Präsentationen - Welche Infos bleiben hängen?

Hallo zusammen,

gibt es so etwas wie einen Konsenz darüber, was für die Informationsübermittlung am effektivsten bei einer Präsentation ist,
also Folien, Sprache, Gestik etc.
Ich dachte, dass der prägnante Inhalt der Folien (visuell) bedeutsam ist, ein Kollege meint, dass die Argumentation des Vortragenden an erster Stelle steht.

Danke für eine Einschötzung,
Gruß Joerg

Hallo Jörg,

der eine nimmt auf dem einen Kanal, der andere auf einem anderen Kanal besser auf. Du hast schon Recht, auf dem visuellen Kanal nehmen die meisten Menschen auf. Da du jedoch alle erreichen willst, wäre es am sinnvollsten, wenn du alle Möglichkeiten in die Präsentation mit einbeziehst (Sprache und Bilder).
Gestik ist wichtig, damit den Zuhörern nicht langweilig wird. Hierfür kannst du auch mit deiner Stimme spielen.
Wenn du die besten Argumente monoton und gelangweilt vorliest, dabei vielleicht sogar nur auf dein Blatt schaust statt die Menschen anzuschauen, ich garantiere dir, es wird am Ende kaum noch einer wissen, von was du gesprochen hast!

(Theorie des Coachings)

Viel Erfolg,
Grüße, jeanne

Hallo zur Foliengestaltung gibt es ein paar Grundregeln…die leiten sich zT aus der Wahrnehmungspsycho ab, lassen sich grob zusammenfassen als weniger ist mehr:

  • Maximal 7 Zeilen pro Folie (bzw. max 5 Unterpunkte)und 10 Worte pro Zeile, Betonung liegt auf Maximal
  • Schlagworte statt ganzer Sätze, die Präsentation soll visuell unterstützen und nicht den Dozenten überflüssig machen.
  • Jede Folie mit Überschrift
  • Pro Folie ein Thema
  • Anzahl ebenfalls knapp halten, Maximal 15 Folien die Stunde, keine Folie kürzer als 2 Minuten, Bedenke die Folien fassen das gesagt noch einmal knapp zusammen oder betonen die Schwerpunkte, besser mit Überlappungstechniken arbeiten, also Unterpunkte nacheinander einblenden.
  • leichte Serifenschrift erleichtert das Lesen, zB. Times, Größe 18 Überschrift 24, Farbe in gutem Kontrast zum Hintergrund, Silbetrennung vermeiden
    -Aufzählungszeichen und Absätze zum Gliedern
  • Bilder und Diagramme prägen sich besser ein als reiner Text

Dasselbe kann man auch für die guten alten OHP-Folien umsetzen, auch wenn man da viele Fehler gar nicht erst macht (weil man sich bei einer Folienschlacht von Minutenweisen Wechsel nur selbst verhaspeln würde und sich wegen des teuren Rohstoffs eh aufs wichtigste konzentriert)

Gruß Susanne

Hallo jörg!

Die Informationsvermittlung ist dann am effektivsten, wenn möglichst viele Sinne angesprochen werden. Menschen lernen dann am besten, wenn Emotion und Kognition zusammen kommen, weil: Emotion und Kognition werden in den beiden Gehirnhälften getrennt verarbeitet. Schaffst du es, beide Seiten anzusprechen, dann bilden sich Verbindungen zwischen diesen - und dann ist Lernen am effektivsten.

Zur Präsentation an sich: in einer Lehrveranstaltung zum Thema „Rhetorik“ hat uns der Dozent erzählt, dass es hauptsächlich auf die Ausstrahlung der Person ankommt, was beim Hörer ankommt:

55 % macht die Ausstrahlung aus
38 % seine Stimme und nur
7% den Sprachinhalt

Mir war immer klar, dass „der äußere Eindruck“ wichtig ist - aber das der Sprachinhalt nur so wenig ist? Find ich schon etwas erstaunlich.

Ich dachte, dass der prägnante Inhalt der Folien (visuell)
bedeutsam ist, ein Kollege meint, dass die Argumentation des
Vortragenden an erster Stelle steht.

Ich würde sagen, dass das individuell verschieden ist. Der eine reagiert besser auf Argumentation, der andere eher auf das Visuelle. Entscheident ist aber, dass beides gut aufeinander abgestimmt ist.

Um zu testen, ob eine Vortrag verständlich ist, schnappst du dir am besten jemand, der von dem Thema keine Ahnung hat - und wenn der alles versteht, dann ist es von Aufbau und Logik her zumindest schon mal gut.

Gruß
Micky

Hallo Joerg,

aus der Werbung kenne ich die Kraft des Visuellen, d.h. Bilder sprechen die Menschen am besten an.
Wenn ich von meinen Erfahrungen spreche, dann kann ich sagen was passieren muss, damit ich abschalte
und mein Interesse sinkt: wenn man im Dunkeln unzählige langweilige Folien mit lieblosen Graphiken
sehen muss während ein Moderator im Off das gleiche erzählt was man eh schon sieht. Das gleiche gilt für
den Satz: „…aber dazu komme ich später noch.“

Die besten Vorträge kommen von Menschen, die eine lebendige Kommunikation aufrecht erhalten können,
ihr Wissen effizient erklärt. Menschen, die eine Ausstrahlung haben und komplizierte Sachverhalte einfach
erklären können. Wenn sie dabei auch noch Persönlichkeit und Humor an den Tag legen kann man sogar
einem Schulabbrecher die Gravitation erklären.

Viele Grüße

Hallo Jörg,

ob es einen solchen Konsens gibt, weiß ich nicht.

Doch glaube ich, Dein Kollege hat recht. Schlüssige Argumentation und klare Sprache ist die Basis, ohne die Dir die Folien nichts nützen.

Du mußt Deinen Zuhören entgegenkommen, ihnen eingängige sprachliche Bilder präsentieren, damit sie nicht im schlimmsten Fall von der Aufgabe überfordert sind, zuzuhören und zugleich das Gehörte auch noch in für sie verständlichen Text zu übersetzen. Solche sinnlose Übersetzungsarbeit mußt Du den Zuhören also ersparen, und Du darfst auch nicht ihr Kurzzeitgedächtnis überfordern.

Die zweite tragende Säule ist der Kontakt zu Deinen Zuhören, indem Du sie ansiehst. Dies hat zur Voraussetzung, daß Du halbwegs frei sprechen kannst. Dazu hilft es, das Vortrags-Manuskript in großer Schrift auszudrucken, weil dann jeweils ein kurzer Blick genügt, um die nächsten Sätze aufnehmen und frei sprechen zu können. Zwiegespräche mußt Du vermeiden, der Kontakt zum gesamten Publikum darf nicht abreißen.

Folien würde ich sparsam und überlegt einsetzen, und nur dort, wo sie für das Verständnis wirklich etwas bringen. Ich empfinde es als sehr unangenehm, wenn endlos eine Folie nach der anderen präsentiert wird.

Ich glaube, daß eine bildhafte Sprache oft auch alleine dem visuellen Kanal Genüge tun kann, weil sie im Zuhörer innere Bilder entstehen läßt.

Auch eine gute Sprechtechnik kommt den Zuhörern sehr entgegen.

Im Grunde ist das alles ziemlich banal. Die vorgenannten Punkte:

  • Struktur und sprachlicher Ausdruck
  • Kontakt zu den Zuhörern
  • Hilfsmittel der Präsentation, wenn überhaupt, möglichst sparsam
  • Sprechtechnik

helfen Dir, Deinen Zuhörern die Inhalte als „gute Gestalt“ im Sinne der Gestaltpsychologie nahezubringen.

Grüße,

I.

Hi Joerg
Das A und O ist imho die Art und Weise, die Zuhörer über einen bestimmten Zeitraum zu fesseln.
Langeweile ist der Feind jeder Präsentation; und diese Langeweile kann man sowohl mit Folien, also optisch, als auch mit Reden, also akustisch, verbreiten.
Gruß,
Branden

Vielen Dank für die interessanten Tipps! (owT)
Dankeschön, Gruß Jörg

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nur los
hi,

wichtig ist auch, die „15 min-regel“ zu beachten: danach sollten dann die medien gewechselt werden, also z.b. 15 einleitendes gespräch, dann 15 min powerpoint, dann 15 min handzettel ausgeben, dann 15 min gruppengespräch moderiert.

die aufwerksamkeitsspanne wird so länger aufrechterhalten, sie endet aber sowieso nach ca. 1 std, von deher ist auch das pausemachen genausowichtig wie das arbeiten.

der einsatz der stimme ist von besonderer bedeutung. charisma beim vortrag kann man nicht lernen, aber den optimalen einsatz einer betonung, die fesselt, statt zu langweilen.

körpereinsatz: nicht hinter einem pult sitzen, sondern locker vor den leuten stehen, ihnen eher nicht den rücken zuwenden, bleib unbedingt du selbst, keine rolle spielen, suche dir auf jeder publikumsseite eine hübsche person aus, die du wiederholt anschaust, dann fühlen sich alle beehrt.