Polen im Ruhrgebiet anfang des 20. Jahrhunderts

Hallo Kundige,

vor ca. 100 Jahren wurden bekanntermaßen polnische ‚Gastarbeiter‘ ins Ruhrgebiet geworben; Namen wie Schimanski, Kowalski etc. gehören im Pütt ja ganz normal zum Repertoir.

Aber wie war es mit diesen Menschen während der Zeit von ´33 bis ´45
Waren sie Repressialien oder sogar Verfolgung ausgesetzt, oder waren sie schon so assimiliert das sie als ‚normale‘ Deutsche durchgingen?

Gandalf

Hallo, Gandalf,
das ging doch schon im 19.Jh los mit den Sudetendeutschen und Polen inm Ruhrgebiet.
Hier eine interessante Webseite, die (auch) darauf Bezug nimmt: http://www.dinslaken-lohberg.de/Info/Geschichte/body…
Allerdings glaube ich nicht, dass diese „Polen“ allzugroßen Repressalien im dritten Reich ausgesetzt waren.
An unverdächtiger Stelle im Netz habe ich dies gefunden:
Zitat (http://www.emabonn.de/ bzw http://www.emabonn.de/credits/layer.htm )
„Das immer wieder als vermeintliches Erfolgsbeispiel herangezogene Integrationsphänomen Polen im Ruhrgebiet beweist nur historische Unkenntnis: Diese Polen vor 1919 waren preußische Staatsbürger. Die Hälfte der sogenannten Polen waren Masuren (protestantisch, deutschgesinnt, preußenorientiert), nach den Kriterien einer Willensnation (Renan) also Deutsche. Nach dem 1. Weltkrieg gab es eine massive Auswanderung nationalpolnisch gesinnter Polen nach Frankreich und zurück nach Polnisch-Oberschlesien. In Oberschlesien bezeichnen zwar 65% Polnisch als ihre Muttersprache, aber bei der Abstimmung 1920 bekennen sich 60% politisch zu Deutschland! Ähnliches gilt auch für Kaschuben (Westpreußen), Windische (Kärnten), Ladiner (in den italienischen Dolomiten).“

Grüße
Eckard.

Hallo Eckard,

daß diese ‚Polen‘ diese Herkunft hatten, war mir grob bekannt, aber ich weiß halt auch, daß die herschenden Herrschaften von ´33 bis ´45 die Logik häufig an der Gardarobe abgegeben hatten, wenn sie ihre Rassentheorie verfolgten.
Und Polen war nun mal ein Volk, daß günstigsenfalls ein unterpreviligiertes Hilfsvolk sein sollte. Da kann ich mir vorstellen, daß ein Name wie Wendschinski nicht unbedingt karierefördernd war.

Andererseits kenn ich keinen Fall eines Progroms und das hat mich ein wenig verwundert.

Gandalf

Naja, Gandalf,
andererseits arbeiteten diese Leute in einem kriegswichtigen Bereich, waren Fachleute und nicht so von jetzt auf gleich zu ersetzen. Ich kann mir vorstellen, dass das den ideologischen Eifer doch dämpfte.
Grüße
Eckard.

Ostelbier
Dazu kommt ja noch, dass 60% des ostelbischen Adels mit so „undeutschen“ Namen wie Zitzewitz, Lewinski oder Marwitz herumliefen. Auch totalitäre Machthaber können es sich nicht mit allen verderben, obwohl im Schlesien der 30er Jahre ein Umbenennungsprogramm für viele Ortschaften lief.

Übrigens hatten die Nazis zunächst keine Vorbehalte gegen Polen. Die Polen waren ursprünglich als Verbündete im Kampf gegen die SU vorgesehen, was ja angesichts der Geschichte naheliegend war.
Erst als der polnische Außenminister derartige Pläne ungläubig ablehnte („Ich glaube, die Deutschen wollen eine gemeinsame Grenze zu Japan.“), schwenkte Hitler um („Wenn nicht mit Warschau gegen Moskau, dann mit Moskau gegen Warschau.“).

Gruß,
Andreas

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]