BSE zeigt einmal mehr die Verlogenheit der Politiker auf. Jahrelang gab es ja angeblich die Seuche bei uns nicht - Probleme damit hatten nur die Länder um uns herum, insbesondere England. Dass aber z. B. in europäischen Fleischgrossmärkten der Verkauf von verpackten Fleisch - das nicht eine solche strenge Kennzeichnungspflicht wie Frischfleisch aufwies - sprunghaft seit der Bekanntheit von BSE Anfang der Neunziger anstieg, ist nicht von Belang.
Englische und französische Politiker haben es vorgemacht, und da will man hier seit ‚BSE doch in Deutschland‘ nicht nachstehen. Sei es nun ein Sigmar Gabriel, seines Zeichens niedersächsischer Ministerpräsident, der vor laufenden Kameras Rindergulaschsuppe löffelt, obwohl er eigenen Aussagen nach derzeit überhaupt kein Fleisch isst, oder irgendwelche Bürokraten, die sich demonstrativ hinter Wursttheken stellen. Hierbei verwundert die Kritiklosigkeit sowie das Verhalten der Medien ganz besonders, und im letzten Fall scheinen sie den Politikern noch in die Hand zu arbeiten, wenn sie danach fragen, was es denn heute abend zu Hause gäbe, worauf ein Politiker mit dem Brustton der Überzeugung „Ein schönes, saftiges Rumpsteak!“ antworten darf, woraufhin allgemeines Gelächter einsetzt.
Noch mehr verwundert mich, wie sehr Politiker ständig dabei sind, das ganze Ausmass herunterzuspielen. Da erscheint es auch in einem anderen Licht, weshalb man sich so vehement gegen gewisse BSE-Tests wehrte. (Das Politmagazin MONITOR hatte darüber bereits in diesem oder letztem Jahr berichtet.) Es war weniger die Unsicherheit jener Tests, sondern vielmehr die Furcht resp. Wahrscheinlichkeit, in Deutschland BSE zu finden.
Statt für Tests setzt man sich wesentlich mehr für die fleischproduzierende Industrie ein, damit diese wirtschaftlich nicht am Boden liegt. Aber ist das nicht merkwürdig? Trotz möglicher Gefahren, trotz all der noch bestehenden Ungewissheit soll der Verbraucher beruhigt werden.
Das erinnert mich doch sehr an solche Momente, in denen mal wieder irgendwo in den frühen Morgenstunden diese oder jene Gaswolke aus einem Betrieb ausgetreten ist und man sich beeilt zu sagen, dass zu keiner Zeit Gefahr für die Bevölkerung bestand.
Solange sich Politiker trotz aller Unwissenheit dazu genötigt sehen, demonstrativ hinter irgendwelche Wursttheken zu treten, Gulaschsuppe zu löffeln oder ein in einen Hamburger zu beissen, sind sie für mich nichts anderes als Individuen, die verachtend jener Menschengruppe gegenüberstehen, die sie eigentlich vertreten sollen. Aber solange Politiker nur ihrem Gewissen verantwortlich sind und nicht der Bevölkerung, wird sich daran nichts ändern.
Wären wir jetzt bereits im Wahlkampf, wäre nach Aussagen der Regierung alles Panikmache und BSE nur eine Mär; würde man jedoch der Opposition glauben, wären wahrscheinlich sogar Tofuburger BSE-verseucht. Doch wer setzt sich für die Belange von uns allen ganz ohne politisches Kalkül ein? Die WählerInnen dürfen wieder einmal nur das kleinere Übel wählen und wundern sich dann vier Jahre lang, warum das kleine Übel bloss so gross sein muss. Aber ihre Interessen sahen sie damit nicht vertreten.
Sollte es zumindest bei der Bevölkerung doch eine Bewusstseinsveränderung angesichts der Politikerverlogenheit geben, so wird diese wahrscheinlich und bedauerlicherweise eher auf übergrossen Rindfleischgenuss statt auf nüchternen Überlegungen beruhen. Bei uns wird eben immer nur das gewählt, was auf den Tisch kommt. - Mahlzeit!
hallo, Marco,
zeig mir doch bitte einen Politiker, der nicht seine eigene Großmutter für die Karriere opfern würde?
Wenn der Jungpolitiker nicht schnellsten lernt, geschickt zu lügen, die Wahrheit passend zu verdrehen und bei Reden stundenlang den Mund zu bewegen, ohne etwas von sich zu geben als Lautmahlerei, dann kann er sich seine Karriere abschminken!
Das trifft leider auf alle zu. Gegen die ist selbst ein Topmanager ein Wahrheitssuchender.
Grüße
Raimund
Wenn der Jungpolitiker nicht schnellsten lernt, geschickt zu
lügen, die Wahrheit passend zu verdrehen und bei Reden
stundenlang den Mund zu bewegen, ohne etwas von sich zu geben
als Lautmahlerei, dann kann er sich seine Karriere
abschminken!
Salut Raimund,
müsste das nicht im Umkehrschluss bedeuten, dass wir als „Wahlmasse“ belogen werden wollen? Somit würden diese Politiker ja nichts falsch machen, weil wir es ihnen durchgehen lassen.
Die Medien sind dabei natürlich nicht zu vergessen. Wie oft habe ich bspw. bei einem ARD-Journalisten Deppendorf bedauert, dass er eine im Ansatz richtige Frage stellt, aber sich mit dem Nichtssagen des Politiker zufrieden gibt. Wenn ich einen solchen Menschen eine Frage stelle, möchte ich auch gerne eine Antwort. Und wenn er mir keine Antwort geben will, soll er mir das ebenfalls sagen. Aber ich betrachte es als eine Anmassung jedes einigermassen intelligenten Wählers, wenn man ihn mit irgendwelchen rhetorischen Sprüchen abspeisen will.
Es ist mir zum Beispiel vollkommen gleichgültig, ob das Treffen zwischen Chirac und Schröder in freundlicher Atmoshäre stattfannd und ob Chirac das beste Eisbein seines Lebens gegessen hat - ich will Fakten hören!
Man scheint die Bevölkerung für äusserst unmündig zu halten, dass man es wagt, ihr all das zuzumuten. Aber sind wir letztendlich nicht selbst daran schuld, wenn wir unsere Wahlzettel nicht zu Denkzettel machen, sondern jedesmal den beiden grossen Parteien stets mehr als zwei Drittel der gesamten Wählerstimmen zugestehen? Und Proteste finden erst dann richtig statt, wenn die Medien ein Thema besonders aufkochen. Natürlich kann man sagen, als Einzelner ist man machtlos, aber wenn die Unzufriedenheit des Einzelnen zunimmt und er dies in irgendeiner Weise äusserst, so entsteht daraus nicht mehr diese anonyme Masse, die man gegeneinander ausspielen kann. Denn dieses Spiel ist es eben, das Politiker beherrschen: Nach allen Seiten offen bleiben und beim grössten Wählerpotential zugreifen. Ideologien, wodurch sich früher die Parteien unterschieden, haben ausgedient.
… Nach allen Seiten offen bleiben und beim grössten
Wählerpotential zugreifen.
Genauso ist Schröder Kanzler geworden.
Am Morgen sagte er zu der einen Gruppe: der Himmel ist gepunktet, mittags war bei einer anderen Gruppe dann der Hommel karriert und am Abend im Fernsehen war dan das Karo in Kreise verwandelt.
Dazu hat er leutseelig die Gesprächspartner betatscht.
Aber das will ich ihm gar nicht vorwerfen. er ist hier nicht alleine (was hat ein Fallschirmabsprung mit Politik zu tun?).
Heute ist es doch schon so weit, dass die Parteien von Erfolg sprechen, wenn 60% der Wahlberechtigten zur Wahl gehen! Ich vermute, die ändern sogar noch das Gesetz, wenn irgend wann nur noch 20% zur Wahl gehen.
Wenn dann 25% ihren Staatspflichten nachgehen, sprechen Sie dann von einer überwältigenden Zustimmung.
Grüße
Raimund
grüße
Raimund
ich vermute, die Politiker sind eher feige als verlogen. (Oder aus Feigheit verlogen, wie man will…)
Schröder hatte mal als damaliger Ministerpräsident einen guten Vorschlag gemacht: Die ganzen Subventionen, die in die Umwelt-zerstörende hergebrachte Landwirtschaft gesteckt werden, einfach in den kontrollierten Bio-Anbau zu geben. Denn es ist ja tatsächlich nicht einzusehen, warum der Bauer, der - mit der Industrie verbrüdert - seine Felder mit Chemiekeulen düngt, unser Grundwasser versaut, der seinen Tieren widerliches Futter gibt, ohne nachzufragen, was das bedeuten kann, warum also dieser Bauer förderungswürdiger ist als ein Bio-Bauer, der wenigstens ein Mindestmaß an Respekt vor Natur, Tier und Mensch hat.
Diese Idee scheint unser Bundeskanzler wohl vergessen zu haben. Ich nehme aber an, dass er und seine Regierung einfach zuviel Angst vor der Agrarlobby hat, als dass so etwas auf den Tisch kommen könnte.
Ich denke, es ist tatsächlich ein Problem der vielen Interessengruppen, die zuviel Macht auf die Politik ausüben können. Vielleicht sollte man da ansetzen? Warum z.B. nicht als Gewerkschaftsmitglied seinen Vertretern klarmachen, dass man mit deren Blockadepolitik nicht einverstanden ist?
Letzten Endes sind wir halt alle doch irgendwo schuld…
Schröder hatte mal als damaliger Ministerpräsident einen guten
Vorschlag gemacht
Daran zeigt sich einmal, dass diese Politiker ihr Fähnchen permanent in den Wind hängen. Von diesen Beispielen gibt es noch mehr: Zum Beispiel war die Merkel selbst für die Ökosteuer, seit die CDU jedoch in der Opposition sitzt, ist sie dagegen. Oder: Scharping sprach sich früher vehement gegen die Erhöhung des Wehretats aus, heute ist er Verteidigungsminister und beansprucht mehr Geld für seinen Bereich.
Diese Idee scheint unser Bundeskanzler wohl vergessen zu
haben. Ich nehme aber an, dass er und seine Regierung einfach
zuviel Angst vor der Agrarlobby hat, als dass so etwas auf den
Tisch kommen könnte.
Hierzu muss ich noch sagen, dass ich mich in den letzten Jahren immer verwunderter zeigte, denn es wird ganz offen von Lobbyisten und Lobbyismus gesprochen. Man nennt diese Leute inzwischen eher Ratgeber, das wirkt eben freundlicher.
Was machen die Lobbyisten im Dunstkreis der Politik? Sie vertreten Interessen, und sofern sie damit durchkommen, wäre es doch naiv zu glauben, dass sich Politiker mit einem Handschlag des Dankes zufrieden geben. Die Korruption ist doch ganz ersichtlich, aber man will es nicht glauben, weil es noch immer zu grossen Glauben an Autoritäten gibt. Ein Politiker scheint noch allzu häufig über jeden Verdacht erhaben.
Aber wenn man wirklich will, kann man sich darüber informieren. Sei es durch Bücher von Hans Herbert von Arnim oder z. B. durch ein Buch wie „Lügen, Lobbies, Lebensmittel“ von Ingrid Reinecke und Petra Thorsbrietz. Der Buchtitel klingt zwar wie eine RTL2-Sexreportage, aber ansonsten ist das Buch gut. Darin wie die ganze Paradoxie der Politik anhand der EU aufgezeigt.