PostDoc... Was/wofür ist der eigentlich?

Tach zusammen…

Ich hänge gerade mitten im Studium.
4. Semester Diplom-Chemie.
Demnächst mache ich mein Vordiplom, in etwa 3 Jahren werd ich mein Diplom in der Tasche haben (so denn alles gut geht).
Wie viele andere Chemiker auch plane ich im Anschluss ans Studium die Promotion.
Soweit, so gut, so verständlich für mich…
Nun höre ich unter den Komilitonen höherer Semester ziemlich oft, dass im Anschluss an die Promotion noch der PostDoc geplant ist.
Nur konnte mir bisher noch niemand erklären, was man dafür tun muss, warum es sinnvoll wäre, sich diesen zu erarbeiten oder welchen Status man dadurch erreicht.

Könnte mir jemand Licht ins Dunkel bringen?

Danke schon mal.

KB

Eigentlich…aber…
Hi KB,

Vor einiger Zeit stand ich genau an dem Punkt: Post-Doc oder nicht? Der Post-Doc ist eigentlich da, um weitere wissenschaftliche Erfahrung in einem angrenzenden Gebiet zu seiner Promotion und geschickterweise noch in einem anderen Land zu machen. Danach - oder nach 2 POst-Doc aufenthalten kann man dann abschätzen, wohin man sich in einer Hochschullaufbahn entwickeln will.
Inzwischen wird der POst-Doc auch noch für mehr genutzt. Firmen stellen Post-Docs wegen der zusätzlichen Auslandserfahrung gerne ein. Das heißt, wer nicht sofort nen Job bekommt, dreht eine „Warteschleife“ und versucht es ein Jahr später mit verbesserter Qualifikation noch einmal.
Weiterhin ist es einfach bequem - der Doktorvater kennt meistens irgendwelche anderen Profs und kann schonmal ein gutes Wort einlegen und bequem hat man Job und Geld für die nächsten 1-2 Jahre. Manche schlagen sich so ewig durch.
Das sind so die Gründe, warum man Post-Doc macht. Ich hatte auch schon so eine Stelle abgemacht und das Thema abgesprochen, als das Jobangebot kam - und das habe ich mir dann nicht entgehen lassen.

Vampy

Hallo ,

Also, nur für den Fall, dass Du Dir da irgendetwas Angenehmes vorstellst:

Ich hänge gerade mitten im Studium.
4. Semester Diplom-Chemie.

Naja, je nach Disziplin ist das verschieden. Chemiker und Biologen sind erst nach der Promotion erwachsene Menschen, deshalb dient der Post-Doc in diesen Bereichen oft dazu, erste eigene Erfahrung zu sammeln. Man nennt diese Leute in dieser Phase auch Post-doctorial-students. Diese Post-Docs werden (vornehmlich in den USA) in grossen Laboren in einer Art Käfighaltung unter Artgenossen gehalten. Die dazu notwendige Finanzierung bringt der ideale Post-Doc selbst mit (Stipendien). Die Lieblingsantwort von Professoren bei der Stellensuche lautet nämlich kurz und knackig „who pays?“. Nach 2 Jahren 24/7 Forschung und mindestens zwei Science-Papern (zur Not tut es auch die „Angewandte Chemie“)ist der Post-Doc dann reif für höhere Weihen und kann sich um eine Assistenz- bzw. Juniorprofessur bewerben.

Demnächst mache ich mein Vordiplom, in etwa 3 Jahren werd ich
mein Diplom in der Tasche haben (so denn alles gut geht).
Wie viele andere Chemiker auch plane ich im Anschluss ans
Studium die Promotion.

Das ist sehr vernünftig, schliesslich brauchst Du einen Studienabschluss.

Soweit, so gut, so verständlich für mich…
Nun höre ich unter den Komilitonen höherer Semester ziemlich
oft, dass im Anschluss an die Promotion noch der PostDoc
geplant ist.

Wie gesagt, es ist die erste Praxiserfahrung (in den Augen mancher Profs). Ausserdem sollte man als Wissenschaftler in D - zumindest wenn man etwas werden will - das Land für mindestens zwei Jahre verlassen haben. Auslandsaufenthalte während des Studiums sind dabei ganz nett, zählen dabei aber nicht. Die Regel lautet nämlich genau: Nach der Promotion mindestens 2 Jahre an eine „anderen Uni“. Deshalb geht man am besten an eine internationale Eliteuni (sowas gibt es in Deutschland nicht, deshalb geht man ins Ausland). Der aufstrebende Post-Doc sollte aber auch nicht viel mehr länger im Ausland sein, sonst reisst das Netzwerk. Wer beruft schon Mr X. aus Nebraska?

Nur konnte mir bisher noch niemand erklären, was man dafür tun
muss,

Auf eine offene Stelle bewerben oder (besser) ein Stipendium mitbringen. (Merke: Beantrage ein Stipendium, auch wenn Du es gar nicht brauchst. Nicht das Geld ist wichtig, sondern der Punkt im Lebenslauf)

warum es sinnvoll wäre, sich diesen zu erarbeiten

Bevor man an irgendeine verantwortungsvolle Aufgabe herangelassen wird, muss man sich als Post-Doc beweisen. Es könnte ja sein, dass der Doktorvater die Publikationen geschrieben hat, die während der Promotionsphase entstanden sind.

oder
welchen Status man dadurch erreicht.

Messknecht, Laborratte, zukünftiger Arbeitsloser (Post-Doc-Verträge sind die am kürzesten befristeten Verträge im Wissenschaftsbetrieb. 1 Jahr ist normal, 2 Jahre sind schon lang), wie immer Du auch willst. Jedenfalls stehst Du in der Instituts-Hierarchie teilsweise unter den Studenten: Ein Student ist ein potentieller Diplomand/Doktorand, ein Post-Doc geht nach spätestens 2 Jahren.
Post-Docs die länger als zwei Jahre am gleichen Institut bleiben, ohne eine Assistentenstelle (oder wie immer auch die Habilitanden- Junior-, bzw. Assistenzprofessorenstellen genannt werden) zu ergattern, werden auch als „Altlasten“ bezeichnet. Altlasten können durch Publikationen in wichtigen Zeitschriften zum erlauchten Kreis aufsteigen, oder in die freie Wirtschaft aussteigen.
Mit der Habilitation wird der Post-Doc/die Altlast zu einem Menschen, der auch vom Dekan gegrüsst wird (Der Spruch ist nicht von mir, sondern von einem frisch habilitierten Kollegen an einer fernen deutschen Uni).

Solltest Du eine akademische Laufbahn anstreben, solltest Du dir folgendes Buch sorgfältig durchlesen, bevor Du weitere Karriereschritte planst:
„Forschen auf Deutsch - Der Machiavelli für Forscher und solche, die es noch werden wollen“, Siegfried Bär , Harri Deutsch (http://www.harri-deutsch.de/verlag/titel/baer/s_1683…)

Viel Erfolg bei der Karriereplanung
R.

*Wer Zynismus in diesem Artikel findet, darf ihn zusammen mit den Rechtschreibfehlern behalten*

Mit der Habilitation wird der Post-Doc/die Altlast zu einem
Menschen, der auch vom Dekan gegrüsst wird (Der Spruch ist
nicht von mir, sondern von einem frisch habilitierten Kollegen
an einer fernen deutschen Uni).

Hallo, also ich hab an einer Uni im hohen Norden Deutschlands studiert (Kiel) und bin auch schon als studentische Hilfskraft vom Dekan gegrüßt worden. Beim ersten Mal konnte er nicht anders, da ich ihn für meinen Prof abfangen und beschäftigen sollte (Schauen Sie sich doch schon mal im Museum um, ich sag oben Bescheid dass Sie da sind.) Aber seitdem hat er mich auch auf dem Campus gegrüßt, wenn er mir mal nicht im Museum begegnet ist. Dasselbe kann ich vpm Rektor der Uni berichten, der hat sogar Studenten an der Bushaltestelle im Dienstwagen eingesammelt, wenn er auch grad auch ans andere Ende der Unirennstrecke wollte. Leider wechseln die Leute ziemlich häufig in diesen Posten, daher kann man sich nicht drauf ausruhen, wenn „der Dekan/Rektor“ einen kennt.
Schöne Grüße Suanne Mehs