präklinische Sonographie

Hallo

mich würde mal interessieren, wie das Outcome von Patienten mit Abdominaltrauma ist, die präklinisch sonographiert wurden. Hab schon das Internet durchgesucht, aber leider nichts gefunden.

Hat vielleicht jemand Erfahrung damit bzw. irgendwo was gelesen darüber?

Gruß
Manuela Menath

Hallo,
meinst Du die notärztliche Sonographie mit einem tragbaren Schallgerät? Das ist allenfalls im Versuchsstadium, weil teuer (das Gerät, z.b. wenn es von einem grobmotorischen Anästhesisten als Fußbank benutzt wird). Und erfordert Ausbildung, die schon bei der herkömmlichen Sonographie zu wünschen übrig läßt. Oder meinst Du was ganz anderes? Ich glaube das heißt FAST-Sonographie, dieses kurze Abchecken auf freie Flüssigkeit, freie Luft usw. Vielleicht hilft medline weiter. Oder die Zeitschrift Ultraschall in der Medizin. Sonst frage bei der DEGUM nach.

pp

Hallo Manu,

ich weiß, dass diese Luxusgeräte ab und auf auf Rettungshubschraubern getestet wurden; keines konnte meines Wissens seine Notwendigkeit beweisen.
Wie soll es das Outcome des Patienten positiv beeinflussen? Wenn der Unfallmechanismus den Verdacht eines Abdominaltraumas ergibt, wird so lange von einer Blutung ausgegangen, bis das Gegenteil bewiesen ist. Danach richtet sich auch die Therapie. In aller Regel wird das das „Load and Go“-Prinzip sein: Patienten in den Rettungswagen/Notarztwagen einpacken und schnellstmöglich in den Schockraum und wenn sich dort der Verdacht einer Blutung erhärtet, sofort in den OP. Insbesondere mit den aktuellen präklinischen Traumaversorgungskonzepten, die den schnellstmöglichen Transport zur nächsten geeigneten Klinik vorsehen (beim Abdominaltrauma im besten Fall das Traumazentrum), wird dieses Vorgehen weiter untermauert. Denke immer an die goldene Stunde des Traumas. Die Zeit ist sowieso schon knapp genug.
Packe ich nun präklinisch mein Sonogerät aus, gehen mir weitere wertvolle Minuten verloren, in denen der Patient möglicherweise weiter einblutet. Nun gibt es zwei Optionen:

  • Es lässt sich keine freie Flüssigkeit darstellen: Vorerst alles in Butter! Die Blutung kann aber immer noch kommen (z.B. zweizeitige Milzruptur), also sollte man sich prinzipiell beeilen.
  • Es lässt sich freie Flüssigkeit darstellen: Jetzt weiß man, dass man wertvolle Zeit mit Schallen vertrödelt hat und der Patient sollte schon längst in Richtung Krankenhaus unterwegs sein.

Grüße,
Liete

Ja das mag schon richtig sein, nur lt. Studien benötigt man ca. 3 Min. Zeit für die Sono. Sollte freie Flüssigkeit festgestellt werden, kann über die Leitstelle ne Voranmeldung im KH erfolgen und dieses könnte sich dann schon mal vorbereiten für eine evtl. OP.

Auch gibt es Fälle, wo ein Abdominaltrauma nicht erkennbar ist, z.B. weil der Pat. den Blutverlust noch kompensieren kann… In diesem Fall könnte eine Sonographie hilfreich sein, da 1. schonmal mit der Volumentherapie begonnen werden kann. Das ist hald v.a. wichtig bei längeren Fahrzeiten…

Welche Studien besagen, dass man nur drei Minuten Zeit fürs Sono braucht? Hast du Quellen?

Die Durchführbarkeit ist durchaus bewiesen, allerdings gibt es keine Studie, die einen Benefit für den Patienten zeigen konnte:
Rozycki GS, Ochsner MG, Filiciano DV, et al: Early detection of hemoperitoneum by ultrasound examination of the right upper quadrant: a multicenter study, J Trauma Injury Infect Crit Care 45(5):878, 1998.
Rozycki GS, Ballard RB, Filiciano DV, et al: Surgeon-performed ultrasound for the assessment of truncal injuries: lessons learned from 1540 patients, Ann Surg 228(4):557, 1998.
Deswegen gibt kein präklinisches Traumakonzept Empfehlungen für eine generelle Sonografie. Ich beziehe mich auf das PHTLS-Konzept der NAEMT, das ebenfalls die beiden Studien als Referenz heranzieht.
All das ändert nichts daran, dass die einzig kausale Therapie beim Abdominaltrauma mit Einbluten das Skalpell ist.

Die Verdachtsdiagnose „Abdominaltrauma“ ist großzügig zu stellen: Verletzungsmechanismus!! (verbogenes Lenkrad z.B.), abdominelle Abwehrspannung, Schocksymptomatik ohne offensichtliche oder ansonsten nur geringfügige Ursachen und natürlich bei offensichtlichen traumatischen Zeichen, insbesondere bei penetrierendem Trauma. Wenn du dich daran hältst, ist es schwierig, ein Abdominaltrauma nicht zu erkennen oder wenigstens in Erwägung zu ziehen.
Um das anzunehmen, brauche ich nicht lange und bekomme auch so mein OP-Team, das parat steht und das bei positivem Sonobefund im Schockraum augenblicklich handeln kann - und das sogar drei Minuten früher! Außerdem empfehle ich, dass NA/RA sich direkt telefonisch beim verantwortlichen Arzt (meistens leitender Unfallchirurg) meldet und das nicht über die Leitstelle regeln lässt. Andernfalls ist die Informationskette zu lang und das Risiko, das wichtige Infos verloren gehen, steigt.

Was willst du denn für eine Volumentherapie beim kompensierten hämorrhagischen Schock starten?
Abgesehen davon hat auch der eindeutige klinische Zeichen.