Planzenart?

Hallo zusammen

Wer kann mir sagen, wie diese Pflanzen in Duetsch heißen und welcher Gattung sie abstammen

Manna
thiriac venezia

Danke im Voraus

Lothar

Hallo zusammen

Hallo Lothar

Wer kann mir sagen, wie diese Pflanzen in Duetsch heißen und
welcher Gattung sie abstammen

Manna

Du meinst doch nicht das biblische Manna? Es gibt eine Manna-Esche (Fraxinus ornus), aus deren Saft ein laxierendes Mittel gewonnen wird.

thiriac venezia

Was soll das sein? Das scheint mir kein gültiger bot. Name zu sein, beschreibe doch dieses Gewächs oder verlinke mal ein Bild.

Danke im Voraus

Lothar

Gruß
Horst

Hallo Lothar,

stammen diese Begriffe aus frühneuzeitlichen botanisch-pharmazeutischen Texten?

Seit dem mittelalterlichen Latein ist thiriaca, Thiriak ein Begriff für Antidote gegen Schlangengift, später auch gegen z.B. Bleivergiftungen von Bergleuten.

Hierbei wurden verschiedenste Pflanzen verwendet, soviel ich weiß empfiehlt Paracelsus die Wurzel von Liebstöckel an Honig gekocht (bitte nicht als pharmazeutische Empfehlung ernst nehmen!!!).

Da die botanische Nomenklatur von der Pharmazeutik her kommend lang vor der Linnéschen Systematik in verschiedenen, teils ähnlichen Weisen benutzt wurde (noch heute gibt es Namen, die zu den Linnéschen parallel benutzt werden), ist es nicht ausgeschlossen, dass irgendeine einzelne Pflanze gemeint ist. Ich denke aber, dass es sich eher um eine Rezeptur handelt. Dabei kann der Begriff „venezisch“ auf die Empfehlung für Bergleute, insbesondere bei Bleivergiftungen, hinweisen, alldieweil Venezier in der frühen Neuzeit die Weltmeister in Sachen Prospektion waren und die Hüttentechnik für Glas und Silbererz besser beherrschten als der Rest der Welt.

Gibts Du uns ein bissel mehr Kontext? Dann kann man vielleicht ein bissel weiter graben ohne zu weit ins Spekulative zu kommen.

Vielleicht triffst Du auch in der Kante „Chemie … Pharmazie“ einen historisch Interessierten, der weiter weiß.

Schöne Grüße

MM

Hi Martin,
das ist ja ein sehr interessanter Aspekt! Stern dafür…

Gruß
Horst

Manna und Theriac
Hallo zusammen

(@martin: Auch von meiner Seite einen Stern!!
Finde Deine Infos generell immer sehr hilfreich!)

Kleine Ergänzung zu den Beiträgen von Martin und Horst:

Manna:

  1. Beim Manna/„Man ha?“ im biblischen Sinne scheiden sich die Geister. Thesen
    dazu: dies seien die Aqusscheidungen der Manna-Esche, möglicherweise die
    sogenannten Sinai-Trüffel oder die Ausscheidung von Insekten – genauer gesagt das
    Sekret einer Laus, die auf Tamariskenbäumen lebt. Viele Forscher halten
    mittlerweile letzteres für am glaubwürdigsten.
    Weil Manna auch als Brot des Himmels bezeichnet wird, verleitet es viele dazu zu
    glauben, es handle sich um ein pflanzliches Erzeugnis (und sei Bestandteil der
    rund 120 Pflanzenarten die in der Bibel erwähnt werden).

  2. Bezüglich Manna im botanischen Sinne noch eine Idee: Nebst der Manna-Esche
    gibt es noch die Glyceria fluitans (auch Manna-Schwaden genannt). Es ist eine
    Gattung des Süßgrases, das an feuchten Standorten wächst. Man bezeichnet die
    Glyceria auch als „Grashirse“. Der Samen wurde im Mittelalter mittels eines
    Siebes geschöpft, gereinigt und zur Schwadengrütze gestampft. Bei
    Volksfeierlichkeiten (Hochzeit, Kindelbier) war früher dickgekochte
    Schwadengrütze mit Kaneel (Zimt) und Zucker allgemein stehendes Gericht. Später
    ist Gerstengrütze und Reis an ihre Stelle getreten. Tipp am Rande: In der
    Aquaristik geht der Manna-Schwaden hie und da auch auf Tauchstation – sprich,
    wird zur Begrünung von Aquarien verwendet.

Thiriac:
"…Der Theriak geht zunächst unter dem Namen „Mithridatium“ auf Mithridates
VI., den König von Pontos, zurück. Dieser hatte allen Grund, sich um ein
universelles Gegengift zu kümmern: In seiner Kindheit hatte vermutlich seine
Mutter seinen Vater vergiftet, und um Regentin zu bleiben, habe sie auch ihm,
ihrem Sohn, nachgestellt. (…)

Bedroht von Verwandten, Rivalen, Gegnern und in einer Kultur, die mit dem
Königsmord wohl vertraut war, hat er sich offenbar sehr für Gifte und Gegengifte
zu interessieren begonnen. Er soll an zum Tode Verurteilten experimentiert haben
und so Gegengifte für giftige Spinnen, Skorpione, Vipern und Giftpflanzen
gefunden haben. Indem er all diese Gegengifte mischte, stellte er schließlich
eine Arznei her, die er selbst regelmäßig zur Vorbeugung gegen Mord eingenommen
haben soll. So erfolgreich soll er damit gewesen sein, dass ihm nach seiner
endgültigen Niederlage gegen die Römer der Selbstmord mit Gift nicht gelungen sei

  • er habe sich deshalb von einem Soldaten mit dem Schwert töten lassen. So
    jedenfalls berichten es verschiedene antike Schriftsteller. (…)

Andromachos (1. Jh. n. Chr.), der Leibarzt des Kaisers Nero, veränderte das
Rezept weiter und schuf damit das Gegengift, das als Theriak fast zwei
Jahrtausende als universell verwendbar hergestellt und offenbar auch benutzt
wurde. Galenus betont als wichtige Neuerung, dass er auch eine ordentliche Menge
Vipernfleisch hinzugefügt habe - woraus sich ein Schutz gegen Viperngift ergebe.
(…)

Theriak bekam im Mittelalter den Ruf eines Allheil- und Wundermittels und sollte
sogar gegen Syphilis und Pest helfen. Besonders seit der großen Pestepidemie von
1348 galt Theriak als Panazee (allmächtiges Heilmittel). Damals bestand der
Theriak neben 60 (manchmal bis zu 300 !) weiteren, oft wechselnden Zutaten, vor
allem aus Opium sowie Engelwurz, Arznei-Baldrian (Valeriana officinalis) und
Möhrensamen (Daucus carota). Im 18. Jahrhundert begann der Ruhm des Theriak zu
verblassen…"

Thiriac venezia:

Als Verbindungsglied zum Orient, hatte Venedig das Glück, häufiger in den Besitz
arabischer Schriften zu gelangen. So fand angeblich u.a. das „Tacuinum Sanitatis
in Medicina“ von Albukasim de Baldach (arabisch, 12. Jh.) über Venedig den Weg
nach Europa. Es ist ein wertvolles Zeugnis der berühmten orientalischen
Heilkunst.
http://x1ge87gg.utawebhost.at/buchseite.asp?ID=773&amp:stuck_out_tongue_winking_eye:…

Das Tacuinum dürfte gegen Ende des 14. Jh.s als Auftragsarbeit in Verona
entstanden sein. Es ist jedoch auch eine Bearbeitung in z.T. venezianischem
Dialekt bekannt, in Verbindung mit einer alphabetischen Zusammenstellung der
bekannten Heilpflanzen und vereinzelten Nachträgen.
Das von Andromachus überlieferte Wissen in Kombination mit den Erkenntnissen, die
die Venenzier aus dem Tacuinum und anderen Schriften gewannen, führte zur
Herstellung des Thiriac veneziana. Aufgrund der geschäftstüchtigkeit seiner
Bewohner wurde Venedig zu einem der wichtigsten Handelsplätze für Theriak, was
nicht unwesentlich zum Reichtum der Kaufmannsstadt beitrug.

  1. Die altertümliche französische Bezeichnung Thériaque des pauvres (Theriak der
    Armen) spiegelt übrigens die medizinische Bedeutung des Knoblauchs wider.

Gruss aus der Schweiz

Silvia

Servus Silvia,

jetzt sag ich nichts mehr, bigoscht! - und Dank für die umfassende Aufklärung.

Wer da mitreisen könnte!

Schöne Grüße

MM