Hallo Corinna,
kurz etwas zu mir damit du nicht denkst das ich einfach nur so meinen
Kommentar zu dem Problem mit den Hunden abgebe;
Ich bin 41 Jahre alt und mit Tieren (Hunden, Katzen und Pferden) groß
geworden und hatte schon als Kind ein Gespür und einen sechsten Sinn
für den Umgang mit schwierigen Tieren. Später habe ich diese schöne
Gabe genutzt um sie auch beruflich zu nutzen. So habe ich einige
Jahre in einem Tierheim gearbeitet und mich dann auf die Therapie von
verhaltensauffälligen Tieren (Hunde und Pferde)speziallisiert und
mich damit Selbständig gemacht.
Nun zu deinem Problem mit den Hunden.
Es wurde hier schon Werner Freund zitiert, dessen Buch ich nur jedem
Hundehalter empfehlen kann um das natürliche Verhalten der Hunde zu
verstehen.
So wie ich dein Problem verstanden habe, stand der 11 Jahre alte
Fino, bevor ihr Benni bekommen habt, in der Rangordnung nicht über
Oskar. In der Regel ist es so, das das ältere und erfahrenere Tier
das Rudel solange anführt bis ein Rangniedrigeres Tier dessen
Position streitig macht und das Leittier ablöst.
Labrador-Hunde sind sehr ruhige und zurückhaltende Tiere, im
Gegenteil zu den kleineren Rassen wie die Westhighland Terrier die,
aufgrund ihrer geringen Größe, stets dazu neigen mehr darzustellen
als sie eigentlich sind. Ein großes Problem sind Hundehalter solcher
kleinen Rassen, die diese „Hackenbeisser“ bei Auseinandersetzungen
schnell auf den Arm nehmen. Die Folge ist dann, das diese Hunde
schnell daraus lernen, das wenn sie sich mit anderen Hunden anlegen
und diese dann darauf reagieren, von Herrchen oder Frauchen auf den
Arm genommen werden, sprich in Sicherheit sind.
Ich gehe einmal davon aus, das Fino zwar das Leittier war, aber den
kleinen Oskar „machen ließ“, hauptsache er hatte seine Ruhe.
Das aber nur mal am Rande.
Das die drei Rabauken sich anfangs noch gut verstanden haben zeigt
nur, das sie ein gesundes Sozialverhalten haben. Das Benni als ein
ausgehungertes Wesen zu Euch kam hat Euch dazu bewegt sich intensiv
um ihn zu kümmern. Das blieb natürlich den beiden anderen nicht
verborgen. Während Fino es absolut tolerierte, kam bei Oskar nach und
nach die Eifersucht durch, die schließlich ihren Höhepunkt erreichte
als er sich mit Benni anlegte. Aus der Sicht von Oskar durchaus
verständlich. Zuvor waren er und Fino die Lieblinge, aber seit
einigen Monaten ist ein dritter im Spiel der auch noch mehr beachtet
wird, bzw. wurde. Vermutlich wird es Euch nicht aufgefallen und nicht
bewußt sein das Ihr die beiden anderen „vernachlässigt“ habt. Tiere
haben ein sehr ausgeprägtes Gespür für so etwas, da bringt es auch
nicht wenn man die Tiere von einander trennt.
Ein weiteres Problem könnte tatsächlich die einsetzende
Geschlechtsreife von Benni sein, wobei ein Hund mit 8 Monaten noch
nicht die Reife hat um sich gegen ein Leittier durchzusetzen. Aber er
könnte es durchaus spielerisch versuchen.
Meine Tipp für Euch wäre folgende:
-
Greift nicht in das Austragen von Rangkämpfen unter den Hunden ein.
Einzige Ausnahme hier sollte nur sein, wenn es blutig zur Sache geht
und die Gesundheit oder das Leben eines der Tiere auf dem Spiel
steht. Allerdings wird dies bei einem gesunden Sozialverhalten aller
beteiligten Tiere nicht vorkommen.
Laßt die Tiere sich raufen und auch mal beißen. Sobald der Mensch in
dieses Verhalten eingreift hat es nur zur Folge, das keine klare
Rangordnung feststeht und diese bei jeder Gelegenheit durch Kämpfe
ausgetragen werden. Im Normalfall kann man sagen, das die Hunde ihre
„Probleme“ schon untereinander klären - solange der Mensch nicht
eingreift.
-
Wenn ihr in eine Situation kommt wo ihr die Hunde von einander
trennen müßt, weil sie sich gefährlich verletzen könnten, dann trennt
unbedingt jeden einzelnen Hund für sich. Auf keinen Fall nur einen
trennen und die anderen zwei (welche auch immer) zusammen lassen. Das
wirkt sich negativ auf das weitere Verhalten aus.
-
Es ist grundsätzlich unmöglich sich ein Bild von einem Tier zu machen
wenn man es nicht kennt, oder nicht kennengelernt hat.
In deinem Fall brauchst du einen guten Tierpsychologen der, so sollte
es jedenfall sein, sich ein Bild von den Problemen vor Ort - also von
dem Zuhause der Hunde - macht. Es bringt überhaupt nichts wenn ihr
mit den Hunden auf einem fremden Terrain bei einem „Therapeuten“ seid
um das Problem zu lösen. Um die Problematik zu erkennen und zu
verstehen, muß ein Tierpsycholgie auch das Umfeld des Zuhauses
kennen, wobei auch das Verhalten von Euch eine Rolle spielt.
-
Sich von einem Tier zu trennen ist immer ein schwerer Schritt. Man
muß sich allerdings im klaren darüber sein das, wenn es keine
Aussicht auf ein stressfreies Zusammenleben der drei Hunde gibt, es
nur die eine Lösung gibt - sich von Benni zu trennen. Aber diese
Möglichkeit sollte erst als letzte in Betracht gezogen werden !
-
Macht Euch einmal Gedanken, am besten Ihr macht Euch zusammen
Notizen, wer wie mit welchen Hund umgeht. Was er wem erlaubt und wem
nicht, wer auf die Couch oder ins Bett darf und wer nicht, wer als
erster das Futtern bekommt (das sollte das Leittier sein!).
Überlegt Euch weiterhin wieviel Zeit Ihr für welchen Hund aufwendet,
usw. usw.
Ihr werdet schnell feststellen das Benni vermutlich in den letzten
Monaten oder Wochen von Euch bevorzugt wurde. Benni ist der „Neue“ in
dem kleinen Rudel. Die „Alten“ brauchen nun von Euch verstärkte
Zuneigung, damit sie verstehen das Benni keine Sonderrechte hat.
Viele Grüsse
Nils