Präpositionen ad libidum?

Hallo Experten,

außer der permanenten Verwechselung von „das“ und „dass“ hat mich schon lange nichts mehr so gezwiebelt:

An irgendeinem nicht näher genannten Thread wird ein Gegenstand „um“ (statt „für“) einen bestimmten Geldbetrag gekauft. Ich kenne diese haarsträubende Ausdrucksweise nur in bestimmten Dauerwerbesendungen und fragte mich schon, wie man an diese bekloppte Idee kommen kann. Noch bekloppter finde ich, dass das nun schon mit manchen Leuten am richtigen Leben so gesprochen und geschrieben wird. Ich betrachte das von Sorge und beantrage im Schutz der deutschen Sprache ein Bescheuerte-Dauerwerbesendungen-Verbot. Oder liege ich etwa falsch und ist das auf der Schweiz oder mit Österreich eine gängige Formulierung? Oder steht das gar so zum Duden? Als Saarländer darf ich mich unter seltsame Verwendung aus Präpositionen ja nicht beschweren, aber wenn ich anfange, das nach Belieben so für’s Hochdeutsche zu übertragen, zeigt doch jeder durch den Zeigefinger seit die Stirn. Klar?

LG
Huttatta

um bei kaufen
Hallo, Huttata,

das ist sehr nett vorgetragen. :wink: + *

Auch mir stößt die Laxheit vieler Leute beim Gebrauch der Präpositionen auf, wo sie nicht dialektaler Herkunft ist.

An irgendeinem nicht näher genannten Thread wird ein Gegenstand „um“ (statt „für“) einen bestimmten Geldbetrag gekauft.

Es könnte sein, dass du just an der Stelle etwas überempfindlich bist.

Zumindest für „verkaufen“ gibt der Duden an:

_ ver|kau|fen [1a: mhd. verkoufen, ahd. firkoufen]: 1. a) jmdm. etw. gegen Zahlung einer bestimmten Summe als Eigentum überlassen: etw. billig, teuer, für/(veraltend:smile: um 100 Mark,
© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001_

Und Grimm führt zu „kaufen“ aus:

_kaufen

e) der preis wird durch für und um angegeben : für wieviel kauft man diesz tuch?; man kauft es für einen spottpreis; keufe uns und unser land umbs brot, das wir und unser land leibeigen seien dem Pharao. 1 Mos. 47, 19;

ich kauft di welt nit ümb ain ai. SCHWARZENBERG 150d,

beide, um und für, drücken eben den tausch aus; jenes ist im süden vorwiegend._

So besteht zumindest eine gewisse Berechtigung für den Gebrauch von „um“ bei „kaufen“.

Gruß Fritz

UM - weder ‚ad libitum‘ noch ‚ad libido‘

Guten Tag, Huttatta

Präpositionen sollten nicht nach Belieben (= ad
libitum) verwendet werden, noch weniger aus (sexueller)
Lust (= ad libido).

Zur Bezeichnung des Preises ist in allen
Standarddeutsch die Präposition ‚für‘ richtig:

„Ich habe dieses Buch FÜR 20 Euro gekauft.“

Die Verwendung der Präposition ‚um‘ ist in den
Standarddeutsch nicht korrekt. In nicht
standardisierten Umgangssprachen (Österreich,
Süddeutschland) hört man es noch:

„Er hat das Buch um einen ganz geringen Preis, um nur
10 Euro gekauft.“

Umgangssprachlich wird ‚um‘ auch als ADVERB im Sinne
von ‚etwa‘, ‚ungefähr‘ verwendet:

„Das Buch kostet um die vierzig Euro.“

Standardsprachlich korrekt lautet dieser Satz:

„Das Buch kostet etwa (ungefähr) vierzig Euro.“

Es grüsst

Rolfus

Tach Huttatta,

ei lass se doch schwätze wie se wolle, die Leit vo weida siedlisch. Es is doch egal, ob se eppes „um“ oder „fier“ 10 € kaafe - Hauptsach, se bezahle. Isch kann misch doo werklisch dem Fritz Rupprischt un dem Sanctus Rolfus aaschließe.

Fritz:
"beide, um und für, drücken eben den tausch aus; jenes ist im süden vorwiegend.
So besteht zumindest eine gewisse Berechtigung für den Gebrauch von „um“ bei „kaufen“.

Sanctus Rolfus
„Die Verwendung der Präposition ‚um‘ ist in den Standarddeutsch nicht korrekt. In nicht standardisierten Umgangssprachen (Österreich, Süddeutschland) hört man es noch.“

Un Du sollscht als Saalänna mim Kugelschreiwer schreiwe derfe, un och 2 Kilo zu- oder abhole.

E scheena Kruß vom Saalänna im Nottsee-Exil
Pit

Hallo,

in einem US-Forum, welches ich gelegentlich besuche, gibt es „Gaudere’s Law“, welches besagt: Jeder, der sich in einem Posting über Fehler in Rechtschreibung und/oder Grammatik bei einem anderen mokiert, wird zwangsläufig in diesem Posting mindestens einen peinlichen Fehler haben. Schön zu sehen, dass das auch hier gilt.

Zur Sache: „Ich kaufte einen Schal um 20 Euro“ kenne ich aus Österreich. Könnte es eine regionale Wendung sein?

Gruß,

Myriam

Hallo, Huttata,
wie bereits von den anderen bestätigt, sind beide Versionen richtig.

Meiner Meinung nach sind beides sprachliche Verkürzungen:

„Ich habe das Buch für €8.95 gekauft“ - Geld gab ich für Papier
„Ich habe das Buch um €8,95 gekauft“ - um diesen Preis bekam ich das Buch
Denkbar (wenn auch nicht gebräuchlich) wäre sogar:
„Ich habe das Buch gegen … bekommen“ - nämlich im Tausch gegen …

Gruß
Eckard

hi,

„um“ ist in (den) süddeutsch-österreichisch-schweizerischer standardsprache(n) (JA, das gibts, es gibt mehrere standardsprachen im deutschen sprachraum) absolut korrekt.

(du könntest freilich auch sagen, dass es mehrere traditionen / usancen innerhalb der deutschen standardsprache gibt.)

m.

Die Verwendung der Präposition ‚um‘ ist in den
Standarddeutsch nicht korrekt. In nicht
standardisierten Umgangssprachen (Österreich,
Süddeutschland) hört man es noch:

1 „Gefällt mir“

Sondern @ Libuda! owT

1 „Gefällt mir“

Vielen Dank!
Hallo,

es ist wohl wahr, dass ich in dieser Hinsicht empfindlich bin und eine eher konservative Einstellung habe, was mich selbst natürlich nicht vor Fehlern bewahrt (ad libidum). Das motiviert mich, der ich absolut kein Fachmann in meiner Muttersprache bin, ab und zu trotzdem etwas ins Deutsch-Brett abzusondern, um Kritik und Aufschlussreiches zu ernten. Ich war mir auch im richtigen Leben (Schule, Uni etc.) nicht für Fragen und etwaige Fehler zu schade, denn bei sachkundiger Antwort bzw. Korrektur kann man nur hinzulernen. Soviel dazu.

Die Quintessenz Eurer Antworten ist, dass das im südlichen deutschen Sprachraum, wie ich bereits vermutete, eine alltägliche Formulierung ist, was auch der Duden (wenngleich mit dem Zusatz „veraltet“) bestätigt. Ich werde mich wohl daran gewöhnen müssen. Dieses „um“ war bisher ganz und gar nicht kompatibel mit meinem persönlichen Sprachgefühl und es dauert sicher noch eine Weile, bis ich das akzeptiert haben werde. Ich hegte bis heute tatsächlich den Verdacht, dass der Einsatz von „um“ statt „für“ bei diesen Verkaufssendungen ein Werbetrick sein könnte, damit es sich besser bei der Zielgruppe einprägt. Ein alternativer Gedanke war der, dass etwas „um“ (im Sinn von „ungefähr“) xyz Euro kostet und dass dieses „um“ dann irgendwie falsch verwendet wird. Gut, dass das nun ausgeräumt ist.

Bleibt mir nur noch, die negativen Bemerkungen („bekloppt“ etc.) reuig zurückzuziehen und mich bei allen Antwortschreibern zu bedanken.

LG
Huttatta

Das finde ich sehr schön, lieber Fritz, daß Du meinem Sprachgebrauch die theoretische Untermauerung lieferst! Etwas „um“ einen Betrag kaufen gehört nämlich zu meinem Standardwortschatz, und ich lasse mir nicht einreden, dies sei hier im Norden falsch und nur in gewissen Balkanrandländern akzeptabel.

Gruß - Rolf

1 „Gefällt mir“

Noch eine Anmerkung
Nun doch noch eine Anmerkung, lieber Huttata!

Die Quintessenz Eurer Antworten ist, dass das im südlichen deutschen Sprachraum, wie ich bereits vermutete, eine alltägliche Formulierung ist, was auch der Duden (wenngleich mit dem Zusatz „veraltet“)

Der Zusatz heißt „veraltend“. Das heißt, diese Form befindet sich derzeit auf dem Rückzug, sie ist am Aussterben.

Davon unterscheidet der Duden „veraltet“. Das heißt aber, diese Form wird nur noch von rückwärts gewandten und altertümelden Stilisten verwendet.

Das sind dann solche aparten Worte wie „alldieweil“ und „sintemalen“, die die unter Dreißigjährigen kaum noch kennen.

Gruß fritz

Nun doch noch eine Anmerkung, lieber Huttata!

Und gleich noch eine, lieber Fritz!

Mitnichten „veraltet“ dieses „um“.
Nachzulesen zB. in „Das Österreichische Deutsch“ von Robert Sedlaczek aus dem Jahr 2004. Da steht nichts von veralten.

Wie bereits ausreichend diskutiert gibt es kein Sprachgefühl.

Mich stört die Anfangsformulierung „An einem Thread …“.
Wieso „an“??? Es kam wohl „in“ diesem Thread vor.

Gruß
Barney

1 „Gefällt mir“

Hallo Barney,

Mich stört die Anfangsformulierung „An einem Thread …“.
Wieso „an“??? Es kam wohl „in“ diesem Thread vor.

oje, hast Du die Ironie und die vielen anderen, absichtlich falschen Präpositionen im Text nicht bemerkt?! Das Ganze war nicht so tierisch ernst gemeint. Oder bist Du gerade ironisch? :wink:

LG
Huttatta

Hallo Huttatta,

oje, hast Du die Ironie und die vielen anderen, absichtlich
falschen Präpositionen im Text nicht bemerkt?! Das Ganze war
nicht so tierisch ernst gemeint. Oder bist Du gerade ironisch?
:wink:

Nein - sachtätlich - dass da etwas „absichtlich“ falsch war, habe ich nicht bemerkt.
Schließlich weiß ich ja, dass da im kalten finsteren Norden auch von „an Weihnachten“ udergl. die Rede ist und das für richtig gehalten wird, welchselbigem ich mich nun aber gar nicht anschließen kann.
Das Einheitsdeutsch gibt es eben nicht, und ich hoffe, dass das so bleibt. Ich werde meinen Beitrag dazu leisten.

Gruß
Barney

1 „Gefällt mir“

Hi Barney,

Schließlich weiß ich ja, dass da im kalten finsteren Norden
auch von „an Weihnachten“ udergl. die Rede ist und das für

so auch bei uns im wilden Westen. Ich muss beispielsweise „an den“ Weihnachten arbeiten. :confused: Wir Saarländer gehen „auf“ die Kirmes oder „aufs“ Polizeibüro oder jemand arbeitet „auf“ dem Finanzamt (nein, nicht als Dachdecker). Woher diese Präferenz für „auf“ kommt, weiß ich nicht.

Der eingefleischte Saarländer neigt beim meist kläglich scheiternden Hochdeutsch-Sprechversuch sehr dazu, die Eigenheiten des Dialekts ungewollt einfließen zu lassen, was zu sehr lustigen Stilblüten führt. Ich bin zwar bekennender Platt-Sprecher und echter Fan meiner Heimat, halte aber den saarländischen Dialekt direkt nach dem Wiener Schmäh für einen der Hässlichsten, die es im deutschen Sprachraum gibt. Im Alltagsleben merke ich das nicht, umso mehr jedoch bei TV- oder Radiosendungen, wenn beispielsweise in den Regionalnachrichten Bürger befragt werden. Saarländer werden das mehrheitlich bestätigen.

Komischerweise sagen Nicht-Saarländer häufig, dass es ihnen ausgesprochen gut gefällt und als Paradebeispiel wird gerne Heinz Becker aufgeführt, der noch sehr gemäßigt ist und viele saarl. Ausdrucksweisen des besseren Verständnisses wegen (?) durch richtige ersetzt. Wenn aber ein besonders nordsaarländisch geprägter Ureinwohner richtig loslegt …

Ein inhaltlich nicht sehr gelungenes, aber dennoch anhörliches Beispiel ist „Schneewittchi“ vom „Märchionkel“: http://www.myspace.com/maerchionkel. Es gibt ältere Leute, die tatsächlich so reden. Aber das ist jetzt schon sehr o.t. und gehört eigentlich ins Dialekte-Brett.

LG
Huttatta

für uns alte Fans heißt das ‚Stan‘