PMDI Bindungen

Hallo,

gleich noch ne Frage:

In der Holzwerkstoffindustrie wird ja anstatt der Konventionellen Bindemittel (Melaminharz, Harnstoffharz,Phenolharz) immer öfter sogenanntes PMDI eingesetzt. Das gehört ja m.W. zu den Polyurethanen.

Jetzt würde mich mal interessieren, welche prinzipiell hydrolysierbaren Bindungen in PMDI entstehen können. Also dass eine Urethanbindung entsteht ist ja fast logisch :wink: Aber was entsteht denn da noch so? Je nach zusammensetzung können ja in Polyurethanen auch Ester und Etherbindungen auftreten (so wie ich das gelesen habe). Oder ist dass bei Polyurethanen von Typ PMDI nicht der Fall?

Hallo,

gleich noch ne Frage:

und hier gleich eine Antwort

In der Holzwerkstoffindustrie wird ja anstatt der
Konventionellen Bindemittel (Melaminharz,
Harnstoffharz,Phenolharz) immer öfter sogenanntes PMDI
eingesetzt. Das gehört ja m.W. zu den Polyurethanen.

Ja und nein, ja es wird eingesetzt, aber es gehört nicht zu den Polyurethanen, sondern ist einer der Grundstoffe für Polyurethane. Polyurethane, werden im allgemeinen gebildet aus Polyisocyanaten und Polyolen (mehrwertigen Alkoholen), das ganze läuft unter Anwesenheit von Katalysatoren, Treibmitteln, Stabilisatoren, etc. p.p. ab.

PMDI steht dabei für Polymeres Diphenyl-methan-diisocyant. Dieses wird nun mit Katalysatoren und Wasser zusammen zu den Holzspänen gegeben und auf einer Doppelbandanlage auf die geforderte Plattenstärke gepresst.

Dabei laufen 2 Reaktionen ab. Zum einen reagiert das Isocyanat mit dem Wasser, bildet Polyharnstoff und CO2. Dieses entweicht und der Polyharnstoff bildet ein erstes Netzwerk aus.

Zweitens reagiert das Isocyanat mit der Polyolkomponente, welche in diesem Fall keine Flüssigkeit wie normal ist, sonder die Cellulose im Holz, somit wird eine unlössbare chemische Anbindung des Bindemittels an die Holzfaser geschaffen.

Jetzt würde mich mal interessieren, welche prinzipiell
hydrolysierbaren Bindungen in PMDI entstehen können. Also dass
eine Urethanbindung entsteht ist ja fast logisch :wink: Aber was
entsteht denn da noch so? Je nach zusammensetzung können ja in
Polyurethanen auch Ester und Etherbindungen auftreten (so wie
ich das gelesen habe). Oder ist dass bei Polyurethanen von Typ
PMDI nicht der Fall?

Es entstehen also die Harnstoff- und Urethanbindungen und sonst nichts. Die von dir erwähnten Ether- oder Esterbindungen beziehen sich auf den Aufbau der Polyolkomponente. Die Polyole können entweder durch Ethoxylierung / Propoxylierung an OH- oder NH-Gruppen herstellen (Etherpolyol) oder durch Aufbau aus Polycarbonsäuren und mehrwertigen Alkoholen. (Esterpolyol) Letztendlich wichtig ist, dass das entstehende Produkt OH-Terminal ist.

Ich hoffe das hat bissle Klarheit geschaffen.

Gruss
Michael
Dipl.-Ing. Chemie

Hallo,

vielen Dank, dass hat sehr geholfen Danke dir!
Auf Polyurethan bin ich gekommen, da überall in Produktdatenblättern von Polyurethan die Rede ist und im gleichen Atemzug (meist in Klammern) PMDI erwähnt wird. Dann ist das also nicht ganz korrekt.

Dann sind die Ether bzw. Esterbindungen im Polyol, welches im Fall des Holzbindemittels wegfällt. Der Polyolersatz ist dann quasi die Zellulose des Holzes und somit wird gleichzeitig eine Bindung zum Holz geschaffen.
Hab ich das so richtig verstanden? :smile:

Du hast das sehr anschaulich und verständlich erklärt. Finde ich super!

Also wenn in der Holzwerkstoffindustrie der Begriff PUR fällt, dann kann man davon ausgehen, dass es sich um PMDI und nicht um „richtiges“ Polyurethan handelt, oder?

Hallo,

vielen Dank, dass hat sehr geholfen Danke dir!
Auf Polyurethan bin ich gekommen, da überall in
Produktdatenblättern von Polyurethan die Rede ist und im
gleichen Atemzug (meist in Klammern) PMDI erwähnt wird. Dann
ist das also nicht ganz korrekt.

Dann sind die Ether bzw. Esterbindungen im Polyol, welches im
Fall des Holzbindemittels wegfällt. Der Polyolersatz ist dann
quasi die Zellulose des Holzes und somit wird gleichzeitig
eine Bindung zum Holz geschaffen.
Hab ich das so richtig verstanden? :smile:

Exakt richtig, schliesslich enthält die Cellulose mehr als genug OH-Gruppen.

Du hast das sehr anschaulich und verständlich erklärt. Finde
ich super!

Vielen Dank für die Blumen :smile:

Also wenn in der Holzwerkstoffindustrie der Begriff PUR fällt,
dann kann man davon ausgehen, dass es sich um PMDI und nicht
um „richtiges“ Polyurethan handelt, oder?

Genau, das ist quasi 99.9% PMDI-haltiger Binder und kein PUR wie man es aus Kühlschränken, Sofas, Schuhsohlen und vielem mehr kennt. Das ganze wird auch als 1K-Material vertrieben, weil die 2. Komponente schliesslich das Holz ist.

Gruss
Michael