten auch jemand nicht so ganz glücklich war und ähnlich reagiert hat wie du jetzt.
Oder?

Viele Grüße
WoDi

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Die Rechtschreibung unserer Schüler ist keinen Deut besser und
keinen Deut schlechter geworden.

Achja? Eine sehr kühne Aussage. Kannst du das durch Statistiken belegen?

Gruß,

  • André

Eben! Mit „platzieren“ haben die Kinder eine unsinnige
Ausnahme weniger zu lernen.

Wie wärs wenn man statt Deutsch sich auf C++ unterhielte? Das ist zwar 100% logisch und sinnvoll und hat keine Ausnahmen, dafür ist es aber keine Sprache…

„Nummerieren“ ist auch so ein Wort, dass früher eine Ausnahme
darstellte, glaube ich.

Numerierung.

Gruß
d.

Datafox begeht den Fehler, Orthographie mit Sprache
gleichzusetzen oder zu verwechseln.

Du begehst den Fehler, Schrift als getrennt von Sprache zu begreifen. Beides sind Systeme, die sich entwickelt haben und nicht vom Himmel fielen. Die Entscheidungen darüber, wie man etwas „richtig“ schreibt, wurden NIE aufgrund von Dingen wie Logik und Einfachheit getroffen sondern haben sich aus politischen Gründen offenbart (daher müssen die Österreicher und Schweizer bis heute eine dem Ohr völlig fremde „Schrfitsprache“ erlernen.)

Heute
profitieren wir davon, da es eine feste Schreibung gibt.

Wenn du das als Profit siehst, warum dann alles über den Haufen werfen?

Es ändert lediglich
die Schreibung, um die deutsche Orthographie etwas weniger
kompliziert zu machen.

Warum? Um die geistigen Defizite, die sich bei PISA zeigten, etwas auszugleichen? :smile: Anstatt anzustrengen einfach Latte niedriger setzen.

Wörter wie „numerieren“ und „plazieren“
musste man sich früher extra merken

Ich mußte mir das nie extra merken, sondern das ist die einzige richtige Schreibung, die ich für diese Wörter kenne.

heute kann man sie bequem
von Nummer und Platz ableiten, wie es sich gehört.

Heute müßte ich theoretisch dauernd daran denken, daß ich diese Wörter wohl auch absichtlich so schreibe, wie ein geistig minderbemittelter Drittklaßler sie schreiben würde.

Mir scheint, Datafox ist einfach zu konservativ.

Soll das eine Beleidigung sein? :smile:

Oder zu faul,
sich umzustellen.

Ich sehe nicht ein, warum ich mein Sprachniveau herabsetzen muß, nur weil das Schulsystem offenbar versagt.

Und wenn’s nach ihr ginge, sollen zukünftige
Generationen auch an sinnlosen Schreibungen und Regeln der
alten Orthographie leiden?

Warum soll ich unter solchen absichtlichen Falschschreibungen leiden müssen? Zum Glück gibt es noch Presse und Zeitungen etc., die sich weigern diesen Dummschrieb zu übernehmen. Es ist eine Qual, dieses lesen zu müssen.

Deutschland 2007 Albtraum platzieren
Deutscheland 2050 Ische eh eh isch Albdraum platze

Gruß
d.

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Es ist vernünftig und sinnvoll „platzieren, Gämse, aufwändig,
Stängel, belämmern“ zu schreiben, auch wenn Datafox und WZ
platzen!

Weißt du was vernünftig und sinnvoll ist? Sprachen wie C++, Borland, XML und wie sie alle heißen. Keine Ausnahmen, keine Fremdwörter, alles total logisch und ableitbar.

Ich bleib dabei: Wer zu blöd ist richtiges Deutsch zu lernen, soll es eben sein lassen.

Gruß
d.

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Die Rechtschreibung unserer Schüler ist keinen Deut besser und
keinen Deut schlechter geworden.

Achja? Eine sehr kühne Aussage. Kannst du das durch
Statistiken belegen?

Nein, aber durch langjährige Erfahrungen mit vielen Klassen vor und während der Rechtschreibreform ( - ein „Nach“ gibt es noch nicht, insofern kann es auch noch keine Statistiken geben). Und wenn ich ganz ehrlich sein soll: Sie wird eher immer schlechter. Aber das hat nichts mit einer Rechtschreibereform zu tun, das hat viele andere Gründe, das PC-Zeitalter, die sinkende Lust aufs Lesen, veränderte Schwerpunktsetzungen im Grundschulalter usw.

Was ich zum Ausdruck bringen wollte, noch einmal: Probleme, die die Rechtschreibreform angehen wollte und mit mehr oder weniger Erfolg angegangen ist, betreffen die spezifischen Rechtschreibprobleme unserer Schüler nur in einem ganz geringen Maß.

Und mit Statistiken kann man bekanntlich immer gleichzeitig a und -a belegen. :wink:

Besten Gruß, Wolfgang

Gruß,

  • André
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