Hallo!
Weiß zufällig jemand,welchen Einfluss Preußen auf die deutsche Reichsbildung 1871 hatte? Bzw, kennt jemand Links wo ich das nachlesen kann? Danke schon mal.
MfG Josephine
Hallo!
Weiß zufällig jemand,welchen Einfluss Preußen auf die deutsche
Reichsbildung 1871 hatte? Bzw, kennt jemand Links wo ich das
nachlesen kann? Danke schon mal.
MfG Josephine
*schluck* Ist Dir schon einmal der Name Bismarck untergekommen? Literaturempfehlung für Einsteiger: Winkler, Heinrich August: Der lange Weg nach Westen : deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zur Gegenwart. - Bd. 1. - München: Beck, 2000
Hervorragender Hinweis!
Lieber Armin!
Einen besseren Literaturhinweis kann man wohl nicht geben!
Super!
Gruß
Lea
Hallo!
In solchen Fällen einfach mal meine beste Freundin „Wiki“ fragen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Bismarcksche_Reichsverf…
gruß Sokenos
Hallo!
Weiß zufällig jemand,welchen Einfluss Preußen auf die deutsche
Reichsbildung 1871 hatte? Bzw, kennt jemand Links wo ich das
nachlesen kann? Danke schon mal.
MfG Josephine
Liebe Josephine,
Nun, der preußische Kanzler war der Architekt, Kaiser wurde der preußische König, der Nordteil des Reichs war preußische Provinz, das spricht schon für einen gewissen Einfluss.
Links für einen Einstieg in die preußische Geschichte findest Du hier:
http://www.virtuelles-museum-preussen.de/
Hallo,
deutsche Geschichte scheint Dein Spezialgebiet nicht unbedingt zu sein - die enge Verbindung zwischen Preussen und dem deutschen Kaiserreich gehört ja zu den Grundlagen überhaupt.
Also in aller Kürze:
Vor 1860 gab es kein Deutschland an sich. Es gab statt dessen über 30 souveräne Kleinstaaten, die zusammen den deutschen Bund bildeten. Dazu kamen Preussen und Österreich - aber die nur mit ihren deutschen Gebietsteilen.
Da diese Ländchen meist auch noch zersplittert waren ib mehrere Gebiete, war das ganze ein ziemliches Unikum. Teilweise kam wirklich alle paar km ne Landesgrenze - an eine vernünftige wirtschaftliche Entwicklung war so nicht zu denken. Von der Sache her schrie alles nach einer deutscher Einigung - mal abgesehen von den fürtslichen Herrschafften.
Schon rein vom politischen und wirtschaftlichen Einfluß her kamen nur Österreich und Preußen als Führungsmacht in Frage. Aber Österreich wollte nicht. Für den Vielvölkerstaat der k-uk-Monarchie war ja jede Nationalbewegung Gift, die unheimlichen Zündstoff in sich barg. Praktisch hat ja Franz Joseph sewine ganze 60 Jahre lange regierungszeit nichts anderes getan, als krampfhaft versucht, sein zusammengewürfeltes Reich irgendie zusammenzuhalten. Ein Deutschland mit ganz Österreich-Ungarn hätte uns keinen Nationalstaat gebracht und ansonsten war Österreich nur für einen lockeren Staatenbund zu haben.
In dieser Lage fiel die Führungsrolle automatisch preußen zu, das abgesehen von einer größeren polnischen Minderheit fast völlig von Deutschen bewohnt war. Und Preußen selber hatte ein sehr großes Interesse an einer Lösung der deutschen Frage zu seinen Gunsten. Erstens um den ewigen Ribvalen Österreich loszuwerden und zweitens um eine sichre territoriale verbiondung zwischen dem brandenburg/preussischen Stammland und dem preussischen Rheinland zu bekommen.
In dieser Lage ergriff Bismark als preussischer Kanzler die Initiative und zwar so genial, daß er sogar seinen eigenen König dabei zweitweise ausgetrickst hat.
Der erste Ansatzpunkt war der deutsch-dänische Krieg. Es ging dabei um Schleswig/Holstein. Das war zwar deutsches Reichsland aber auch dänisches Gebiet - der dänische König war als solcher somit auch deutscher Reichsfürst (allein daran erkennt man den Unsinn der ganzen damaligen Struktur). Und die Dänen wollten das Ganze nun endgültig Dänemark angliedern. Also zog Preußen blank - und Österreich notwedigerweise mit, wenn es nicht endgültig inms Hintertreffen geraten und vor der deutsche Nationalbewegung schlecht ausehen wollte. NAch dem Sieg gab es dann eine gemeinsame östereichische und preussische Verwaltung für Schleswig/Holstein. Das hörte sich sehr gut an - aber real hatte der olle Bismark damit Österreich ausgetrickst, weil Österreich mit dem LKand da oben im Norden nicht viel anzufangen wußte.
Der zweite Krieg Preussens ging gegen Österreich. Preussen siegte haushoch und Österreich war aus Deutschland draußen. Damalös enststand der Norddeutsche Bund als Bündnis der norddeutschen Staaten unter Führung Preussens.
Der dritte Krieg ging gegen Frankreich. Bsimakr hatte wie üblich das Kunststück hinbekommen, den Gegener politisch zu isolieren und Preussen als Verteidiger Deutschlands hinzustellen - der Kerl war echt genial.
Und danach wurde der bayrische Staatschef bestochen, seinen leicht verwirrten König so zu bearbeiten, daß dieser den preussischen König um Annahme der deutschen Kaisserkrone bat. Sogar das klappte.
Faktisch war also der preußische König deutscher Kaiser. Und damit war die preussische Regierung gleichzeitig die deutsche R1egierung - es gab da keinen Unterschied.
Gernot Geyer
Vielen Dank für die Hilfe.Aber nicht das ich hier als totale Geschichtsnull dastehe:ich wusste schon einiges und ich kenne auch Otto von Bismark,aber ich brauchte halt n bissl Hilfe mehr dazu zu finden.Wart mir ne echte Hilfe und meine 12 Punkte in Geschichte (ist ne 2 plus) ist weiterhin gesicher!
MfG Josephine 
Es wäre halt geschickt gewesen, wenn Du ein bißchen spezifischer gefragt hättest, dann hätte man vielleicht noch ein paar Tips mehr geben können… So allgemeine formuliert wirkt eine Frage, als ob man von einem Sachverhalt zum ersten Mal etwas hört.
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Hallo,
das war ja sehr neutral dargestellt (aber schön!). Man kann das auch ein bisschen anders sehen:
- Bismarck war ein Katholikenhasser. Schon aus diesem Grunde wollte er Österreich auf keinen Fall drin haben - das katholische Gewicht wäre zu groß gewesen.
- Bismarck war jedes Mittel für die Reichseinigung recht, dafür hat er drei Kriege (du hast sie genannt) vom Zaun gebrochen.
- Das war eigentlich keine Gründung des Deutschen Reichs, das war das Aufgehen von Deutschland in Preußen (steht das bei Winkler? ich habs nicht erfunden).
Wie gesagt, nur eine andere Sichtweise.
Laika.
Hallo,
das war ja sehr neutral dargestellt
… das sollte in einem geschichtswissenschaftlichen Forum eigentlich auch selbstverständlich sein.
Man kann
das auch ein bisschen anders sehen:
Das kann man immer. Ob das, was man da so sieht, mit der Realität noch etwas zu tun hat, ist eine andere Frage.
- Bismarck war ein Katholikenhasser. Schon aus diesem Grunde
wollte er Österreich auf keinen Fall drin haben - das
katholische Gewicht wäre zu groß gewesen.
Bismarck hat den Kulturkampf also nicht aus politischen Gründen geführt und er hat eine kleindeutsche Lösung angestrebt, nur weil er angeblich Katholiken hasste? Eine sehr originelle psychologische Ausdeutung, die ich allerdings schon gerne belegt hätte. Sollte das zutreffen, müssten sich in Bismarcks umfangreichen Schriften ja durchaus Belege dafür finden lassen.
Ist nicht eher anzunehmen, dass Bismarck ein Reich ohne Österreich wollte, weil das politische Eigengewicht Österreichs ein großdeutsches Reich ebenso handlungsunfähig gemacht hätte wie den Deutschen Bund mit seinem preußisch-österreichischem Dualismus? Politisch sinnvoll waren lediglich zwei (durchaus nicht gleichwertige) Alternativen - die im Krieg 1866 vorbereitete kleindeutsche Lösung, also ein Reich, das die süddeutschen Staaten unter Ausschluss der österreichischen Territorien des Deutschen Bundes umfasste, oder aber eine doppelte kleindeutsche Lösung - ein norddeutscher Staat unter hohenzollernscher und ein süddeutscher unter habsburgischer Führung.
Der politische Sinn (vor allem aus preußischer Sicht) einer kleindeutschen Lösung liegt zu deutlich vor Augen, als dass man für Bismarcks Kurs in dieser Frage religiöse Vorurteile bemühen müsste.
Der Kulturkampf war in gleicher Weise kein religiöser, sondern ein politischer Kampf. Es ging um das Machtmonopol des Staates, um Befürchtungen, die Katholiken des Reiches könnten durch auswärtige Mächte für eine Einflußnahme auf die deutsche Politik instrumentalisiert werden. Offiziell wurde gegen ‚ultramontane‘ Einflüsse (also gegen Rom) polemisiert, faktisch richteten sich die (mE durchaus paranoid überzogenen) Befürchtungen jedoch wohl eher gegen österreichische Einflussnahme - Österreich wurde von vielen süddeutschen Katholiken durchaus noch als eine Art ‚Schutzmacht‘ begriffen. Religiöse Ressentiments spielten jedenfalls auch hier kaum eine Rolle.
- Bismarck war jedes Mittel für die Reichseinigung recht,
dafür hat er drei Kriege (du hast sie genannt) vom Zaun
gebrochen.
Ich würde Dir empfehlen, Dich etwas eingehender mit den geschichtlichen Fakten zu beschäftigen. Speziell, was den deutsch-französischen Krieg von 1870 angeht, ist die Kriegsschuldfrage bei genauer Überprüfung der Vorgeschichte in seltener Eindeutigkeit zu beantworten: wenn jemand diesen Krieg „vom Zaun gebrochen“ hat, dann waren es Napoleon und Gramont. Ich habe dazu hier vor einiger Zeit schon einmal geschrieben:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
- Das war eigentlich keine Gründung des Deutschen Reichs, das
war das Aufgehen von Deutschland in Preußen (steht das bei
Winkler? ich habs nicht erfunden).
Nun - dies ist eine Wertung, die durchaus einiges für sich hat, aber in vielerlei Hinsicht problematisch ist - weil undifferenziert vergröbernd. Zum einen ist das rein verfassungsgeschichtlich natürlich schlicht falsch - dieses Bonmot bezieht seine Pointe eben aus diesem offensichtlichen Widerspruch. Dann wäre zu fragen, von was für einem ‚Deutschland‘ hier überhaupt die Rede ist. Bis zur Reichsgründung existierte ‚Deutschland‘ nur als Kulturnation (von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt …) - und die Reichsgründung schloß einen erheblichen Teil dieser Kulturnation eben nicht mit ein. Es war eben eine „kleindeutsche“ Lösung, und selbst innerhalb dieses kleindeutschen Reiches hatten die nichtpreußischen Länder einen nicht unerheblischen Einfluss auf den Charakter des staatlich verfassten Deutschland. Es sind nicht nur die politischen Strukturen, die einen Staat ausmachen - das Deutsche Reich war eben nicht einfach nur ein arrondiertes Preußen. Zur Kultur (im weitesten Sinne) dieses Reiches trugen Sachsen, Bayern, Badener, Hessen usw. ebenso selbstverständlich bei wie Preußen - wobei letzterem allein der statistische Anteil an der Bevölkerung des Reiches (neben einer modernen Verwaltung und einem modernen Bildungssystem sowie fortgeschrittener Industrialisierung) allerdings besonderes Gewicht verlieh. Das war in dieser Hinsicht bedeutsamer als (und auch bestimmend für) die militärische Hegemonie und das politische Übergewicht 1870/71.
Zum anderen wäre ohnehin zu fragen, was denn unter diesem ‚Preußen‘ zu verstehen ist. Das war ja schon längst nicht mehr nur Brandenburg und die Gebiete jenseits der Oder - preußisch war ja auch die vor allem auch wirtschaftlich bedeutende Rheinprovinz, preußisch waren auch z.B. der Trierer Publizist Karl Marx oder der in Koblenz geborene Kölner Erzbischof Kardinal Philipp Krementz.
Freundliche Grüße,
Ralf
Hallo,
Faktisch war also der preußische König deutscher Kaiser.
nicht nur faktisch, auch theoretisch …
. Genauer: er war gleichzeitig preußischer König und deutscher Kaiser.
Und
damit war die preussische Regierung gleichzeitig die deutsche
R1egierung - es gab da keinen Unterschied.
Das wiederum ist nicht richtig. Beides war institutionell getrennt, in der Regel gab es jedoch eine Personalunion preußischer Ministerpräsident/Reichskanzler. Die erste Ausnahme von der Regel war schon 1873: Bismarck trat am 20.12.1872 als preußischer Ministerpräsident zurück (übrigens wegen einer verhältnismäßig trivialen politischen Niederlage in der Auseinandersetzung um die Kreisordnung; Nachfolger wurde Albrecht von Roon). Ende 1873 wurde die Personalunion wiederhergestellt. 1892 bis 1894 war Eulenburg preußischer Ministerpräsident, Reichskanzler war Caprivi.
Freundliche Grüße,
Ralf