Prag - sehenswerte Museen?

Hallo,

wir werden um Ostern ein paar Tage in Prag sein.
Natürlich schauen wir uns die Altstadt und die Burg an.

Wir haben gehört, dass es auch jede Menge Museen in Prag gibt - welche findet Ihr besonders sehenswert?
Da es nur drei Tage in Prag sind, müssen wir natürlich sehr auswählen …

Danke für Tipps!

Lieben Gruß
Dantis

Hallo Dantis,

ich habe mal ein Jahr in Prag verbracht und hatte am Ende wohl alle Museen durch. Eine Antwort auf Deine Frage ist natürlich schwierig, da ich Eure Interessen nicht kenne.

Ich muss für mich sagen, dass ich die Prager Museen außerhalb des Burgberges nicht unbedingt sooo berauschend fand. Wenn Ihr einen vollen Tag für die Kleinseite samt Burg und das Kloster darüber verwendet, seid Ihr sicher gut bedient.

Das Nationalmuseeum überhalb des Wenzelsplatzes ist zwar riesig, aber nicht unbedingt sehenswert. Gleiches gilt aus meiner Sicht für die Nationalgalerie, aber ich bin eben kein Malereiliebhaber. Das Museum der Stadt Prag ist auch kein Muss.

Nett hingegen ist das Schloss Troja im Norden der Stadt direkt an der Moldau. Ich war vor dem Hochwasser da und weiß nicht, ob es Schäden gab. Aber das Schlösschen macht etwas her und man kann dort gut eine Stunde verbringen. Außerdem liegt es direkt neben dem Zoo, der kein Muss aber auch nicht schlecht ist. Nachteil: Man ist ziemlich lange unterwegs, da es keine Metrostation gibt.

Interessant sind die vielen kleine Galerien, die man beim Bummel durch Kleinseite, Alt- und Neustadt immer wieder findet.

Wenn Ihr nur drei Tage in Prag seid und das volle Touriprogramm wollt würde ich empfehlen:

Erster Tag Kleinseite mit Burg, Veitsdom, Kloster & Karlsbrücke (Tipp: Geht bei gutem Wetter in eine der kleinen Galerien in den Burggärten).
Zweiter Tag Altstadt, Josephsstadt und Neustadt und abends in eine der drei Opern oder wahlweise in eine Jazzkneipe.
Dritter Tag: Vielleicht morgens ins Schloss Troja und nachmittags auf den Friedhof auf dem Weinberg (Vinohrady).

Letzteres ist mein Geheimtipp: Besonders der vordere Teil des Friedhofes ist sehr sehenswert. Ich bin dort sehr oft spazieren gegangen. Die Grüfte (Gruften?) sind alle am Verfallen und ich habe selten eine so morbide Atmosphäre erlebt. Man kann dort einige Zeit zwischen den Gräbern verbringen, die zwischen alten Bäumen liegen und lernt dort viel über die deutsch-tschechische Vergangenheit. Das Areal ist riesig und wird von vielen als eine Art Park genutzt. Natürlich muss man berücksichtigen, dass der Friedhof noch in Betrieb ist, also besser nicht in kurzer Hose rumlaufen. Die Haltestelle liegt übrigens an der grünen Linie der Metro, Haltestelle Jiriho z Podebrad.

Sehr empfehlenswert ist übrigens auch ein Tagesausflug nach Kuttenberg (Kutna Hora). Das Gebeinhaus und die Silberminen sind wirklich nett gemacht, und man kann sehr gut essen. Man erreicht Kutna Hora gut mit dem Zug.

Viel Spaß und viele Grüße,

Matthias

Mahlzeit,

Das Nationalmuseeum überhalb des Wenzelsplatzes ist zwar
riesig, aber nicht unbedingt sehenswert.

das kann ich nicht unkommentiert stehen lassen. Das Nationalmuseum ist in meinen Augen ein Muß, eines der Dinge, die schon für sich eine Reise nach Prag rechtfertigen. Allein die Architektur, die Präsentation und Präparation der Exponate, aber auch die Exponate selbst sind unbedingt sehenswert!

Gruß

Sancho

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Danke, Matthias und Sancho …
… jetzt haben wir doch eine „Grundlage“.

Lieben Gruß
Dantis

Servus Dantis,

in Holesovice, unmittelbar nördlich der Altstadt zwischen der Moldau und dem Holesovice-Bahnhof gelegen, ist der Teil der Nationalgalerie, der allein schon die Fahrt nach Prag wert ist, mit Werken des vom Ende des 19. Jahrhunderts bis etwa 1970.

Vorteil 1: Wenn man neu-großdeutschen Museumspädagogikmulitmediamultimodalerlebinseventmeinungsmüll gewöhnt ist, atmet man sehr auf, eine Galerie zu sehen, die einfach bloß gehängt und erläutert ist, wie man eine Galerie hängen und erläutern muss. Ohne dem Besucher die vorgefertigten Stereotypen des Oberpädagogen reinzubimsen etc.
Vorteil 2: Seit den 1990er Jahren, wo Gulasch und Knödel und 16°-pivo-was kostet?? angesagt ist, gehen da fast keine Besucher mehr hin. Man muss nicht auf die wenig erbauliche Hinterteile dicker Deutscher schauen, sondern kann die ausgestellten Werke genießen.
Vorteil 3: Man findet dort nicht bloß die Retrospektiven-Kassenschlager aufgehängt, sondern kann sich z.B. einen „sekundären“ Picasso im Vergleich zu ganz wenig bekannten Zeitgenossen anschauen und sich fragen, ob und wie man ihn hätte unterscheiden können etc.
Vorteil 3: Die bildende Kunst schwebt dort nicht frei im Raum, sondern man kann dort auch einige Nachbardisziplinen (Film, Architektur, Industriedesign) der gleichen Epochen studieren - aber eben ohne museumspädagogischen Brei, sondern in vergleichender Anschauung.

Wenigstens einen Tag! – beiläufig hats in Holesovice viel bessere Beisl als im Zentrum…

Schöne Grüße

MM

Hallo Dantis,

wir werden um Ostern ein paar Tage in Prag sein.
Natürlich schauen wir uns die Altstadt und die Burg an.

Wir haben gehört, dass es auch jede Menge Museen in Prag gibt

  • welche findet Ihr besonders sehenswert?
    Da es nur drei Tage in Prag sind, müssen wir natürlich sehr
    auswählen …

drei Tage ist viiiieeeel zu kurz! :wink:
Aus meinen schon länger zurückliegenden acht Tagen sind mir bis heute in Erinnerung geblieben:

das Smetana-Museum
der Alte Jüdische Friedhof
der Garten vom Palais Waldstein (der frühere Hausherr ist als Wallenstein bekannt)
und die Mineralien-Sammlung im Nationalmuseum.

Was das Nationalmuseum anbelangt, gebe ich Sancho absolut recht. Das Gebäude auch „ohne alles“ wäre sehenswert.

Gruß Gudrun

Hallo Dantis!

Natürlich schauen wir uns die Altstadt und die Burg an.

Klar, muss man gesehen haben.
Ich gehe jetzt aber mal ein bisschen von den eigentlichen Museen weg und beziehe mich mehr auf lohnenswerte Orte, die ich bei mehreren Pragreisen gern wieder besucht habe.

In der Altstadt einfach schlendern und es gemütlich angehen lassen. Die Häuser und Gassen an sich sind schon eine Art „Museum“. Es lohnt sich, da nicht einfach nur da durch zu rennen.

Ich würde noch Vysehrad empfehlen. Ist zwar kein Museum, aber ein lohnenswerter Ort. Zu erreichen mit der roten Metro (Linie C, gleichnamige Haltestelle).

Dort ist auch der Friedhof, wo Smetana und Dvorak liegen.
Fahrt da hin, wenn es dämmerig wird, dann ist es da sehr faszinierend und der grosse Touristenandrang ist weg (keine Sorge, die Wege sind beleuchtet).
Ihr habt einen starken Ausblick vom Felsen auf die Stadtteile darunter und die Moldau und der Friedhof bekommt im Dunkeln einen ganz besonderen Flair.

Interessant wäre noch zum Metronom zu fahren (eine Strassenbahn fährt bis zum Fussballstadion, von da aus geht man durch durch einen Park zu der Installation).
Das Metronom selbst ist nicht so toll, aber von da aus hat man einen tollen Blick über die Moldau genau gerade entlang der Narodni (das ist eine Strasse) bis zum Rathausplatz.

Noch ein kleiner Verpflegungstipp (ich hoffe das Restaurant gibt es noch):
In der Strasse Ujezd gibt es ein mexikanisches Restaurant names Cantina. Tolle Einrichtung und super Essen.
Bietet sich an, wenn ihr vom Hradschin kommt, das ist nicht so weit weg.

Viel Spass in der goldenen Stadt, ich will auch mal wieder hin :wink:

Gruss Froggie