Portugiesisch: Warum gibt es zwei Sorten Akzente?

Hallo,

gerade tippe ich meine Portugiesisch-Vokabeln ab und frage mich wieder einmal, was es mit den Akzenten auf sich hat. Warum gibt es die in beiden Richtungen, also á und à?

Ein Beispiel mit „falschem“ Akzent ist „estar sentado/a à mesa“.

Der andere Akzent ist ein Betonungsakzent, oder? „está longe demais“

Und woher weiß ich, wann ich diese anderen Akzente und Häkchen verwende, z.B. in fêmea, são, criança? Muss man das einfach lernen, oder gibt es dafür Regeln?

Ich habe es für Französisch nie richtig gelernt und möchte es dieses Mal gleich richtig machen. Meine Lehrerin war hier keine große Hilfe, aber vielleicht kann mich hier jemand schlau machen.

Schöne Grüße

Petra

Hallo,

gerade tippe ich meine Portugiesisch-Vokabeln ab und frage
mich wieder einmal, was es mit den Akzenten auf sich hat.

wo lernst du denn? In der Volkshochschule? Dort müssten sie das ja eigentlich erklären können …

Warum gibt es die in beiden Richtungen, also á und à?
Ein Beispiel mit „falschem“ Akzent ist „estar sentado/a à mesa“.

„à“ steht als einzelnes Wort für die Präposition „an/zu“. Soweit ich weiß, heißt diese Formulierung „am Tisch sitzen“. „á“ allein gibt es nicht, „à“ in nur wenigen anderen Wörtern. Bei „às“ zum Beispiel dient der Akzent zur Abgrenzung von „ás“ (Ass).

Der andere Akzent ist ein Betonungsakzent, oder? „está longe demais“

Ja. Außerdem ist so geregelt, dass das geschriebene „a“ am Wortende ein phonetisches [a] (also ein „normales“ a) bleibt und nicht zu [ɐ] (diesem portugiesischen „Nuschel-a“ am Ende) reduziert wird. An anderen Stellen spielt dieser Kontrast keine Rolle; da ist es nur die Betonung.

Und woher weiß ich, wann ich diese anderen Akzente und Häkchen
verwende, z.B. in fêmea, são, criança? Muss man das einfach
lernen, oder gibt es dafür Regeln?

Teils, teils. Die Aussprache ist als Eselsbrücke nur bedingt hilfreich.

a: nur „a“ darf am Ende zu [ɐ] reduziert werden, „à“ und „á“ sind betonte [a].

e: „é“ ist immer [ɛ] (ein „ä“ wie in dt. „kess“), „ê“ ist immer [e] (ein „e“ wie in dt. „Beet“) – aber beides könnte auch ein „e“ sein. Vielleicht gibt es historische Gründe für die konkrete Schreibweise, die mir nicht bekannt sind.

i: Bei „i“ gibt es nur eine Version.

o: Bei „o“ ist es ähnlich wie bei „e“: „ó“ ist immer [ɔ] (ein „o“ wie in dt. „Pott“), „ô“ ist immer [o] (ein „o“ wie in dt. „Boot“) – aber beides könnte, außer am Wortende, auch ein „o“ sein. Wenn du weißt, dass am Ende ein „o“ steht, das aber [u] gesprochen wird, muss es ein „o“ sein. „ó“ und „ô“ sind neben Markierungen eines bestimmten Vokals auch Betonungsmarkierungen, soweit ich weiß.

u: Bei „u“ gibt es wieder nur eine Version.

Nasalvokale: „ã“ bzw. „õ“ stehen grundsätzlich für nasalisierte Aussprache, genauso wie Vokale, denen ein „n“ oder „m“ folgt. Allerdings ist diese Regel mit Vorsicht zu genießen, da es Ausnahmen gibt.

Der Buchstabe „ç“ hat die Funktion, die Aussprache [s] (ein „s“ wie in dt. „Hass“) zu erzwingen. „c“ wird nur vor „i“ und „e“ [s] ausgesprochen, sonst [k]. Wenn also ein „c“ vor einen anderem Vokal [s] gesprochen werden soll, muss die Cedille ran. Ein ganz nettes Beispiel, um die wortunterscheidende Funktion zu belegen: „Forca“, mit [k] gesprochen, heißt „Galgen“; „força“, mit [s], heißt „Kraft“.

Ich hoffe, ich habe auf die Schnelle nichts Wichtiges vergessen oder grob durcheinander gebracht.

Gruß
Christopher

beides könnte auch ein „e“ sein

Hier habe ich vergessen zu erwähnen, dass „e“ unbetont [ɯ] (oder [ɨ]) ist, also ein „gehobener“ Verwandter unseres deutschen unbetonten „e“ [ə]. Das sollte erwähnt werden, wenn es darum geht, wie man von der Aussprache auf die Schrift schließen kann. „é“ oder „ê“ können diese Lautung nicht annehmen. Zu guter Letzt sollte man bedenken, dass ein wortfinales „e“ oft nahezu verschluckt wird – wieder nur „e“, und nicht „é“ oder „ê“.

Bei „i“ gibt es nur eine Version.
Bei „u“ gibt es wieder nur eine Version.

Das muss ich klarer formulieren. Es gibt orthographisch „i“ und „í“ sowie „u“ und „ú“. Allerdings unterscheiden diese in „neutraler“ Umgebung keine vier unterschiedlich gesprochenen Vokale, sondern zwei: [i] und [u]. Der Akutakzent ist nur eine Betonungsmarkierung. Die Nasalierungsmöglichkeiten zu [ĩ] oder [ũ] sind davon unbenommen, sofern ich mich nicht irre.

Und eines noch, ganz wichtig: Ich spreche in allen Fällen von europäischem Portugiesisch. Auf das afrikanische Portugiesisch in geringem Maße, vor allem aber auf das brasilianische Portugiesisch treffen viele meiner Beschreibungen nicht zu.

Gruß
Christopher

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Ach du liebes bisschen! … Vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Ich werde also alle Akzente, die nicht „richtigrum“ sind, wie bei á (ich hab mir das schon gedacht, dass es das nur in Wörtern gibt, nicht einzeln) lieber mal dazulernen. Besser ist das. Hoffentlich kann ich mir alle merken.

Nein, meine Lehrerin konnte es mir nicht erklären. Ich lerne bei der ASG, das ist die Konkurrenz zur VHS. Die VHS Düsseldorf bietet kein Portugiesisch an - hier gibt es nur die ASG oder ungleich teurere private Sprachschulen.

Allerdings wechsle ich nun in den Kurs zwei Stufen höher. Das ging nicht anders, weil ich meine ehemalige Lehrerin zum Davonlaufen finde und die nächste Stufe ausfällt. … Ich muss also ein bisschen fleißig sein. :wink: Am Donnerstag geht es los, und ich lerne derzeit ganz fleißig mit dem Rosetta Stone weiter. Nicht schlecht, aber auch nicht ideal - wie soll man ein Verb lernen, wenn man es nie oder selten in der Grundform sieht? (Ele esta preparando a comida, ela esta servindo a comida, etc. - bei preparar und servir geht es noch, aber wenn es ein „komplizierteres“ Verb ist, hab ich mit dieser Lernmethode ein Problem.) Naja, besser als nichts. Wenn ich den Kurs durchgearbeitet habe, verkauf ich ihn wieder. War teuer. Das Konzept ist nicht schlecht, aber es hat auch sein Schwächen.

Schöne Grüße

Petra

Schöne Grüße

Petra

Einen hätte ich noch
Hi Petra,

ob das Trema zu den Akzenten zählt, weiß ich gar nicht, jedenfalls war ich reichlich verblüfft, als es mir begegnet ist: cinquënta. Da bewahrt das Trema das qu davor, als k gesprochen zu werden.

Gruß Ralf

Hallo Ralf,

ob das Trema zu den Akzenten zählt, weiß ich gar nicht

in jedem Fall gehört es zu den diakritischen Zeichen.

jedenfalls war ich reichlich verblüfft, als es mir begegnet ist: cinquënta.

Das Trema ist meines Wissens eine rein brasilianische Eigenheit, die auch dort langsam aus der Mode kommt. Allerdings kommt es nur auf dem „u“, nicht auf dem „e“ vor. Es muss also „cinqüenta“ für „fünfzig“ heißen. Das „ü“ kommt in der Umgebung „qüe/qüi“ bzw. „güe/güi“ vor, um die Aussprache [kw] bzw. [gw] (statt [k] bzw. [g]) zu erzwingen. Weitere Beispiele: ambigüidade (Zweideutigkeit), agüentar (tragen), argüição (Beweisführung), freqüência (Frequenz), tranqüilo (ruhig).

Gruß
Christopher

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Moin, Christian,

Das Trema ist meines Wissens eine rein brasilianische
Eigenheit, die auch dort langsam aus der Mode kommt.
Allerdings kommt es nur auf dem „u“, nicht auf dem „e“
vor.

Schtümmt. Muss mir mal ne neue Brille besorgen.

Gruß Ralf

Ach so, das „ü“. Hab ich ganz vergessen, aber es ist mir auch schon begegnet. … Ich hätte dann beinahe in Word das Menü „Sonderzeichen“ geöffnet, um es zu suchen und mir einen Hotkey dafür einzurichten. :wink:

Schöne Grüße

Petra