Praemienkalkulation beeinflusst durch Autolobby?

Hallo,

mir stellt sich die Frage ob nicht die Autolobby die Praemienkalkulation der Autoversicherungen beeinflusst hat.

Die Kalkulationsschemen der (Auto-)Versicherung haben das Ziel durch Klassifizierung (welche oft als ungerechte Stigmatisierung empfunden wird) moeglichst genau die Schadenshaeufigkeit eines Kunden herauszufinden und demnach seine Praemie zu berechnen.

Im groben wird die Versicherungspraemie wie folgt kalkuliert:
-Schadensfreie Jahre
-Persoenliche Daten (Alter, Familienstand, Beruf, Wohnort…)
-Auto (Marke, Modell, Baujahr, Motorleistung, Aufbau, spezielle Eigenschaften, Reparaturkosten des Autos - jedoch zu geringen Teilen…) = Typklasse des Autos
-Rabatte (wie Treuerabatt, Einzelfahrerrabatt…)

Dies sieht auf den ersten Blick danach aus als ob die Versicherung wirklich mit Hilfe von Statistik die Schadenswahrscheinlichkeit berechnen wuerde aber eine wichtige Klassifizierung fehlt welche mich stutzig macht:

Die Typklasse des Autos (und somit die statistische Schadenshaeufigkeit) wird nicht mit den persoenlichen Daten des Halters (wie schadensfreie Jahre) abgeglichen.

Deshalb muss ein z.B. 50-jaehriger fuer seinen 10-jaehrigen Mercedes hoehere Praemien bezahlen als fuer einen neueren Mercedes gleichen Typs weil das aeltere Mercedesmodell haeufiger auch von Fahranfaengern gefahren wird die eine hoehere Unfallquote haben. Wuerde man die Unfallquote des 10-jaehrigen Mercedes in Kombination mit einem 50-jaehrigen Fahrer berechnen waere dessen Praemie um einiges geringer.

In der Praxis kommt es darauf hinaus dass alte Autos im Durchschnitt viel teuerer in der Versicherungspraemie sind als neue da alte Autos auch haeufiger von Fahranfaengern gefahren werden. Der Gewinner dieser Praxis ist die Autolobby welche mehr Autos verkauft da die Buerger damit nicht nur steuerliche Vorteile haben sondern auch noch weniger Versicherungspraemie bezahlen muessen. Die Verlierer sind die Autofahrer welche sich nicht alle paar Jahre ein neues Auto kaufen koennen und somit fuer die Reichen mitbezahlen muessen (denn die Versicherung muss ja Kosten decken, egal ob die Beitraege gerecht verteilt sind).

Was sagt ihr dazu? Habe ich irgendwo einen Denkfehler oder eine Fehlinformation oder stimmt mein Ansatz?

Gruss und Dank

Desperado

werden. Der Gewinner dieser Praxis ist die Autolobby welche
mehr Autos verkauft

Dü würdest Dir wirklich ein neues Auto kaufen, um wenige Euros Versicherungsprämie zu sparen ? Ich mache die umgekehrte Erfahrung, die Leute kaufen sich ein auto und fragen erst hinterher, wie teuer die Versicherung ist.

Was sagt ihr dazu? Habe ich irgendwo einen Denkfehler oder
eine Fehlinformation oder stimmt mein Ansatz?

Ohne, dass ich mir jetzt die Mühe gemacht habe, Typenklassentabellen zu wälzen, glaube ich einfach Deine Grundannahme nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass über das gesamte Fahrzeugangebot Neuwagen immer billiger sind als ältere Fahrzeuge des gleichen Typs. I Ausnahmefall mag das mal zutreffen, aber sicherlich nicht in der Mehrzahl der Fälle. Das würde auch schon deswegen nicht hinkommen, weil neue Fahrzeuge in der Regel teurer in der Reparatur sind und der Neu-für-Alt Abzug nicht so stark zu Buche schlägt. Ich vemrute, dass Du eine oder wenige Ausnahmen verallgemeinert hast.

Hallo Nordlicht,

Dü würdest Dir wirklich ein neues Auto kaufen, um wenige Euros
Versicherungsprämie zu sparen ? Ich mache die umgekehrte
Erfahrung, die Leute kaufen sich ein auto und fragen erst
hinterher, wie teuer die Versicherung ist.

Im Artikel habe ich das ein wenig simplifiziert: In Realitaet ist es so dass Kunden wenn sie erfahren dass sie fuer ihr neues Auto viel weniger Praemie bezahlen muessen diese positive Erfahrung mit dem neuen Auto assoziieren und dies sie darin bestaerkt wieder einen Neuwagenkauf zu taetigen. (hab jetzt keine Statistik dafuer, aber hab BWL mit Schwerpunkt Marketing studiert, ist also nicht einfach die Vermutung eines Amateurs).

Ohne, dass ich mir jetzt die Mühe gemacht habe,
Typenklassentabellen zu wälzen, glaube ich einfach Deine
Grundannahme nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass über
das gesamte Fahrzeugangebot Neuwagen immer billiger sind als
ältere Fahrzeuge des gleichen Typs. I Ausnahmefall mag das mal
zutreffen, aber sicherlich nicht in der Mehrzahl der Fälle.
Das würde auch schon deswegen nicht hinkommen, weil neue
Fahrzeuge in der Regel teurer in der Reparatur sind und der
Neu-für-Alt Abzug nicht so stark zu Buche schlägt. Ich
vemrute, dass Du eine oder wenige Ausnahmen verallgemeinert
hast.

Wieso glaubst Du mir meine Annahme nicht dass alte Autos meist hoehere Praemien haben wenn Du nicht mal nachgesehen hast? In den meisten Faellen (die ich Stichprobenartig nachgesehen habe) trifft meine Annahme zu und Ausnahmen bestaetigen die Regel.
Das gibt auch Sinn da aeltere Autos oft von Fahranfaengern gefahren werden welche ein hoeheres Unfallrisiko haben. Ausnahmen sind Modelle die seltener von Anfaengern gefahren werden wie z.B. Kombis.

Neue Autos sind zwar teuerer in der Reparatur falls es zum Schaden kommt aber nicht so schadensanfaellig da z.B. einige moderne Stossstangen oder Kotfluegel aus Plastik sind und bei kleinen Unfaellen einfach wieder in ihre urspruengliche Form zurueckspringen.

Gruss

Desperado

Wieso glaubst Du mir meine Annahme nicht dass alte Autos meist
hoehere Praemien haben wenn Du nicht mal nachgesehen hast? In

Weil Deine Grundhypothese IMHO ziemlich an den Haaren herbeigezogen ist. Noch einmal: Wer kauft sich ein neues Auto für einen mindestens fünfstelligen Betrag, um einen dreistelliegen Betrag an der Versicherung zu sparen ?

Das gibt auch Sinn da aeltere Autos oft von Fahranfaengern
gefahren werden welche ein hoeheres Unfallrisiko haben.

Dann nenne doch mal ein paar Fabrikate, deren Typenklasse vom Baujahr abhängt.

Moin Desperado,

jede clusterung hat irgendwo ihre Grenzen.
Versicherungen (aber auch Handelshäuser etc.) clustern ja, um an sich unbekannte Risiken vorweg abzuschätzen. Dies müssen sie einerseits aus bekannten Daten der Vergangenheit, andereseits durch Annahmen für die Zukunft machen.

Natürlich wird es immer Gewinner und Verlierer geben, nämlich Menschen, die eben nicht genau in das Cluster passen, dem sie zugeordnet werden. Nebenbei: Es gibt vermutlich in jedem Cluster 50% die mehr Schaden verursachen als sie bezahlen. Das ändert sich bei keiner Clusterung, nur die Unterschiede werden kleiner, je feiner man clustert.

Es geht jetzt also darum, halbwegs objektive, nach Gleichbehandlungsgrundsätzen gesellschaftlich akzeptable Clusterparameter zu finden, um die persönliche Abweichung vom Durchschnittsverhalten halbwegs in Grenzen zu halten und trotzdem Risiken Risikogruppen zuzuordnen.
Dass Fahrer von Neufahrzeugen hier besser wegkommen liegt schlicht auch daran, dass Neufahrzeuge in der Regel wie ein Augapfel gehütet werden und von meist älteren Fahrern gefahren werden. Dafür kann es sein, dass sie von der Typklasse rel. teuer sind, weil Reparaturen extrem teuer sein können (ich denke nur an die idiotischen lackierten Stoßfänger).
Hier - und nur hier - greifen die Automobilhersteller tatsächlich beeinflussend ein. Sie kämpfen hier mit der Versicherungsindustrie, eine niedrigere Typklasse als die direkte Konkurrenz zu erhalten, dies aber natürlich vor allem durch reparaturkostenreduzierende Maßnahmen. Ansonsten sehe ich keinen Lobbyeinfluss sondern schlicht Logik.

Grüße
Jürgen

Die Typklasse des Autos (und somit die statistische
Schadenshaeufigkeit) wird nicht mit den persoenlichen Daten
des Halters (wie schadensfreie Jahre) abgeglichen.

Hallo,

Du irrst! In vielen Tarifen vieler VR werden genau diese Zusammenhänge berücksichtigt.

Grüße, M

Hallo Masch,

wie wird das genau gemacht? Wird nur der Tarif aus der Kombination der Typklasse und der schadensfreien Jahre (+anderer statistischer Merkmale) berechnet oder bekommt das Auto wirklich eine andere (rechnerische) Typklasse wenn ein anderer (z.B. aelterer) Fahrer es versichert?

Wenn diese Zusammenhaenge beruecksichtigt werden - warum gibt es dann ueberhaupt Typklassen fuer Autos wenn diese dann sowieso veraendert werden wenn der Fahrer andere Merkmale aufweisst. Demnach wuerde es Sinn ergeben wenn ein Auto verschiedene Typklassen je nach Fahrer hat (z.B. fuer Fahrer von 30 - 50…).

Gruss

Desperado

Hallo,

Du irrst! In vielen Tarifen vieler VR werden genau diese
Zusammenhänge berücksichtigt.

Grüße, M

Hallo,

nein nein, das Auto „behält“ seine Typklasse, aber die verschiedenen anderen Faktoren führen - je nach Kombination - zu einer Erhöhung oder auch Reduzierung der „ursprünglichen“ Prämie.

Dahinter stehen recht umfangreiche und komplizierte Berechnungsmethoden, was auch nur noch eine Maschine auf die Schnelle auf die Reihe kriegt. Daher gibt es auch das gute alte Tarifbuch so nicht mehr (allenfalls für die Grundprämien).

Vielleicht googlest Du mal nach „multivariaten Tarifierungsmethoden“, weiß nicht ob sich da was finden lässt.

Grüße, M