Preiserhöhung bei Erdgas / Erdgaspreis

Die Erdgaspreise steigen ständig. Begründet wird dies ja oft mit der Bindung an den Ölpreis, bzw. mit den ständig steigenden Ankaufkosten. Mister X hat nun zum neuen Jahr einen Brief von seinem Gasanbieter bekommen indem für den 01,01,2006 und 01,04,2006 massive Preiserhöhungen angekündigt werden.

Mister X hat gehört, dass man sich dagegen wehren kann. Was kann er denn machen? Hilft hier ein Einspruch, oder Zahlung unter Vorbehalt? Für eine Auskunft wäre ich und vorallem Mister X sehr dankbar.

Ein gutes neues Jahr 2006 mit hoffentlich nicht zu hohen Energiepreisen…

Hallo Manuela!

Grundsätzlich braucht ein Anbieter keine Begründung für Preisanhebungen. Ein Kunde kann kaufen oder es bleiben lassen. Das ist bei Gas nur Theorie, denn das zu Deinem Haus führende Gasrohr samt Inhalt gehört dem einzigen Anbieter des Produkts in Deiner Region. Deshalb gibt es eine staatliche Kontrolle der Gaspreise. Preiserhöhungen müssen zuvor genehmigt werden. Aber das ist letztlich ein stumpfes Schwert, mit dem sich nur einzelne Anbieter erwischen lassen, die einen auffällig tiefen Schluck aus der Pulle haben wollen. Unsinn sind auch Behauptungen, der Gaspreis würde aufgrund vertraglicher Kopplung an den Ölpreis steigen. Das Markt knüpft die Preise aller Heizenergieträger vollautomatisch aneinander; besonderer Vereinbarungen bedarf es dabei nicht. Wenn bei Brennstoff A 4 Cent pro kWh bezahlt werden, sind für Brennstoff B nicht 8 Cent pro kWh durchsetzbar und wenn der Anbieter für Brennstoff C nur 2 Cent pro kWh verlangt, wäre er schön dumm. Er könnte das zu niedrige Preisniveau nicht lange halten, denn verstärkte Nachfrage würde Energie C sehr bald verknappen und damit ebenfalls teurer werden lassen. Allenfalls für begrenzte Zeit wird ein Anbieter den billigen Jakob spielen, um Kunden für seine Brennstoffart zu gewinnen. Andererseits wird kein Anbieter längere Zeit Preise oberhalb der Konkurrenzbrennstoffe verlangen können, weil er sonst keine neuen Kunden finden könnte und Altkunden auf andere Brennstoffe umrüsten. Auf diese Weise führen Marktmechanismen zur weitgehenden Angleichung des Preisniveaus aller Energieträger.

Bei kurzfristigen Preisentwicklungen ist es sinnvoll, vom Gaspreis und vom Heizölpreis zu reden. Beim Brennstoff mit kundenseitiger Lagerhaltung ist der Preis u. a. vom Zeitpunkt des Kaufs abhängig. In der Preisentwicklung über ein Jahr oder noch längere Zeiträume nehmen sich die verschiedenen Energieträger aufgrund der beschriebenen Marktmechanismen nichts und man kommt überall auf einen sehr ähnlichen Preis für die Kilowattstunde. (Zum Verständnis: Bei Preisen für Gas wird von Kubikmetern, bei Öl von Litern, bei Holz von Festmetern, bei Koks von kg, tonnen oder Zentnern und bei Strom von Kilowattstunden gesprochen. Das ist für Preisvergleiche unpraktisch. Deshalb wird nur der Heizwert der verschiedenen Energieträger betrachtet und in kWh ausgedrückt. So kommt man auf Kosten pro kWh und damit zu einer direkten Vergleichsmöglichkeit).

Die Vorgänge um Gaslieferungen Rußlands an die Ukraine werden Dir bekannt sein. Man hat sich überall an die Weltmarktpreise für Energieträger zu gewöhnen und der Energiehunger gerade der stark wachsenden Volkswirtschaften steigt stetig. Auf der Angebotsseite tut sich aber nicht viel und die Ressourcen sind endlich. Ohne Prophet zu sein, lassen sich daraus steigende Preise für alle Energieträger vorhersagen, wobei ein Ende der Fahnenstange nicht in Sicht ist. Als Verbraucher wirst Du mit Protesten und Zahlungen unter Vorbehalt gegen die weltweite Entwicklung nichts ausrichten. Es handelt sich um kein von Advokaten lösbares Problem. Deine einzige Möglichkeit besteht darin, Dich wie ein marktgerecht handelnder Verbraucher zu verhalten, also vom knapper und teurer werdenden Gut weniger zu kaufen. Du mußt Energie sparen.

Gruß
Wolfgang