Hallo zusammen,
ich wollte mal fragen ob in Deutschland eigentlich Placebos verschrieben werden dürfen?
Ich meine, auf der einen Seite kann es ja sinnvoll sein, wenn der Patient z.B. Hypochonder ist, auf der anderen Seite was ist wenn tatsächlich etwas vorliegt und durch die „Untätigkeit“ des Arztes das Leiden verschlimmert wird?
Gibt es dafür gesetzliche Regelungen oder weiß jemand wie das in der Praxis abläuft?
Hallo zusammen,
ich wollte mal fragen ob in Deutschland eigentlich Placebos
verschrieben werden dürfen?
Nein.
Ich meine, auf der einen Seite kann es ja sinnvoll sein, wenn
der Patient z.B. Hypochonder ist, auf der anderen Seite was
ist wenn tatsächlich etwas vorliegt und durch die
„Untätigkeit“ des Arztes das Leiden verschlimmert wird?
Unlogisch. Was, wenn er statt Placebo gar nix verschreibt?
Gibt es dafür gesetzliche Regelungen oder weiß jemand wie das
in der Praxis abläuft?
Wenn ein Arzt ein Placebo einsetzen will, wird er ein Medikament verschreiben, dessen Wirkung nicht wissenschaftlich untermauert ist, nett gesagt. Zu gut Deutsch, er wird homöopathische Zuckerkügelchen o.ä. verschreiben.
Gibt es dafür gesetzliche Regelungen oder weiß jemand wie das
in der Praxis abläuft?
Damit ein Placebo auch wirkt, darf der Patient ja nicht wissen, dass es ein Placebo ist. Wenn du nun aber Tabletten, die völlig ohne Wirkstoff nimmst, verschreiben würdest, dann müsste der Patient ja nur den Beipackzettel durchlesen und würde sehen: „Oh, keine Nebenwirkungen! Super! Komisch, komisch … auch keine Inhaltsstoffe.“
Das Placebo wäre enttarnt und damit wirkungslos.
Daher verschreibt man nicht direkt Placebos, sonder irgendwelche harmlosen Vitaminpräparate. Ich habe bisher zweimal ein „Placebo“ bekommen. Einmal waren es knallrot gefärbte Vitamin-B-Tabletten, und einmal war irgendein pflanzlicher Wirkstoff drin. Diese Tabletten habe ich aber gar nicht erst genommen, weil die Ärztin das Placebo schon in der Praxis enttarnt hat. Sie sagte nämlich: „Wenn ihre Beschwerden psychisch bedingt sind, dann gehen sie damit weg. Wenn nicht, nicht.“ Alles klar.
Es hätte auch nichts geholfen. Die Beschwerden waren nicht psychisch bedingt.
Gibt es dafür gesetzliche Regelungen oder weiß jemand wie das
in der Praxis abläuft?
Wenn ein Arzt ein Placebo einsetzen will, wird er ein
Medikament verschreiben, dessen Wirkung nicht wissenschaftlich
untermauert ist, nett gesagt. Zu gut Deutsch, er wird
homöopathische Zuckerkügelchen o.ä. verschreiben.
Vitaminpräparate sind auch beliebt.
Oder er empfiehlt obskure Behandlungsmethoden „IGEL“ - da hat er mehr davon.
(Meine Mutter bekam „Lasertherapie“ beim Orthopäden. Einfach nur monochromes Licht ohne Bündelung oder lokale Wärme, wie ich es eher erwartet hätte. Sollte gegen die Rückenschmerzen helfen. Na, ratet mal, wie das bei ihrer fortgeschrittenen Ostheoporose geholfen hat!)
Die Grundlage ist folgende: Frei erhältliche Arzneimittel dürfern nicht mehr verschrieben werden, alle anderen müssen sich einem Wirksamkeitsnachweis unterziehen.
Ausnahmen bilden hier die homöopathischen Mittel. Sie können verschrieben werden und brauchen sich auch keinem Wirkungsnachweis unterziehen, den sie ja auch nicht schaffen werden.
Die entsprechende Lobby war in diese Hinsicht einfach zu stark, so daß diese Ausnahme gemacht wurde.
Insofern hat Leobär recht: Man würde irgendein homöopathische Mittelchen verschreiben (übrigens für einen Heilpraktiker wie Leobär eine bemerkenswerte Aussage!)
Insofern hat Leobär recht: Man würde irgendein homöopathische
Mittelchen verschreiben (übrigens für einen Heilpraktiker wie
Leobär eine bemerkenswerte Aussage!)
Hätte ich mein anstehendes Studium (aus Gründen die zu einer drei Seiten langen Diskussion führen würden) erwähnen sollen?
Ernsthaft, Heilpraktiker ist ein Befähigungsnachweis a la „Nicht kriminell, nicht krank, kann eine Grippe von einer Rippenfraktur unterscheiden“. Das heisst nicht, daß jeder gleich Zuckerkügelchen verschreibt und im Mondschein Bäume umarmt…
Entgegen der Meinungen der anderen Poster, ist es in Deutschland durchaus möglich, Placebos zu verabreichen. Jede einigermassen gute Pharmafirma bietet Placebos zu ihren Präparaten an. Diese werden u.a. eingesetzt, um einen Missbrauch durch den Patienten aufzudecken. Eine formlose Anforderung durch den Arzt oder die Apo reicht, um an ein Placebo zu kommen.
Nachtrag
…
Ein Placebo wird in erster Linie verabreicht, wenn ein Patient ein bestimmtes schon Medikament kennt und der Arzt eine Unstimmigkeit vermutet. Nicht, wenn der Arzt der Meinung ist, dass er (der Patient) simuliert. Dann wird er wahrscheinlich tatsächlich eher zu Zink, Magnesium oder sonstwas greifen.