Hi,
hatte schon befürchtet, dass mir jemand fälschlicherweise
mangelnde Wertschätzung Bäumen gegenüber vorwerfen würde.
Sorry, du hast meinen Vergleich nicht im Ansatz kapiert, den Baum als vergleichsweise leblosen Gegenstand hast du ins Spiel gebracht, und ich muss dir leider sagen, dass es durchaus Studien gibt wonach das Abschneiden von Ästen einem Baum Stress bereitet
Ebenso überwiegt bei den meisten beim Anblick eines toten
Körpers die Erinnerung an die Persönlichkeit jeNer Person,
…hab mal meinen Tippfehler verbessert:wink:
Du verwechselst hier das Weiterleben in den Köpfen anderer mit
dem Leichnam.
Ne ich verwechsel das nicht, sondern ich betone es hiermit, das Gefühl der Trauer befällt erst mal die noch lebenden Angehörigen, aber um ihnen Respekt entgegenzubringen, gebietet es der Anstand, dass man den Leichnam/„ihren“ Toten ebenfalls mit Respekt behandelt.
Ich weiß ja nicht ob du wahrhaftig Mediziner/Student bist oder nur so tust, hierzulande wird einem das durchaus auch an der Uni nahegebracht, von Anatomie kann ichs nicht sagen, nur von Patho und Gerichtsmedizin, selbst wenn man den Toten dort in Einzelteilen in kleine Eimerchen einpackt, geht man dennoch recht respektvoll damit um. Bei einer Sektion wird durchaus darauf geachtet, dass die Naht hinterher schön wird.
Und auch aus der Archäologie kenn ich es nicht anders, dort wird manch einem Toten sogar inoffiziell ein Kose-Name gegeben und damit meine ich nicht Ötzi, wo der Name von der Presse kreiert wurde, sondern ganz unspektakuläre Namen, die einfach zu demjenigen passen zu scheinen. Sofern kein echter Name bekannt ist…(kommt vereinzelt auch mal vor)
Sofern man also die Gefühle der Angehörigen ernstnimmt, kann man auch angemessen auf sie reagieren, wenn es darum geht, sie um die Entnahme zu bitten oder ihnen „den Rest“ zur Bestattung zu übergeben. Dieser „Rest“ ist immer noch der Leichnam eines Sohnes/Mannes/Onkels etc. (oder eben die weiblichen Pendents) und es tut eben noch eine Zeitlang weh, aber man kann mit dieser Einstellung den Angehörigen zumindest vermitteln, dass durch die Spende anderen geholfen wurde und das dies ein wertvolles Opfer war (ich bin kein Freund der Annahme, dass ein kleines Stückchen des Toten dafür in jemand anderem weiterlebt, das kann dann wiederrum andere psychische Probleme hervorrufen).
Allerdings frag ich mich, was jene Mutter wohl gedacht hätte, wenn das Herz ihres Sohnes eben aussetzt, entnommen wird und in jemand anderem wieder zu schlagen anfängt (hätte sie das Herz dann auch auf dem Transport verfolgen wollen???)
Offenbar ist es also so, dass bei einer Organspende die Angehörigen sich früher als bei einem normalen Tot mit dem Ablöseprozess anfreunden müssen. Und manch einer könnte da sicher auch Hilfe gebrauchen. Nur gibt es in dieser Situation meist niemanden, der professionelle Hilfe anbietet, oder überhaupt ein entsprechendes Gespräch. Ein Spender stirbt ja nicht unbedingt in einem Hospiz, wo Trauerbegleitung schon vor dem eigentlichen oder gefühlten Tod normal ist, sondern eben eher in einer eher hektischen Notfallsituation, alles muss fürchterlich schnell gehen, damit die Organe noch frisch/funktionsfähig sind.
Wenns übel kommt gibts eine Handvoll aufs ok geiernde Ärzte, Schwestern, die endlich das Zimmer herrichten wollen für den nächsten oder in die Überlegungen auch noch mit Abrechnungsangelegenheitn dazwischenplatzen (Tschuldigung, sie müssen noch den Aufnahmebogen ausfüllen), den Bestatter kann man auch noch nicht informieren, da man ja noch gar nichts genaues weiß, die weiteren Angehörigen sind genauso fertig mit der Welt, die Dame vom Sozialdienst ist für heute und morgen ausgebucht, und obs nen Klinikpfarrer gibt erfährt man nicht oder man kann damit grad nichts anfangen, da man sonst auch noch nie einen Pfarrer brauchte…
Die Frage hier war ja ua., hätte es was gebracht, wenn sie bei der Entnahme zugeschaut hätte, da kann ich mal sagen nein.
Aber ein weniger respektloser Umgang sowohl mit dem Leichnam und ihr bzw. ein wenig mehr Unterstützung durch Gesprächsmöglichkeiten auch kurz oder auch etwas länger nach der Entnahme hätte vielleicht eher etwas geholfen. zB. durch eine entsprechend geschulte Pflegerin (aber in welcher Klinik sind denn noch Schwestern für sowas übrig)
Das dazu in einem Medizinbetrieb keine Zeit ist,
Und wenn Zeit wäre? Es würde sich nix ändern.
Ich denke doch…
Gruß Susanne