Polizeiliche Sprachentgleisungen

Hallo, Sprachbeobachter!

Ist euch auch schon aufgefallen, dass gerade Polizeisprecher besonders anfällig sind für Sprachschnitzer?

Eben im MDR gehört:

Dem angeklagten Jugendrichter werden siebzehn Bilddateien und Videos kinderpornografischen Inhalts vorgeworfen.

So schon eine Schweinerei, aber durch die sprachliche Fassung noch verwerflicher!

Gibt es nicht auch einen Wettbewerb „der Unsatz des Jahres“?

*soifz* Fritz

Hi Fritz,

ich denke, diese seltsamen Konstruktionen resultieren daraus, daß sich
die Polizei(und auch das Heer) bemüht möglichst kurze, präzise und
sachliche Informationen mit der Sprache zu transportieren. Um
ihrem „Ruf“ gerecht zu werden.
Leider klappt das halt nicht sonderlich gut, nur die allerwenigsten
Menschen können strukturiert und klar aus dem Stegreif reden. Normalerweise sind viele Redundanzen und Gedankensprünge drinnen.

Siehe einfach darüber hinweg…

Gruß Gerald

Hallo Fritz,

nennt sich so was nicht Juristendeutsch?!

Gandalf

Ist euch auch schon aufgefallen, dass gerade Polizeisprecher
besonders anfällig sind für Sprachschnitzer?

Nicht nur, aber die sind eben sprachlich nicht geschult. Leider.

Eben im MDR gehört:

Dem angeklagten Jugendrichter werden siebzehn Bilddateien
und Videos kinderpornografischen Inhalts vorgeworfen.

So schon eine Schweinerei, aber durch die sprachliche Fassung
noch verwerflicher!

Stimmt. Eigentlich hätte man die Videos auch auf den Tisch legen statt sie schwungvoll werfen können. Hmm, wie wirft man eigentlich Bilddateien? :wink:)

Gibt es nicht auch einen Wettbewerb „der Unsatz des Jahres“?

Nein, denn das wäre ja nur ein Wettbewerb zwischen Juristen, Beamten des Sozialamtes und Polizisten, und in den allermeisten Fällen würden die Polizisten gewinnen. :wink:)

Ich finde so etwas immer wieder höchst amüsant.

Livia

Vollinhaltlich zustimmende Eigenbeobachtungen
Hi Fritz,

Ist euch auch schon aufgefallen, dass gerade Polizeisprecher
besonders anfällig sind für Sprachschnitzer?

Genau! Vor allem die!

Eben im MDR gehört:

Und vor allem dort. Das ist jetzt keine Ossi-Hetze, aber Polizeisprecher (auch
Feuerwehrkommandanten und ähnliches aus dieser Region) neigen besonders heftig zu
einer aufgeblasenen Sprechweise. Dabei ist es nicht der Versuch, einen
Sachverhalt knapp in einen Satz (und damit ins Korsett des Substantiv-Stils) zu
zwängen, sondern das Missverständnis dessen: Der Substantiv-Stil bleibt, dabei
wird alles gefremdwörtert und zusätzlich noch aufgeblasen:
Nicht: „Ja.“
Sondern: „Dem kann ich für meine Person nur eine vollinhaltliche Zustimmung
entgegensetzen.“ Arrrgggh!
es ist übrigens auch nicht Juristendeutsch - das wiederum entsteht aus dem oben
genannten Grund der knappen darstellung, verbunden mit einer eindeutigen
Festlegung auf termini technici, die aber dem allgemeinen Sprachgebrauch
entnommen sind, aber oft was anderes bedeuten (Beispiel: Eigentum und Besitz).

Dem angeklagten Jugendrichter werden siebzehn Bilddateien
und Videos kinderpornografischen Inhalts vorgeworfen.

Das ist Körperverletzung! Und zwar schwere, da es mit einer besonders widerlichen
Waffe geschah.

Gibt es nicht auch einen Wettbewerb „der Unsatz des Jahres“?

Den würden die o.a. Beamten Jahr für Jahr für sich entscheiden.

*soifz* Fritz

*mitsoifz* *krummezehenindenschuhenmach*
Bolo

Hallo, Fritz!

Schau mal hier, aber auf eigene Gefahr:

http://www.gaemi.ch/fun/stilblueten.htm

Gruß,
Benjamin

hallo fritz,

mir wird immer übel, wenn „der verunfallte in die klink verbracht wurde“.

strubbel
4:open_mouth:)

Eh… ich denke mal, skills in public speaking sind nicht Voraussetzung zur Ausbildung zum Polizisten… obwohl das bei einem PolizeiSPRECHER wohl doch ein bisschen anders sein sollte…

Solche Sätze wie der von Dir zitierte nerven zwar, aber ich kann’s ihm nicht übel nehmen - ich kann zwar ganz gut schreiben, aber beim Sprechen verheddere auch ich mich öfters… da funktionieren Hirn & Mund wohl nicht im richtigen Takt zueinander…

Kennst Du übrigens das Buch staat/sex/amen von Beat Gloor?
Untertitelt ‚81 Sprachbeobachtungen‘. Wenn nicht, dann fehlt in deiner Bibliothek noch was!

Gruss, Isabel

„der verunfallte in die klink
verbracht wurde“.

nix gegen den ausrutscher eines nachrichtensprechers: „in den trümmern wurden 15 opfer geboren.“

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