Krankenversicherung, grundsätzliches
Das ist doch Quatsch. Wenn man sich so krank fühlt, daß einem
die Verbesserung des Gesundheitszustandes noch nicht 10 Euro
wert ist, dann ist man offensichtlich nicht krank genug. Die
Leute haben sich schon viel zu sehr daran gewöhnt, mit einer
Erkältung (bei der man ohnehin nur die Symptome bekämpfen kann
und das auch noch besser mit Hausmitteln als mit Chemie) zum
Arzt zu rennen, daß wir genau die Probleme haben, die wir
haben.
Hausmittel helfen also.
Ich bezog das auf Erkältungen, den vermutlich - neben den reinen Kaffeekränzchenbesuchen - wohl den häufigsten Grund für Arztbesuche und Krankschreibungen darstellen dürften. Bei Erkältungen kannst Du nicht mehr machen, als die Symptome zu bekämpfen, als da wären: Schnupfen (Kamille inhalieren und schleimlösende Tees vs. Nasenspray und Enzympräparate), erhöhte Temperatur (Wadenwickel vs. Paracetamol) usw.
Wieviel ist
dann die Gesundheit Wert??? 10€? 100€? 1000€? Wie willst Du
Gesundheit an einem Kostenpunkt aufhängen???
Wieso? Damit hast Du angefangen. Du sagst, zehn Euro sind zuviel, ich sage, es ist eine richtige Maßnahme. Was Du anscheinend nicht berücksichtigst: Du bezahlst die zehn Euro so oder so und zwar über Deinen Beitrag oder eben direkt. Die Kosten sind da und werden von den Beitragszahlern zwangsläufig zu decken sein. Der Unterschied ist nur, daß beim Eintrittsgeld auch der Aspekt der Kostenverursachung eine Rolle spielt. Da kommt dann ein spannendes, aber seit rd. 30 Jahren in Deutschland unbeliebtes Stichwort ins Spiel: Eigenverantwortliches Handeln.
Ausserdem ging es
mir nicht mal um die 10 Euro, sondern mehr um die Ablehnung
des Arztes, wenn man kein Geld dabei hat. Das ist mir nun
schon öfters passiert, das ich kein Geld dabei hatte…
Naja, mir noch nie. Was lernen wir daraus? Nichts, denn wenn der Arzt nicht zufällig nebenan residiert, dann legt man ohnehin eine gewisse Strecke zurück und auf dem Weg findet man sicher einen Geldautomaten. Außerdem brauchst Du zum Arztbesuch auch Deine Patientenkarte, warum nicht auch Geld? Allein schon wegen der Zuzahlung in der Apotheke, sollte man Geld dabei haben.
In diesen Dingen magst Du vieleicht ein bisschen Recht haben.
Aber nur ein bisschen. Das unterstützt mehr die Theorie
„Klappe halten“. Ob es das bringt… Sicherlich haben die
meisten Bürger keine Ahnung von Politik und versuchen nur das
beste für sich rauszuholen, aber halt nicht alle.
Wenn die Politiker dem Volk nicht begreiflich machen können, warum diese oder jene Entscheidung gut und richtig ist, dann fehlen ihnen offensichtlich bestimmte Fähigkeiten. Da das Volk aber das Pack wählt, hat das Volk das offensichtlich nicht begriffen. Wir brauchen keine mediengeilen Schleimer und Aussitzer, sondern Experten für Finanzen, Marketing, Restrukturierungsmaßnahmen usw. Dumm nur, daß niemand mit der entsprechenden Ausbildung so blöd wäre, einen derart aufreibenden und schlecht bezahlten Job zu übernehmen.
Ausserdem hat die Regierung keinerlei Erklärung abgegeben,
wozu diese 10,- Euro dienen. Soll das die Kassen füllen???
Siehe oben: Irgendwo muß das Geld herkommen. Entweder für alle bemerkbar am Tresen oder unmerklich über die nächste Beitragserhöhung. Mir ist es egal, ich bin privat versichert. Ich kontrolliere jede Position auf der Rechnung und am Ende des Jahres entscheide ich , ob ich die Rechnungen zur Kasse trage oder selbst übernehme und dafür eine fette Rückerstattung kassiere.
Ich erwähnte es zuvor und ich erwähne es erneut: In den letzten drei Jahren ist mein Krankversicherungsbeitrag konstant geblieben, wohlgemerkt: Nicht der Prozentsatz, sondern der absolute Beitrag. Prozentual ist mein Beitrag im Verhältnis also rückläufig gewesen.
Woran liegts?
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Der Patient geht nur zum Arzt, wenn er krank ist, weil er sonst entweder die Kosten tragen muß oder auf seine Rückerstattung verzichtet.
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Der Arzt rechnet nur ab, was er auch geleistet hat, weil der Patient die Rechnung genau kontrolliert, und wendet nur die Maßnahmen an, die notwendig sind, weil der Patient sonst zickt (siehe oben).
Nebenbei: Ich war echt überrascht, wieviel Ärzte erklären können, wenn ihnen der Patient genau auf die Finger schaut und permanent fragt, wozu denn dieses oder jenes gut ist. Darüber hinaus wird auch erzählt, was man verschreiben will und wenn der Patient sagt, daß er für eine bescheuerte Entzündung am Finger kein Schmerzmittel für 24 Euro braucht, dann wird es auch nicht verschrieben.
- Die Krankenkassen haben den Zwang zur Wirtschaftlichkeit, weil die Gesellschaften vielfach börsennotiert sind. Warum gibt es in Deutschland rd. 3000 ges. Krankenversicherungen mit 3000 Vorständen, 3000 Beiräten, 3000 Vertriebsnetzen usw.?
Tja, das System der PKV funktioniert und was ist die Schlußfolgerung des Volkes und der Politik daraus? Wenn nicht gleich die Abschaffung der PKV gefordert wird, dann versucht man doch zumindest alles zu verhindern, was bei der GKV in diese Richtung geht.
Oder die halb kranken vom Arzt weg halten? Es trifft damit die
Falschen. Die die richtig Krank sind und es nicht wissen,
somit auch nicht zum Arzt gehen, weil kost ja 10 Euro, was ist
mit denen? Die verschenken ihr Leben und wissen es nicht…
Ist das Fortschritt???
Haben wir unten schon diskutiert. Ob man bei einem schwarzen Fleck aufm Arm zum Hausarzt geht ist keine Kosten-, sondern eine Mentalitätsfrage. Ich kenne jemanden, läuft schon seit Jahren mit ständigen Schwindelgefühlen rum und geht trotzdem nicht zum Arzt. Ich kenne jemanden, der hustet seit zwei Monaten morgens fies und geht nicht zum Arzt. Genauso kenne ich andere, die für einen Pickel am Ohr zum Arzt rennen. An deren Verhalten wird auch eine Praxisgebühr nichts ändern.
So, jetzt Du wieder.
Gruß,
Christian