Polypen-OP bei fast 3-Jährigem

Kinder im OP
Hi!

Die Eltern (und Kinder)
reagieren meistens nur dann blöd oder hysterisch, wenn es
zuerst heißt: Tut gar nicht weh, und wenn es dann plötzlich
nicht stimmt, oder wenn sie nicht wissen, was da abläuft.

Ehrlich gesagt, ich hab das noch nie erlebt, daß jemand vom Fach (Pfleger oder Arzt) ein Kind diesbezüglich belogen hat. Vielleicht war das früher so üblich, aber eigentlich schon lange nicht mehr (Ausnahmen bestätigen die Regel *g*). Kinderärzte achten da sehr darauf und sogar die sonst eher barschen Chirurgen :wink:
Da wird z.b. beim Zugang legen dem Kind erklärt, daß es einen Pieks gibt, der zwar sehr unangenehm ist, aber nur kurz andauert. Und bei den Narkoseärzten ist es so, daß (v.a. kleine) Kinder oft erst gestochen werden (oder andere schmerzhafte Prozeduren gemacht werden), wenn sie schon über Maske Narkosegas bekommen haben und schon eingeschlafen sind. Dann merken sie davon sogar gar nichts. BEi etwas älteren Kindern wird das schon erwähnte „Zauberpflaster“ verwendet.

Kinder anlügen? Mir wurde eingebleut: Nie, niemals, nie!!

Meinst du, das Kind fühlt sich besser, wenn die Eltern gar
nicht da sind?

Kommt sicher auf das Kind an, aber ich sage: die meisten ja!
Sie sind oftmals sogar stolz, weil sie zeigen dürfen, wie groß und tapfer sie schon sind :wink: (und anschließend gibts auch - zumindest bei uns - eine Tapferkeitsurkunde :wink: )
Sind die ELtern dabei, achtet das Kind meist nur auf Mama und nicht auf Pfleger oder Arzt, was der macht oder sagt. Das Team ist aber bemüht, eine Beziehung zum Kind und auch Vertrauen aufzubauen - das geht meist nicht, wenn bereits eine enge Bezugsperson da ist. Und die ERklärungen des Arztes gehen auch meist unter, weil er nicht die volle Aufmerksamkeit des Kindes hat. Er ist dann für das Kind irgendein Fremder, der grad an ihm rumfummelt und unangenehme Sachen macht.

Hat man dagegen die Aufmerksamkeit des Kindes, weil alleine, kann man viel besser auf es eingehen und spielerisch bzw. kindgerecht erklären und zeigen, was man macht. Und bei uns durften die Kiddies auch gerne mitmachen und erstmal was „spielen“, z.b. dem Kuscheltier selbst die Maske aufsetzen und es im Arm einschlafen lassen. Beliebt war auch, wenn das Kind die MAske aufgesetzt bekam, ihm den Beatmungsbeutel zu zeigen, wie er bei jedem Atemzug sich aufblies und dann wieder schrumpfte - die Kiddies waren ganz begeistert davon, den „Ballon“ immer wieder aufzupusten *gg*

Es kommt sicher auf das Team an, aber da allgemein bekannt ist, daß Kinder viel leichter zu „handhaben“ sind, wenn man auf ihre Sorgen und Ängste eingeht, sind die meisten Narkoseärzte und -pfleger bemüht, den Stress für die Kleinen möglichst gering zu halten, indem sie sie auch dementsprechend behandeln und auf sie eingehen.
Wenn das Team dementsprechend sich auch bemüht, kann das OP-Erlebnis für Kiddies auch zu einem aufregendem Spiel werden :wink:

Die Eltern können dem Kind das Gefühl
vermitteln, dass das zwar weh tut, was jetzt passiert, aber
dass das soweit in Ordnung ist.

Theoretisch würde ich dir zustimmen, aber die Praxis zeigt leider eher das Gegenteil. Denn die ELtern sind meist viel aufgeregter und nervöser als das Kind selbst und selbst wenn sie versuchen es nicht zu zeigen, spürt es das Kind trotzdem und es läuft viel stressiger ab…

Zwar gehen die Docs und Schwestern meist liebevoll aufs Kind
ein, aber wenn ein Elternteil dabei ist, haben sie meist
keinen Zugang zum Kind, da es nur auf die Eltern fixiert ist.

Es reicht ja, wenn sie Zugang zu den Eltern haben.

Dann erlebt das Kind aber die Leute im OP (Pfleger und Ärzte) nur als böse Fremde - und dieses merkt es sich für die Zukunft. Ein Vertrauensverhältnis wurde dann noch nicht mal aufgebaut und ist dennoch schon zerstört…

Ist es ohne Eltern im Narkosesaal, geht es meist tatsächlich
einfacher.

Für das Krankenhauspersonal wahrscheinlich schon.

Auch, aber die Hauptsache sollte doch immer das Wohl des Kindes sein. Daß die Eltern viel stärker darunter leiden, daß sie nicht dabei sind, ist klar, aber IMHO Nebensache ,-)

Und was nachher ist, kriegt es ja nicht mit.

Stimmt.
Aber nebenbei bemerkt:
NACH der OP sind fast alle Kiddies ziemlich knatschig (übrigens auch viele Erwachsene *g*), auch die, die vorher sooo tapfer waren. Warum? Nu ja, nach der Op hat man ev. noch Schmerzen, man ist von der NArkose noch düsselig und da liegen ja noch die Infusionsschläuche, der Verband ist ungewohnt und drückt usw. usw.
Jeder der mal operiert worden ist, weiß, daß die ersten Stunden, Tage nach der OP nicht sehr angenehm sind. Und DAS ist das eigentliche Problem!
Hier ist die Phase, die am ehesten eine Art „Trauma“ verursachen kann!
Und hier können Ärzte und Pfleger nur wenig helfen, hier ist viel mehr der Trost der Mama von nöten :wink:

Gruß,
Sharon

3 „Gefällt mir“

Hallo,

mein Großer (jetzt 12) bekam mit drei Jahren Röhrchen in beide Ohren.

Wir waren damals auch in der Tagesklinik und konnten danach nach Hause. Gut war das es eine ausführliche Narkoseaufklärung gab und wir schon 14 tage vor dem Eingriff ein Heftchen bekamen in dem Kindgerecht als Comic erklärt wurde was bei einer Narkose gemacht wird.
Das hab ich dann vorgelesen und erklärt. Über die OP und die Narkose im eigentlichen hab ich mir vorher gar nicht so viele Gedanken gemacht. Ich war gut aufgeklärt und habe wohl die Ruhe selbst ausgestrahlt am OP-Tag.

Daryl war als letzter dran (ca 11:00) und wir bekamen mit wie die anderen Kinder alle, wirklich alle, einen riesen Aufstand machten. Daryl blieb aber die ganze Zeit ruhig. Er war so ruhig das er nicht mal den LMAA Saft bekam. Das OP-Team war so begeistert das sie mir erlaubten mit reinzukommen und ich könnte solange da bleiben bis er eingeschlafen war.
Wir hatten sein Kuscheltier mit und dies war auch die ganze Zeit dabei. Der Eingriff dauerte 20 Min. und dann gings in den Aufwachraum. Gegen 14:00 gings dann nach Hause. Und um 17:00 konnt ich ihn nicht mehr bändigen so war er am toben. Und das obwohl die Ärzte meinten er würde wohl noch eine Weile ruhig und müde sein. Das war aber definitiv nicht der Fall.
Wohl auch weils ohne LMAA-Saft ging. Er hat auch überhaupt keine Ängste entwickelt, im Gegenteil.

Ich denke das wichtigste ist das du ruhig bleibst, dann klappt der Rest auch ohne große Probleme.

Schöne Grüße
Andrea

*einmisch*
Hi Ihr zwei Streithennen :wink:,

möchte mich mal einmischen und Marion zustimmen. Ich glaube, daß manche Eltern einfach nervlich überfordert sind. Eine Freundin hatte mal eine OP an ihrem Kind durchzustehen und hat vorm OP einen Heulkrampf bekommen, das Kind (4 Jahre) war daraufhin natürlich noch verschreckter als vorher. Die Ärzte haben in dem Moment Kind und Mutter getrennt, das Kind (und auch die Mutter) beruhigt und die OP dann eine halbe Stunde später begonnen - als das Kind wieder psychisch auf dem Damm war. In dem Fall war die Mutter einfach überfordert. So was gibt’s.

Es ist wie mit Männern im Kreißsaal: Schön, daß sie mittlerweile mit rein dürfen, aber manchen wäre auch sehr geholfen, wenn man ihnen sagte, daß sie nicht mit rein müssen , um gute Väter (oder im aktuellen Beispiel: Eltern) zu sein.

Liebe Grüße,
Nike

2 „Gefällt mir“

Hallo Mini,

Erfahrung 1: Bestehe darauf, dass dein Kind ein Beruhigungsmittel bekommt. Bei uns war es so, dass mein Sohn (2, Leistenbruch) sich geweigert hat, das Mittel zu trinken. Ich hätte es ihm reingezwungen, aber die Schwester behauptete, das ginge nicht, weil sie dann nicht kontrollieren koenne, wieviel tatsächlich angekommen sei. Ich bilde mir ein, mich sehr ruhig verhalten zu haben, aber sobald wir in den OP kamen, schrie mein Sohn wie am Spieß und hatte furchtbare Angst. Ich durfte da bleiben bis er schlief (das ging per Maske, was ich auch furchtbar fand, weil er so grosse Angst hatte). Dann schlief er - total krampfhaft atmend, für mich ein schrecklicher Anblick…
Als ich ihn abholen kam, schrie er schon wieder, noch mit geschlossenen Augen, total panisch. Er hörte gar nicht mehr auf, ließ sich überhaupt nicht beruhigen, ich weiß nicht mehr wie lange, bestimmt über eine halbe Stunde lang, auch als er schon wach war, er schrie und schrie. War übrigens auch ambulant.
Es ist eine schreckliche Erinnerung für mich. Ich führe es darauf zurück, dass er das Beruhigungsmittel nicht genommen hat. Wenn ich nochmal in die Situation käme, würde ich vorher abklären, wie man dem Kind das Mittel verabreichen kann, aber ich würde mich nie mehr darauf einlassen, es ohne zu machen.

Erfahrung 2: Meine Tochter wurde mit 5 an den Polypen operiert. Wie es bei ihr mit dem Beruhigungsmittel war, weiss ich nicht mehr - sie war nicht panisch, sondern winkte mir ganz fröhlich zum Abschied, als sie in den OP kam. Aber was ich sehr gut fand: Sie erhielt an der Stelle wo gestochen werden sollte ein Pflaster mit einer lokalanästhetischen Salbe. Das blieb eine Weile drauf, so spürte sie den Einstich nicht. Ich fand das sehr gut.

Ich hoffe, ich habe dir keine Angst gemacht, aber ich denke wirklich, mit Beruhigungsmittel, Lokalanästhesie usw. lässt sich viel machen.

Alles Gute,

Matilda

Hallo

In dem Krankenhaus, von dem ich oben berichtet habe, wurden die Eltern offensichtlich standardmäßig nicht zugelassen, zu dem OP mitzukommen, das war unabhängig davon, ob sie aufgeregt oder ruhig waren.

Ich hatte auch den Eindruck, mein Sohn wäre schon mehr oder weniger betäubt, und er würde gar nichts mehr mitkriegen. Aber er hatte wohl eine Beruhigungsspritze bekommen und war eingeschlafen.

Nachdem ich das hier alles gelesen habe, muss ich mir das wohl so zusammenreimen, dass er dann im OP wieder aufgewacht ist, sich wohl nicht erklären konnte, wie er da hingekommen ist, und wieso ich nicht mehr da bin. Und dann wurde ihm da außerdem noch eine schmerzhafte Spritze verpasst. Kein Wunder, dass er danach so eine Panik vor Ärzten hatte.

Viele Grüße Thea

Hallo

Die Eltern (und Kinder)
reagieren meistens nur dann blöd oder hysterisch, wenn es
zuerst heißt: Tut gar nicht weh, und wenn es dann plötzlich
nicht stimmt, oder wenn sie nicht wissen, was da abläuft.

Ehrlich gesagt, ich hab das noch nie erlebt, daß jemand vom
Fach (Pfleger oder Arzt) ein Kind diesbezüglich belogen hat.

Das ist ja erfreulich, wenn sowas nicht mehr gemacht hat. Die Sache mit meinem Sohn ist etwa 10 Jahre her; ich habe schon das Gefühl, dass ich dort zwar nicht direkt belogen wurde, aber mir (und damit auch meinem Sohn) doch ein falscher Eindruck vermittelt wurde. Auf jeden Fall wurde dort nicht vorgewarnt, dass etwas wehtun könnte, was ich auch schon fast als Falschinformation werte.

Es handelte sich um ein renommiertes Kinderkrankenhaus. Es ist aber gut zu hören, dass sowas (mittlerweile?) die Ausnahme ist.

Sehr blöd fand ich es damals auch, dass die Krankschwester ihm die Spritze so reingedeut hatte. Ich weiß, dass man auch so spritzen kann, dass es (fast) gar nicht wehtut, indem man es sehr langsam macht. Und er hätte (mit Hilfe) bestimmt ruhig gehalten, weil er bis dahin noch keine schlechten Erfahrungen gemacht hatte.

Damals (als ich mich im Bekanntenkreis darüber beschwert hatte) hatte mir eine gelernte Kinderkrankenschwester erzählt, dass man das bei Kindern so macht, sie hätte das auch so gelernt.

Viele Grüße
Thea

Herzlichen Dank für die rege Informationsflut. Ich denke wir lassen das jetzt mal auf uns zukommen und hoffen, dass es kein traumatisches Ereignis für unseren Sohn wird.

Gruß Mini