Praktikum - zu harte Arbeit?

Guten Abend!

Ich brauche dringend einen Ratschlag bzw. Hilfe:

ein 16- jähriger Junge macht für 3 Wo. ein Praktikum in der Landwirtschaft (Familienbetrieb)+ wohnt auch dort in dieser Zeit.

Nach Aussagen des Jungen ist die Arbeit und überhaupt alles, fast unerträglich. Hinzu kommt die Hitze, die fremde Umgebung ,das fehlen der Freunde,ect…
1 Woche ist erst um und man fragt sich wie soll das weitergehen und wie soll er das durchstehen? Er schimpft und wettert und droht …

Wie geht man damit als Eltern um? Gutes Zureden half bisher nicht, die Pädagogen meinen da muß er durch.

Nun zu den Arbeitszeiten: wieviel Stunden kann man einen 16-jährigen
zumuten? Ich weiss dass das auf den Höfen recht unterschiedlich gehandhabt wird. Aber was ist sozusagen im Rahmen und was wäre zuviel??

Bitte um dringend um schnelle Antworten,
Gruß Hanna

Hallo,

falls das im Rahmen eines Schulpraktikums ist -
bei uns in Hessen wird das so gehandhabt, dass es
eine Limit von 6 Stunden am Tag gibt. Das wird
den Betrieben auch gesagt, die Arbeitslehre-Lehrer
kontrollieren das auch. Mehr Stunden sind möglich
(war bei meinem Sohn im Krankenhaus so), ist aber
nicht wirklich gern gesehen.

Zum eigentlichen Problem: Ist das Praktikum so weit
weg, dass er am Wochenende nicht nach Hause kann?
Ich denke eigentlich auch: da muss er durch - aber
eine Erholung und Freunde/Familie am Wochenende
helfen vielleicht die schwere Zeit zu überstehen.

Am Ende weiß er vielleicht wenigstens, was er später
mal nicht machen möchte.

Sangoma

Moien

Nach Aussagen des Jungen ist die Arbeit und überhaupt alles,
fast unerträglich. Hinzu kommt die Hitze, die fremde Umgebung
,das fehlen der Freunde,ect…

Jupp, der erste Praxisschock ist immer hart. Willkommen im richtigen Leben.

Lass mich raten: eher Stubenhocker und ständig am PC/konsole am daddeln ?

Wie geht man damit als Eltern um? Gutes Zureden half bisher
nicht, die Pädagogen meinen da muß er durch.

Muss er auch. Zumindest solange seine Gesundheit nicht gewährdet ist würde ich da hart bleiben.

Nun zu den Arbeitszeiten: wieviel Stunden kann man einen
16-jährigen zumuten?

Hängt stark von der Arbeit ab. Bei den ±30°C draussen würd ich mal 10 min Pause pro Stunde vorschlagen. Und maximal 6 Stunden, 4 morgens, 2 nachmittags, halbe-ganze Stunde Mittag.

Wenn´s eher leichte Arbeit (und bei weniger Hitze) ist kann ein 16 jähriger durchaus länger arbeiten.

cu

Hi,

„landwirtschaftlicher familienbetrieb“ klingt nach bauernof.
Da frag ich mich doch: Warum hat er ein praktikum dort begonnen???

OK. Zu den offiziellen praktikums-arbeitszeiten wurde ja schon zu genüge gesagt. Auf der anderen seite gibt es aber, gerade in der landwirtschaft, noch den aspekt, dass eben die landwirtschaft vermittelt werden soll. Und das ist nunmal knochenarbeit.
So ein berufspraktikum dient ja schließlich der berufsfindung. Was bringt es da, wenn einem nur die hälfte der anstrengungen vermittelt wird???

Hier treffen also gegensätze aufeinander, die letztendlich nicht zu lösen sind…

LG Alex:smile:

Wie geht man damit als Eltern um? Gutes Zureden half bisher
nicht, die Pädagogen meinen da muß er durch.

Nun zu den Arbeitszeiten: wieviel Stunden kann man einen
16-jährigen
zumuten? Ich weiss dass das auf den Höfen recht
unterschiedlich gehandhabt wird. Aber was ist sozusagen im
Rahmen und was wäre zuviel??

Schwierige Frage, weil man die Emotionen raushalten müsste, was als Eltern natürlich nur schwer geht- Ihr leidet ja quasi mit.
Darum versuch ich es mal mit einer neutralen Position

Was im Rahmen ist und was zu viel ist natürlich auch eine Frage
der Qualität- Wenn ich einen Hüberhabicht den halbe Tag Heuballen per Hand verladen lasse, dann ist das sicher nicht im Rahmen, weil ich ihn körperlich überforder. Also Qualität und Quantität.
Quantität- Arbeitszeit. Mit 16 fange durchaus schon viele Jugendliche der Haupt- und Realschulen eine Lehrstelle an (wenn sie eine kriegen). Da gilt der 8 Std Tag. In einem Praktikum wird das eigentlich lockerer gehandhabt, weil es ja auch Spaß machen soll, aber theoretisch geht es darum, den Berufsalltag kennenzulernen. Auf so einem Hof hat der Arbeitstag natürlich immer mehr Stunden, als in anderen Berufen mit geregelten Schichten und Zeiten. Auch das ist Alltag und gehört dazu.
Ich persönlich finde, das kann man einem Praktikanten auch ruhig zeigen- allerdings immer wieder mit längeren Pausen dazwischen, so dass ich die 8 std nicht überschreite. Die Kuh will halt auch abends gefüttert werden, da gibts keine Stempeluhren.
Wenn Du als Elternteil das Gefühl hast, da nutzt ein Hofherr eine billige Arbeitskraft (immer wieder monotone Arbeiten, statt Spaß und Begeisterung vermitteln z.b.) und lässt Deinen Sohn 3 Wochen den Hof fegen würde ich mir tatsächlich überlegen, ihn da rauszunehmen, weil er dabei einfach auch nichts lernt…
Allerdings klingt das von hier aus nicht danach…
Die Frage ist, was das Lernziel ist und was er jetzt lernt.
Jetzt lernt er, dass man für sein Geld (in dem Job) hart arbeiten muss, dass arbeit nicht immer Spaß macht, anzunehmenderweise Disziplin (ständiges frühes Aufstehen), lernt die Aufgaben eines Bauern kennen, die kaum etwas mit der romantisch verklärten Vorstellung zu tun haben usw. usf. Grundsätzlich ist das gut, gilt nämlich für (fast) alle Berufe. Was zieht er für Schlüsse, wenn ihr das Ganze abbrecht?

Ich würde, so lang er nur pöbelt und meckert und ich als Elternteil nicht das Gefühl habe, der knickt mir da gleich ab, eine klare Haltung beziehen… Weitermachen ohne Diskussion! Aber mutmachend…
Er wird anschließend wahrscheinlich stolz wie Oskar sein, das geschafft zu haben. Evtl hat das ganze einen netten Nebeneffekt, nämlich die Feststellung, dass Schule doch ganz gut ist, was sich auf Leistung und Motivation auswirken kann (ggf. für einen besseren Abschluss). Ich meine, er muss da durch- und er muss da auch alleine durch. Ich würde daher auch die Telefonate reduzieren. Du machst Dir wahrscheinlich Sorgen, fühlst mit ihm und daraus wird ein „mama findet auch, dass …“ und bestätigst ihn und seine Haltung damit. Das führt zu immer mehr Frust und Unlust, worauf der Chef garantiert reagiert. Was würdest Du mit einem „unwilligen“ Praktikanten tun? Dann kriegt er doch erstmal richtig Feuer… Er hat sich das ausgesucht und nun muß er das auch anpacken und Mama hilft nicht bei jedem Problem und nimmt einem jede Last ab. Für seine Entwicklung dürfte sich das positiv auswirken, das Problem eigenständig zu lösen und zu bewältigen.

Ich weiß, als Elternteil ist das … scheiße…
Versuch abzuschalten, sei mal nicht ständig erreichbar und gib ihm die Chance das jetzt zu lernen und nicht erst in der Ausbildung oder im Job- die Wahrscheinlichkeit dann nicht damit klar zu kommen und unterzugehen ist groß.

Tapfer bleiben

Gruß Frosch

auf den Punkt …

Schwierige Frage, weil man die Emotionen raushalten müsste,
was als Eltern natürlich nur schwer geht- Ihr leidet ja quasi
mit.

Ja wir leiden mit und es ist auch eine Herausforderung für uns als Eltern, wir, die doch bisher nie wirkliche Probleme mit ihm hatten.

Darum versuch ich es mal mit einer neutralen Position

Was im Rahmen ist und was zu viel ist natürlich auch eine
Frage
der Qualität- Wenn ich einen Hüberhabicht den halbe Tag
Heuballen per Hand verladen lasse, dann ist das sicher nicht
im Rahmen, weil ich ihn körperlich überforder. Also Qualität
und Quantität.
Quantität- Arbeitszeit. Mit 16 fange durchaus schon viele
Jugendliche der Haupt- und Realschulen eine Lehrstelle an
(wenn sie eine kriegen). Da gilt der 8 Std Tag.

Gutes Argument! Aber: die Lehrstelle hat man dann aber gewollt und man weiss in etwa worum es geht.

der Praktikumsplatz wurde zwar auch von uns mit ihm zusammen ausgesucht aber die Vorgabe Landwirtsch. kam von der Schule und ist ein MUSS

In einem Praktikum wird das eigentlich lockerer gehandhabt, weil es ja

auch Spaß machen soll, aber theoretisch geht es darum, den
Berufsalltag kennenzulernen. Auf so einem Hof hat der
Arbeitstag natürlich immer mehr Stunden, als in anderen
Berufen mit geregelten Schichten und Zeiten. Auch das ist
Alltag und gehört dazu.
Ich persönlich finde, das kann man einem Praktikanten auch
ruhig zeigen- allerdings immer wieder mit längeren Pausen
dazwischen, so dass ich die 8 std nicht überschreite. Die Kuh
will halt auch abends gefüttert werden, da gibts keine
Stempeluhren.
Wenn Du als Elternteil das Gefühl hast, da nutzt ein Hofherr
eine billige Arbeitskraft (immer wieder monotone Arbeiten,
statt Spaß und Begeisterung vermitteln z.b.) und lässt Deinen
Sohn 3 Wochen den Hof fegen würde ich mir tatsächlich
überlegen, ihn da rauszunehmen, weil er dabei einfach auch
nichts lernt…
Allerdings klingt das von hier aus nicht danach…

den Eindruck haben wir auch nicht

Die Frage ist, was das Lernziel ist und was er jetzt lernt.
Jetzt lernt er, dass man für sein Geld (in dem Job) hart
arbeiten muss, dass arbeit nicht immer Spaß macht,
anzunehmenderweise Disziplin (ständiges frühes Aufstehen),
lernt die Aufgaben eines Bauern kennen, die kaum etwas mit der
romantisch verklärten Vorstellung zu tun haben usw. usf.
Grundsätzlich ist das gut, gilt nämlich für (fast) alle
Berufe. Was zieht er für Schlüsse, wenn ihr das Ganze
abbrecht?


Ich würde, so lang er nur pöbelt und meckert und ich als
Elternteil nicht das Gefühl habe, der knickt mir da gleich ab,
eine klare Haltung beziehen… Weitermachen ohne Diskussion!
Aber mutmachend…
Er wird anschließend wahrscheinlich stolz wie Oskar sein, das
geschafft zu haben. Evtl hat das ganze einen netten
Nebeneffekt, nämlich die Feststellung, dass Schule doch ganz
gut ist, was sich auf Leistung und Motivation auswirken kann
(ggf. für einen besseren Abschluss). Ich meine, er muss da
durch- und er muss da auch alleine durch. Ich würde daher auch
die Telefonate reduzieren. Du machst Dir wahrscheinlich
Sorgen, fühlst mit ihm und daraus wird ein „mama findet auch,
dass …“ und bestätigst ihn und seine Haltung damit. Das führt
zu immer mehr Frust und Unlust, worauf der Chef garantiert
reagiert. Was würdest Du mit einem „unwilligen“ Praktikanten
tun?

Bis jetzt hat er seine Arbeit ordentlich gemacht und der Hofchef ist total zufrieden mit ihm, hat gar nichts von dem Stress gemerkt

Dann kriegt er doch erstmal richtig Feuer… Er hat sich

das ausgesucht und nun muß er das auch anpacken und Mama hilft
nicht bei jedem Problem und nimmt einem jede Last ab. Für
seine Entwicklung dürfte sich das positiv auswirken, das
Problem eigenständig zu lösen und zu bewältigen.

Wie recht du hast, eigentlich mit allem was du schreibst, ich sehe das auch so aber wie soll man sich verhalten wenn der Sohn täglich anbimmelt um zu signalisieren „ich kann nicht mehr“

Ich weiß, als Elternteil ist das … scheiße…
Versuch abzuschalten, sei mal nicht ständig erreichbar und gib
ihm die Chance das jetzt zu lernen und nicht erst in der
Ausbildung oder im Job- die Wahrscheinlichkeit dann nicht
damit klar zu kommen und unterzugehen ist groß.

Tapfer bleiben

Gruß Frosch

Ja, wir bleiben tapfer und hoffen dass noch alles gut wird, ein Lehrer hat sich jetzt eingeschaltet und wird morgen dort einen Besuch machen und mit Söhnchen reden, ohje

Danke Hanna

Tschaka
ihr schafft das schon… *sicher bin*

Die Schule gab Landwirtschaft vor?
Das ist ja n Knaller. Ich hab noch nie gehört,
dass eine Schule den Zielrahmen vorgibt- allerdings
komm ich auch aus der Großstadt, da würde das schwierig :smile:

Wo ist denn da der Sinn oder was ist das erhoffte Lehrziel.
Ich will das gar nicht kritisieren- es würde mich einfach
interessieren. Wie begründet die Schule das?

Doch eigentlich will ich das doch kritisieren *lach*
aber das gehört hier wohl nicht hin.

Hi Hanna,

ich glaube, das Sinnvollste an dem Ganzen ist bis jetzt der Besuch des Lehrers: Der sieht es doch sicher nicht zum ersten Mal, dass ein Schüler in der Anfangsphase eines Praktikums erst einmal überfordert ist. Er kann vielleicht aufgrund seiner Erfahrung einschätzen, ob es nur die Umstellung ist oder ob womöglich wirklich ein Mini-Burnout droht. Und vielleicht hat er auch ein paar Überlebenstipps parat: wie man seine Kräfte einteilt, wie man damit fertig wird, seine Freunde zu vermissen, wie man eine neue Umgebung erschließt usw.

Ich habe aus dem Thread den Eindruck gewonnen, dass dein Sohn eher zur sanfteren, anhänglichen Sorte gehören könnte, denen fällt so etwas natürlich besonders schwer. Und dass er sich nicht bemühen will, kann schon wegen der Aussage des Hof-Chefs eigentlich nicht sein. Mit reinem Durchhalten, „jetzt lernst du endlich mal arbeiten“, „Mutter nimmt dir nicht alles ab“ u. ä. ist es deshalb imho nicht getan (zumal wir ja gar nicht wissen können, ob du ihn wirklich so verhätschelst).

Von daher: ja, er sollte da durch - aber mit den geeigneten Tipps, die ihn wieder flottmachen - auch gestandene Erwachsene brauchen so etwas zuweilen, warum nicht er? Und was spricht dagegen, ab und zu mal mit seinen Kumpels zusammenzusein? Lehrlinge dürfen das doch auch.

Übrigens: Bei drei Wochen könnte er schlimmstenfalls einfach die Tage runterzählen wie beim Militär…

just my two cents,

Beate

Nachtrag: kleiner Auszug
.
Es ist für den Menschen, für seine soziale Entwicklung von besonderer Bedeutung, bis in seine Hände hinein erlebt zu haben, daß Menschen immer auf die Arbeit anderer Menschen angewiesen sind …

Alle Beteiligten arbeiten miteinander und füreinander, und ohne Gemeinschaftssinn werden das Heumachen oder die Kartoffelernte nicht gelingen.

das Landwirtschaftspraktikum ist ein ganzheitlicher Prozess, etwa auch im Sinne der Agenda 21. Es fördert die ökologische, wirtschaftliche und soziale Kompetenz der heranwachsenden jungen Menschen.

Reicht dir das?

Gruß Hanna,

die jetzt nach dem 2 std. Besuch des Lehrers vor Ort, etwas entspannter in die Nachtruhe geht. Bleibt zu hoffen, dass der Sohn seine Willenskräfte bündelt um diesen Prozess durchzustehen.
Ich werde über den weiteren Verlauf berichten, für diejenigen die hier so nett geantwortet.