Hallo Christian,
Ich kann deine Sorge um das Zusammenleben im Haus nachvollziehen. Aber du selbst wirst wohl nicht viel ändern können, weil du als Vater - also eine Autoritätsperson - offensichtlich nicht in Frage kommst und nur den Status eines Lebens(abschnitt)gefährten der Mutter hast. Das muss schon die Mutter übernehmen. Eigentlich sollte die Mutter zwei eigennützige Gründe dafür haben, ja, sogar drei: aus der Tochter einen erwachsenen Menschen zu machen, der sich an die Regel halten kann und dadurch im Leben einfacher hat, den schiefen Haussegen wieder in Ordnung zu bringen und dich als Partner nicht zu verlieren.
Das Problem, das du geschildert hast, liegt nicht bei Tochter, die für ihr Alter ein absolut normales Verhalten (dazu unten mehr) an den Tag legt, sondern bei der Mutter. Die Mutter macht einen grundsätzlichen Fehler: sie sieht ihre Tochter als Kind an. Wobei diese schon längst kein Kind mehr ist, sondern eine Heranwachsende, eine Jugendliche. In diesem Alter können und müssen die Jugendlichen sich in das Erwachsenenleben - mit allen Rechten, aber vor allem Pflichten und Rangordnungen - einfügen.
Dass die junge Dame herumnörgelt, zickt, bestimmen und kritisieren will, ist normal. Es gibt ja ein tolles Buch „Und plötzlich sind sie 13…“ Manchmal kann es sehr schön anstrengend sein (ich habe selbst zwei Exemplare dieser Spezies bei mir zu Hause). Da werden die Eltern plötzlich peinlich (weil sie zu altmodisch in jeder Hinsicht sind)und „unfair“, und die Gruppe der Gleichaltrigen der Maß aller Dinge. Das gehört zum normalen Abnabelungsprozess, wo man seine eigene Identität zu finden sucht. Hier braucht die Mutter nicht zu weinen (es sei denn, sie weint dem Kind nach, das dabei ist, sich der Totalkontrolle der Mutter zu entziehen; sie trauert also den Zeiten nach, wo sie als Mutter alles bestimmen konnte, was wohl ihr ganzes Leben erfüllt hat). Und die Mutter braucht keinen Krieg zu führen, dort, wo es keinen gibt.
Nur sollte man Grenzen ziehen und Vereinbarungen treffen: „Nein, jetzt bestimme ich die Fernsehsendung. Du kannst an dem und dem Tag, um so und so viel Uhr deine Sendung gucken. Ja, du kannst weinen, toben, sagen, dass es unfair ist, - ich will trotzdem jetzt meine Sendung schauen“; „Markenklamotten gibt es nur gemäß Familienbudget. Alle Sonderwünsche werden aus dem Taschengeld bezahlt. Ja, man kann das Taschengeld für Brötchen und Süßigkeiten ausgeben, man kann es aber sparen und sich etwas Größeres kaufen“; „Ja, du kannst mich kritisieren, die Eltern sind schließlich auch nur Menschen und machen so ihre Fehler. Aber bitte nur mit Argumenten und Verbesserungsvorschlägen. Einfaches Herumnörgeln wird nicht geduldet. Und wenn du meinst, du kannst es besser, darfst du es ruhig übernehmen (kochen, bügeln, putzen, einkaufen etc.) Ich habe gar kein Problem damit“; „Und jetzt möchte ich mit deiner Mutter allein sein, und du hast unsere Privatsphere gefälligst zu akzeptieren, so wie es unter Erwachsenen nun mal üblich ist“. Usw.
Generell ist in diesem Alter mit Heulattacken, Türknallen und Drohungen („ich haue ab“, „ich werde dich verklagen“ usw.)zu rechnen. Das sollte man aber gelassener nehmen: wir sind schließlich den Kiddies Jahrzehnte voraus und haben unsere Erfahrungen mit der Pubertät schon gemacht und Konsequenzen daraus gezogen.
Viel Glück
Jarolep