Hallo,
gerade tippe ich meine Portugiesisch-Vokabeln ab und frage
mich wieder einmal, was es mit den Akzenten auf sich hat.
wo lernst du denn? In der Volkshochschule? Dort müssten sie das ja eigentlich erklären können …
Warum gibt es die in beiden Richtungen, also á und à?
Ein Beispiel mit „falschem“ Akzent ist „estar sentado/a à mesa“.
„à“ steht als einzelnes Wort für die Präposition „an/zu“. Soweit ich weiß, heißt diese Formulierung „am Tisch sitzen“. „á“ allein gibt es nicht, „à“ in nur wenigen anderen Wörtern. Bei „às“ zum Beispiel dient der Akzent zur Abgrenzung von „ás“ (Ass).
Der andere Akzent ist ein Betonungsakzent, oder? „está longe demais“
Ja. Außerdem ist so geregelt, dass das geschriebene „a“ am Wortende ein phonetisches [a] (also ein „normales“ a) bleibt und nicht zu [ɐ] (diesem portugiesischen „Nuschel-a“ am Ende) reduziert wird. An anderen Stellen spielt dieser Kontrast keine Rolle; da ist es nur die Betonung.
Und woher weiß ich, wann ich diese anderen Akzente und Häkchen
verwende, z.B. in fêmea, são, criança? Muss man das einfach
lernen, oder gibt es dafür Regeln?
Teils, teils. Die Aussprache ist als Eselsbrücke nur bedingt hilfreich.
a: nur „a“ darf am Ende zu [ɐ] reduziert werden, „à“ und „á“ sind betonte [a].
e: „é“ ist immer [ɛ] (ein „ä“ wie in dt. „kess“), „ê“ ist immer [e] (ein „e“ wie in dt. „Beet“) – aber beides könnte auch ein „e“ sein. Vielleicht gibt es historische Gründe für die konkrete Schreibweise, die mir nicht bekannt sind.
i: Bei „i“ gibt es nur eine Version.
o: Bei „o“ ist es ähnlich wie bei „e“: „ó“ ist immer [ɔ] (ein „o“ wie in dt. „Pott“), „ô“ ist immer [o] (ein „o“ wie in dt. „Boot“) – aber beides könnte, außer am Wortende, auch ein „o“ sein. Wenn du weißt, dass am Ende ein „o“ steht, das aber [u] gesprochen wird, muss es ein „o“ sein. „ó“ und „ô“ sind neben Markierungen eines bestimmten Vokals auch Betonungsmarkierungen, soweit ich weiß.
u: Bei „u“ gibt es wieder nur eine Version.
Nasalvokale: „ã“ bzw. „õ“ stehen grundsätzlich für nasalisierte Aussprache, genauso wie Vokale, denen ein „n“ oder „m“ folgt. Allerdings ist diese Regel mit Vorsicht zu genießen, da es Ausnahmen gibt.
Der Buchstabe „ç“ hat die Funktion, die Aussprache [s] (ein „s“ wie in dt. „Hass“) zu erzwingen. „c“ wird nur vor „i“ und „e“ [s] ausgesprochen, sonst [k]. Wenn also ein „c“ vor einen anderem Vokal [s] gesprochen werden soll, muss die Cedille ran. Ein ganz nettes Beispiel, um die wortunterscheidende Funktion zu belegen: „Forca“, mit [k] gesprochen, heißt „Galgen“; „força“, mit [s], heißt „Kraft“.
Ich hoffe, ich habe auf die Schnelle nichts Wichtiges vergessen oder grob durcheinander gebracht.
Gruß
Christopher