Placebo statt Anti Depressiva?!

Hallo!
Habe mal eine ganz ausführliche Doku über Placebobehandlungen gesehen und ich muss sagen die „Wirkung“ ist ja echt beeindruckend.Wie heisst es noch so schön?..der Glaube versetzt Berge…

Hatte mal eine ziemlich Depressive Phase,der Arzt hat mir Fluoxetin verschrieben mit der Bemerkung das es 14 Tage dauert bis es wirkt.

Ganz klar,erst nach 14 Tagen habe ich eine DEUTLICHE besserung gespürt:wink:
Ich denke er hätte mir auch sonst was erzählen können.
Schon allein das ich mit einer kleinen Packung „verschriebenem“ nach Hause gekommen bin hat mir die Zuversicht gegeben das es mir wohl auch helfen wird.

Werden Placebos eigentlich auch ganz regulär vom Artzt „verschrieben“?
Natürlich ohne das der Patient es weiss oder ist so etwas nur in Studien erlaubt??

LG

Hi!

Ja, es ist irre, was Placebos so bewirken können. Ich bin selbst immer wieder darüber erstaunt :wink:

Man kann (!) z.B. in der Schmerztherapie statt Morphium ein Placebo geben - hat oft dieselbe Wirkung (natürlich nicht bei allen). Oder ein ebenfalls häufiges Beipiel: bei einem Asthma- oder COPD-Patienten beseitigt oft (nicht immer natürlich) ein Placebo die Luftnot. Ich erlebe das bei uns im Hause immer wieder - ist echt erstaunlich…

Es gibt aber „das“ Placebo nicht nur als Tablette. Einen Placebo-Effekt hat z.b. genauso oder _gerade_ ein ausführliches, mitfühlendes Gespräch, bei dem man dem Patienten viel Aufmerksamkeit widmet und ihm das Gefühl gibt, ernst genommen zu werden und ihn zu „betüddeln“ - ein Prinzip, auf welches Alternativmediziner überwiegend ihre „Erfolge“ stützen :wink:

In der Behandlung spielen auch viele andere (v.a. psychische) Aspekte eine wichtige Rolle, die durchaus auch auf den Placebo-Effekt zurück geführt werden können. Beispiel: Bei einem Pat. soll die Medikamentendosis reduziert werden. Vorher hat er z.b. 40mg bekommen und soll nun 20mg haben. Die Tabl. gibt es jeweils in der 40mg und 20mg Dosis. Welche Tablette gibt man ihm?
Wer jetzt denkt, die 20mg-Tbl wäre richtig, liegt falsch - man gibt ihm eine halbe 40mg-Tbl. Warum? Weil die Tablette nun „kleiner“ ist und der Erfolg der Behandlung für den Patienten somit „sichtbar“! Dies führt zu einer positiven Verstärkung und zu mehr Motivation, an der Therapie weiter zu arbeiten.

Es gibt noch soooo viele Beispiele, aber die Ausführung wäre wohl zu lang :wink:

Letztendlich geht es jedoch darum, daß wie du so schön sagst, „der Glaube Berge versetzen kann“. Oder anders gesagt, man bringt den Patienten dazu, seine eigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren.
Und deren Wirkung ist wirklich erstaunlich.
Das sieht man besonders eindrucksvoll bei Krebspatienten. Oft ist es so, daß diejenigen, die ihre SElbstheilungskräfte aktivieren können - was man an einer positiven und lebensbejahenden Einstellung erkennen kann und die auch viel für die Erhaltung ihrer GEsundheit tun und regelrecht kämpfen -, die überleben zumindest länger oder werden gar ganz geheilt. Wer „aufgibt“ verstirbt meist trotz bester Therapie recht bald. Ist natürlich nicht immer so, Ausnahmen bestätigen die Regel, aber kommt öfter vor, als man denkt.

Werden Placebos eigentlich auch ganz regulär vom Artzt
„verschrieben“?

So genau weiß ich es nicht, denke aber, daß im hausärztlichen Bereich seltener vorkommt als im Krankenhaus, weil einfach wenn das Mittel nicht wirkt, im KH ein Arzt schnell erreichbar ist und dann etwas „Richtiges“ gegeben werden kann.

Natürlich ohne das der Patient es weiss oder ist so etwas nur
in Studien erlaubt??

Erlaubt ist es schon. Aber wie gesagt, dürfte es im ambulanten Bereich meiner Meinung nach seltener geschehen und dann eher bei „harmloseren“ Sachen wie z.b Schlafmittel oder so. Bei Depressionen denke ich nicht, daß da die Placebogabe sinnvoll ist.

FLuoxetin ist kein Placebo, falls das deine Hintergrundfrage ist :wink:
Und es ist auch korrekt, daß es erst nach einiger Zeit Wirkung zeigt.

Gruß,
Sharon

Hallo Sharon

mitfühlendes Gespräch, bei dem man dem
Patienten viel Aufmerksamkeit widmet und ihm das Gefühl gibt,
ernst genommen zu werden und ihn zu „betüddeln“ - ein Prinzip,
auf welches Alternativmediziner überwiegend ihre „Erfolge“
stützen :wink:

das - hätte ich von dir nicht erwartet. Selbst mit Lächeln finde ich das noch … enttäuschend.
Ich (und ich bin sicher da bin ich nicht alleine) finde Erfolg nicht einfach, das es nett ist wenn es dem Patienten besser geht, sondern es sollte sich auch klinisch am Bild noch was ändern und die Besserung sollte anhalten auch wenn ich den Patienten nicht mehr tüddel. Und klar gibt es Patienten, die brauchen nichts anderes, aber die meisten brauchen schon ein wirksames Arznei und ob das jetzt schulmedizinisch wirkt oder homöopathisch - ja mei…

Werden Placebos eigentlich auch ganz regulär vom Artzt

„verschrieben“?

In meiner Ausbildung gab es eine Dozentin, die Apothekerin ist. Die hat uns u.a. beigebracht, wie man Rezepte schreibt, sodaß die Apotheken Arzneimittel rausgeben, die aussehen, wie die gewohnten des Patienten, denn Ärzte machen das durchaus, das sie bei Patienten, wo sie das Gefühl haben, die brauchen nicht den Wirkstoff, der Nebenwirkungen hat, sondern nur die Pille, das sie solche Rezepte schreiben. Sie meinte damals, das wären echt viele (ihre Einschätzung und nicht nachprüfbar.)

Schönen Sonntag
Kerstin

Hi Xenia
Wichtig sind in diesem Zusammenhang die sogenannten DOPPEL-BLID-STUDIEN. Die heißen so, weil sowohl der Arzt nicht weiss, ob er ein Placebo oder ein echtes Medikament gibt, als auch der Patient es nicht weiß. Diese Studien werden im Rahmen von Forschungen, z.B. Erprobung NEUER Medikamente, gemacht. Dann wird später das Ergebnis ausgewertet und nur WENN das wirkliche Medikament SIGNIFIKANT deutlicher wirkt als das Placebo, dann hat es seinen Wert bewiesen.
Gruss, Branden

Hi Kerstin!

Der von dir zitierte Abschnitt war nicht so gemeint, wie du ihn verstanden hast - ich meinte das durchaus im positiven Sinne :wink:

Ein Beispiel:
Ein Pat. hat gesundheitliche Probleme, die sich auf Streß zurückführen lassen. Er geht zunächst zum Hausarzt - und du weißt ja, beim Arzt sitzt man max. 10 Minuten im Zimmer :wink:
Der Arzt sagt ihm, er solle sich entspannen. Was tut der Pat.? Fast immer hört man ein „jajaja“ - aber er befolgt den Ratschlag nicht!
Anders beim Alternativmediziner: da dauert alleine schon das Gespräch vieel länger und ebenso die Behandlung, beispielsweise ein Ölguß auf die Stirn. Dieser Ölguß (so jetzt als BEispiel) dauert ja einige Zeit, der Pat. liegt da und was passiert dabei? Er entspannt sich automatisch! Er wurde praktisch durch die Behandlung dazu „gezwungen“.

Die Tabletten vom Arzt hätte er sich sparen können, hätte er den Ratschlag befolgt. Aber der Alternativmediziner geht einen anderen Weg und bringt den Pat. _direkt_ dazu, sich zu entspannen, er beläßt es nicht nur beim Ratschlag.

War jetzt kein tolles Beispiel, aber vielleicht wird es klarer, was ich gemeint hatte mit dem „betüddeln“ :wink:

Gruß,
Sharon

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Oh gut - war auch echt…
eine Mischung aus überrascht und enttäuscht.
Der Stern ist übrigens nicht von mir - ich kann noch nicht!! :smile:)

Schönen Sonntag noch
Kerstin