Hallo wollte mich für eure reichlichen Antworten bedanken, Stichwort Preußen–>Nationalsozialismus!
Nun frag ich mich wieder einmal, ob das preußische Erbe ( politisch und geistig)–>(damit ist gemeint unter anderem die preußischen Tugenden) verhängnisvoll oder hatte es auch gute Seiten von mir aus bis in die Neuzeit??
Würde mich auf die Unterschiedlichsten Meinungen freuen und bedanke mich im voraus.
Gruß
Ryo
Nun frag ich mich wieder einmal, ob das preußische Erbe (
politisch und geistig)–>(damit ist gemeint unter anderem
die preußischen Tugenden) verhängnisvoll oder hatte es auch
gute Seiten von mir aus bis in die Neuzeit??
Hallo Ryo
Die Beantwortung der Frage hängt ganz davon ab, welches Bild man sich von Preussen gemacht hat.
Wahr ist, daß es nach seiner Verwendung durch die Nationalsozialisten und auch der DDR, einseitig verfälscht wurde, nicht zuletzt auch von den Siegermächten des 2. Weltkrieges, die darin die Wurzel allen deutschen Übels sahen.
Man hat dieses negative Bild kritiklos seitens unserer Intellektuellen übernommen und erst in den letzten Jahrzehnten, hat sich das etwas geändert und man versucht neutraler zu blicken.
Es von allen Schlacken zu reinigen, scheint mir die vordringlichste Aufgabe unserer Zeit zu sein. Erst dann wird man in der Lage sein, Preussen so zu sehen, wie es wirklich war.
Du solltest diese Geschichte näher studieren, da man mit wenigen Worten hier nicht auskommt.
Meine Empfehlung: „Preussen ohne Legende“
ISBN: 3442755441 Buch anschauen
gruß
rolf
Man müsste erst mal darüber diskutieren, ob es überhaupt „preußische Tugenden“ gab und was das sein soll.
Insgesamt waren der Aufstieg Preußens zur deutschen Hegemonialmacht mit der daraus hervorgehenden eichsgründung und die „Preußischen Reformen“ (die es allerdings auch in anderen deutschen Territorien gab und die Reaktionen auf den Erfolg des revolutionären/napoleonischen Frankreich waren) mit Sicherheit Modernisierungsschritte für Deutschland.
Hätte es Preußen nicht gegeben, würde ganz Europa heute anders aussehen. Aber das sind müßige Spekulationen und in diesem Satz könnte man das Wort „Preußen“ durch jeden anderen, nicht allzu kleinen europäischen Staat ersetzen.
Hallo,
was preußische Tugenden eigentlich sind, darüber ließe sich streiten. Blinder Gehorsam zum Beispiel gehört nicht unbedingt dazu - Friedrich II. z.B. schätzte den gar nicht so sehr. Abgesehen davon waren all diese Eigenschaften auch keine preußische Erfindung - sie kamen in anderen Staaten genau so vor.
Die Rolle Preußens - schau Dir doch den Streit weiter unten im Brett an. Da ist letztlich jede Einschätzung subjektiv und vom Standpunkt des Betrachters abhängig. Ich habe Bücher gelesen, die stark österreichfreundich waren - die haben kein gutes Haar an den Preußen gelassen. Und genau so gut habe ich auch Werke aus der anderen Richtung gefunden, da war fast alkles heldenhaft und richtig, was Preußen tat. Manchmal denkt man, die beschreiben einen total anderen Geschichtsabschnitt mit völlig anderen Ereignessen, so sehr weicht das ab.
Man hat nach den Weltkriegen da sehr viel verteufelt, Angeblich war ja der ganze Militarismus preußisch und angeblich hatte da alles Unheil seine Ursachen bei den Preußen. Nun ist es aber erwiesen, daß Preußen viel weniger Kriege geführt hat als Frankreich oder England im gleichen Zeitraum. Zum Beispiel hat ausgrechnet der Soldatenkönig gar keine Kriege geführt.
Heute sieht man vieles anders. Die Preußen hatten teilweise echt gute Herrscher, die manche Neuerung vor anderen Staaten einführten und durchaus das Land auch wirtschaftlich und geistig voranbrachten. Aber genau so oft war auch Mittelmaß angesagt.
Mit wenigen Ausnahmen waren sie nicht ganz so verschwendungssüchtig wie andere Fürsten. So haben die Preußen das prunkvolle Nachäffen des Sonnenkönigs kaum mitgemacht, in dem andere so groß waren. Total unüblich war in Preußen die andererorts so beliebte Mätressenwirtschaft. (Nur Friedrich III. hatte überhaupt eine Mätresse, weil man so was damals halt zu haben hatte - aber nur auf dem Papier. Tatsächlich war er seiner Frau absolut treu, er tat nur so, als ob…) Und auffallend viele preußische herrscher waren sehr fleißig und haben sich wirklich als erster Diener ihres Staates gesehen. Sie haben sich praktisch um alles selber gekümmert - wohl auch deshalb sahen ihre Fonanzen besser aus als anderswo, es kamen keine Minister und andere ran, die was hätten klauen können.
Eigentlich waren alle diese Markgrafen von Branbenburg und Herzöge und Könige von Preußen nichts anderes alle alle anderen Fürsten auch - sie waren bestrebt, ihr kleines Ländchen größer zu machen und möglichst vorteilhafe Bündnisse abzuschließen. Und mit Sicherheit waren sie keine deutschen Vorkämpfer oder Patrioten - sie wren Preußen. Die einzige Ausnahme da war wohl der letzte deutsche Kaiser und König von Preußen Wilhelm II. Der war schlicht großmachtsüchtig und etwas größenwahnsinnig.
Sicher sähe ohne Preußen die Landkarte heute anders aus. aber wie weiß wohl keiner.
Gernot Geyer
Man müsste erst mal darüber diskutieren, ob es überhaupt
„preußische Tugenden“ gab und was das sein soll.
Zitiere Theodor Fontane:
Er lässt in seinem Roman „Der Stechlin“ einen Offizier sagen: „Dienst ist alles, und Schneidigkeit ist nur Renommisterei. Und das ist alles, was bei uns am niedrigsten gilt. Die wirklich Vornehmen gehorchen nicht einem Machthaber, sondern einem Gefühl der Pflicht. Was uns obliegt, ist nicht die Lust des Lebens, auch nicht einmal die Liebe, die wirkliche, sondern lediglich die Pflicht. Es ist dies außerdem etwas speziell Preußisches. Wir sind dadurch vor anderen Nationen ausgezeichnet, und selbst bei denen, die es nicht begreifen und übel wollen, dämmert die Vorstellung von unserer daraus entspringenden Überlegenheit.“
Dieser Gedanke des Dienens, den Friedrich der Große so verkörperte, könnte die Grundlage fßr die Preussischen Tugenden sein. Er beeinhaltet die Zurückstellung persönlicher Interessen und die Hingabe an die größere Gemeinschaft des Staates.
gruß
rolf