Hi Tom,
also jetzt langt’s. Daß es einige Auswüchse gibt, die tatsächlich ihr Studium nur so nebenbei betreiben, um damit anzugeben oder weil man es heute einfach braucht, will ich nicht bestreiten. Aber mir von Dir sagen lassen zu müssen, daß ich keine Lust auf Lernen habe und mir deshalb ein Schmalspurstudium antu, nehme ich als persönliche Beleidigung.
Ich habe mich ganz bewußt für BWL entschieden und hatte einfach keinerlei Interesse an Naturwissenschaften oder Geisteswissenschaften. Das kann ja hoffentlich jeder halten, wie er will.
Vielleicht solltest Du nicht vergessen, daß die Nieten in Nadelstreifen letztlich doch das Geld verdienen, das Du dann konsumierst.
Außerdem solltest Du Dir Gedanken machen, daß BWLer nie derartige Äußerungen über Geistes- oder Naturwissenschaftler fallen lassen. Wir lernen in unserem Studium nämlich auch, mit Menschen umzugehen.
Gerade die „Zufriedenheit“ der Studenten ist ein höchst
subjektives Maß. Müsste ich tausende Euro Studiengebühren
begleichen und wäre ständig der internen „Propaganda“
ausgesetzt (nach dem Motto: „Du studierst an einer privaten
Elitehochschule“, „Du gehörst zu Deutschlands Besten, sonst
hättest Du bei uns gar nicht anfangen dürfen“, „Sei froh, daß
Du nicht an einer der staatl. Dinosaurier-Unis studieren
musst“…)
wäre ich wahrscheinlich auch eher zufrieden.
Aber ist es nicht die Hauptsache, daß man zufrieden mit seiner Entscheidung ist? Wie sonst willst Du etwas bewerten? Nach dem Motto „es kotzt Dich zwar an und Du siehst keinen Sinn darin, aber es ist gut für Dich“
Und unbestritten ist ja außerdem, daß die Rahmenbedingungen an
Privatunis eher besser sind. Dies läßt aber keinen Rückschluß
auf die Qualität zu.
Gerade in den Rahmenbedingungen liegt die Qualität! Unterrichtet wird letztlich überall dasselbe. Nur muß ich an meiner staatlichen Uni riskieren, daß mein Prof mich 1/2 Jahr arbeiten läßt, nur um mir zu sagen, daß alles anders gemacht werden muß. Ich muß mich jahrelang mit wissenschaftlichen Seminar- und Diplomarbeiten rumschlagen, die mein Wissen überhaupt nicht weiterbringen. Und wenn ich in Italien studiere, kann ich gleich nochmal kotzen, weil mir davon genau 0,0 angerechnet wird. Und auf den Termin beim Assistenten muß ich sogar hier in Bayreuth 7 Wochen warten, wenns dumm läuft! Außerdem ist es wohl unbestritten, daß in Kleingeuppen einfach besser gelernt wird. Man kann nicht einfach die Vorlesung knicken oder Zeitung lesen oder so.
Im Übrigen laufen meines Erachtens in
Deutschland eindeutig zuviele „Manager“ durch die Gegend.
Na, wie gut, daß DU das beurteilen kannst.
Wenn ich schon sehe für welche Jobs heute diplomierte
Betriebswirte eingestellt werden, die wurden früher von
„normalen“ kaufmännischen Angestellten durchgeführt.
Anscheinend ja nicht gut genug, sonst würden sich die Leute nicht für uns entscheiden. Sicher wären die meisten Firmen froh, von Azubis die gleiche Leistung zu erhalten. Dann würden sie sich einen Haufen Geld sparen.
viele Schampusschlürfende 5er Fahrer die unbedingt ein Diplom wollen
um später „Mister Wichtig“ im feinen Zwirn zu sein, bezahlen
für diesen Fake!
Kannst Du Dir auch vorstellen, daß es Menschen gibt, die GERNE ihren Job machen und gar nicht erwarten können, endlich ins Arbeitsleben zu tauchen? Völlig unabhängig vom Gehalt, das ja (vergiß das bitte nie!) auch die Entbehrung der Studienzeit, das Risiko in BWL-Jobs und die idR höhere Arbeitsleistung / Streß widerspiegelt? Außerdem: Wenn ich nen 5er fahre, bin ich doch noch lange nicht Mr Wichtig. Man sieht, Du kennst Dich nicht mal in dem Bereich aus.
Die Misere liegt m.E. am mangelden Biss des Nachwuchses sich
durch ein schweres Studium zu büffeln. Lieber studiert man ein
Fach in dem im wesentlichen pures Auswendiglernen reicht.
Wie gesagt, Frechheit. Leute, die noch nie einen Strich BWL gesehen haben, glauben hier, urteilen zu können. Hast Du Dir mal meinen Lehrplan angesehen? Oder meine Prüfung? Weißt Du, was ich alles neben dem Studium mache, um mich sozial und persönlich weiterzubilden?
Außerdem: Wer ist denn hier faul, derjenige, der sich hinsetzt und lernt, oder derjenige, der mathematisch oder philosophisch ableitet?
Übrigens, zu Deiner ursprünglichen Frage: Ich habe mich selbst mal an einer Privatuni beworben, einfach deshalb, weil ich gerne einen interessanten Job hinterher haben wollte. Ich bin trotz 1,5er Abi und sehr gutem schriftlichem Test nicht genommen worden, weil mir mit 19 einfach noch ein bißchen soziale Reife gefehlt hat. Wenn aus 500 Leuten 70 ausgewählt werden, meinst Du nicht, daß das automatisch die Lehrqualität steigt? Bedenke, die Kette reißt immer beim schwächsten Glied. Das mag nicht für alle gelten, einige Privatunis wählen vielleicht nur nach Geld aus, aber deshalb darf man nicht alle diffamieren. Und selbst wenn die Immatrikulation nur aufgrund ausreichender Finanzmittel erfolgt, bleibt doch die Lehrqualität sehr hoch, s.o.
Nichts für ungut, Tom, es regt mich nur auf, als BWLer ständig als Schmarotzer hingestellt zu werden. Ich selbst habe nämlich größten Respekt vor Leuten, die sich durch physikalische Zusammenhänge oder Petrarca-Übersetzungen quälen. Nur erwarte ich den Respekt bitte auch in die andere Richtung. Es ist nämlich gar nicht so einfach, ein BWL-Studium so aufzubauen, daß man hinterher damit auch Anerkennung findet (Auslandsstudium, Praktika etc.)
ciao,
erik