Jugendliche, unausgegoren, geplagt von Lebensangst, Liebeskummer, Versagensangst, zusammen mit der großen Frage nach dem Sinn des Ganzen, veralbert und gemobbt von Lehrern und Mädchen, haben zu allen Zeiten gelegentlich Selbstmord begangen.
Soweit ich weiß, steigt die Kurve der Selbstmordhäufigkeit nach der Pubertät dramatisch an und erreicht ähnliche Höhen erst wieder im hohen Alter.
Ein Selbstmord hat eigentlich fast immer etwas von Rache an sich. Der, die, ihr, sollt sehen, was ihr angerichtet habt, was ihr davon habt, wie schlecht ihr zu mir wart.
Wenn einer nun aber sowieso mit seinem Leben abgeschlossen hat, wenn er es allen „zeigen“ will, wenn er hauptsächlich Lehrern oder Mitschülern die Schuld gibt, was liegt näher, als noch ein paar mitzunehmen? Noch einmal allen beweisen, wie cool man eigentlich ist, was für schreckliche Fehler diese gemacht haben.
Ja und wenn man dann eine Handfeuerwaffe hat, geht das leicht und, was nicht zu vergessen ist, sauber und Medien- Klischee gerecht.
Darum ist vor allen Dingen zu vermeiden, dass Jugendliche Schusswaffen in die Hand bekommen. Wozu Schusswaffen in Privathaushalten gelagert werden, ist mir dabei ein Rätsel, zumindest so lange keine unmittelbare Bedrohung besteht.
Dass Jugendliche mit seelischen Nöten, in Zeiten, in denen Papa und Mama unentwegt schuften müssen, um den Urlaub auf den Malediven zu finanzieren, mehr Ansprechpartner brauchen, ist auch klar.
Dass das Thema „Leben und leben lassen“ mehr in der Schule besprochen und geübt werden müsste, sollte auch klar sein.
Leider ist den Schulen auch heute noch das Ergebnis von a-quadrat mal b-quadrat wichtiger. Schuld daran sind aber nicht die Schulen, sondern die Gesellschaft, die das toleriert und fördert.
Anscheinend verschwimmen alle Ängste und Nöte, die man in dieser Zeit hatte, alsbald im Nebel des Vergessens. Man hat es selbst überlebt, für die akuten Nöte der Jugendlichen gibt es, höchstens, ein verstehendes Lächeln, aber keinerlei Verständnis, von Hilfe ganz zu schweigen. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass man sich das Unangenehme von damals nicht so gern in’s Gedächtnis zurück ruft.
Gruß, Nemo.