Posträuber

Hallo an alle!

Ich habe eine etwas merkwürdige Frage, aber ebenso merkwürdig war folgender Hinweis, den ich dazu in einem Buch fand:

„Die Postkutsche wurde vor den Toren der Stadt überfallen. Es handelte sich um Tra-ra Banditen, die das Posthorn nachäfften …“

Hat jemand schon mal etwas von Tra-ra Banditen gehört?? Und wozu äfften sie das Posthorn nach? Gibt das einen Sinn, oder aus Jux und Tollerei?

In der Hoffnung, dass jemandem diese Merkwürdigkeit schon begegnet ist …

Herzliche Grüße von
Katrin

Hallo,
von den Trara-Banditen habe ich nichts gehört, aber das Posthorn
war quasi der Wegbereiter.

Postkutschen wurden an Schlagbäumen meist nicht kontrolliert,
da das ertönen des Posthorn praktisch von weitem ankündigte,
das die Postkutsche naht.

Wenn jemand also auf der Flucht mit der gesamten Postkutsche war,
wurde er sicherlich nicht kontrolliert und hatte freie Fahrt.

Könnte eine Erklärung für das Nachäffen des Posthornes sein.

Grüße
Christian

Hallo,

die Banditen kenne ich nicht.

Aber den Trick kann ich mir vorstellen:
vor einer Engstelle bläst ein Postkutscher erstmal ins Horn, um Gegenverkehr zu warnen. So, wie man das in den südlichen Ländern vor engen Kurven auch heute noch macht. Wer zuerst hupt / bläst, darf dann als erster fahren, der andere muß warten.
Wenn man sich also als Bandit an einer Engstelle bereithält, kann man mit einem Stoß ins Horn zu passender Zeit sehr gut eine Postkutsche zum Stehen bringen…

Gruß
Axel

Hallo !

Spielt dieser Roman in Deutschland?
Dann gab es mit Sicherheit diesen Begriff Tra-ra-„Banditen“ nicht.

Zur Zeit der Postkutschen war der „Bandit“ ein italienischer Räuber aus dem Süden Italiens. Ein edler Bandit, der zuverlässig, wie Robin Hood, die Reichen beraubte und dem armen Schlucker nichts tat. Er war edel und furchtlos und auf sein Wort verlass.

Vor allem klingt der Name so, als wäre es eine übliche Bezeichnung für eine Räuberart, die es in ganz Deutschland haufenweise geben würde. In Deutschland wurden aber kaum Postkutschen überfallen.

In den Büchern

„Aktenmäßige Nachrichten von dem Gauner- und Vagabundengesindel“ und „Actenmäßige Geschichte der Räuberbanden“, beide Bücher Anfang des 19. Jahrhunderts geschrieben (1804 und 1822), kommen Postkutschenüberfälle nicht vor.

mfgConrad

Traragänger = Postkutschenräuber
Siehe Grimm, DWB, Stichwort TRA-

Zur Zeit der Postkutschen war der „Bandit“ ein italienischer
Räuber aus dem Süden Italiens.

Da bitte ich doch um Präzisierung. Ab wann ist der Begriff im Deutschen belegt? Und bis wann ging die Zeit der Postkutschen?

Bernhard

Da bitte ich doch um Präzisierung. Ab wann ist der Begriff im
Deutschen belegt? Und bis wann ging die Zeit der Postkutschen?

Bernhard

bitte:

Bandit: Der Ausdruck für „[Straßen]räuber, Gauner" wurde im 17. Jh. aus it. bandito (eigentlich „Geächteter") entlehnt, das zu it. bandire „verbannen" gehört, einer Kreuzung wohl von gleichbed. afränk. *bannjan {zur Sippe von Bann) und einem roman. Abkömmling des in Bande vorliegenden germ. *bandwon, got. bandwa „[Feld]zeichen".

ann

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bitte:

Bandit: Der Ausdruck für „[Straßen]räuber, Gauner" wurde im
17. Jh. aus it. bandito (eigentlich „Geächteter")
entlehnt

Danke, Ann!

Wenn wir nun wissen, dass Geheimrat Göte Kutsche gefahren ist (mir liegt sogar die Berechnung seines Postgeldes von Weimar nach Baden vor!), und dass Besagter sicher später lebte als das 17. Jahrhundert, dann können wir also vermuten:

Zu der Zeit, als es Postkutschen gab, gab es in Deutschland auch schon den Begriff Bandit. Das steht im Gegensatz zu Conrads Vermutung:

Zur Zeit der Postkutschen war der „Bandit“ ein italienischer Räuber
aus dem Süden Italiens. Ein edler Bandit, der zuverlässig, wie Robin
Hood, die Reichen beraubte und dem armen Schlucker nichts tat. Er
war edel und furchtlos und auf sein Wort verlass.

Wenn es nun den Begriff „Traragänger“ gab, so kann ich mir zumindest vorstellen, dass man auch „Tra-ra-banditen“ sagte. Beleg habe ich dafür nicht, aber so kategorisch ausschließen wie Conrad mag ich das nicht.

Die zweite Behauptung ist relativ:

In Deutschland wurden aber kaum Postkutschen überfallen.

Bei einem ersten Griff in mein Bücherregal fand ich doch etliche Illustrationen, die Postkutschenüberfälle in Deutschland darstellen. Nun gut, wir können über dieses Motiv reden, ob wir einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Illustration und den tatsächlichen Geschehnissen herstellen dürfen. Mag ich hier aber nicht. Ich will nur anmerken, dass sich im Verhörprotokoll zu dem Postkutschenraub in Aschaffenburg von 1787 eine solce Illustration befindet. Der später hingerichtet Johann Bopp („Klemm“) gestand zwölf solcher Überfälle. Zumindest ei dem einen, den ich oben erwähnte, ist ausdrücklich von einer Postkutsche die Rede. Und wie ist das mit den Kutschen, die von Hölzerlips oder Schinderhannes überfallen wurden?

Da würde ich gerne wissen, was die beiden genannten Bücher dazu sagen.

Aktenmäßige Nachrichten von dem Gauner- und Vagabundengesindel
und „Actenmäßige Geschichte der Räuberbanden“, … (1804 und 1822)

von denen Conrad schreibt „kommen Postkutschenüberfälle nicht vor“.
Was steht darin zu Johann Bopp?

fragt gespannt

Bernhard

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