Hallo Matilda,
deine Ausführungen lösen doch einigen Bedenken bei mir aus, aber vielleicht habe ich da etwas missverstanden, oder ich habe mich in meinem ersten Beitrag zu undifferenziert geäußert und du hast mich deswegen missverstanden.
Also noch mal deutlicher.
Ich halte SelbstVERTEIDIGUNGSkurse durchaus für sinnvoll.
Und in bestimmten Konstellationen:
Täter geht „nur“ mit Gewalt vor und hat keine großartigen manipulativen, Fähigkeiten, das Kind hat zusätzlich zu der Technik auch die entsprechenden Körperkräfte,
kann das wohl mal dazu führen einen gewalttätigen Übergriff durch einen Fremdtäter zu verhindern.
SelbstBEHAUPTUNGSkurse im Sinne von „eigene Grenzen erkennen und setzen lernen“, „Nein-sagen“, das Bewusstsein vermitteln, du hast das alleinige Bestimmungsrecht über deinen Körper, Selbstwert und Eigenwahrnehmung stärken sind auch durchaus sinnvoll.
Im Idealfall vermitteln aber die Eltern ihren Kindern diese Dinge.
Und ich bezweifle, dass einem Kind, das zu Hause wie ein Gegenstand behandelt wird, der nach Belieben gebraucht und wieder weggeworfen wird, ein Kurs reicht, um ein Gefühl für den eigenen Wert und die eigenen Rechte zu entwickeln.
Wenn du das glaubst…gut, jeder Mensch braucht Hoffnung und anscheinend arbeitest du in einem Bereich, wo du Kontakt zu solchen Kindern hast.
Prävention im Sinne von AUFKLÄRUNG halte ich für sehr, sehr wichtig und auch in allen Fällen für sinnvoll.
Kindern zu vermitteln, DAS ist sexueller Missbrauch, DAS sind sexuelle Berührungen, so gehen Täter vor, ist sehr nützlich, weil Kinder selbstverständlich überhaupt nicht wissen, was da vorgeht, wie man es benennt, dass das NICHT okay ist.
Selbst in dem Fall „innerfamiliärer Missbrauch“ ist es für das Kind in aller Regel eine Entlastung den Dingen einen Namen zu geben und ihm zu vermitteln: DU bist nicht SCHULD an dem Geschehen, du hast keine Verantwortung.
Bei Missbrauch im Nahbereich Kindergarten etc. besteht die Chance, dass das Kind sich seinen Eltern anvertraut, sofern der Täter über kein allzu großes psychologisches Geschick verfügt und das Kind durch Äußerungen wie:
das ist unser großes Geheimnis, du bist etwas ganz Besonderes, das tue ich, weil ich dich so gern habe, das ist gut für dich und passiert jeden Kind,
oder durch Drohungen wie: wenn du das erzählst stirbt deine Katze, deine Eltern, tue ich dir sehr weh, glaubt dir sowieso keiner etc.,
massiv manipuliert oder einschüchtert.
Mit mutigen Menschen, bei denen das Kind eventuell Unterstützung finden kann, meine ich eigentlich eher nicht BeraterInnen etc., sondern eher Mutter, Tante, Vater, FreundIn der Familie etc., die dem Kind nahe sind, ihm einen Anker bieten können und die mutig genug sind, hinzugucken und zu erkennen, dass ihr Partner, Bruder, Vater, Freundin dieses Kind missbraucht.
Blinder Aktionismus ist in solchen Fällen nicht hilfreich.
Außenstehende, die in Kontakt mit solchen Fällen kommen, brauchen Besonnenheit, eine gute pädagogische und psychologische Ausbildung und die Fähigkeit ihre eigenen Verletzlichkeiten zu kennen und diese im Griff zu haben. In EINER Fortbildung lernt man/frau so was nicht.
Die Gefahr sekundärer Traumatisierung durch Beraterinnen etc. ist sonst immens groß.
Ich könnte jetzt noch einiges zu dem Thema Schuld- und Schamgefühle bei den Kindern und die unbewussten Mechanismen der Kontaktpersonen dem Kind doch einen irgendwie gearteten Anteil an dem Geschehen zu geben, um nicht mit der eigenen Macht- und Hilflosigkeitlosigkeit konfrontiert zu werden, sagen, aber mir reicht´s.
In guten Fortbildungen wird darauf eingegangen.
Dort wird auch gesagt:
DAS KIND TRÄGT NIE DIE VERANTWORTUNG FÜR DAS GESCHEHEN und kein Kind kann alleine einen Missbrauch beenden.
Gruß
Anna