Hallo,
aus meiner Erfahrung als technischer Ingenieur:
Wenn du gerade frisch von der Uni kommst und in einem Betrieb anfängst, dann sind Einarbeitungszeiten bis zu einem halben Jahr nichts Ungewöhnliches (dabei ist natürlich die Größe eines Betriebes nicht zu verachten, bei mehreren Standorten weltweit dauert es einfach einige Zeit, bis man nur seine richtigen Kontaktpersonen gefunden hat (und zu diesen ein „Verhältnis“ aufgebaut hat)).
Wenn ich schätzen müßte, dann verwende ich vielleicht 5 - 10% des Lehrstoffes der Uni. Dabei ist natürlich auch wieder zu beachten, wie der betreffende Studiengang angelegt ist. Meiner war sehr breit angelegt, mit einigen Schwerpunkten (die man selbst durch die Auswahl der Kurse setzte). Es wäre also bei mir völlig unmöglich, mehr als 50% meiners Studiums in der Arbeit wiederzufinden.
Du mußt dir grundsätzlich bewußt sein, daß das Arbeitsleben anders abläuft, als das Studium (ja klar wirst du sagen), aber:
Dein Chef ist nicht daran interessiert, daß du eine vorgegebene Aufgabe richtig löst. Er kennt die Lösung nicht, darum stellt er ja dir die Aufgabe.
Als kleines Beispiel (ohne Realitätsbezug):
Problem: In der Teeküche gibt es keine Kaffeefilter mehr; du sollst dieses Problem lösen
Im Prinzip ist deinem Chef egal, wie du das löst, hauptsache es gibt wieder Filter, um Kaffee zu kochen.
Als erstes mußt du dir nun überlegen, auf welche Art und Weise man das Problem lösen kann
- zum Nachbarbüro gehen und Filter ausleihen
- in die Stadt fahren und Filter kaufen
- über Internet Filter kaufen und liefern lassen
- lernen wie man Papier schöpft und selber Filter machen
- Filterersatz verwenden (Löschblatt, Damenstumpf, usw)
- als völlig anderen Ansatz: löslichen Kaffee verwenden
Dabei sind natürlich zu beachten: Kosten, Ressourcen, Zeitaufwand, Qualität des Ergebnisses
Nachdem du dir Gedanken über das Problem gemacht hast, dabei jeweils Kosten, Ressourcen und Zeitaufwand gecheckt hast, besprichst du diese Lösungen mit deinem Chef, ihr wählt eine Möglichkeit aus, du führst diese Lösung dann aus. (Jetzt sollte die Lösung auch noch so funktionieren, wie du dir das ausgedacht hast).
Ich will dich damit nicht abschrecken, denn genau dieses Problemlösungsdenken solltest du im Studium lernen.
Gerhard