Plagiate

Liebe www-ExpertInnen
Da ich viel lese, fällt mir immer wieder auf, wieviel Plagiate es in der Literaturwelt gibt.
Beispiele:
Original: „Der Graf von Monte Christo“ (Alexandre Dumas)
Plagiat: „Die Verurteilen“ (Stephen King) und „Der Sterne Tennisbälle“ (Stephen Fry)
Beide haben wesentliche Handlungsstränge abgekupfert. Beide sind sogar noch so frech und erwähnen Dumas’ Werk innerhalb der Handlung oder auf dem Klappentext.

Ist es wirklich so einfach?
Einfach einen Klassiker nehmen, stark verfremden wie Stephen King oder schwach verfremden wie Stephen Fry und in die heutige Zeit transferieren und schon stimmt die Kasse?
Kennt jemand weitere Beispiele?
Viele Grüße
Voltaire

Bertolt Brecht schrieb bei François Villon ab

Hallo, Voltaire

Hier einige Beispiele von Plagiaten in der Literatur:

„Bertolt Brecht verwendete in der Dreigroschenoper Verse von François
Villon in der von K.L. Ammer ins Deutsche übertragenen Fassung.
Dieser Sachverhalt wurde von Alfred Kerr aufgedeckt. Brecht schrieb
aus diesem Grunde zur Neuauflage seines Buches ein Sonett, das diesen
Sachverhalt thematisierte.
Kathy Acker begründete eine Kunstform des „Plagiarismus“. Die
Anwendung dieser Kunstform und die Verwendung von Textpassagen des
Bestsellerautors Harold Robbins führte zu einem Prozess, der
schließlich eingestellt wurde.
Der Autor Dan Brown und sein Verlag Random House wurden wegen des
Bestsellers „Sakrileg“ und dem gleichnamigen Film erfolglos von einem
französischen Schriftsteller verklagt.
Laut Gerichtsentscheid unbegründetete Plagiatsvorwürfe gegenüber der
afroamerikanischen Schriftstellerin Nella Larsen führten dazu, dass
sich die Autorin gänzlich vom Schreiben abwandte.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Plagiat

Gruss

Rolf

Guten Abend, Voltaire

Ist es wirklich so einfach?
Einfach einen Klassiker nehmen, stark verfremden wie Stephen
King oder schwach verfremden wie Stephen Fry und in die
heutige Zeit transferieren und schon stimmt die Kasse?

Offensichtlich ja. Anleitungen und Seminare und Pc-Programme und und und wie z.B. „So schreibe ich einen Roman / ein Drehbuch“ und und und gibt es massenhaft. Und wenn man dann noch die richtigen Leute kennt, die einen vermarkten…

Kennt jemand weitere Beispiele?

Konkrete Beispiele nicht, aber lies mal im Alten Testament
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarticl…

Gruß
gargas

Hallo,

noch ein Beispiel:

Michael Crichton wurde von mehreren Kritikern vorgeworfen, sich für „Jurassic Park“ schamlos bei dem Roman „The Lost World“ (1912) von Arthur Conan Doyle bedient zu haben. Crichton scheint genügend Selbstironie zu besitzen und reagierte auf die Vorwürfe, indem er seinen Fortsetzungsroman ebenfalls „The Lost World“ nannte.

http://de.wikipedia.org/wiki/DinoPark
http://de.wikipedia.org/wiki/Lost_World
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_vergessene_Welt

Grüße
Wolfgang

Hallo Voltaire

The Wizard of Oz von L.F. Baum hat Alexander Wolkow praktisch abgeschrieben und damit in der DDR und wahrscheinlich auch in anderen Ländern des Ostens einen sehr großen Erfolg gelandet. Das kopierte Buch heißt „Der Zauberer der Smaragdenstadt“. Guckst du: http://www.amazon.de/Zauberer-Smaragdenstadt-Alexand…
Allerdings hat Wolkow darauf aufbauend die Gechichte weitergesponnen, woraus weitere sehr schöne Kinderbücher entstanden sind (nachzulesen in einer Leserezension bei amazon.)
Ich habe die Bücher mehrmals gelesen und war überrascht als ich erfuhr, dass der Zauberer der Smaragdenstadt eine Kopie eines amerikanischen Buches ist.

Gruß, Tychi

Lieber Voltaire,

Arno Schmidt hat mal gesagt (und sich selber natürlich einbezogen), daß ein gutes Werk zu 90 % abgeschrieben ist, ein schlechtes zu einem weit höheren %satz.

Gandalf

Tach!

Da ich viel lese, fällt mir immer wieder auf, wieviel Plagiate
es in der Literaturwelt gibt.
Beispiele:
Original: „Der Graf von Monte Christo“ (Alexandre Dumas)
Plagiat: „Die Verurteilen“ (Stephen King) und „Der Sterne
Tennisbälle“ (Stephen Fry)
Beide haben wesentliche Handlungsstränge abgekupfert. Beide
sind sogar noch so frech und erwähnen Dumas’ Werk innerhalb
der Handlung oder auf dem Klappentext.

Ist es wirklich so einfach?

Es ist noch viel einfacher:

Man nehme eine italienische Novelle, vermenge sie mit einer Verserzählung ähnlichen Inhaltes und veröffentliche das Ergebnis als Drama unter eigenem Namen.

Gemacht hat das William Shakespeare. Das Werk heißt „Romeo und Julia“.

Shakespeare wiederum war Vorlage für Gottfried Kellers „Romeo und Julia auf dem Dorfe“. Die „West Side Story“ von Leonard Bernstein ist eine Verlagerung des Stoffes in die Jugend-Gangs von New York.

Oder:

Man nehme ein Buch, das eine Sammlung von Geschichten und Anekdoten zu einer historischen Figur enthält, vermische es mit einer Version aus dem Ausland, die sich ebenfalls auf die Anekdotensammlung bezieht, nehme das Beste aus einer Theater-Wanderaufführung und diversen Pantomimendarstellungen, die wiederum die ausländische Version als Kern haben, bringe das Ganze in eine dramatische Form - und heraus kommt _das_ Drama der Deutschen: Goethes Faust. Andere benutzen wiederum den Goethe-Faust als Vorlage: Heinrich Manns „Professor Unrat“, Thomas Manns „Doktor Faustus“, Michail Bulgakows „Der Meister und Margarita“. Kurzum: Plagiiert haben selbst die ganz Großen.

Oder - wie jemand sehr Schlaues mal sagte: Alle erzählten Geschichten basieren ausschließlich auf den zwei großen Mysterien der Menschheit - die Liebe und der Tod.

Von daher kann es keine neuen „Themen“ geben, immer nur neue „Varianten“.

Grüße
Heinrich

wenn es so einfach ist …
… dann mach es doch auch!

Ist es wirklich so einfach?
Einfach einen Klassiker nehmen, stark verfremden wie Stephen
King oder schwach verfremden wie Stephen Fry und in die
heutige Zeit transferieren und schon stimmt die Kasse?

1.) wer sagt, daß es dann stimmt?
2.) wer sagt, daß die kasse stimmt?

Kennt jemand weitere Beispiele?

wenn ich beispiele nennen würde, wäre ich bis silvester nicht fertig.
die gesamte weltliteratur besteht aus wiederholungen der selben 12 themen (liebe/haß/ehre/…). das wußte schon aristoteles, wie man bei ihm nachlesen kann. ES GIBT KEINE NEUEN THEMEN! allenfalls variationen der alten.

und jetzt noch mal kurz zu „so einfach ist das?“:
nimm dir doch mal ein x-beliebiges thema und schreibe deine version davon.

na? ist das einfach? oder ist eventuell etwas ganz neues dabei rausgekommen?

frohe weihnachten
ann

PS: wir haben mal ein spitzenwerk der weltliteratur, den orlando furioso „kopiert“, d.h. neu übersetzt, für die heutige zeit verständlich fgemacht und in prosa übertragen.

Liebe AnnJabusch

1.) wer sagt, daß es dann stimmt?
2.) wer sagt, daß die kasse stimmt?

Ich denke, wenn der Schriftsteller schon sehr bekannt ist, dann wird nicht mehr so genau hingesehen.

na? ist das einfach? oder ist eventuell etwas ganz neues dabei
rausgekommen?

Für uns mag es nicht einfach sein. Oder vielmehr für mich. Für Stephen King und Konsorten ist es wesentlich einfacher.

frohe weihnachten

Die wünsche ich Dir auch.
Es ging mir nicht um die ewige Wiederkehr aller Thematik. Das habe ich vielleicht nicht deutlich genug beschrieben. Es ging mir darum, dass einige Schriftsteller, auch sehr bekannte, offensichtlich ein bestimmtes Buch gelesen haben und dies mehr oder weniger direkt abschreiben. Bei Dumas gibt es eine zentrale Figur, die sich Abbè nennt. Stephen Fry dreht nur die Buchstaben herum und nennt seine Figur Babe.
Ich fragte danach, ob Menschen solche direkten Beispiele kennen und die Frage wurde beantwortet.
Viele Grüße
Voltaire

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Arno Schmidt hat mal gesagt

das war ein schlauer Fuchs, der viel Richtiges gesagt hat.

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Aber hier eher nicht!
Hallo gargas

das war ein schlauer Fuchs, der viel
Richtiges gesagt hat.

Aber hier wohl eher nicht!

Einen wachsenden Thread lang redet Ihr von
«abschreiben», und jetzt soll das noch mit einem
Zitat untermauert werden.

Mir fehlt da ein Minimum an gedanklicher
Schärfe:
Ein Thema aufnehmen, sich von einer
interessanten Story anregen lassen, dies dann
selber zu verdauen und neu zu formulieren kann
man schlecht «abschreiben» nennen.
Schon gar nicht, wenn man akzeptiert, dass der
Vorrat an grundlegenden Themen begrenzt ist.

Auch der Maler kann nur mit den Farben malen,
die es schon «gibt», und die geometrischen
Formen und die Kompositionsprinzipien sind
bereits alle «erfunden» – sagt man deshalb, 90%
aller Bilder seien abgepinselt?

Und mit dem juristischen Begriff «Plagiat» wäre
ich erst recht sehr vorsichtig! Studiert doch
erst mal das Urheberrecht.

Grüsse
Rolf

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hallo voltaire,

Ich denke, wenn der Schriftsteller schon sehr bekannt ist,
dann wird nicht mehr so genau hingesehen.

du denkst falsch.

Für uns mag es nicht einfach sein. Oder vielmehr für mich. Für
Stephen King und Konsorten ist es wesentlich einfacher.

auch das stimmt leider nicht :smile:
schreiben ist nicht „einfach“, sondern harte arbeit. immer. auch wenn es nicht so aussieht (oder gerade dann).

Bei Dumas gibt es eine
zentrale Figur, die sich Abbè nennt. Stephen Fry dreht nur die
Buchstaben herum und nennt seine Figur Babe.

dann spielt der autor mit der ähnlichkeit. so what?

Ich fragte danach, ob Menschen solche direkten Beispiele
kennen und die Frage wurde beantwortet.

nur noch zur ergänzung: texte waren früher volksgut, der autor unwichtig. so kommt es, daß es „tristan und isolde“ von mehreren autoren gibt, ebenso „die schöne magelone“, „melusine“ und natürlich das „chanson de rolande“ oder „rolandslied“ oder „der rasende roland“. die figuren/charaktere waren bekannt, und bei jedem erzählen wurden sie weiter ausgesponnen, neue dazu erfunden. wer nicht so interessierte, fiel weg. das ist erzähltradition.

in unseren schreibkursen stellen wir gern die aufgabe, eine bekannte szene zu beschreiben. bei 20 teilnehmern hast du - trotz derselben figuren und der selbenhandlung - 20 verschiedene geschichten. das sind KEINE plagiate.

wenn aber nach dem bombenerfolg von „die päpstin“ plötzlich ein großteil aller historischen romane auf dem titelbild einen menschen in rotem mantel aufweisen und damit gleich von vornherein ein umsatzplus von xx % machen, hat das eher was plagiat zu tun. aber warum sollte man das nicht nutzen? es hat nichts mit dem inhalt zu tun!

gruß
ann

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Arno Schmidt hat mal gesagt

das war ein schlauer Fuchs, der viel Richtiges gesagt hat.

90% ca?