Ihr schreibt von der schöpferischen Tätigkeit des Menschen.
Ich sage es mal ganz provokativ: Im Grunde genommen greift der
Mensch doch schon mit der Wahl des Sexualpartners in den
Schöpfungsakt ein. Denn damit wird das zu vererbende
Gen-Material eingegrenzt.
GENAU !!!
Genau da liegt das Problem, das ich neben den vielen Chancen
sehe. Die Frage ist doch, aus WESSEN Sicht die Auswahl
getroffen wird.
Wie oben von dir selbst angesprochen: Auch ein Sexualpartner wird dir ja nicht von „der Natur“ zugeteilt, sondern DU wählst ihn aus.
Wenn wir aus der Sicht der bereits
lebenden diese Auswahl treffen, kann die Antwort auf diese
Frage nur „Nein“ lauten. Wir dürfen nicht anfangen, möglichst
willfährige Konsumenten, goldmedaillenverdächtige
Hochleistungssportler, oder am allerschlimmsten, bestimmte
Rassen zu züchten. Über die Möglichkeiten, die das Militär in
dieser neuen Technik entdecken könnte, will ich lieber gar
nicht erst nachdenken.
Sehr grundsätzlich möchte ich dazu folgendes sagen: Wenn die gezielte „Zucht“ von Individuen mit derart spezialisierten Fähigkeiten zu einem bestimmten gesellschaftlichen Zweck deren Gesellschafts- und Selbst-Bewußtsein nicht gleichzeitig ausschaltet, wird es zwangsläufig zu „Rassen“-Unruhen o.ä. kommen. Gesellschaftlich ist das also langfristig weder erfolgversprechend noch verantwortbar. Wenn man aber u.a. die o.g. kognitiven Fähigkeiten mit „wegselektioniert“, erhält man Karikaturen des Menschen, aber eben keine Menschen. Stark überzeichnet, sind unsere ganzen TECHNISCHEN Ansätze, Maschinen für bestimmte Zwecke zu bauen, aber auch Tiere zu züchten, nichts anderes.
Anders sieht es dagegen aus, wenn wir die Sache aus der Sicht
des zukünftigen Lebewesens betrachten. Die Züchtung
irgendwelcher Schönheitsideale ist natürlich ganz klar
abzulehnen.
Warum ? Das Aussehen ist schon seit der Erfindung der Mustererkennung ein ganz wesentliches Entscheidungskriterium bei der Partnerwahl und damit der Nachkommengeneration gewesen.
Beim Thema Krankheit muss sich jeder fragen, ob er
persönlich bereit wäre, mit einer solchen Krankheit zu leben.
Aber auch hier sollte nicht das Ziel sein, Menschen
auszusortieren, …
Hier hat - so sehe ICH das - die (christliche?) Kirche immer dafür plädiert, Kranke anzunehmen, sie als wertvolle Mitglieder der Gesellschaft zu sehen. Diese in Einzelfällen sicher richtige Aussage wurde generalisiert und pauschalisiert und ist in dieser Form Teil unserer Ethik geworden. Ich frage mich, ob die Notwendigkeit dieser Einstellung von dem Grad der Mündigkeit der Gesellschaft abhängt.
Viel wird auf
eine strenge Reglementierung ankommen. So muss zum Beispiel
ausgeschlossen sein, dass ein Unternehmen, das in irgendeiner
Form mit PID befasst ist, in anderen Wirtschaftszweigen tätig
ist.
Sowas ist prinzipiell unmöglich.
Ich fürchte allerdings, dass sich solch eine Regelung zu
leicht austricksen ließe. Auch die Annahme von Aufträgen zur
Züchtung eines Menschen mit bestimmten Merkmalen oder der Gang
an die Börse müssten tabu sein. Die Beratung der Eltern dürfte
niemals in die Hände von nichtstaatlichen oder
nichtkirchlichen Organisationen kommen.
Vor allem: Es muß eine globale Übereinkunft geben. Aber wir sind ja nicht mal in der Lage, unsere Lebensgrundlagen global zu erhalten. Wenn ich mir die Politik so ansehe, scheinen internationale Konzerne die zukünftige globale (wirtschafts-)Politik zu bestimmen und sie dürften die einzigen sein, die überhaupt die Mittel und Chancen haben, globale Verantwortungen zu übernehmen und diesen gerecht zu werden.
Ich persönlich sehe langfristig massive Änderungen underer Gesellschaft auf uns zukommen - wir werden keine Wahl haben, das aufzuhalten, wohl aber, der Weg dorthin zu modulieren. Als Lektüre bietet sich hierzu übrigends das Stück „Die Physiker“ von Dürrenmatt an !
Beste Grüße,
Jochen
Christoph